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Samstag, den 5. Juli 1930.
Lokales.
Sonntagsgedanken.
Ein großes Freigeschenk gibt uns die Natur in ihren höchiten Tagen des Werdens. Ernteschwer, vom Sonnenfuß geweiht und vom Allvater gesegnet, steht die Frucht da, mahdbereit zum Schnitt. Sie sind da, die Tage der Vollendung. Jeder Werktag trägt ein Stüd Festtag vor sich her in dem großen Kranze der Erntetage. Ueber das reifende Korn flutet die Julisonne. Schlanke, hohe Halme wiegen schwere, dichte Aehren. Voll glühender Lust lacht die Sonne über das Land hin. Und die goldenen Aehren, sie bringen uns Brot. Nichts Schöneres als Die Reife, da das Ziel erreicht und alle Mühen und Sorgen gekrönt werden. Wieder ist das Brot gereift, das der himm fische Hausvater mit milder Hand uns gespendet. Jahr um Jahr übergießt er Fluren und Felder mit seinem SchöpferTegen.
So wird Saat und Ernte nie aufhören, solange der Vater im Himmel die Ernte segnet. Nur die Schnitter wechseln. Denn sie reifen selbst mit jeder neuen Ernte, die sie einführen, still und oft unbemerkt, aber sicher und unaufhaltsam ihrem eigenen Erntetag entgegen. Diese Ernte aber wird einst eingefahren in ewige Scheunen, auf Erden geschnitten, von Menschenhänden gebunden, von Engeln hinaufgetragen im himmlische HöHen und dort niedergelegt zum seligen Frieden der Ewigkeit. Der Sonntagsschreiber.
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* Nachsendung der Postsendungen. Zu Anträgen auf Nachsendung von Postsendungen sind möglichst die amtlichen Vorbrude zu benutzen, die an den Postschaltern und von den Postzustellern zur Abgabe bereit gehalten werden. Die Verwendung dieser amtlichen Vordrucke gewährleistet die pünktliche Nachsendung der Post und liegt daher im Vorteil der Empfänger.
* Von der Universität. Das Romanische Seminar hält am Mittwoch, den 9. Juli, abends 8.15 Uhr, im Musikhaus des Realgymnasiums einen französischen Theater- und Deklamationsabend. Der dritte Ferienkursus für Deutsche und Ausländer über das Thema ,, Das neue Deutschland. Geistige Strömungen der Gegenwart", findet vom 21. Juli bis 2. August statt.
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* Diebstähle. Gestohlen wurden: Anfang Juni 1930 von einem Ader auf dem Gelände der„, Schönen Aussicht", Grundstück„ Hinter dem Weiher", ein Einspännerwendepflug, Modell Mayfarth, Frankfurt a. M.; am 19. Juni 1930, aus einem Auto drei Landkarten, eine kleine braune Ledertasche mit Seife, Handbürste und Handtuch; am 21. 6. aus der Müllerschen Badeanstalt an der Lahn 15,80 RM. Bargeld und eine goldene Damenarmbanduhr mit Ripsband im Werte von 70 RM.; in
Schießstand eine Telephonapparat, 70 Meter Kupferdraht und zwei Ringscheiben; am 24. Juni von einem in der Johannisstraße aufgestellten Adler- Personenkraftwagen die Rühlerschraube; ein grüngestrichener zweiräderiger Handkarren und ein Mülleimer mit der Nummer 5501. Ferner nachstehend Beschriebene Fahrräder: Damenrad Marke„ Presto", schwarzer Rahmen, schwarze Felgen, gewöhnliche Lenkstange, neue Bereifung und neue schwarze Schutzbleche. Herrenrad Marke„ Kurnann", Fabrifnummer B 1798, schwarzer Rahmen, gelbe Felgen, deutscher Lenker, gelber Sattel, gelbe Satteltasche. Der Rahmen ist an einer Seite etwas abgescheuert. Herrenrad Marke„ Triumph, Fabriknummer 378 908, schwarzer Rahmen, Schwarze Felgen und gewöhnliche Lenkstange. Herrenrad Marke Görice", Fabriknumer unbekannt, schwarzer Rahmen, schwarze Felgen und grünen Streifen, neue graue Bereifung, gewöhnliche Lenkstange und Freilauf. Herrenrad Marke„ ViktoriaIdeal", Fabriknummer unbekannt, schwarzer Rahmen, schwarze Felgen mit verwischten roten Streifen, gewöhnliche Lenkstange, die Gummigriffe sind mit Draht umwidelt, beschädigte Berei
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bruch des Krieges sofort eingestellt worden, da die jungen Leute zu den Fahnen geeilt sind. Fuhr hat einen seiner Söhne zur Linie geschickt, der älteste, Wilhelm, die seitherige Seele des Geschäfts, ist als Ersazreservist gleich vielen anderen aus hiesigem Ort, bei den Schanzarbeiten an der Festung Mainz tätig. Ein jüngerer Sohn wurde bei der Musterung als tauglich gezogen. Vielleicht und hoffentlich übt der Krieg, der ja, wie alles Schlimme, auch seine guten Seiten hat, nach seiner, will's Gott, baldigen Beendigung eine belebende und erfrischende Wirkung auf die Geschäftswelt aus. Sie war ge= rade so müde und auf dem Gefrierpunkt angelangt, die Banken und Kassen verkracht und kein Vertrauen mehr und Unternehmungslust, besonders im Bauwesen, vorhanden, so daß man
faum mehr wußte, wie es weitergehen sollte. A
1918. Noch wütet der grausige Krieg, und nach 3½ Jahren ist immer noch keine Ende abzusehen. Zwar ist nun mit Rußland endgültig Frieden geschlossen und unsere Ostfront frei, sodaß wir mit allem Nachdruck unseren Gegnern an der Westfront begegnen können, allein diese erklären, daß sie den Krieg bis zu unserer völligen Vernichtung fortsetzen wollen. So wird es auch weiterhin noch schwere Opfer an Gut und Blut kosten, bis mit Gottes Hilfe ein ehrenvoller Friede erfochten ist. Das ganze Steingewerbe liegt darnieder. Durch die immer straffere Anziehung des Hilfsdienstgesetzes sind sämtliche arbeitsfähige Männer bis zum 60. Lebensjahre, soweit sie nicht militärisch verwendet find, anderen Beschäftigungsarten zugeteilt. Konnte Fuhr seitHer( dem auch ein Sohn gefallen ist) noch wenigstens die MitHilfe eines Gesellen haben, so ist auch diese Möglichkeit nun Fortgefallen und er ganz auf sich angewiesen. Zur Zeit bin ia) moch der einzige Vertreter des Steinhauerhandwerks und wenigStens noch zeitweise tätig.( 3ur Zeit des Dammschen Betriebes wurden 70 Steinhauer in Beuern gezählt.)
1919. Im Zeichen der Inflation. Alle Hoffnung auf Unser einen ehrenvollen Frieden ist zuschanden geworden. Liebes deutsches Vaterland blutet aus tausend Wunden. Mit bem politischen Zusammenbruch ist auch der wirtschaftliche geCommen. Die überhohen Die Geschäfte liegen darnieder. Löhne und der nun eingeführte Achtstundentag erschweren das Fortbestehen aller Betriebe und rauben die Lust zu neuen Unternehmungen. Unsere hiesige Steinhauerschar hat sich bis auf geringe Ausnahmen anderen Beschäftigungsarten zugewandt. Heinrich Damm wie Fuhr( die beiden einzigen übrig gebliebenen Steinbruchbetriebe) haben seither nur je zwei Mann beschäftigt. Die Preise für Rohmaterial sind ins Un
,, Gießener Zeitung"
fung. Herrenrad Marke„ NSU. Pfeil", Fabrifnummer unbefannt, schwarzer Rahmen, schwarze Felgen, gewöhnliche Lentstange, auf dem Rahmen goldener Eichenkranz mit der Zahl 25, an der Hintergabel Steckschloß, die Handbremse ist verrostet und Gummipedale.
* Festnahmen: Ein mehrfach wegen Diebstahls vorbestrafter Bäckergeselle, Paul Hermann Claus, in Dresden geboren, wurde am 2. 7. 30 dabei betroffen, als er im Begriffe stand, Bettwäsche an den Mann zu bringen. Da Claus über den Erwerb unglaubwürdige Angaben machte, wurden die in seinem Besitz befindlichen Wäschestücke sichergestellt und Claus selbst dem Amtsgericht zugeführt. Haftbefehl wurde erlassen. Nachfolgend sind die mit großer Wahrscheinlichkeit aus einem Diebstahl herrührenden Gegenstände aufgeführt: ein graugrüner Rudsad mit aufgenähten Taschen, Ledertragriemen und wasserdichiem Futter, zwei Damastbezüge, zwei Kopfkissenbezüge und ein Handtuch, gezeichnet M. R., drei weißleinene Bettücher, gez. R., ein Paar grüne Sportstrümpfe, ein Damenpullover braun- grau- gelb mit weiß gewürfelt, Hals- und Aermelaufschlag aus grauer Wolle, eine grüne Ledertasche mit verschlisse nem Seidenfutter und eingenähten Schlaufen für Bestecks oder Toilettenartikel. Auf der Tasche ist aus Metall der Buchstabe Ein An F, ein zweiter Buchstabe, vermutlich E, ist entfernt. der Kläranlage wohnender Hausierer entwendete in GroßenLinden aus einer unverschlossenen Wohnung, deren Inhaber für kurze Zeit abwesend waren, aus einem Kleiderschrank, der in einem Zimmer im ersten Stockwerk stand, 40 RM. Bargeld. Als der Täter das Haus verlassen wollte, bemerkte er die zurückgekommene Inhaberin, worauf er kurz entschlossen durch ein offenes Fenster in den Garten sprang u. flüchtig ging. Einigen Einwohnern gelang es aber bald, den Dieb, der seine Attenmappe mit dem entwendeten Geld versteckt hatte, festzunehmen. Das versteckte Geld wurde kurz nach der Festnahme aufgefunden und konnte der Geschädigten restlos ausgehändigt werden.
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* Sichergestellt sind: eine elektrische Fahrradboschlampe ( Dynamo und Gehäuse mit Batterie), ein Boschblendgehäuse mit Batterie, ein Dynamo( Radsonne Nr. 1128), ein kleiner englischer Schraubenschlüssel, ein Motorradschlüssel( Bugreid 14, 15 5/16 und 1/4), zwei Schraubenzieher, eine Drahtzange, eine Ravensteins Rad- und Autokarte der Mittelrheinischen Verfehrszentren, ein schwarzledernes Zigarrenetui. Die Gegenstände rühren aus Diebstählen her, die aus Personenkraftwagen usw. anläßlich des Schützenfestes und der Opelwagenausstellung 1929 entwendet wurden. Personen, die Eigentumsrechte geltend machen können, werden gebeten, bei der Kriminalpolizei, Zimmer 24, vorzusprechen.
* Hochschulgesellschaft. Eine Festsitzung findet heute, Sams= tag nachmittag 5.15 Uhr, im Großen Hörsaal der Universität statt, in deren Mittelpunkt ein Vortrag von Professor Dr. Kalbfleisch über„ Papyrusfunde", mit Lichtbildern, steht.
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Erste Reichskurzschriftgesellschaft„ Gabelsberger" und Damenabteilung e. V. Heute, Samstag, abend in der„ Stadi Lich" Vereinsabend.
Jahresversammlung des Hessischen Hauptvereins der Gustav- Adolf- Stiftung.
Vom 6. bis zum 8. Juli wird in Lauterbach die 87. Jahresversammlung des Hessischen Hauptvereins der Gustav- AdolfStiftung abgehalten werden. In einer großen Volksversammlung werden neben den Führern des Hessischen Hauptvereins Vertreter der Auslandsdiaspora über oberhessische Auswanderer in Ungarn, Galizien und der Bukowina und an der Wolga sprechen.
geheuerliche gestiegen, so daß die Bautätigkeit fast gänzlich lahmgelegt ist. Der Zentner Kalk, der früher für 80 oder 90 Pfg. erhältlich war, kommt 3. 3.( 1919) auf über 6 Mk. zu ſtehen. Zement ist gänzlich unerschwinglich und bewegt sich immer noch in rasendem Aufstieg bis zu 25 oder 30 Mt. für den Zentner.( 3iegel das 1000= 100 Mt.) Auch das Grabmalgeschäft ist natürlich sehr in Mitleidenschaft gezogen. Zwar fonmten einige Betriebe, wie Azbach in Gießen, mit ihren alten Beständen jetzt aufräumen und zu hohen Preisen an den Mann bringen, indessen ist der Mangel an Rohsteinen sehr groß, wie die Preise fabelhaft. Der Kubikmeter Muschelkalk stellt sich bereits auf 1000 Mt. Italienischer Marmor, der während des Krieges überhaupt nicht zu erhalten war, taucht jetzt wieder auf, aber ein Kreuzstück, das ehedem nur eine Vorlage von höchstens 12 Mf. benötigte, erfordert jetzt eine solche von weit über 100 Mt.( angebl. 150 Mk.) Jn der Berechnung für Rohblöcke in Lungstein sind die Geschäftsinhaber in hiesiger Gegend ebenfalls nicht zurückgeblieben; ein solcher, der vor dem Kriege für 6-10 Mt. zu erstehen war, tommt nunmehr auf 40-50 Mt. Schmiedefnecht in Londorf fordert bereits um 300 Mt. für den Kubikmeter fertiger Werkſteine. Selbstverständlich muß auch der Grabmalſteinmetz bei der Uebernahme von Aufträgen mit dem ungemessenen Preisaufstieg des Rohsteins rechnen. Ein Grabmal, das in Friedenszeiten für 80 bis 100 Mk. zu liefern war, kann, auch bei verhältnismäßig bescheidenem Verdienst, nicht unter 380-400 Mt. ausgeführt werden.
Anfangs 1921. Jm verflossenen Jahr hat die Preisaufwirbelung noch weiter angehalten. Ein Rohblod: 50X25X65 cm wurde mit 80 Mt. berechnet, ein unbossiertes Stüd zu einem Kreuz mit 50 Mt. Dementsprechend bewegten sich die Preise für fertige Denkmäler einfacher Art zwischen 6-800 Mt. Lungstein wird z. 3. sehr begehrt und von auswärtigen Geschäften geholt. Verschiedene Werkstätten führen auch Kunststein ein. Die hohen Preise für Grabmäler veranlassen, daß immer mehr Gräber ohne irgend ein Gedenkzeichen liegen bleiben, was bis zum Kriege ein seltener Fall war. Gegenwärtig stehen wir im Zeichen der Kriegerehrungen. Allenthalben ist man bestrebt, dem Gedächtnis der gefallenen Krieger einen sichtbaren Ausdruck zu verleihen. Von der Gemeinde Beuern sind vorläufig 15 000 Mt., von der Großen- Busecker 20 000 Mt. für diesen Zweck vorgesehen. Fuhr beschäftigte zeitweise zwei Steinhauer, ebenso Damm.
1922. War die Geldentwertung und die dadurch bedingte Preisaufwirbelung aller Rohstoffe und Erzeugnisse im vorher
Nr. 53.
Aus Nah und Fern.
Nidda. Der Reiterverein Nidda und Umgegend veranstaltet Samstag, den 5. und Sonntag, den 6. Juli, das 1. Reit- und Fahr- Turnier.
Ofarben( Kreis Friedberg). Der 23jährige Weißbinder Wilhelm Heidt kam aus noch nicht geklärten Gründen mit der Startstromleitung in Berührung. Er war sofort tot.
Kirtorf. Hier findet am 20. Juli d. J. ein allgemeines evangelisches Jugendtreffen statt.
Ueberfall auf einen Förster.
Seligenstadt. Dienstagabend wurde im hiesigen Forstwald Förster Hofmann, als er zwei junge Leute anredete, von diesen überfallen. Sie versuchten, ihm das Gewehr zu entveißen. In der Not griff der Förster zu seinem Revolver und feuerte auf die beiden Angreifer. Der eine erhielt dabei einen lebensgefährlichen Bauchschuß, während der andere mit einem Beinschuß davonkam. Beide mußten in das Krankenhaus überführt werden. Der eine Verletzte dürfte kaum mit dem Leben
davonkommen.
Dieburg. In den Tagen des 19. bis 21. Juli findet hier der 26. Landesfeuerwehrtag Hessens statt.
Schweres Unwetter.
Jugenheim bei Bingen. Am Mittwoch nachmittag ging über der hiesigen Gegend ein furchtbares Unwetter nieder. Einem schweren Hagelschlag, der über eine Viertelstunde lang Weinberge und Felder verwüstete, folgte ein Wolkenbruch, der Straßen und Feldwege in reißende Ströme verwandelte. Frauen, die von den Feldern nach Hause eilten, wurden von den Fluten mitgerissen und konnten nur mit Mühe vom Tode des Ertrinkens ge= rettet werden. In Jugenheim stand das Wasser teilweise zwei Meter hoch, sodaß sich die Bewohner in die oberen Stockwerke flüchteten. Weithin hörte man das Gebrüll des in den Ställen mit dem Tode ringenden Viehes. Der Schaden ist noch unübersehbar. Die Mehrzahl der geschädigten Bauern ist nicht versichert.
Weglar feiert.
Wezlar. Die Stadt Wetzlar beging die Feier ihres 750jährigen Jubiläums. Am Donnerstag vormittag zog ein historischer Festzug durch die dichtgefüllten Straßen der Stadt zum Festplatz, wo Oberbürgermeister Dr. Kühn in seiner Festrede einen geschichtlichen Rückblick auf das Werden der Stadt warf.
Bürgeln( Kreis Marburg). Eine Kuh, die von der Weide heimgetrieben wurde, stürzte durch eine Falltür in einen Keller. Um sie zu befreien, mußte die Hauswand durchbrochen werden. Schloß- u Schloß- und Trachtenfest.
Marburg. Am morgigen Sonntag findet das Schloßfest statt. Unter der Regie von Emil Wessel, dem bekannten hessischen Volkstrachtenforscher, wird eine Gruppe von 100 Schwälmern in größter Festtracht in zwei Vorstellungen auf der Schloßbühne zu sehen sein. Weiterhin werden alte historische Volksspiele und Tänze einer oberhessischen Trachtengruppe gezeigt. Ein von einer weitbekannten Hessenschriftstellerin verfaßtes Hessenstück ein Schwant aus einem Dorf, in dem gerade Kirmes abgehalten wird bildet den Abschluß der Vorführungen.
Wenn Du Raslerklingen schenkst, so nehme
nur Hexen 30.
Fabrik Paul Aug. Weck, Erfurt
gehenden Jahr noch eine mäßige gewesen, so schnellte dieselbe seit Anfang dieses Jahres im m rasendem Tempo in die Höhe. Um den unmäßig verteuerten Lebensunterhalt des arbeitenden Volkes zu decken, mußten die Löhne stetig erhöht werden. Könnten unsere Alten, die sich einst mit ein paar Kreuzer Taglohn begnügen mußten, jetzt einmal wieder am Tageslicht erscheinen, sie würden sich vor Staunen nicht zu fassen wissen, wenn sie hörten, daß die Gesellschaft hess. Steinbrüche in Londorf einen Stundenlohn von 110 Mt. bezahlt und daß man jetzt statt 12 oder 14 Stunden täglich nur 8 Stunden zu arbeiten braucht.
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Die Preise für Rohwerksteine haben sich im Laufe des Jahvon 3000 Mt. auf 20 000 Mt. erhöht( pro Kubikmeter). Verschiedene Kriegerdenkmäler sind in den hiesigen Brüchen hergestellt worden, u. a. das für Jlsdorf von Damm, und das für Ermenrod und besonders das von Geilshausen aus dem Bruche von Fuhr.( Entwurf und Ausführung der Bildhauerarbeiten von meinem Sohn Wilhelm. Einweihung am Totengedächtnistag 1922.)
Da das Bauen für den Einzelnen infolge der fabelhaft hohen Materialpreise und Löhne fast unmöglich wird, hat sich auf Betrieb eines zu Besuch hier weilenden Rechtsanwaltes Dr. Soldan aus Mainz eine Baugenossenschaft gebildet, die bereits einige 40 Mitglieder zählt. Sie hat ihre Tätigkeit mit der Herrstellung von Feldbrandsteinen auf dem Pfarrgrundstück am Hofacer begonnen, doch stellen sich auch hier allmählich schier unüberwindliche Hindernisse entgegen.
Nachdem unsere Währung wieder gefestigt ist, ist auch ein ruhiger Geschäftsgang der beiden Steinbruchsbesitzer wieder eingetreten. 1929 wurde das hiesige, längst geplante und in der Ausführung begriffene Ehrenmal der Gefallenen endlich errichtet. Die Werksteine haben die Brüche von Damm und Fuhr geliefert. Auch die Erbauung der Marktlaube in Gießen brachte einen beträchtlichen Auftrag.
1930 ist der Betrieb von Fuhr eingestellt worden. Der Sohn Wilhelm, sonst sehr tüchtig und strebsam, hat leider nicht den Unternehmungsgeist des Vaters übernommen. Vernichtend für unsere Steinindustrie und die Verwendung unseres schönen Naturgesteins ist inzwischen der sich immer mehr verbreitende Kunststein geworden. Junge Kräfte treten nicht mehr ein, nach Abgang der wenigen, noch tätigen älteren Leute, wird in absehbarer Zeit die ganze Steinmetzunft an hiesigem Orte ausgestorben sein.


