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Samstag, den 5. April 1930.

Notlandung eines Verkehrsflugzeuges. Frankfurt a. M. Am Freitagvormittag gegen 9 Uhr mußte das um 8,25 Uhr in Frankfurt a. M. zum Fluge nach Köln ge­startete Flugzeug D 422 wegen schlechten und nebligen Wetters in der Nähe von Jostein im Taunus eine Waldlandung im Tau­nus vornehmen. Hierbei wurde die Maschine schwer beschädigt. Der Führer Degner erlitt eine Gehirnerschütterung, eine mit­fliegende Krankenschwester einen Unterschenkelbruch.

Tödlicher Sprung von der Straßenbahn. Kassel. Am Dienstag abend sprang der 59 Jahre alte Schneider August Lingnau in der Wilhelms- Allee von der sah­renden Straßenbahn ab. Er schlug mit solcher Heftigkeit auf das Straßenpflaster, daß er eine gefährliche Kopfverletzung da= vontrug. Jm Landeskrankenhaus ist er bald nach der Einliefe= rung gestorben.

Ueberführung der Fahnen des ehem. 8. Armeekorps nach Koblenz.

Koblenz. Der Chef der Heeresleitung, Herr Generaloberst Heye, hat der Stadt Koblenz die Fahnen des ehemaligen 8. Armeekorps, das hier seinen Standort hatte, zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um 28 Fahnen, die sich zur Zeit im Landesmuseum in Münster befinden. Nach der Ueberführung von dort nach Koblenz werden diese am Sonntag, den 13. April, vormittags 11,30 Uhr, in festlichem Zuge, begleitet von Abord­nungen der Offiziere und Mannschaften der ehemaligen Regi­menter, vom Rathaus zum Clemensplatz überführt und dort im Anschluß an einen Gauappell der Mittelrheinischen Gaue des Preußischen Landeskriegerverbandes durch den Befehls­haber des Wehrkreiskommandos 6 Münster, Herrn General Föhrenbach, der Stadt Koblenz übergeben und von Herrn Ober­bürgermeister Dr. Russell in die Obhut der Stadt übernommen. Viele alte Soldaten und Regimentsvereine der früheren Kob­lenzer Regimenter werden an diesem Tage ihre ehemalige Gar­nisonstadt besuchen.

Köln. Eine entsetzliche Familientragödie hat sich in dem kleinen Aachener Vorort Merkstein abgespielt. Dort hat der 41 Jahre alte erwerbslose Knappschafts- Invalide Schi­mansky in der Plittauerstraße seinen fünf Kindern den Hals durchschnitten. Ein weiteres Kind und seine Frau wurden so schwer verletzt, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürf­ten.

600 Jahre Kloster Ettal.

Kloster Ettal, am Fuß des Ettaler Mandls( Oberbayern) feiert in diesen Tagen sein 600jähriges Bestehen. Das Kloster wurde 1330 von Kaiser Ludwig gegründet, als er nach seiner unglücklichen Romfahrt zuerst wieder den Boden seiner Erblande betrat. Kloster Ettal ist eines der schönsten und ehrwürdigsten Klöster Deutschlands.

Großer Heidebrand in der Senne. Detmold. Auf dem Besitztum des Landrats a. D. Tasche in Stapelage am Südabhang des Teutoburger Waldes entstand am Mittwoch ein gewaltiger Heidebrand, dem über 1000 Morgen Heide zum Opfer fielen. Das Feuer war zunächst zum Zwecke des Abbrennens von einzelnen Heideflächen planmäßig angelegt worden. Durch den Ostwind wurde aber das Feuer über die Schutzgräben getragen und nahm in rasender Geschwindigkeit einen etwa fünf Kilometer langen und teilweise zwei Kilometer breiten Weg. Alle Feuerwehren der Umgegend waren an der Brandstelle tätig. Unter Einsatz von Reichswehr und der Be­wohner der Umgegend gelang es, den Brand zum Stillstand zu bringen. Der Schaden ist noch nicht zu übersehen, da auch Kie­fernbestände und Schonungen dem Brand zum Opfer fielen. Folgen der Arbeitslosigkeit.

Chemniz. Ein Kellner hat am Mittwoch abend in Abwesen­heit seiner Frau sich und seine beiden Kinder im Alter von

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12 und 3 Jahren durch Gas vergiftet. Der Beweggrund zu der Tat ist in der Arbeitslosigkeit des Kellners zu suchen.

Zum Tode verurteilt.

Stettin. Am 26. November v. Js. erschlug der deutsch­russische Melker Julius Pusch die Vorschnitterfrau Anna Go­rezki aus Siebenschlößchen bei Pyrizz. Er räumte dann die ganze Wohnung aus und erbeutete neben barem Geld auch Kleidungsstücke und ein Fahrrad. Seelenruhig fuhr er zum nächsten Ort, wo er frühstückte. Dann kaufte er sich einen neuen Anzug, suchte einen Photographen auf, um sich in seinem Staat photographieren zu lassen(!). Er wurde auch nicht aus der Ruhe gebracht, als zufällig bei dem Photographen ein Land­jäger erschien und von dem Mord berichtete. Pusch konnte ſpä­ter durch die Stettiner Kriminalpolizei verhaftet werden. Nunmehr hatte er sich vor dem Schwurgericht in Stargard zu verantworten, das ihn zum Tode verurteilte.

Großfeuer in einem Tiroler Hotel. Innsbruck, 3. April. In den frühen Nachmittagsstunden brach im Grand Hotel Iglerhof im Kurort Jgls ein Dachstuhl= brand aus, der sich in kürzester Zeit über das ganze Objekt aus­breitete. Die sofort herbeigerufene Feuerwehr von Igls und den Nachbarorten war zunächst in ihrer Tätigkeit durch den ge= ringen Wasserdruck der Hydranten stark beeinträchtigt, so daß erst nach dem Eintreffen der Innsbrucker Motorsprize die Lösch= aktion wirksam einsehen konnte.

Indien tauft Eisenbahnmaterial in Deutschland. London, 4. April. Wie die Blätter melden, hat die Ham­burg. Maschinenbau A.-G. von der indischen Regierung einen Kontrakt von sechzehn Lokomotiven erhalten. Eine weitere Order für siebzehn Lokomotiv- Kessel ging an die Firma Henschel in Kassel, während Kontrakte für eine große Anzahl von Rädern und Achsen ebenfalls mit festländischen Fabrikanten, in erster Linie mit Krupp in Essen, abgeschlossen wurden. Feuerwerkskörperfabrik fliegt in die Luft. 30 Schwerverletzte.

15 Tote

Devon( Pensylvanien), 3. April. In der Feuerwerkskörper­fabrik ereignete sich heute vormittag eine furchtbare Explosion. 15 Menschen wurden dabei auf der Stelle getötet, 30 schwer ver­letzt und mindestens 50 leichter verletzt.

Rüdgang der Unfallziffern im Bergbau.

Hin und wieder taucht in der Oeffentlichkeit die Behauptung auf, daß die Unfälle im Bergbau durch die Zunahme der ma­schinellen Abbaumethoden wesentlich gestiegen seien. Und da= ran schließen sich in der Regel einige verallgemeinernde Sätze gegen die Rationalisierung, wobei viel berücksichtigt und nur die Hauptsache vergessen wird, nämlich, daß der Bergbau ohne die die Erzeugungskosten senkende Rationalisierung schon heute kaum noch eine Tonne Kohle auf dem Weltmarkt unterbringen könnte. Es ist nun erfreulich, daß endlich auch von amtlicher Seite klipp und klar dargelegt wird, daß die Unfälle im Berg­bau nicht nur nicht gestiegen, sondern wesentlich gesunken sind. Aus dem nun vorliegenden Bericht des Grubensicherheitsamtes im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe geht her­vor, daß sich in den preußischen Bergbaubetrieben im Jahre 1928 insgesamt 128 651 Unfälle ereignet haben, von denen 1129 töd­lich waren. Auf tausend Mann der Belegschaft errechnet der Bericht 218 Unfälle, davon 1,92 tödliche. Die durchschnittliche Todesziffer der beiden vorhergehenden Jahre stellte sich auf 2,09 v. T. Daraus ist zu ersehen, daß die Todesziffer im Jahre 1928 wesentlich zurückgegangen ist. Man muß bis auf das Jahr 1923, in dem der Ruhrbergbau zum großen Teil lahm lag, zurückgrei­fen, um eine ähnliche günstige Unfallziffer zu finden. Die da= malige Vergleichsziffer stellt sich auf 1,54. Im Jahre 1913, als noch niemand von Rationalisierung träumte, ereigneten sich noch 2,31 tödliche Unfälle pro tausend Mann. Berücksichtigt man

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nur den gesamtpreußischen Steinkohlenbergbau, dann ist seit 1925 die Todesziffer von 2,70 auf 2,02 gesunken. Und noch gün­stiger sind die Vergleichsziffern aus dem Bergbau an der Ruhr, wo die Tausendziffer der Todesfälle von 2,88 im Jahre 1925 auf 1,93 im Jahre 1928 gesunken ist. Fast ein Mann mehr pro Tausend kann in diesen wenigen Jahren in unserem Gebiete am Leben bleiben. Das macht auf die Gesamtbelegschaft etwa 350, eine Zahl, die sehr zu beachten ist. Im übrigen wird von dem Bericht noch festgestellt, daß sich durch Gewinnungsmaschinen und Werkzeuge im ganzen nur 0,5 Prozent aller Unfälle er= eignet haben. Alles in allem ist also erfreulicherweise festzu­stellen, daß jede der obigen Zahlen das Märchen von der Ge­fährlichkeit der Rationalisierung widerlegt. Und da die Zah len von unparteiischer amtlicher Stelle kommen, ist an ihrer Echtheit schon gar nicht zu zweifeln.

Flüssiges Obst.

Die hohen Nähr-, Genuß- und Gesundheitswerte des Frisch­obstes werden allmählich Gemeingut. Jedoch hält sich das Frisch­obst meistenteils nur bestimmte Zeit und gerade im Spätwinter und Frühjahr, wo der Körper besonders diese wichtigen Nähr­stoffe benötigt, ist öfters kein Obst mehr in den Haushaltungen zu finden. Man greift dann zur Auslandsware, welche aber nicht im geringsten unserem deutschen Obst an Geschmack und Nährwert gleich kommt. Nach neuerem Verfahren ist man nun in der Lage, das Frischobst im flüssigen Zustande unbegrenzte Zeit haltbar zu machen. Dieses flüssige Obst ist wertvoll für Gesunde und Kranke, für Kinder und Erwachsene, und besonders unsere Turner und Sportsleute schätzen dieses flüssige Obst als Muskel- und Nervenspender. Die Herstellung dieses flüssigen Obstes kann in jedem Haushalt erfolgen. Um nun über die Her stellung unterrichtet zu werden, erteilt der Hessische Landesaus­schuß für gärungslose Früchteverwertung, Darmstadt, Stifts­straße 45, Rat und Auskunft. Jetzt ist die beste Gelegenheit, sich mit der Herstellung des flüssigen Obstes vertraut zu machen, da­mit man bei der diesjährigen Obsternte in der Lage ist, früh­zeitig mit der Gewinnung von flüssigem Obst zu beginnen. Obst jeder Art kann Verwendung finden.

Neue Bücher.

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Das gelbe Kochbuch. Von Elly Petersen. 450 G. mit 1200 Kochrezepten und 50 Bildern( Verlag Knorr u. Hirth G. m. b. H., München). Geh. 4,50 Rmt., in Leinen 5,80 Rmf. Das Kochbuch ist nicht etwa bloß eine Sammlung von Rezepten, die nur dem in der Kochkunst Erfahrenen verständlich sind im Gegenteil, es ist ein Lehrbuch der Küche, so einfach und klar geschrieben, daß auch der Unerfahrenste darnach wird kochen können. Und ein solches Buch ist höchst notwendig, denn die jun­gen Mädchen von heute und die jungen Frauen, sie haben meist wenig Ahnung vom Kochen, wenig Lust dazu, wenig Zeit dafür. Wenn sie dieses Buch lesen, werden sie sicherlich die Scheu vor der Küche überwinden.

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