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Nr. 26

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Gießener Zeitung

Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd­sendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

43. Jahrg.

Bolitische Rundschau.

( Gießener Tageblatt)

Am Mittwoch, den 9. April, hält der Reichskohlenrat im Ingenieurhaus in Berlin eine Sigung ab, in der die Lage der Kohlenwirtschaft besprochen werden soll.

Um das Reichslichtspielgesez vom 12. Mai 1920 einer Re­vision zu unterziehen, hat die Reichsregierung eine Novelle vor­gelegt, wonach die Zulassung eines Filmes zu versagen ist,

Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen. Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postschecktonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Samstag, den 5. April 1930

in Zukunft gänzlich ausgeschlossen. Dazu gehören: Pelze, Fleisch und Fruchtkonserven, Delikatessen aller Art und Zuderwaren.

( Neueste Nachrichten)

Anzeigenpreise: die 30 mm breite Petitzeile auswärts 24 Pfg., lokal 12 Pfg., die 90 mm breite Reflame- Petitzeile 96 Pfg. Platz­vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholung Rabatt. Für Vollklischee- Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung.

Nummer 27

Die Erfolge der sozialdemokratischen Gewerkschaften!

Von einem Leser unserer Zeitung, der seit Jahren das Wirtschaftsleben sehr, sehr genau kennt, wird uns folgendes ge­

3. Andere Güterklassen sollen rationiert werden, d. h. be­schränkt werden auf einen Bruchteil der bisherigen Einfuhr. In dieser Klasse werden sich rund 50 Gattungen befinden, da­schrieben: landwirtschaftliche Maschinen, Tabak, Lederwaren, Strümpfe und anderes.

runter

Jahrzehntelang haben die Gewerkschaften gegen die Unter­nehmer und Fabrikanten gehetzt. Ihre Zeitung spieh stets Gift und Galle aus und keine Woche verging, wo sie nicht einmal

wenn die Prüfung ergibt, daß die Vorführung des Bildstrei: Der fommende Transatlantik Zeppelindienst. schrieb: wir müssen aufwiegeln und heßen!" Als vor dem Krieg

fens geeignet ist, die öffentliche Ordnung oder Sicherheit zu ge= fährden, das religiöse Empfinden zu verlegen, verrohend oder entsittlichend zu wirken, das deutsche Ansehen oder die Bezie hungen Deutschlands zu auswärtigen Staaten zu gefährden."

Ein im Thüringer Landtag gegen Frid eingebrachter Miß­trauensantrag ist vom Landtag mit Stimmengleichheit abge: lehnt worden.

Der von den Kommunisten propagierte Schulstreit in dem roten Neukölln ist bereits am Donnerstag zusammengebrochen. In allen Klassen wurde am Donnerstag der Unterricht plan­mäßig durchgeführt, da die Schulen polizeilichen Schutz erhalten hatten. Nur die Kinder rein kommunistischer Eltern beteiligen fich an dem Streit.

General der Infanterie Conrad Freiherr von der Golz ist am 3. April in seiner Wohnung Berlin- Stegliz, Humboldtstr. 15, gestorben. Er war im Frieden zulegt Kommandeur der 30. Di­vision und in der Schlacht bei Tannenberg der rühmlichst bekannt gewordene Kommandeur der Landwehrdivision von der Golz.

Dr. Edener befindet sich zur Zeit in Lakehurst und hat dort gestern die Vorbereitungen für die Zwischenlandung des, Graf Zeppelin" auf seiner bevorstehenden großen Fahrt nach Süd­und Nordamerika beendet.

Der Luftschiffbau Friedrichshafen beabsichtigt, nach der Spa­nienfahrt auch eine etwa zweieinhalbtätige Fahrt nach Afrika mit Graf Zeppelin" auszuführen.

Der Garnisonchef von Reval, General Unt, wurde am Freitagvormittag auf der Straße hinterrüds erschossen. Die Attentäter man sagt Kommunisten sind entkommen. Die Flamisierung der Universität ist gestern im bel: gischen Senat mit 111 gegen 14 Stimmen beschlossen worden. Aus China kommen Bestätigungen, daß 6 schwedische Mis­sionare von aufrührerischen Banden verschleppt wurden.

Newyork, 4. April. Ueber den kommenden Transatlantik­Zeppelindienst, der 1932 aufgenommen werden soll, werden nun­mehr Einzelheiten bekannt.

Danach sollen zwei deutsche und zwei amerikanische Luftkreu­zer, die sämtlich in ihren Ausmaßen größer sein sollen als das Luftschiff ,, Graf Zeppelin", vorläufig in den Dienst gestellt wer­den. Der Fahrpreis soll nur das Doppelte des Preises für erste Klasse Schnelldampfer betragen. Die Luftreise von Europa nach Amerika soll drei Tage dauern, die Rückfahrt von Amerika nach Europa dagegen nur 2 Tage. Jedes Luftschiff wird bis zu 80 Fahrgästen befördern können.

Der russische Religionsmord.

England und die Christenverfolgungen in Rußland. London, 3. April. Der Erzbischof von Cunterbury hielt am Mittwoch im Oberhaus eine Rede, in der er sich eingehend mit den Religionsverfolgungen in Rußland beschäftigte. Er er­klärte, daß sich die Sowjets gegen jede Glaubenslehre wenden. Ihm lägen Berichte vor, wonach

im Jahre 1929 395 Kirchen, 78 Klöster, 70 Synagogen und 38 Moscheen geschlossen

worden seien. Nach weiteren Angaben sei damit zu rechnen, daß noch mehrere hundert Kirchen geschlossen werden. Aus re­ligiösen Gründen seien 71 Personen erschossen und 112 Perso nen zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Gandhi will Märtyrer werden.

London, 4. April. Gandhi hat Instruktionen erteilt, daß der passive Widerstand in allen Teilen Indiens am kommenden Sonntag beginnen soll. An diesem Tage beabsichtigt er, das Gesetz über die Salzsteuer in Dschalalpur zu brechen.

Grausame Hinrichtung von Anhängern Habib Ullahs. Peshawar, 4. April. Gestern wurden in Kabul 11 An­

Mehrheit für das Kabinett Brüning. hänger des Usurpators Habib Ullah hingerichtet. Sie wurden

Die Mißtrauensanträge mit 253 gegen 187 Stimmen abgelehnt.

Berlin, 3. 4. In der heutigen Reichstags- Sigung wur­den die Mißtrauensanträge gegen das Reichskabinett Brüning mit 253 zu 187 Stimmen abgelehnt. Die deutschnationale Frat­tion stimmte geschlossen gegen die Anträge. 15 Mitglieder der jozialdemokratischen Fraktion beteiligten sich nicht an der Ab­stimmung, voran Reichskanzler a. D. Müller, Ministerpräsident Braun und Dr. Hilferding.

Ernennung der deutschen Mitglieder des Verwaltungs­rates der B. J. 3.

Nach der Satzung der Bank für Internationalen Zahlungs­ausgleich( B. J. 3.) hat der Reichsbankpräsident als deutsche Mitglieder des Verwaltungsrates der Bank einen, Vertreter der Finanz, der Industrie oder des Handels" und einen weite­ren ,, Deutschen, der Industrie oder Handel vertritt", zu ernen­Пen. Außerdem ist von Amts wegen Mitglied des Verwal­tungsrates der Reichsbankpräsident selbst. Nachdem die Aus­wahl der deutschen Vertreter mit Rücksicht auf den Wechsel im Amt des Reichsbankpräsidenten bisher ausgesetzt war, hat Reichs­bankpräsident Dr. Luther am Tage seines Amtsantritts Herrn Dr. Karl Melchior in Hamburg und Herrn Kommerzienrat Dr. Paul Reusch in Oberhausen im Rheinland zu Mitgliedern des Verwaltungsrates berufen. Zu seinem Stellvertreter im Verwaltugsrat der B. J. 3. hat der Reichsbankpräsident Herrn Geh. Finanzrat Dr. Vodke, Mitglied des Reichsbankdirekto­riums, ernannt.

Hohe Zollmauer um Australien.

London, 4. April. Der australische Premierminister Scul­lin hat soeben vor dem australischen Repräsentantenhaus eine sensationelle Erklärung abgegeben, in der er zur Hebung der nationalen Finanzen eine Politik der schärfsten Einfuhrbeschrän= fung ankündigt. Sein Plan enthält folgende Grundzüge:

1. Die Zölle auf die sogenannte Luxuseinfuhr werden um 50 Prozent erhöht. Zu den Waren dieser Klasse gehören, so­weit sich bisher übersehen läßt, in erster Linie Spirituosen, Kunstseideprodukte, Schuhe, Farben, Glaswaren, Parfüm und Toiletteartikel, Juwelen, Grammophone, Motorräder, Pianos, Roffer, Photographenapparate, Papierwaren, Spielwaren und falscher Schmud.

2. Gewisse Klassen von sogenannter Luxuseinfuhr werden

ein Unternehmer den Genossen sagte, daß sein Betrieb die ho= hen Löhne nicht aufbringen könne, wurde ihm geantwortet: ,, dann solle er schließen". Die Hetze der Genossen hat Erfolg gehabt. Auf der ganzen Linie hat die Sozialdemokratie gesiegt, das Volk ist Herr. Mehr Lohn, weniger Arbeitszeit, war stän= dig gefordert worden.

Dies Ziel ist erreicht. Aber um welchen Preis?

Ein Brotkorb nach dem anderen wird leer, da die Unterneh mer keine Arbeit mehr haben, und die Arbeitszeit ist so kurz geworden, daß jetzt im April rund 10 000 Lohnarbeiter in Ober: hessen überhaupt keine Beschäftigung haben und auf Unterstützung der Steuerzahler angewiesen sind. Jeder 6. Mann in Gießen ist arbeitslos und noch nicht 4000 Censiten müssen alle Steuern aufbringen. Aus mehreren sozialdemokratisch regierten Dörfern geht überhaupt keine Steuer heraus. Die Sozialdemokraten ha­ben die letzten 10 Jahre die Lokal- und Staatspolitik gemacht, wenigstens hatten sie überall die Stimmenmehrheit und mach­ten überall ihre Parteivorschläge unter dem Deckmantel des Sozialismus. Die Vorschläge aber, all die großen Staatsbau­ten und Posten kosteten Geld. Das Geld aber zahlten die Steuer­zahler. Diese wurden natürlich immer ärmer, da ja kein Spa­ren mehr möglich war und jetzt ist bald die von der Sozialdemo fratie ersehnte Zeit gekommen. Es gibt bald feine Kapitali­sten mehr. Ein gewerblicher Betrieb nach dem anderen muß schließen. Das Kapital fehlt und jetzt könnten die gefoppten und betrogenen Lohnarbeiter merken, wohin sie die Gewerkschaft­ler und Sozialdemokraten geführt haben. Das Gespenst der Armut geht um. Die Genossen aber versagen vollständig bei der Beschaffung von Arbeitsgelegenheit, sie tommen immer wieder mit dem Vorschlag: die Stadt und der Staat sollen es machen. Ja, warum führen sie selbst denn nicht einmal einen Be: trieb, wie denjenigen von Heyligenstädt, auf ihre Kosten weiter?

Warum machen sie denn keine Vorschläge, wie man auf der Lollarer Hütte die jetzt entlassenen 700 Lohnarbeiter mit Arbeit versorgt?

Den Gießener Mezgern ihr Brot nehmen, indem man eine

vor die Mündung von Geschützen gebunden, die dann abgefeuert sozialdemokratische Konsum- Metzgerei baut, die feine Steuern

wurden.

Sebung des gesunkenen Lloyddampfers München".

Newyork. Der Lloyddampfer ,, München", der am 11. Fe­bruar nach einem verheerenden Brande im Laderaum unter Wasser gesetzt werden mußte, konnte am Mittwoch durch Aus­pumpen 10 Fuß über die Wasserlinie gehoben werden. Man erwartet, daß der Dampfer Freitag oder Samstag nach Brook­lyn ins Trockendod gebracht werden kann.

Eine große Alkoholladung beschlagnahmt. Newyork, 4. April. Einen guten Fang machte ein Küsten­kutter des amerikanischen Küstenschutzes durch Stoppen des bri­tischen Motorschoners ,, Ada M." innerhalb der 12- Meilenzone. Der Engländer wurde durch mehrere Schüsse vor den Bug zum Beidrehen gezwungen. An Bord wurde eine Alkoholladung im Werte von über 100 000 englischen Pfund vorgefunden und be­schlagnahmt.

Zwei Flieger ertrunten.

Paris. Der Flieger Prevost, der den Weltrekord in der Schnelligkeit über 100 und 200 Kilometer im Wasserflugzeug hielt, stürzte am Mittwoch mit seinem Mechaniker Hoff bei der Erprobung eines neuen Flugzeuges in der Nähe von Perpignan mit dem Flugzeuge aus einer Höhe von 400 Meter ab. Beide Flieger ertranfen.

Schlagwetterkatastrophe in Belgien.

Brüssel, 4. April. Eine schwere Schlagwetterexplosion hat sich in einer Kohlengrube bei Clonges in der Nähe von Mons ereignet. Nach den bisherigen Feststellungen wurden zwölf Bergleute getötet und mehrere andere schwer verletzt.

Schwerer Raub bei einer Gelsenkirchener Kassiererin.

Gelsenkirchen. Ein raffiniert durchgeführter Raubüberfall ereignete sich am Mittwoch abend in einem hiesigen Bergmanns­hause. Eine Tochter des Bergmannes ist Hauptkassiererin eines großen Lebensmittelgeschäftes, weshalb in die Wohnung des Bergmannes jeden Abend aus den mehr als hundert Filial­geschäften die Tageskassen gebracht wurden. Plötzlich drangen vier vermummte Räuber in das Zimmer ein, hielten dem Ehe­paar Revolver vor das Gesicht, drehten das Licht aus und ver­schwanden mit einem Lederkoffer, in dem sich mehr als 25 000 Mart befanden.

zu zahlen braucht, darin sind die Genossen Meister. Aber auch nur einen ernsten Vorschlag zu machen, wie man die Wirtschaft in Gang bringt, dazu ist die Sozialdemokratie unfähig.

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Aufruf!

Was wir haben, sind Parteien, Stände, Schichten, Glaubens­bekenntnisse, Weltanschauungen; sind Gegensätze, Meinungsver­schiedenheiten, Kämpfe und wieder Parteien, Parteien, Par­teien. Was wir nicht haben ist Einheit, Geschlossenheit, in­nere Verbundenheit jenseits all dieser Parteiungen. Ehe wir aber all das andere sind, sind wir Glieder eines Volfes, Glie­der einer Gemeinschaft, die deshalb doch kein Organismus ist, weil ihr die innere Verbundenheit mit dem fehlt, was das Ent­scheidende ist: das Volksbewußtsein. Wir können's uns nicht auf­zwingen, es muß wachsen. Es muß aus einer Seele wachsen, die den Keim dieses Bewußtseins in sich trägt. Es wird um­schrieben von dem einen Wort: Heimat. Wir haben Heimat von Haus aus. Niemand ist ohne Familie. Ein jeder kommt von Vater und Mutter her. Jeder hängt mit dem Volk und durch das Volk irgendwie mag er auch ganz Stadtmensch sein mit dem Boden zusammen. Heimat ist da. Und dies Heimatgefühl, diese Heimatwelt ist uns allen gemeinsam. Dies Gefühl aber sollte so stark werden und sollte zu einem so hohen Grad von gemeinsamem Volksbewußsein führen, daß dem gegenüber alle andern Gegensätze verschwinden; daß sie darin aufgehn als in einem gemeinsamen Feuer, einer gemeinsamen Glut, die die Hemmungen des Volksbewußtseins verzehrt. Also, daß da keine Parteigegensätze mehr sind, sondern nur verschieden geartete, verschieden gedachte Anschauungen und Auffassungen, wie eben eine Sache von 3, 4, von 10 verschiedenen Seiten be= trachtet und beleuchtet werden kann: über allem aber steht das Ganze: Gott, Heimat, Vaterland. Das ist das, was uns fehlt: das Organ dieser Gemeinsamkeit. Dies Organ dieser Gemein­feit. Dies Organ hebt die Meinungsverschiedenheiten zwar nicht auf, biegt sie aber in eine Grundrichtung: Volks: und Heimatwillen. Bei uns Deutschen auf deutsch, bei Schweden, Italienern, Arabern, Feuerländern auf schwedisch, italienisch, arabisch, feuerländisch. So überall. Ueberall ist Heimat das Ureigene. Ueberall ist Bekenntnis zur Heimat Stärke des Volfs= tums. Heimat als Wesen und Begriff ist international mehr als sonst irgend etwas, mehr als Kapital und mehr als Proie­tariat, mehr als Kunst, als Handel und Wissenschaft. Aber nicht überall ist sie in der Gedanken- und Gefühlswelt gleich mächtig,