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Mittwoch, den 5. März 1930.
,, Gießener Zeitung"
Surnen, Sport und Spiel. Deutschland gegen Italien 0: 2.
Am Vorabend.
Der Länderkampf der Nationalmannschaft in Frankfurt.
Das Länderspiel gegen die Italiener hat manche Sorgen bereitet. Die Sorgen um die Ausstellung der deutschen Mannschaft, die Stürme auf die Eintrittskarten, die Befürchtung, daß trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Störungen bei der Unterbringung der Massen eintreten könnten, und dazu noch ein Schod fleinerer und größerer Sorgen. Nur vom Wetter sprach man fast nicht. Es schien fast selbstverständlich, daß von dieser Seite feine Beeinträchtigung zu erwarten sei. Eine Gewißheit, die auch bestätigt wurde.
Als am Samstagmittag am Frankfurter Hauptbahnhof Hunderte die Ankunft der Italiener erwarteten, lag ein wolfenloser, heiterer Frühlingshimmel über der Stadt. Kurz nach 1 Uhr trafen die Jtaliener, von Mannheim fommend, mit dem fahrplanmäßigen Zug, aber mit italienischen Sonderwagen, in Frankfurt ein. Die versammelte starke italienische Kolonie bereitete ihren Landsleuten einen stürmischen Empfang. Hingegen verhielt sich die große Masse der Wartenden auffallend ernst. Der Pessimismus, die Sorge um den Ausgang des Spieles war allgemein. Die italienischen Spieler machten schon rein äußerlich einen sehr gesunden, gut trainierten Eindrud.
Während die Jtaliener mit einem Teil der deutschen Offiziellen im Hotel Monopol- Metropol Unterkunft fanden, war das deutsche Hauptquartier im Hotel Exzelsior aufgeschlagen. Hier trafen um 16 Uhr zuerst die Münchener Spieler ein. Jm weiteren Verlauf des Nachmittags und Abends gesellten sich dann auch die übrigen Repräsentativen hinzu. Die Jtaliener besuchten nachmittags das Stadion.
Inzwischen hörte man im deutschen Standquartier von neuen Sorgen. Es sickerte durch, daß der Linksaußen Hofmann( München) wegen der Entgleisung beim Meisterschaftsspiel gegen Waldhof nicht spielen und daß man für ihn den Fürther Kießling einsetzen würde. Diese Umbesetzung wurde dann doch nicht durchgeführt.
Sehr zahlreich war schon am Samstag die auswärtige Presse eingetroffen. Die Sportjournalisten hielten abends im Hotel Exzelsior eine Versammlung ab, in der es zur Gründung eines Verbandes der südwestdeutschen Sportpresse kam.
Abends stand Frankfurt, das übrigens zu Ehren des Fußballs und der ausländischen Gäste Flaggenschmuck aufgesteckt hat, im Zeichen eines starken Faschingsbetriebes. Aber selbst der Karnevalsrummel ließ die Gedanken an das Länderspiel nicht verschwinden. Das Länderspiel blieb Hauptgesprächsthema, und überall dominierte die große Ungewißheit, die über dem Ausgang des Spieles lag.
Empfang der Stadt Frankfurt.
Im Kaisersaal des historischen Römers begrüßte am Sonntagvormittag die Stadt Frankfurt die beiden Nationalmannschaften und ihre Offiziellen. Die Stadt war durch ihren Oberbürgermeister Dr. Landmann vertreten, der in seiner BegrüBungsansprache betonte, welche Bedeutung die Stadt Frankfurt diesem Länderspiel beimesse. Bundesvorsitzender Linnemann dankte für die Gäste. Mit dem bei den Italienern gewohnten rethorischen Schwung sprach der Sekretär des italienischen Verbandes seinen Dank für die herzliche Aufnahme seiner Lands= leute in dem schönen Frankfurt aus.
Das Spiel.
Das Länderspiel im Frankfurter Stadion bewies wieder einmal, daß der Fußballsport immer noch die große Masse seiner Anhänger mitzureißen versteht. Schon am Samstag waren zahlreiche Schlachtenbummler eingetroffen, und als am Sonntagmorgen die vielen Tausende von Fremden ihren Einzug
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hielten, konnte man geradezu von einer Fußballinvasion spre-| Gästetormann, hält sicher. Allmählich tritt eine leichte Ueberchen. Auf die Minute pünktlich liefen die elf Sonderzüge ein. Die Saarländer hatten ihre Fahnen und Musik mitgebracht, aber auch die Bayern, Badenser, Württemberger, Hessen und die Rheinländer waren in prächtiger Stimmung, die dem großen Ereignis den rechten Rahmen gab. In der Umgebung der Frankfurter Bahnhöfe herrschte ein lebensgefährliches Gedränge, das durch den starken Autoverkehr noch gesteigert wurde. Tausende von Autos aus allen Gegenden des Reiches, zwischendurch Kraftpostwagen und Wagen zahlreicher Privatgesellschaften strebten auf den Zufahrtsstraßen, die sich schon von 10 Uhr morgens an belebten, dem Stadion zu, das um 12 Uhr mittags bereits mit über 20 000 Zuschauern angefüllt war.
Troz dieses Riesenandranges klappte die Organisation und der Aufmarsch der Fußgänger mustergültig, da ein Heer von 700 Schutzpolizisten, unterstützt von der Feuerwehr, den Ordnungsdienst versah. Das Stadion selbst war noch durch Nottribünen, die über 6000 Zuschauern Sichtmöglichkeiten gaben, vergrößert worden. Schon eine Stunde vor dem Beginn des Kampfes war das weite Rund von fast 48 000 Zuschauern bis auf den letzten Platz besetzt.
Ein Jugendspiel und die Weisen der Musik verkürzten den Zuschauern die Wartestunden. Der Zeitpunkt des Spielbeginns rückte immer näher heran, und kurz vor 3 Uhr betraten die Italiener, von dem Publikum lebhaft begrüßt, in ihrer schmucken hellblauen Tracht mit weißen Hosen den Platz. Die Musit intonierte die italienische Nationalhymne. Ein Orkan des Beifalls brach aber los, als anschließend die deutschen Spieler unter der Führung von Leinberger in die Arena sprangen. Wie ein Mann erhoben sich sämtliche Zuschauer, als die Klänge des Deutschlandliedes ertönten. Dann traten die zahlreichen Photographen und Filmleute in Tätigkeit, deren Arbeit jedoch schnell beendet war. Inzwischen war auch der Schiedsrichter Ruoh ( Bern) eingetroffen, der die Mannschaftsführer zur Wahl rief. Wenigen Minuten nach 3 Uhr stehen die Mannschaften in folgender Aufstellung zum Kampf bereit: Italien:
Combi Juventus Turin
Rosetta Juventus Turin Barbieri
Genua
Balloncieri Turin
Constantino Bari
Bay. Münch. SVg. Fürth Hofmann Frank Bayern München Heidkamp Kurhessen Kassel Weber
Deutschland:
Caligaris Juventus Turin
Feraris Rom Meazza Mailand
Bay. Münch. Pöttinger SpV. Fürth Leinberger
1. FC. Nürnberg Stuhlfauth
Pitto Bologna
Magnozzi Orsi Livorno Juv. Turin
Schalke 04 Fort. Düss. Зерап Albrecht FSV. Frankfurt Knöpfle SpV. Fürth Hagen
Die ersten 45 Minuten des Spiels.
Das große Treffen beginnt. Die Italiener spielen gegen den leichten Wind, die Deutschen gegen die Sonne. Gleich zu Beginn wird der Kampf hochklassig. Die deutsche Elf zeigte sich vorerst von der besten Seite. Sie spielt mit großer Sicherheit und systemvoll. Einen Angriff der rechten italienischen Seite wehrt Weber mangelhaft ab, Heidkamp ist der Retter in der Not. Im folgenden Gegenangriff der Deutschen kommt Pöttinger schön vor, schießt prächtig aufs Tor, aber Combi, der
legenheit der Deutschen zutage. Sie forcieren das Tempo. Dem Tatendrang der deutschen Stürmer stellt sich aber auf der rechten Seite ein Hindernis in den Weg, da Albrecht und besonders der Schalker Zepan trotz technisch brillanter Einzelleistungen zu langsam sind für die schnelle italienische Deckung. Orsi wird sehr wenig beschäftigt, da die Italiener immer wieder mit ihrer rechten Flanke angreifen. In der deutschen Verteidigung ist Hagen der Turm der Schlacht; der Fürther ist überall, wo Gefahr ist. Eine weite Vorlage von ihm gelangt in den gegnerischen Strafraum, wo Rosetta nur noch zur Ecke ablenken kann. Albrecht schießt den Ball.f Das Leder kommt zu Leinberger, dessen wuchtiger Schuß vom Torpfosten ins Feld zurückprallt. Pech! Unmittelbar nach dieser großen Chance Deutschlands kommt der unbewachte Constantino frei durch, sein Schuß streift nur den Pfosten und geht aus. Das Tempo des Kampfes steigert sich immer mehr. Schon muß Combi wieder eingreifen, um einen Schuß Pöttingers unschädlich zu machen. Sein Gegenüber, Stuhlfauth, unternimmt in bekannter Manier Spaziergänge in den Strafraum und kann verschiedentlich den heranstürmenden italienischen Stürmern den Ball vom Fuß nehmen. Bei einem deutschen Angriff spielt sich Frank frei, doch wirft sich Combi im letzten Moment tollkühn in den Schuß. Jtaliens Linksaußen spielt sich glänzend durch, scheitert aber an Hagen, der ihm den Ball abnimmt. Nach einer Viertelstunde trifft ein wuchtiger Schuß Magnozzis die Latte des deutschen Tores. Italiens Angriff ist zur Höchstform aufgelaufen, die deutsche Verteidig. muß harte Arbeit verrichten, und Stuhlfauth hat des öfteren einzugreifen. Zwischendurch kommt der deutsche Sturm in vorbildlicher Zusammenarbeit mehr durch. Eine glänzende Rombination zwischen Hofmann, Frank und Pöttinger findet ihren Abschluß mit einem schwachen Schuß von Albrecht. Zepan glänzt durch ballartistische Tricks, seine Ballführung wird von feinem seiner Nebenleute erreicht. Trotzdem glückt den Deutschen kein Treffer, da Italiens Verteidigung wie eine Mauer steht. Zudem verfallen die Deutschen in den Fehler, sich die hohe Spielweise der Italiener aufdrängen zu lassen, ziehen dabei aber natürlich den kürzeren, da das Kopfspiel der Jtaliener weitaus besser ist. Nach einer zweiten Ecke für Deutschland scheint das Verhängnis in Gestalt eines Handelfmeters zu nahen, den Hagen verursacht hat. Totenstille herrscht in dem weiten Rund, als Orsi sich den Ball zurechtlegt und zum Schuß ansetzt. Das Leder fegt aber über die Latte, und Zehntausende atmen erleichtert auf. Kurz darauf wird Knöpfle verletzt und muß ausscheiden. Für ihn springt sofort Mantel( Eintracht Frankfurt) ein. Der Rest der ersten Halbzeit bringt hüben und drüben noch einige Angriffe und Deutschland eine dritte Ecke, doch fällt kein Tor. Mit 0: 0 geht es in die Pause.
*
Nach der Pause fängt das Spiel für die Deutschen recht vielversprechend an, da der Sturm sofort im Angriff liegt. Zepan schießt, aber Combi hält glänzend. Deutschland erzwingt die vierte Ecke, wieder ohne Erfolg. Ein Schuß von Frank, der sich vorher, unbeachtet von dem Schiedsrichter den Ball mit der Hand vorgelegt hat, verfehlt knapp sein Ziel. Aber schon in der achten Minute bricht das Verhängnis über die deutsche Elf herein. Bei einem Strafstoß von Caligaris sperrt Weber den italienischen Stürmer Magnozzi dicht an der Strafraumlinie regelwidrig, der Schiedsrichter diktiert abermals einen Strafstoß, der gut vors Tor gegeben wird. Wie der Blitz ist Magnozzi hoch und köpft den Ball an dem sich vergebens streckenden Stuhlfauth vorbei in die Torece. Italien führt mit 1: 0. Dieser Erfolg löst bei den zahlreichen italienischen Schlachtenbummlern ungeheuren Jubel aus. Aber die deutsche Elf gibt
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