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Samstag, den 5. Juli 1930.

Großfeuer in einer Seidenfabrik.

Nastätten am Taunus. Ein Großfeuer vernichtete nachts die Seidenfabrik Kampf& Spindler zu zwei Dritteln. Von den 200 Webstühlen sind 80 vollkommen unbrauchbar, während der Rest durch Hitze und Flugfeuer beschädigt wurde. Zuletzt be­schäftigte die in doppelter Schicht arbeitende Fabrik etwa 200 Arbeiter, die nun brotlos geworden sind.

Frankfurt a. M. Ein Steuerinspektor, der durch Quittungs­fälschung das Reich um 400 Mark schädigte, erhielt 15 Monate Zuchthaus.

Tod eines Kasseler Oberregierungsrates unter der Straßenbahn.

Kassel. Oberregierungsrat Dr. jur. Graf von Platen­Hallermund aus Kassel wollte am Freitag in der Hohenzollern­straße einem Kraftwagen ausweichen und kam dadurch der Straßenbahn an der Querallee zu nahe, so daß er zur Seite ge= schleudert und durch einen schweren Schädelbruch getötet wurde. Kassel. Zwei Vorstandsmitglieder des Darlehenskassenver­eins in Neuhof haben den Zusammenbruch der Sparkasse mit 800 000 Mark Verlust verursacht.

Operation auf der Straße.

Boppard. Bei einem Motorradunglück auf der Koblenzer­straße drang einem Schüler ein Bremshebel in den Oberschenkel. Der Arzt führte trotz starken Straßenverkehrs die Operation glücklich durch.

Strafantrag im Prozeß zum Eisenbahnunglück von Buir. Köln. In dem Prozeß gegen den Lokomotivführer Nord­haus und den Fahrdienstleiter Fischer wegen des Eisenbahnun­glücks von Buir beantragte der Staatsanwalt gegen Nordhaus sechs Monate und gegen Fischer neun Monate Gefängnis.

Drei Personen vom Blizz erschlagen. Treis( Mosel). In der Gemarkung Treis arbeitende Per­sonen, der 54jährige Landwirt Franz Geisler, sein 14jähriger Sohn Jakob sowie sein 22jähriger Sohn Josef und dessen Braut Katharine Puth suchten vor einem herausziehenden Gewitter Schutz unter einem Apfelbaum. Der Blizz schlug in den Baum und traf die Gruppe. Drei Personen wurden auf der Stelle getötet, während der 14jährige Jakob Geisler mit dem Leben davontam.

Riesenbrand in Oberfranken.

Thiersheim. Am Donnerstagnachmittag brach in einer Scheune ein Feuer aus, das sich mit rasender Schnelligkeit aus­breitete und in kürzester Zeit einen Häuserblock von 15 Wohn­häusern und vier Scheunen mit insgesamt etwa 35 kleineren Nebengebäuden, Schuppen usw. völlig einäscherte. Kleinvieh, Schweine usw., sind zum Teil mit verbrannt, ferner sämtliche Futtervorräte. Dagegen ist ein Verlust an Menschenleben nicht zu beklagen. Sechzehn Feuerwehren erschienen an der Brand­stätte. Die Löscharbeiten waren durch den bald eintretenden Wassermangel stark behindert.

Den Vater erschossen und

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freigesprochen.

Nach dreistündiger Beratung des Gerichts wurde der Hand­lungsgehilfe Wilhelm Bodelmann in Bremen, der seinen Vater erschossen hatte, freigesprochen. In seiner Begründung des Urteils führte der Vorsitzende des Gerichts u. a. aus: ,, Das Gericht ist der Ansicht, daß die Lage, in der der Angeklagte sich am 28. Februar befand, die war, daß ein Angriff seitens des Vaters auf ihn erfolgte. Der Angeklagte habe sich also in Not­wehr befunden. Wegen Ueberschreitung der Notwehr sei der Angeklagte nicht strafbar, weil das Gericht annehme, daß der Angeklagte die Grenze der Notwehr aus Furcht überschritten habe.

Die Nordpolfahrt im U- Boot.

Kopenhagen. Polarforscher Wilkins will seine U- Bootfahrt nach dem Nordpol im nächsten Sommer ausführen. Er hat dem norwegischen Grönlandforscher Prof. H. U. Sverdrup die wissen­schaftliche Leitung der Expedition angeboten.

Ferienreisen der Schiller- Akademie.

Die Schiller- Akademie zu München, die sich in jahrelanger, gemeinnütziger Tätigkeit allgemeine Anerkennung erworben hat, veranstaltet im Verfolg ihrer kulturellen Bestrebungen auch in diesem Sommer wieder mit günstig gelegenen Ausgangs­punkten an der deutschen Grenze eine Reihe von allgemein zu­gänglichen Ferienreisen unter bester künstlerischer und wissen­schaftlicher Führung. To je eine Studienfahrt nach London und Paris. Die Reise nach London gibt auch Gelegenheit zum Besuch von Drford, Stratford, der Insel Wight und der beiden internationalen Ausstellungen in Antwerpen und Lüttich. Von Paris aus werden Versailles, Reims und die Schlacht­felder besucht. Den Abschluß des Programms bildet eine Septemberfahrt nach Spanien mit Ausflug nach Marokko. Ausführlichen Prospekt gegen 15 Pfennig Porto kostenlos durch die Verwaltung der Schiller- Akademie, München- Grünwald. Wissen Sie schon?

daß die Kurverwaltung in Timmendorfer Strand Welt­meister Max Schmeling zu einem 14tägigen kostenlosen Kur­aufenthalt eingeladen hat;

... daß in Bad Homburg die Kurtage für längeren Kur­cufenthalt von 40 Mark wie bisher auf 35 Mart ermäßigt wor­den ist.

.. daß sich in Bad Homburg am 5. Juli der Wohl­fahrtsausschuß des Deutschen Städtetages zu einer Tagung im Kurhaus trifft;

.... daß Schlangenbad als erstes Bad in Deutschland die völlige Sperrung für Motorräder durchgesetzt hat; mit dieser Sperre ist eine idyllische Ruhe eingetreten.

Union

,, Gießener Zeitung"

Die Feuerverhütung auf dem Lande.

Der intensiven Arbeit der Drganisation der Verbände der freiwilligen Feuerwehren ist es zu danken, daß die Zahl der Gemeinden, in denen die Feuerlöscheinrichtungen und-geräte noch als rückständig zu bezeichnen waren, ganz erheblich abge­nommen hat. Ueberall, wo es gelungen ist, freiwillige Feuer­wehren auf dem Lande ins Leben zu rufen, sind nunmehr die Feuerlöscheinrichtungen der Neuzeit entsprechend ausgebaut. Um so mehr muß es wundernehmen, daß auf dem Lande sich weit mehr Brandfälle als in den Städten ereignen, trotzdem wir fast ausschließlich in den Städten die feuergefährlichsten Betriebe haben. Von allen Bränden auf dem Lande werden ein Fünf­tel durch Brandstiftung und drei Viertel etwa durch Unvorsich­tigkeit verschuldet. Diese durch Statistiken belegte Tatsache Diese durch Statistiken belegte Tatsache läßt erkennen, warum den freiwilligen Feuerwehren nicht nur die Aufgabe der Brandverhütung zufällt. Durch die Mitarbeit an Verordnungen, durch Wort und Schrift und dergl., weisen sie ständig auf die Brandgefahren hin, die gerade in der Land­wirtschaft sehr vielseitig sind.

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Ein kleiner Spaziergang durch einige landwirtschaftliche Betriebe soll ein Beispiel geben. Wir treten in ein Gehöft, dort wird gerade Getreide gedroschen. Das Stroh liegt in haus­hohem Haufen auf dem Hofe, durch das Hin und Her der Leute und durch das Vieh ist das Stroh über den Hof verbrei­tet. Mein Begleiter raucht eine Zigarette, wirft beim Betre­ten des Grundstücks diese achtlos weg. Der Zigarettenstummel glimmt weiter, das verstreute Stroh gerät in Brand, im Nu wir haben kaum den Besizer, der den Elektromotor bedient, be­grüßt- steht schon der Strohhaufen in Flammen. Mit Mühe und Not können wir uns gerade noch durch die Scheune ins Freie retten, da brennt auch schon diese, denn durch das ver­streute Stroh ist ein Uebergang für das Feuer zur Scheune ge­schaffen. An ein Retten ist nicht mehr zu denken. Ehe die Feuerwehr die Löschgeräte herbeischaffen kann, stehen die Schen­ne und die angrenzenden Hofgebäude und Stallungen bereits in hohen Flammen. Die Früchte jahrelanger Arbeit sind da­hin, Betriebsstörung, Verdienstausfall, Entlassung von Perso­nal, in vielen Fällen Sorge, Not und Armut sind die Folgen.

Die gleichen Folgen können eintreten bei Verwendung offenen Lichtes und durch mangelhafte elektrische Anlagen. Die Wartung der zum Dreschen von Getreide, zum Sägen von Holz und dergl. benötigten elektrischen Maschinen läßt oft sehr viel zu wünschen übrig. Elektromotor und Maschinen sind oft nicht eingebaut, sondern stehen in der Scheune, unter Treppen usw., dort verstauben sie, Stroh- und Heureste fallen darauf oder hinein, die Lager werden garnicht oder selten mit Del ge­füllt; die Folge davon ist Heißlaufen des Lagers, Entzünden der feuergefährlichen Heu- und Strohreste, Uebertragung des Feuers auf die Gebäude.

Die elektrischen Leitungen, die zur Beleuchtung der Ställe erforderlich sind, bedingen eine besondere Pflege und Wartung. Sie müssen von außen in nächster Nähe der Verbrauchsstelle eingeführt werden und nicht erst über Böden und von dort ans durch die nasse Stalldecke, denn durch die Ausdünstung des Viehes und die aus dem Dung entstehenden salz- und säurehalti­gen Dämpfe werden Rohre und Kabel zerstört. Viele Brände in der Landwirtschaft sind auf diese Mängel zurückzuführen. Eine große Fehlerquelle sind auch unvorschriftsmäßige Siche­rungen. Der Landwirt hat häufig keine neue Sicherung bei der Hand, er hilft sich damit, daß er die Sicherung durch Draht, Nägel usw. überbrückt, und bedenkt dabei nicht, daß die Siche­rung nur durchgeschlagen sein kann, weil ein Fehler irgendwo an einem versteckten Drt in der Leitung ist, und daß nun wenn die Vorbedingung hierfür gegeben ist dadurch unbedingt ein Brand entstehen muß.

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Auf unserem weiteren Wege besuchen wir einen Klein­bauer; die Tür ist verschlossen, auf unser Klopfen antwortet ein vierjähriges Kind, es ist nur mit der kleinen Schwester al­lein zu Hause, Vater und Mutter sind auf dem Felde. Es ist dies eine häufige Erscheinung; die Erwachsenen gehen ihrer Feldbeschäftigung nach, und zu Hause schließen sie die kleinen Kinder ein. Das Kind findet Streichhölzer, spielt damit, läßt ein brennendes Zündholz fallen, ein Brand entsteht, nicht nur das Anwesen, sondern die Kinder kommen elend bei solchem Brande um. Eine weitverbreitete Unsitte ist das Anbren­nen eines Lagerfeuers der Kinder beim Weiden des Viehes. Wird ein solches Feuer in der Nähe der Scheune angezündet, so kann schon herumliegendes Stroh oder auftretender Wind das Feuer auf nachbarliche Scheunen usw. übertragen.

Durch Spielen der Kinder ereignet sich nach statistischer Feststellung jede zweite Stunde des Tages ein Brand. Inner­halb 10 Jahren sind durch Kinder 46 500 Brände verursach worden. Daß den zahlreichen Bränden jährlich fast 1400 Menschen in Deutschland zum Opfer fallen, ist besonders be­trüblich. Deshalb muß man die Seinen, namentlich die Kinder, zu besonderer Vorsicht anhalten und ihnen die Gelegenheit neh­men, mit Feuer und entzündlichen Sachen zu spielen. Eine Belehrung über die Gefahren, die bei Feuer für Leben und Ge­sundheit der Kinder selbst drohen, wird ihren Eindruck nicht verfehlen. Hier wird die Feuerschußwoche mit ihrer Aufklä­rungsarbeit schon durch Verbreitung ihrer offiziellen Aufklä­rungsschrift Feuerverhütung! Das Büchlein für alle hof: fentlich ganz besonders segensreich gewirkt haben.

Durch das Trocknen von Holz hinter dem Dfen oder Herd sind schon viele Besizer obdachlos geworden.

Eine große Zahl der Brände auf dem Lande ist auf schad­hafte Schornsteinreinigungstüren, unvorschriftsmäß. Feuerungs­anlagen und Lagerung alten Gerümpels auf dem Dachboden in der Nähe von Schornsteinen zurückzuführen. Den Mah­nungen des Schornsteinfegers, Mängel an Schornsteinen,

Heizi

Kein Rauch, kein Ruß.keine Schlacken

Nr. 53.

Defen, Herden zu beseitigen, soll man unverzüglich nachkommen. In diesem Zusammenhange sei hier erwähnt, daß auch der Mieter nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch verpflichtet ist, dem Vermieter unverzüglich Anzeige zu machen, wenn sich Mängel in der gemieteten Wohnung zeigen, oder wenn eine Vorkehrung zum Schutz des Hauses gegen eine nicht vorgesehene Gefahr er­forderlich wird, andernfalls ist der Mieter zum Ersaß des. Schadens verpflichtet.

Nur selten finden wir auf landwirtschaftlichen Gehöften eine Aschengrube, die Asche wird vielfach auf den Dunghaufen oder in den Garten, der sich hinter dem Gehöft an die Scheune anschließt, geworfen. Durch glimmende Asche oder Funken gerät Reststroh leicht in Brand und überträgt diesen auf die benachbarten Gebäude. Das Aufbewahren von Asche in Papp­schachteln, Holzkisten und beschädigten Blechbehältern führt regelmäßig zum Brande. Die Asche aus Feuerstätten ist stets in Behältnisse aus feuersicherem Material zu bringen, auch diese dürfen nur auf feuerbeständige Unterlagen gestellt wer

den.

Durch Auftauen der eingefrorenen Wasserleitungen brann­ten vom 5. bis 14. Februar in der Provinz Brandenburg an drei verschiedenen Drten Ställe nieder. Ein außerordentlich großer Teil aller Brände in der Kälteperiode ist auf Unvor­sichtigkeit beim Auftauen zurückzuführen.

Eine vielfach verbreitete Unsitte ist das Anmachen von Feuer in Defen und Herden mit Petroleum, Benzin und ande ren feuergefährlichen Flüssigkeiten. Viele Menschen müssen jährlich diese Handlungsweise mit ihrem Leben büßen.

Wie gefährlich das Umgehen mit offenem Licht in den landwirtschaftlichen Betrieben ist, wo überall von den Wänden und Decken der Scheunen und Ställe brennbare Halme und Spinngewebe herunterhängen, braucht nicht besonders erwähnt zu werden. Aber auch mit den sogenannten Sturmlaternen muß man vorsichtig umgehen. Ein Hütejunge, 13 Jahre alt, mußte Haferstroh von der Scheune auf die Tenne werfen, der Junge hatte eine Sturmlaterne bei sich. Als er abgerufen wurde, nahm er diese mit hinunter und stellte sie auf die Dresch maschine. Als dann später weiter Strohbünde auf die Tenne geworfen wurden, wurde die Sturmlaterne unbemerkt umge= worfen, in wenigen Minuten war die Scheune ein Raub der Flammen, und ein Schaden von ca. 20 000 Mark entstand.

Neue Bücher.

Flugtag in der Kleinstadt. Nicht jeder hat das Glück, in einer Stadt mit einem Flughafen zu wohnen. Nur hoch oben im unendlichen Blau des Himmels sehen sie den blinkenden Vogel ziehen. Wollen Sie das Leben und Treiben eines Kleinstadt Flugtages in einer miterleben? Es steht in der Woche".

,, Sollen die Ledigen besteuert werden?" Zu diesem hoch­aktuellen Problem nimmt Dr. Gerh. Wagner im Heft", der Zeitschrift der Frauf hin sehr interessanter Weise Stellung. Jede Frau wird weiterhin entzückt sein, wenn sie die Seft= Modenschau" sieht.

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,, Sonnenschein Freude für Alle", Familienausgabe der bekannten Zeitschrift Jm Wartezimmer", Verlag Gustav Tho­mas, Bielefeld. Preis 60 Pfg. Das neue Heft enthält wie­der gut gewählte Unterhaltungsbeiträge.

,, Wie sah Christus aus?" Vor über 25 Jahren erwarb ein privater Münchener Sammler von einem griechischen Händler aus Jerusalem einen 11 Zentimeter hohen Kopf aus gelbem Alabaster. Die besten Forscher haben den Kopf gesehen und ihn vom ersten Drittel des ersten Jahrhunderts datiert. Groth hat das Material als aus Palästina oder aus Oberägypten stammend festgestellt. Alle, die den Christuskopf gesehen haben, waren überwältigt von dem unbeschreiblich seltsamen Bilde. Der Vor­sitzende des Münchener Altertums- Vereins, Franz Wolter, hat eine kleine ikonographische Studie dem Alabasterkopf gewid met. Sie ist im Verlag von Hugo Schmidt in München mit 12 Bildern illustriert. Preis 2,50 RM.

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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