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Nr. 52..

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Gießener Zeitung

Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rück­sendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

43. Jahrg.

Politische Rundschau.

Reichspräsident von Hindenburg ist, von seinem Aufenthalt

in Reuded( Westpreußen) zurüdkehrend, Freitag vormittag wie­der in Berlin eingetroffen.

Wie aus Moskau gemeldet wird, ist eine Aussprache zwi­schen der Reichsregierung und der Sowjetregierung über die Stellungnahme der beiden Länder zur Paneuropadenkschrift Briands im Gange.

Das preußische Staatsministerium hat einen Beschluß ge= sagt, in dem den preußischen Beamten die Beteiligung an der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei und der Kommu­nistischen Partei verboten wird.

Die sächsischen Demokraten haben eine Einladung der Rechts: parteien, fich an den neuen Verhandlungen über die Re­gierungsbildung in Sachsen zu beteiligen, abgelehnt.

Nach der Uebernahme der finnischen Regierung durch Svin­hufvud haben die Lappo- Leute ihre Forderungen zurückgeschraubt. Die Staatsstreichgefahr kann als beseitigt angesehen werden.

Wie ous Mostau gemeldet wird, wirt zum Nachfolger Tschit­scherine der jegige Stellvertreter des Außenkommissars Litwinow ernannt werden. Der außenpolitische Kurs bleibt also unver­ändert. Zum Nachfolger Litwinows ist der zweite Stellvertreter des Außenkommissars Karachan ausersehen.

Dan 184 Millionen Dollar ab.

( Gießener Tageblatt)

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen. Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21.

Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschedkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Samstag, den 5. Juli 1930

Befreiungsfeier in Koblenz am 22. Juli.

Besuch des Herrn Reichspräsidenten.

Nachdem das gesamte besetzte Gebiet von der Besazung geräumt ist, findet am Dienstag, den 22. Juli, in der Pro­vinzialhauptstadt Koblenz die amtliche Befreiungsfeier der preußischen Staatsregierung statt, die durch die Anwesenheit des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg, des Herrn preußi­schen Ministerpräsidenten, mehrerer Reichsminister und Staats­minister Preußens und der anderen Länder, sowie der höchsten Behördenspitzen der Rheinprovinz eine besondere Bedeutung er­hält. Dieses Fest der Freiheit am Rhein verspricht eine wür­dige und imposante Kundgebung zu werden.

England vertagt die Entscheidung

über Deutsch- Dstafrifa.

London, 4. Juli. Lord Passfield brachte gestern im Ober­haus einen Antrag auf Einsehung eines gemeinsamen Komitees beider Häuser des Parlaments zur Beratung einer Vereinigung von Kenia, Uganda und dem früheren Deutsch- Ostafrika ein. Er kündigte jedoch gleich zu Beginn der Debatte an, daß der Antrag lediglich formelle Bedeutung habe und daß er ihn nach Abschluß der Debatte zurückziehen würde. Somit steht endgültig fest, daß das Komitee in der laufenden Session des Parlaments nicht in Attion tritt.

( Neueste Nachrichten)

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Nummer 53

Zur Räumung der Rheinlande.

Zeitgemäße Erinnerungen an den Ruhrkampf 1923 bis 1925.

Den Höhepunkt erreichten die Beraubungen Mitte Februar in Gelsenkirchen. Der Stadt war von der Besagung eine Kon­tribution von 100 Millionen Mark auferlegt, die in einer Form eingetrieben wurde, wie man es bei Kulturvölkern nicht für möglich halten sollte. Friedlichen Straßengängern wurden einfach Aktentaschen und Handtaschen nachgeprüft und jedes vorgefundene Geld fortgenommen. Einem Botenmeister der ,, Gelsenkirchener Allgemeinen Zeitung" wurden zwei Milliar­den Mark Abonnementsgelder geraubt, überdies wurde er noch festgehalten. Der Frau des Steigers Fiebinger nahm man aus der Handtasche 50 000 Mark heraus, erst auf stundenlanges per­sönliches Drängen beim französischen General erhielt sie ihr Geld zurück. Eine Arbeiterfrau, der man 20 000 Mark raubte, die sie in ihrem Marktkorb unter einem Zeitungsblatt verbor­gen hatte, erhielt den Betrag trotz vielfacher Bitten nicht wie­der. Der Eisenbahngehilfe Pommerin wurde ins Rathaus ge­bracht und dort so schwer mißhandelt, daß er besinnungslos wurde; nach Wiedererwachen in einer Zelle stellte er den Ver­lust seiner Brieftasche mit 70 000 Mart, seiner Uhr und seines Ringes fest. Der Bergmann Rehder aus Rotthausen, der um 12 Uhr nachts vom Hauptbahnhof kam und in seine Wohnung wollte, wurde besinnungslos geschlagen, dann stahl man ihm

Das amerikanische Finanzjahr schließt mit einem Ueberschuß Die englische Bankwelt fordert scharfe Schutzzollpolitik. Geldbörse und Trauring. Sogar der Briefträgersaal in der Post

130 000 aus der russischen Kommunistenpartei ausgeschlossen.

Moskau, 4. Juli. Im weiteren Verlauf des bolschewistischen Parteitages wurden im Bericht der Zentralkommission einige 3ahlenangaben über die Partei, über die Sowjetbeamtenschaft und über die Ergebnisse der Tschistka, der sogenannten Säube:

London, 4. Juli. In einer sensationellen Erklärung, die von bekannten Namen, wie dem Bankier Reginald McKenna, von Aussichtsräten der Bank von England und Mitgliedern führender Finanzhäuser unterzeichnet ist, setzten sich die Spitzen der eng­lischen Bankwelt für die sofortige Inangriffnahme einer scharfen Schutzzollpolitik ein. Die Verlautbarung erregt in parlamenta­rischen Kreisen das allergrößte Aufsehen, denn die Londoner City galt bislang als das Bollwerk freihändlerischer Gedanken.

wurde von französischen Truppen besetzt, die das deutsche Per­sonal verjagten und nunmehr eine große Reihe lagernder Wert­briefe erbrachen. Trotz aller Vorstellungen bei Offizieren und Adjutanten in Gelsenkirchen sowie in Recklinghausen erfolgte feinerlei Rückgabe der gestohlenen Gelder....

In der Nacht auf Conntag, den 25. Februar, wurden drei Bergleute auf dem Heimweg von ihrer Arbeitsstätte nach der Zeche Herkules von mehreren französischen Soldaten überfallen, die ihnen Geld und Uhren fortnahmen. In der Nacht vorher

zung, das heißt des Ausschlusses für ungeeignet erachteten Ele Schnelljustiz bei radik. Ausschreitungen widerfuhr einem anderen Bergmann in der Hansastraße das­

mente mitgeteilt. Von Millionen Parteimitgliedern wurden durch die Tschistta

130 000 ausgeschlossen, also fast zehn Prozent. Der Ausschluß betraf nahezu jedes dreizehnte Parteimit­glied aus der Arbeiterklasse und nahezu jedes fünfte Partei­mitglied aus der Angestellten- und Bauernklasse. Die Tätigkeit dar Tschistka der Sowjetbeamten ist noch nicht beendet. Von bisher kontrollierten 400 000 Beamten wurden 51 000,, ausge= säubert", aiso ungefähr elf Prozent. Der Bericht der Zentral­fommission bemängelt allgemein, daß trotz aller angewandten Methoden im leitenden Fachpersonal, unter den wissenschaftlich gebildeten Angestellten und unter den Spezialisten die Zahl Der Kommunisten gering ist.

Vor neuen Massenerschießungen.

Riga, 4. Juli. Die ersten Folgen der Moskauer Parteibe­schlüsse sind der Wiederbeginn des Eintreffens politischer Flücht­linge aus Rußland. In Riga, Reval und Dorpat sind in den legten Tagen mehr als 120 Russen angekommen. Nach den hier borliegenden Moskauer Berichten sind von den in der Diens tagnacht in Moskau vorgenommenen Massenverhaftungen mehr als 5000 Einwohner ergriffen worden. Nach Lage der Dinge rechnet man mit summarischen Erschießungen schon deshalb, um in den überfüllten Gefängnissen Raum zu schaffen.

*

Pfarrer Koch

vom Sowjetgericht zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Kowno, 4. Juli. Wie aus Moskau gemeldet wird, ist der deutsche Pfarrer Koch in Odessa wegen angeblicher sowjetfeind­licher Umtriebe zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Außerdem wird Pfarrer Koch nach Sibirien verbannt.

Die Saarverhandlungen.

Berlin, 4. 7. Die Pariser Saarverhandlungen sind nach monatelangem Hinschleppen in ein ausgesprochen kritisches Sta­dium geraten. Man muß mit einer Unterbrechung der Ver­handlungen rechnen; sie dürften aber später zwischen den betei­ligten Regierungen fortgesetzt werden. Allerdings sei nicht zu erwarten, daß sie noch in diesem Jahre zum Abschluß gelangten. Der französische und belgische Bahnschutz des Saargebietes wird voraussichtlich bis zum 10. Juli zurückgezogen werden.

Separatistenversammlungen auch in Wiesbaden.

In der Nacht zum Freitag wurden in Wiesbaden die Ge­schäfte von verschiedenen Separatisten zerstört. In einigen Ge­schäften wurde die Einrichtung völlig zertrümmert. Auch bei der Rheinischen Volkszeitung" wurden die Fensterscheiben eingewor­fen. Die Zerstörungen vollzogen sich nach demselben System, wie inn Mainz. Auf Fahrrädern und Motorrädern famen die Trupps am, und ehe die Polizei einschreiten konnte, waren die Zerstörun= gon geschehen und die Täter wieder verschwunden..

Wie erinnerlich, hatte der hessische Innenminister bei dem Presseempfang Mitte vorigen Monats mitgeteilt, daß auch in Hessen zur Aburteilung radikaler Ausschreitungen die Schnell­justiz eingeführt werde. Das ist inzwischen geschehen.

selbe Schicksal, in der Nacht darauf einem Fördermaschinisten in der Herkulesstraße. An diesem gleichen 26. Februar wurde der Bergmann Bruno Riedel auf der Söllingstraße in Essen von vier französischen Soldaten angehalten, die um ihn einen Kreis schlossen. Die hinter ihm stehenden Soldaten schlugen ihm auf den Naden und Hinterkopf und fragten nach Waffen, rissen Mantel und Jacke auf und stahlen ihm die Brieftasche mit 43 000 Mart und einigen Zigaretten, dann entfernten sie sich schleunigst. Das gleiche Schicksal erlebte kurz darauf der Bergmann Alfred Peter, dem sie 17 000 Mark und seine Ta­schenlampe fortnahmen, außerdem Zigaretten in einer Tüte. Hierbei erhielt er einen Schlag mit einem festen Gegenstand ins Genid und einen Tritt ins Gesäß. Als er sich wehren wollte, erhielt er noch Schläge ins Gesicht.

In einem Ausschreiben des hessischen Justizministers wird auf das bedrohliche Anwachsen der strafbaren Handlungen bei Zusammenstößen zwischen den Kampforganisationen radikaler po­litischer Parteien oder zwischen Einzelgruppen ihrer Mitglieder hingewiesen, wie es in letzter Zeit allenthalben im Reich zu beobachten war. Das Staatsinteresse und der Schutz der All­gemeinheit erfordern gebieterisch, daß auf diese Taten eine ihrer Schwere und Gefährlichkeit entsprechende Strafe unverzüglich folgt. Sicherlich ist die Wirkung in der Oeffentlichkeit und bei den Tätern wesentlich stärker, wenn die Bestrafung solcher Aus­schreitungen auf dem Fuße folgt. Die Staatsanwaltschaft ist darum angewiesen worden, mit allen Mitteln zu erstreben, daß bis zur Aburteilung derartiger Straftaten nicht mehrere Mo­naie vergehen. Wird alles getan, was der Beschleunigung dient, so muß, da die Täter meist bei oder unmittelbar nach der Tat festgestellt werden, die Anklage gegen die Hauptbeteiligten regelmäßig einige Tage danach erhoben werden können nach einer weiteren Verfügung binnen zwei Wochen-; etwaige später Beschuldigte sollen durch Erhebung einer Nachtragsan­flage zur Verantwortung gezogen werden. Der Hauptverhand- sammengebunden und ihm ein nach Schuhwichs riechender Lap­lungstermin soll möglicht binnen vier Wochen stattfinden. Um dies zu erreichen, können minder dringliche Termine aufgehoben und die Sachbearbeiter erforderlichenfalls von anderen Dienst­geschäften entlastet werden.

In der Hauptverhandlung selbst ist nach dem Ausschreiben mit größtem Nachdruck eine der Tat angemessene Sühne zu beantragen und das Strafurteil alsbald mit Entschiedenheit zur Vollstreckung zu bringen.

Am 19. April wurde der Bergmann B. Nieczewski auf dem Nachhausewege von seiner Arbeitsstelle in der Steigerstraße in Bottrop von zwei belgischen Soldaten angehalten und unter Bedrohung mit Pistolen gezwungen, auf einen einsamen Feld­weg am Bahndamm der Zechenbahn Prosper 2 mitzugehen. Hier hielt ihm der eine Belgier wiederum die Pistole vor, wäh­rend ihm der übrige das Arbeitsbuch mit dem soeben erhaltenen Lohnabschlag von 100 000 Mark raubte. Er wurde hierbei zu Boden geworfen, seine Hände und Füße mit einem Strid zu­

pen in den Mund gestopft, so daß er nicht schreien konnte. Als­dann verschwanden die Belgier. Erst am nächsten Morgen wurde er von einem des Wegs kommenden Arbeiter aus seiner Lage befreit und mußte sich wegen der erlittenen Verlegungen in ärztliche Behandlung begeben.

So befanden sich am 10. März, abends gegen 1 Uhr, die Eheleute L., der Bergmann Wilhelm Ludwig und der Berg­mann Franz Borchardt in Bottrop auf dem Heimwege zu ihren Wohnungen. An der Ecke der Friedrichstraße stießen sie auf

Bericht über die wirtschaftl. Lage des deutschen zwei belgische Soldaten. Diese ließen die vorangehenden Berg­

Handwerks im Monat Juni 1930.

Vom Reichsverband des deutschen Handwerks wird uns geschrieben:

Die im Berichtsmonat eingetretene geringfügige Belebung des Absahmarktes und damit auch des Arbeitsmarktes hat eine nennenswerte Auswirkung nicht gehabt. Die auf dem deutschen Wirtschaftsleben lastende Depression hält im allgemeinen unver­mindert an. Die saisonmäßige Abnahme der Erwerbslosigkeit ist nicht in gleichem Maße fortgeschritten wie im Vorjahre. So machen sich denn auch in der Handwerkswirtschaft form An­zeichen einer Belebung bemerkbar. Der Baume war nach wie vor still; neue Bauvorhaben wurden nur vei It in Un­griff genommen. Lediglich in den Gewerbegruppen, für die das Pfingstfest von Bedeutung ist, waren Umsätze besser. Auch die. Heuernte auf dem Lande brachte den beteiligten Gewerben eine Besserung des Beschäftigungsgrades. Die Preise blieben in allen Gruppen außerordentlich gedrückt. Die Klagen über zu­nehmende Schwarzarbeit als Folge der großen Erwerbslosigkeit nahmen immer mehr zu. Die Preise für verschiedene Mealle, besonders Kupfer, zeigten rückgängige Tendenz.

leute vorüber, hinderten jedoch das Arm in Arm nachfolgende Ehepaar am Weitergehen. Einer von ihnen riß Frau L. aus dem Arm ihres Manne, faßte sie um den Hals und versuchte ihr mit der Hand die Röde hochzuheben. Als L. versuchte, den Soldaten von seiner Frau wegzureißen, zog der zweite Soldat sein Seitengewehr und holte damit zum Schlage aus. Die bei­den Soldaten zerrten darauf Frau L. bis an die Mauer des Güzloeschen Hauses und drückten sie mit dem Rüden gegen die Wand. Einer von ihnen zog die Pistole und hielt ihr die Mündung an die linke Schläfe, während der andere erneut mit der Hand unter die Röcke griff. Als Frau L. laut um Hilfe schrie, wurde ihr der Mund zugehalten. Inzwischen hatte der Ehemann L. die vorangegangenen Bergleute Ludwig und Borchardt und den zufällig des Weges kommenden Bergmann König zu Hilfe gerufen. Die belgischen Soldaten ließen darauf von der Frau ab und eilten davon.

In der Nacht zum 14. März drang ein belgischer Unter­offizier in die Wohnung des Bergmann S. in Holsterhausen. Er traf die Ehefrau allein, riß ihr, trotz ihrer verzweifelten Gegenwehr, die Kleider vom Leibe, so daß sie nackend vor ihm stand, und versuchte sie unter Bedrohung mit dem Revolver, den