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Samstag, den 5. April 1930.

mächtig als Kultur und als politische Notwendigkeit. Darum wollen wir zu einem Bund der Heimat, zu einem Heimatbund, und zwar zu einem Deutschen Heimatbund, zusammentreten und uns in diesem Bund ein Organ gemeinsamen Fühlens und Wol­lens schaffen, ein Organ deutscher Heimatseele, damit sie das ihre dazu tue, einen gesunden deutschen Volkskörper zu bauen. Wer immer und aus welcher Partei und Schicht er immer kommi diesem Gedanken einer deutschen, Volkstum und deutschen Boden verbindenden Heimatgemeinschaft zustimmt, der möge seine Zu­stimmung an den Unterzeichneten gelangen lassen. Wir wollen dann in einiger Zeit alle an einem allseitig gleich gut erreich­baren Ort zusammen kommen und erwägen und beschließen, welche Form wir dieser Gemeinschaft geben wollen; doch soll eine Organisation" vermieden werden.

Bad Berka( Thür.)

Dr. Th. Scheffer.

Goldverknappung und Löhne.

Gießener Zeitung

Abschluß der gegenwärtigen Entwicklung zu erwarten ist. Trotz­dem muß allgemein erkannt werden, daß die Inflation( steigende Preise, dadurch sinkender Reallohn) übergegangen ist in bie gegenteilige Erscheinung der Deflation, in der sinkende Waren­preise den Reallohn steigern. Diese Erkenntnis ist umso not­wendiger, als die Deflation nicht etwa eine vorübergehende Zu­fallserscheinung ist, sondern die Wiederholung von Wirtschafts­vorgängen, die als Folgen der Verlagerung der Goldbestände nach jedem größeren Kriege seit etwa 150 Jahren beobachtet wurden. Verschärft wird die Deflation durch die Absicht wich­tiger Wirtschaftsgebiete des Ostens( China, Indochina, Indien) in nächster Zeit von der Silberwährung zur Goldwährung über­zugehen.

Die Goldgewinnung der Welt beträgt seit etwa 10 Jahren rund 1,7 Milliarden jährlich. Der monetäre Goldbestand der Welt ist auf etwa 48 Milliarden angewachsen. Mit einer we­sentlichen Steigerung der Goldvermehrung ist aber kaum noch zu rechnen. Hingegen steigen Bevölkerungszuwachs und Güter­erzeugung jährlich um etwa 3 Prozent an, also stärker als die Goldvermehrung. Daraus entsteht eine zunehmende Spannung zwischen dem Goldvorrat und dem damit zu bewältigenden Wa­renumsatz, was zu einer fortschreitenden Senkung der Waren­preise führen muß und bereits geführt hat.

Sejjen

Wasserstandsverhältnisse in Hessen

im Jahre 1930.

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Nr. 27.

Gamstag, den 5.

Städtische Abl rium hat der Stadt Rmt. Inhaberschuldo befig) und von 88 50 befik) zum Zwede b lofungsanleihe erteil Laufe der nächsten W * Wer ist Eigen die Schuljungen aus den Boltsbad aufgeft

Ein leises Ahnen geht durch die Lande. Frühling wird es allmählich und der Winter zieht über die Berge. ,, Laue Lüfte fühl' ich wehen, gold'ner Frühling taut herab." Komm, laß dir die Wunder zeigen, die jetzt in Feld und Wald zu sehen sind. Und du wirst deine Hände falten und ein Loblied anstimmen zur ewigen Ehre des Schöpfers; und jeder Sonntag in der Blütenzeit wird dir zum Frühlingsfest.

minalpolizei fichergest derne, die anläßlich Laterne foll angeblid der Schönen Aussicht Schachtungsarbeiten en Eigentumsrechte gelte Kriminalabteilung vo * Fundsachen im die im Monat März genstände kann an der Landgraf- Philipp- Pla berechtigten werden d halb 2 Monaten beim tend zu machen.

Dem Kuß der Sonne hat der Schöpfer die Wunderkraft ge­geben. Jedes Blümlein wird so durch einen Sonnenfuß ge­weckt, die großen und die kleinen und die Sträucher und die Bäume. Und da fängt es an zu sprossen und zu treiben, zu grünen und zu blühen, und bald wird ein Heer von Blumen die Erde schmücken. Schlüsselblumen läuten das große Erwachen ein und schließen den Himmel des Frühlings auf. Und dann fommt ein Pflänzlein nach dem andern, und die Sträucher spren= gen die Knospenhüllen und behängen sich mit Silberperlen, der Wald beginnt zu grünen, die Reben fangen an zu ranken und selbst das verborgenste Knösplein schlägt herzhaft die Augen auf. Unter die Hecken streut der junge Lenz die ersten Veilchen, die Vöglein sind wiedergekommen und singen und proben ihre Lie­der zum großen Frühlingsfest. Denn der Frühling gibt jetzt ein Konzert im Saal zum grünen Walde."

Aus den Niederschlags- und Wasserstandsbeobachtungen läßt sich erkennen, daß in diesem Jahre( bis zum Winter etwa) mit niedrigen Grundwasserständen zu rechnen ist. Selbst stärkere Niederschläge im Laufe des Sommers werden an diesem Zustand faum etwas ändern. Diejenigen hessischen Gebiete, welche in normalen Zeiten im Frühjahr( bis zur Heuernte) unter hohem Grundwasserstand leiden, werden diesen Zustand begrüßen. Auch für die Ausführung von Tiefbauten, Meliorationen usw. würde der Sommer wegen des tiefen Grundwasserstandes günstig sein. Im übrigen aber kann der niedere Grundwasserstand, nament­lich, wenn er von Juli ab noch weiter absinkt, für die Landwirt­schaft( Halm- und Hackfrüchte) und die Forstwirtschaft bedenklich werden. Die Pflanzen sind dann in der Hauptsache auf das aus Niederschlägen stammende Kapillarwasser angewiesen. Ob wir ausreichende Niederschläge bekommen, läßt sich nicht voraus­sagen. Zu bedenken gibt die Erfahrung, daß die auf beson= ders kalte Winter folgenden Jahre vielfach große Trockenheit aufweisen. Durch das Absinken des Grundwasserspiegels wür­den auch die Trinkwasserversorgungsanlagen betroffen. Die Grundwasserspeisung der Hessischen kleinen Flüsse und Bäche wird nach dem Vorgesagten ebenfalls geringer sein, als sonst Die Wasserführung wird sehr von den Niederschlägen abhängen und diese müßten schon sehr reichlich fallen, um die zur Zeit lee­ren Gerinne der Flüsse, Bäche und Gräben zunächst aufzufüllen.

Der Großhandelsinder ist seit 1927 um 9 Punkte gesunken, und er beträgt 3. 3. etwa 129 gegen 140 im Durchschnitt des Jahres 1928. Er ist somit auf den niedrigsten Stand seit der Währungsstabilisierung angelangt. Es ist selbstverständlich, daß die Preise für Fertigfabrikate im Laufe der Zeit den sinkenden Rohstoffpreisen angepaßt werden müssen, zumal deren sinkende Tendenz sich eher verstärkt als abschwächt. Die Preissenkung für Fertigfabrikate ist für die weiterverarbeitenden europäischen Industrieländer schon deshalb nicht mehr zu umgehen, weil die Kaufkraft der Rohstoff exportierenden Länder wie Südamerika, Australien und Kanada bereits empfindlich abgeschwächt ist und zu einer teilweisen Stockung der Fabrikateneinfuhr jener Län­der geführt hat.

In dieser Richtung liegt sowohl für den Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber eine tiefe Tragik, die sich bei den kommenden Lohnverhandlungen unangenehm bemerkbar machen muß. Denn die von den Gewerkschaften mit regierungsseitiger Hilfe im Laufe der letzten vier Jahre erzwungene Lohn- und Gehaltssteigerung im Werte von rund elf Milliarden Mark konnte nur durch schärfste Rationalisierung ausgeglichen werden. Dabei hat die wachsende Arbeitslosigkeit bewiesen, daß alle Rationalisierungs­ersparnisse bisher zur Aufrechterhaltung der Betriebe nicht aus­reichten, weil die zusätzlichen Lasten für Löhne, Steuern und Sozialbeiträge diese Ersparnisse überschritten. Dadurch ist die Möglichkeit weiterer Rationalisierung für Deutschland gerade in dem Augenblick erschöpft, in dem die Weltmarktlage zu einer all­gemeinen Preissenfung zwingt. Der kommende Preisrüdgang tann also in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen In­dustrieländern nicht durch weitere Rationalisierung kompensiert werden, sondern nur durch Steuer- und Lohnsenkungen.

Da darfst du Mensch nicht fehlen, denn der Frühling ist ein Bote vom Himmel, der von der Größe des Schöpfers kündet, der uns ein Stück von der Allmacht zeigt und das göttliche Walten. Laßt auch in eure Herzen Sonne und, Frühling hinein! Der Sonntagsschreiber.

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Diebstähle. An

hiesigen Bahnspediteu wefenheit des Fuhrm fehene Pakete entwen 10 Meter Herrenstoff

durchwirkten Streifen Marke Ova". Der Meter groß, 30 Jahre Heidet und trug bläu flager Randfaffung. anlage wurde ein M wendet. Der Eimer Buchstaben P. G.

Verbandstag der hessischen Kaffeehausbesizer. Am Mittwoch hielt der Verband der hessischen Kaffeehaus­besitzer hier im Hindenburg" seinen Verbandstag ab, zu dem eine Anzahl staatliche Behörden, wirtschaftl. Korporationen usw. Vertretungen entsandt hatten. Nach den Begrüßungsworten von Herrn Körner als hiesigem Ortsgruppenvorsitzender und des Verbandsvorsitzenden Tischler- Darmstadt sprach der Verbandsdirektor Geisthardt- Berlin über das Thema: ,, Das gastronomische Gewerbe im Spiegel der Reichsfinanz­reform und des Gaststättengesetzes". Der Redner übte Kritik an der außerordentlich hohen steuerlichen Belastung des Kaffee­hausgewerbes, die höher sei als bei andern Berufsständen. Er forderte stärkste Ausgabensenkung der öffentlichen Wirtschaft und weitgehende Finanzreform, bei der eine ganze Anzahl untrag­barer Steuern verschwinden oder aber zum mindesten einschnei­dend geändert werden müßten. Zum Schluß äußerte er sich noch über das Schankstättengesetz, das er nach den wesentlichen Ab­änderungen in der zweiten Lesung des. Reichstagsausschusses als jetzt erträglich bezeichnete. Sodann sprach Kaffeehausbesitzer Schmitz Darmstadt über Die Einstellung des Kaffeehaus­gewerbes zur Finanz- und Steuerreform, wobei er in den Hauptzügen die Stellungnahme des 1. Redners vollkommen unterstützte. Nachdem man noch über die Tonsegerfrage gespro­chen hatte, fand eine rege Aussprache statt, in die auch zwei Vertreter des Kreisamts Gießen, Dr. Braun und Dr. Wolf, ein, griffen, und zwar zur Konzessionsfrage und zur Frage der völ­ligen Aufhebung der Polizeistunde. Nach mehrstündigen Be­ratungen fand die Tagung ihren Abschluß, nachdem man noch als Ort der nächsten Verbandstagung die Stadt Mainz be stimmt hatte.

Unter diesen Aussichten erscheint ein haushälterisches Um­gehen mit den Wasservorräten geboten und es dürfte sich für alle interessierte Stellen empfehlen, alle diesbezüglichen, nach den bisher gewonnenen Erfahrungen getroffenen Maßnahmen und Anordnungen in Erinnerung zu bringen und zur richtigen Zeit wirksam zu machen.( Zum Beispiel Prüfung der künstlichen Bewässerungsanlagen( Pumpwerke) auf Bereitschaft und Zu­länglichkeit; Maßnahmen zur Auffüllung von Staubecken, Ein­stau von Gräben usw.; Vermeidung zu tiefer Grundwasser absenkung bei Wasserwerken; Maßnahmen zur Einschränkung des Wasserverbrauchs usw.) Hier sei auch daran erinnert, daß die Trockenheit Brandgefahr birgt. Man übe daher Vorsicht im Walde, längs der Bahnlinien. Im Rhein machte sich die Trok­fenheit im vergangenen Jahre in niedrigen Wasserständen be­merkbar. Auch heute steht der Rhein noch niedrig. Die Schnee­schmelze wird zwar hier eine Besserung bringen; wie sich die Rheinwasserstände nach Ablauf des Frühlingshochwassers ge= stalten, namentlich, ob sie genügen werden, bleibt nach dem Vorgesagten recht unsicher. Interessenten werden gut tun, die Möglichkeit zeitweilig niedriger Rheinwasserstände auch im Laufe dieses Jahres nicht ganz aus dem Bereiche ihrer Er­wägungen zu lassen. Rechtzeitige Vorsorge, auch wenn sie sich als zwecklos erweisen sollte, ist immer besser, als zu späte Ein­sicht. Für Wasserbauten bieten die herrschenden niedrigen Wasserstände in den Gewässern ein günstige Gelegenheit.

Es wird für die Gewerkschaftsführer schwierig sein, diese Notwendigkeiten, denen sie sich kaum verschließen dürften, nun auch ihrer Anhängerschaft klarzumachen, nachdem sie in Unkennt­nis der kommenden Entwicklung die bisherigen Lohnabkommen gekündigt haben, um eine weitere Lohnsteigerung zu erzwingen. Die Aufklärung der Massen ist umso schwieriger, als sich die Senkung der Großhandelspreise leider nicht sofort auf die Klein­handelspreise überträgt, und eine völlige Ausgleichung erst nach

Das Bündnis

zwischen Italien und Preußen

vom 8. April 1866.

Immer wieder taucht in der Presse die Nachricht auf von Verhandlungen, die Italien in den letzten Jahren mit unserer Regierung habe einleiten wollen. Insbesondere erzählt ,, Rum­pelstilzchen" in seinem Buche über Mussolini, Der Schmied Roms( Brunnen- Verlag, Carl Winkler, Berlin), daß der Duce" im Jahre 1923- zur Zeit der Kahr- Bewegung in Bayern den Dr. Cetaldi nach Deutschland geschickt habe, und zwar nach Bad Ems, um dort mit bayerischen Politikern zu verhandeln. Zwei Jahre später, im Frühling 1925, habe Mus­solini dann den General Capello, den früheren Oberbefehls­haber der 2. italienischen Armee am Isonzo, zu Verhandlungen nach Berlin geschickt, um ein Bündnis- Angebot Italiens zu überbringen. Die Sendung sei erfolglos verlaufen.

Diese Reise des italienischen Generals nach Berlin ruft die Erinnerung wach an die Mission des piemontesischen Generals Govone im Frühjahr 1866, die den Abschluß eines italienisch­preußischen Bündnisses zum Gegenstand hatte.

Victor Hugo hat damals das Wort geprägt, ein Bündnis zwischen Preußen und Italien werde durch einen Schrei der Natur" gefordert; es lag tatsächlich, wie man zu sagen pflegt, ,, in der Luft".

erklärte Bismarck nach Aufklärung des Sachverhaltes umgehend sein wirkliches Einvernehmen mit der Sendung Govones und ließ dies auch durch den Grafen v. d. Goltz dem italienischen Gesandten in Paris, Nigra, mitteilen. Dies alles verschweigt La Marmora in seinem Buche, um den Schein zu erwecken, als habe Bismard die Sendung Govones veranlaßt.( Sybel IV, G. 293 ff.)

Italiens Ministerpräsident, General Alfons La Marmora, hatte als nächstes Ziel seiner Politik die Erwerbung Venetiens im Auge. Der Krieg, den Frankreich und Italien im Jahre 1859 gegen Desterreich geführt hatte, hatte dem Königreich Sar­dinien Piemont die Lombardei als Zuwachs gebracht, nun sollte Venetien folgen.

Hier wird ein italienisches Ränkespiel offenbar! La Mar­mora begann also die Unterhandlungen, nicht, um im Bunde mit Preußen gegen Oesterreich Krieg führen, sondern um das Schreckbild dieses Bundes in Wien als Pression für den rumä nischen Tausch zu verwerten. Kein Wunder, daß er bei solcher unaufrichtigen Gesinnung auch bei den Preußen die gleiche Un­zuverlässigkeit voraussetzte.

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* Die Frist für Lohnsteuer- Rüderstattungsanträge ist am 31. März abgelaufen. Es ist zwecklos, jetzt noch Anträge zu stellen, da sie sämtlich abgewiesen werden.

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Die Hindenburgspende schüttete bestimmungsgemäß an­läßlich des bevorstehenden Osterfestes wiederum 425 000 Rmt. an rund 2200 notleidende Kriegsbeschädigte, Kriegerhinterblie bene und Veteranen aus.

Am 14. März 1866 begannen in Berlin die Verhandlungen; am 24. März lernte auch Kronprinz Friedrich Wilhelm ge­legentlich eines Frühstückes bei seinem königlichen Vater den General Govone fennen; er urteilt günstig über ihn: ,, sieht deutsch aus, entschlossen und gescheit". Im übrigen stand der Kronprinz dem Bündnis ablehnend gegenüber: ,, Bismard will den König kompromittieren und so fest binden, daß er nachher als engagiert in das Verhängnis hinein muß, er mag wollen oder nicht" Es ist der große Triumph bismardischer Staats­kunst, daß gerade diese an sich berechtigte Befürchtung ins Gegen­teil verkehr wurde! Nicht Italien bekam die Führung im Bündnis, sondern Preußen!

Ein Zwischenfall auf der Balkan- Halbinsel sollte hierbei ausgenützt werden. Am 24. Februar 1866 hatten die Rumänen ihren Fürsten Cusa vertrieben und waren herrenlos. La Mar­mora dachte sofort an ein Tauschgeschäft, bei welchem Desterreich und Italien gleichmäßig ihre Rechnung fänden: Oesterreich sollte Rumänien bezw. die Fürstentümer Moldau und Walachei be­setzen und dafür Venetien an Italien abtreten. Der italienische Gesandte in Paris, Nigra, unterbreitete den Plan Napoleon III., der einerseits auf die Schwierigkeiten, die Rußland bereiten könnte, andererseits auf die Zweckmäßigkeit eines Bündnisses zwischen Italien und Preußen hinwies. Am 4. März 1866 er­hielt Bismard ein Telegramm des preußischen Gesandten in Florenz, des Grafen Usedom, Italien beabsichtige, wenn es der preußischen Regierung genehm sei, behufs militärischer und po= litischer Verhandlungen einen Offizier nach Berlin zu senden. Mit dieser Depesche kreuzte sich eine Telegramm Bismarcs, der König genehmigte eventuelles Bündnis und militärische Sen­dung nach Florenz. Hierzu war Moltke ausersehen.

Hierin meinte Usedom die preußische Zustimmung zu La Marmoras Vorschlag zu finden und auf seine Mitteilung be­rief der Minister den General Govone, einen ebenso energischen wie vorsichtigen Offizier aus Perugia nach Florenz, um ihm die erforderlichen Instruktionen für Paris zu erteilen. Immerhin

*

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auf folgendes hin: J tet, in Gärten und i nerhalb der Stadt L Die dabei entstehende len so start, daß das Ziffer 6 des Reichstr halten von Feuer i feuerfangenden Sache gewiesen, Zuwiderha bringen.

Könige von Preußen und dem König von Jtalien. Wenn die Unterhandlungen, welche Seine Majestät der König von Preu­ßen mit den anderen deutschen Regierung in Absicht auf eine den Bedürfnissen der deutschen Nation entsprechende Reform der Bundes- Verfassung eröffnet hat, scheitern sollten und Seine Majestät in die Lage käme, die Waffen zu ergreifen, um seine Vorschläge zur Geltung zu bringen, so wird Seine italienische Majestät, nach der von Preußen ergriffenen Initiative, in Kraft dieses Vertrages gegen Desterreich den Krieg erklären. Von diesem Augenblick an wird der Krieg von beiden Majestäten mit aller Kraft geführt werden und weder Italien noch Preu­ßen werden Frieden oder Waffenstillstand ohne gegenseitige Zu­stimmung schließen. Diese Zustimmung kann nicht verweigert werden, wenn Desterreich eingewilligt hat, an Italien das lombardisch- venetianische Königreich und an Preußen öster­reichische Landstriche, die an Bevölkerung diesem Königreich gleichwertig sind, abzutreten.( Mündlich wurde vereinbart, daß Zugeständnisse in der deutschen Frage gleichwertig sein sollen.) Artikel 5 bestimmt: ,, Dieser Vertrag erlischt drei Monate nach seiner Unterzeichnung, wenn in diesen drei Monaten der in Artikel 2 vorgesehene Fall nicht eingetreten ist, nämlich, daß Preußen den Krieg an Oesterreich nicht erklärt hat." Der Schlußartikel 6 besagt: Wenn die österreichische Floite, deren Mobilmachung sich eben vollzieht, vor der Kriegserklärung das Adriatische Meer verläßt, wird Seine italienische Majestät eine hinlängliche Zahl von Schiffen in die Ostsee senden, die dort Station nehmen werden, um zur Vereinigung mit der preußischen Flotte bei Ausbruch der Feindseligkeiten bereit zu sein."

Die Verhandlungen gerieten infolge des gegenseitigen Miß­trauens ins Stoden. Da brachte Napoleon III. die Verhand­lungen wieder in Fluß. Er sah mit Wohlgefallen die Trübung der Beziehungen zwischen Preußen und Desterreich, denn ver­eint bildeten beide Mächte gegen Frankreich ein unangenehmes Bollwerk. Deshalb förderte er bis auf weiteres die Pläne des preußischen Außenministers, und das war der Hauptgrund, wes­halb er das Bündnis zwischen König Victor Emanuel und König Wilhelm schmiedete. So gedachte er Mitteleuropa in Brand zu stecken, um Italien Venedig, Frankreich aber den Rhein zu verschaffen. La Marmora entsandte den Grafen Arese, der mit Napoleon seit dessen Jugendtagen eng befreundet war, nach Paris, um die Ansicht des Schiedsrichters von Europa" zu hören; er kam mit der Zustimmung des Kaisers zurück. Jetzt ging alles nach Wunsch. Binnen einer Woche nach der Audienz Areses bei Napoleon hatte Bismard den Vertrag, wie er ihn sich gewünscht hatte, in der Tasche. Durch seine Ausdauer hatte er das Ziel erreicht. Für den Fall, daß Preußen das Schwert zog, war ihm Italiens Waffenhilfe gesichert und da­mit auch dem Protektor Italiens dem Kaiser Napoleon III., eine offene Stellungnahme gegen Preußen nahezu unmöglich ge­macht. Militärisch war das Bündnis von allergrößter Bedeu­tung! Moltke hatte den Kampf gegen Desterreich und die Mit­telstaaten ohne Italiens Waffenhilfe für bedenklich erklärt. Nun mußte Oesterreich eine starke Armee gegen Italien auf­stellen, die im Norden gegen Preußen wegfiel. In dem ganzen Bündnis batte Breußen die Führung! Der denkwürdige Vertrag vom 8. April 1866 bestimmte in seinen sechs Artikeln:

Es wird Freundschaft und Bündnis bestehen zwischen dem

Der Vertrag vom 8. April ist ein diplomatisches Meister­werk Bismards! Solange Preußen nicht aus eigenem Ent­schlusse den Krieg erklärte, hatte es freie Hand, mochte im Süden der Alpen vorgehen was da wollte. König Wilhelm und Bismard gaben niemals die Entscheidung über den Beginn eines Krieges, der für Preußen die Existenzfrage stellte, aus der Hand.

* Bon der Reich Nachtigall zum Reid

Ben und Hofmeier­Dienste der Reichsb Gießen.

Kontursverfa nerstag hat infolge

Ronfurs angemeld Dadurch zunächt aufrechterhalten

Desterreichs Mobilmachung und seine halsstarrige Ablehung jeder Bundes- Reform führten zum Kriege. Italiens Armee wurde am 24. Juni 1866 von Erzherzog Albrecht bei Custozza völlig geschlagen, seine Flotte vernichtete der österreichische Ad­miral Tegethoff in der Seeschlacht bei Lissa am 20. Juli 1866. Nur die preußischen Siege retteten den italienischen Bundes­genossen! Durch Preußens Erfolge erhielt Italien im Wiener Frieden vom 12. Oktober 1866 das heißersehnte Venetien, das Kaiser Franz Josef unter dem Eindruck der Niederlage bei niggräß an Napoleon III. abgetreten hatte. Auch die berühmte ,, Eiserne Krone", die im Jahre 1859 nach Wien gebracht worden war, mußten die Habsburger an das Haus Savoyen heraus­geben! So endete der für Italien verlorene Krieg noch mit einem großen Erfolge! Der Vertrag vom 8. April 1866 ist ein Doku ment von größter Wichtigkeit in der Geschichte Preußens und des mit ihm verbündeten Italiens! Und wenn Italien den Dreibund- Vertrag ebenso gehalten hätte, wäre es jetzt am Ziele seiner Wünsche! Verpaßte Gelegenheit!

Dr. Ludwig Roth.

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