Mittwoch, den 5. März 1930.
,, Gießener Zeitung"
begrüßten ihre deutschen Gastgeber. Kehrt marsch! Quer übers Spielfeld und auf der gegenüberliegenden Seite gab es eine Wiederholung dieser höflichen Aufmerksamkeit, die vom Publikum herzlich erwidert wurde.
Knöpfles Verlegung.
10 Tage nach der letzten Operation schon wieder spielen und in solch einem Spiel! Gelinde ausgedrückt: eine Unvorsichtigkeit gegen das Prestige, das die Mannschaft zu verlieren hat und eine Unverantwortlichkeit gegen die Gesundheit des be treffenden Spielers selbst. Die Ehre, für Deutschland international aufgestellt zu werden, ist teuer erkauft. Wir wünschen dem sympathischen Knöpfle aber baldige Auskurierung seines defekten Kniees.
sich noch nicht geschlagen. Lebhaft angefeuert von den Zu-| hoben die Hand wer kennt nicht den Faschistengruß und schauern, rennt der deutsche Sturm immer wieder gegen das italienische Schlußdreieck an, wo der„ Panther von Turin", Caligaris, aber schier unüberwindlich ist. Ein Strafstoß gegen Italien wird verschossen. In der deutschen Hintermannschaft zeigt sich langsam große Nervosität, die sich u. a. darin äußert, daß Stuhlfauth im Strafraum den vor ihm stehenden Weber zweimal umläuft. Deutschland kommt zu drei weiteren Ecken, die aber sämtlich nicht erfolgbringend ausgenützt werden kön= nen. Zudem haben Frank und Pöttinger mit ihren Torschüssen viel Pech. Hinzu kommt noch, daß sich Combi jeder Situation gewachsen zeigt. Nach zwei weiteren Eden für Deutschland fällt dann in der 30. Minute die endgültige Entscheidung zu= gunsten Italiens. Orsi, der von Mantel immer gut bewacht wird, steht zufällig frei und gibt den Ball in die Mitte. Magnozzi lenkt an Meazza weiter, der aus der Luft mit Prachtschuß verwandelt. An einen deutschen Sieg ist nun nicht mehr zu denken, zumal die Italiener in der Abwehr sehr vom Glück begünstigt sind und außerdem noch zwei Stürmer in die Läufer reihe zurücknehmen, eine taktische Maßnahme, die man schließlich verstehen kann. So prallen denn alle Angriffe der deutschen Stürmer an der massiven Deckung des Gegners ab, selbst das Ehrentor bleibt versagt, da Pöttinger kurz vor Schlußpfiff in aussichtsreicher Position verschießt. Schon beginnen die Massen abzuwandern. Der Schiedsrichter pfeift den Kampf ab. Die italienischen Begleiter dringen ins Spielfeld und beglückwünschen mit südländischer Begeisterung ihre siegreichen Landsleute, während die große Masse der deutschen Zuschauer still und niedergeschlagen die Kampfstätte verläßt.
Die Spieler.
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Kritik.
Die siegreiche italienische Elf zeigte nicht die bei den Deutschen mitunter hervortretende bestechende Technik, dafür war ihre Spielweise aber ganz auf den Erfolg eingestellt. Die blitzschnellen Angriffe zeigten immerhin Methode. Es wurde eben moderner Zweckfußball gespielt. Nicht immer klappte die Zufammenarbeit der einzelnen Reihen reibungslos, wenn auch nicht vergessen sei, daß die Ballbehandlung aller Spieler nicht das Prädikat sehr gut" verdiente; dafür kämpften alle Azzurris mit so größerer Energie und dem letzten Einsatz ihres Körpers. Sie waren immer um einen Bruchteil schneller am Ball als die Deutschen; außerdem verfügten die Stürmer über gutes Schußvermögen. Ihre stärkste Waffe hatten die Italiener ganz ohne Zweifel in ihrem Schlußtrio, in dem vor allem der Torwart Combi eine überragende Partie lieferte. Er stellte Stuhl= fauth in den Schatten. Gut und erfolgreich spielten die beiden Verteidiger, ohne Trick, aber doch recht wirksam. Die Läuferreihe lief erst in der zweiten Halbzeit zu ihrer wirklichen Form auf und verstand es sehr gut, dem Sturm den nötigen Druck nach vorne zu geben. Auch im Zerstören zeigten sich die Läufer ganz auf der Höhe. Im Sturm ließen nur der Linksinnen Magnozzi und der rechte Flügelstürmer Constantino Wünsche offen. Der Beste der Fünferreihe war Baloncieri.
Auch die deutsche Elf hatte Schwächen aufzuweisen. Im ganzen genommen war jedoch das Spiel der deutschen Mannschaft nicht schlecht, doch beging sie manchen taktischen Fehler. So war es ein großer Nachteil, daß die Deutschen sich von den Gästen das hohe Spiel aufdrängen ließen und den Flachpaß vernachlässigten. Neben ganz großen Leistungen zeigte sich Stuhlfauth auch bedenklich unsicher. Weber konnte nicht an seine beste Form anknüpfen. Der Angelpunkt der deutschen Abwehr war Hagen, der seinen Partner weit übertraf. Die deutschen Außenläufer stellten sich zu sehr auf die Unterstützung des Sturms ein. Sie vernachlässigten daher die Deckung. Trotzdem überragten Mantel und Heidkamp noch Leinberger, der nicht die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllte. Der Sturm litt an Schußpech. Angenehm enttäuschte Zepan, dagegen fiel Frank aus. Auch Albrecht ließ zu wünschen übrig. Pöttinger und Hofmann be= friedigten. Der Schiedsrichter Ruoff( Bern) war ausgezeichnet.
Ergänzend zu obigem Bericht geben wir noch einige Feststellungen unseres Berichterstatters:
Vor dem Länderspiel trennten sich die Jugendmannschaften des FSV. und von Union- Niederrad mit einem 4: 2- Sieg der Sportverein- Jugend. Leider fand dieses Treffen nicht die genügende Aufmerksamkeit. Auf alle Fälle dürfte ein neuer Tormann für künftige Länderspiele in dem Niederrader Tormann entdeckt sein, der eine haushohe Niederlage seiner Mannschaft mit fabelhaftem Können vereitelte.
Der Faschistengruß.
Die Jtaliener tamen als erste aufs Spielfeld. Sie nahmen Reihe, Front nach den Tribünen, Aufstellung,
sofort in einer
Man achte
genau auf die
Marke Union'!
Der Schürzenjäger.
Nach der Pause fredenzten einige holde Mägdelein in zierlicher Zofentracht den Spielern ,, Kaffee Hag", der gern und willig genommen wurde. Dieses Renkontre bot den Scharen ber Pressephotographen natürlich Gelegenheit zu ausgiebiger Arbeit. Heiterkeit löste die Attacke eines der italienischen Gäste auf eines dieser holden Wesen aus. Er versuchte, schnell einen kleinen Schmuß anzulegen und entkleidete die junge Dame da= bei unbemerkt ihres zierlichen Schürzchens. Spaß muß sein! Das erste Tor im Länderspiel.
Strafstoß für Italien!! Der Ball geht von Feraris zum Magnozzi, den Meazza unterstützt, indem er Hagen absperrt. Magnozzi töpft ins Tor, in dem Stuhlfauth tatenlos steht. Unser Tormann schien auf den Pfiff des Unparteiischen zu warten, da er annahm, daß das Tor aus dem Abseits gefallen sei. Eine Leichtsinnigkeit, die in solchem Spiele selbst ein Stuhl= fauth sich nicht leisten darf.
Südliches Temperament.
Die Ersatzleute der Jtaliener lagerten hinter ihrem Tore, bereit, jeden Moment einzugreifen. In Augenblicken, in denen ihr Combi frei war, herzten und küßten sie denselben nach allen Regeln der Kunst ab. Auch die Torschützen wurden von ihren Spielkameraden mit echt südlichem Temperament im Spielfeld abgeküßt. Eine Begeisterung, die man versteht.
Der„ Frankforter"!
So drei richtige, ausgekochte Frankfurter drängelten sich am Aufgang zur Tribüne herum. Plazmachen wollte niemand und alles empörte sich über diese frechen Eindringlinge. Ein Schupo wollte klären. Aber mit Gemütsruhe antwortete der eine der Angeklagten:„ Ich hab' nen Bruch und kann hier nicht weg, sonst müssen Sie mich schon forttragen!" Alles lachte, der gemütliche Schupo auch und die„, 3 Frankfurter" konnten bleiben.
*
Kommunistische Störungsversuche.
In der Nacht zum Sonntag waren Kommunisten ins Stadion eingedrungen. Mit Farbtöpfen und Pinseln ausgerüstet, versuchten sie die Gebäude mit Schmähungen gegen Italien zu bemalen. Das Stadiongebäude war jedoch auch während der Nacht durch Polizei gesichert. Polizeihunde nahmen die Witterung der Eindringlinge auf, und es gelang, 15 Personen, die teilweise auch Waffen bei sich führten, zu verhaften, ehe sie im Stadion selbst Unfug stiften konnten.
Ueber das Spiel sagt:
Der Schiedsrichter Ruoff( Schweiz):„ Bei den Deutschen fehlte der Zusammenhang. Beide Tore waren haltbar. Die deutsche Verteidigung war konsterniert und machte taktische Fehler. Auch die deutsche Läuferreihe war bis auf Mantel schwach. Der beste Mann auf dem Plage war der italienische Torhüter Combi. Ein 2: 1- Ergebnis hätte dem Spielverlauf des Kampfes besser entsprochen."
Dr. Bauwens( Köln):„ Die deutsche Mannschaft zeigte in der Läuferreihe entscheidende Schwächen. Der beste Mann in der Halbreihe war Mantel. Ueber Knöpfle kann man kein Urteil fällen, da er zu früh ausschied. Der Angriff unserer Mannschaft spielte zu weich."
Barassi, Präsident der ersten italienischen Liga:„ Die deutsche Mannschaft war in der ersten Halbzeit besser als die italienische, namentlich in taktischer Hinsicht. Die hätte bei der Pause mit einem oder zwei Toren führen können. Nach der Pause wurde Leinberger schwächer. Glänzend gefallen hat mir Mantel. Beide Tore waren nicht unhaltbar."
Heizi
Noch ein Sieg der Italiener.
Griechenland 3: 0 geschlagen.
Nr. 18.
zu gleicher Stunde, in der Jtalien in Frankfurt mit seiner A.- Mannschaft gegen Deutschland 2: 0 siegte, traten die Azzuris in Neapel mit ihrer B.- Mannschaft gegen Griechenland an. Hier kamen die Italiener nach überlegener Spielführung zu einem klaren 3: 0- Sieg. Jn Mailand wurden die Stuttgarter Kickers vom Milan- Klub 6: 2 geschlagen.
Auch ein Hochschulfechtkampf...
Der Hochschulfechtkampf zwischen Deutschland und Italien in San Remo endete mit dem 3: 1- Sieg der Jtaliener. Lediglich der Berliner Hallenmeister Eugen Mayer holte mit einem Sieg über Copeco einen Ehrenpunkt für Deutschland heraus.
Westdeutschland.
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Bergisch- Märkischer Bezirk: TURU. Düsseldorf SC. 99 Düsseldorf Rheinbezirk:
Städtespiel Köln
Ruhrbezirk:
Spielv. Ratingen 1: 2 BV. 04 3: 1
Duisburg 1: 4!
Schwarz- weiß Essen Castrop 02 7: 1 Essen 99 Horst- Emscher 3: 2 Schalke 04
-
-
BV. Altenessen 3: 4
Alemannia Dortmund- Spielvereinigung Herten 1: 4 Westfalen- Bezirk:
Münster 08 Südwestfalen- Bezirk:
Borussia Rheine 4: 2
Gevelsberg 08 Union Gelsenkirchen 3: 7
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Hallensportfest in Frankfurt.
Der beste deutsche Sprinter der letzten Saison, Eldracher, früher 1900 Gießen, ist nun doch noch von seinem Entschluß, in dieser Saison an feinem Hallensportfest teilzunehmen, abgegangen. Eldracher wird beim Frankfurter Hallensportfest am 8. März( Samstag) den Sprinterdreikampf bestreiten. Es kommt also zu dem höchstinteressanten Zusammentreffen zwischen dem besten Mann der Aschenbahn und dem Läufer, der sich in dieser Wintersaison als Spezialist der Hallenbahn erwies, Jonath Hannover. Im weiteren Programm, das äußerst spannend zu werden verspricht, werden auch eine Reihe Mitglieder der Gie Bener Spielvereinigung mitwirken. Wir wünschen unseren heimischen Vertretern„ Hals- und Beinbruch"!
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