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Samstag, den 4. Oktober 1930.

mit es ihm gegenüber seine Pflicht erfüllen kann. Das Hand­werk hat bisher noch nie einen politischen Machtwillen ge­zeigt und entfaltet. Es bleibt ernsthaft zu prüfen, ob seine bisherigen politischen Methoden, die seinen unmittelbaren po­litischen Einfluß immer mehr schwächten, richtig waren und ob nicht an die Stelle der politischen Spaltung und Zerklüf­tung die Zusammenfassung treten muß. Die berufenen Stellen müssen wissen, daß der gewerbliche Mittelstand in seinen Schwierigkeiten und Nöten mit immer stärkerem Nachdruck auf Klärung seines Verhältnisses zum Staate, seinen Par­lamenten und Parteien drängt. Das Handwerk setzt dem Kult der Masse die Verantwortung und Leistung der Person, dem Baal des hundertprozentigen Rationalismus das Kreuz des Berufsethos entgegen. Es will seine Aufgabe und seine Sendung dem Volk und der Nation gegenüber erfüllen, überzeugt, daß im Lager des deutschen Handwerks die Zukunft Deutschlands sein wird.

Weber zehn Milliarden Sparguthaben.

Wenn etwas aus der allgemeinen Wirtschaftsnot führen fann, so ist es mit in erster Reihe der gesunde wirtschaftliche Sinn des deutschen Volkes, wie er sich in dem regen Sparwillen immer wieder von neuem bekundet. Auch in diesem Jahre, das von Anfang an unter dem Sturmzeichen einer ausgedehnten und schweren Wirtschaftskrise stand, ist der Spartrieb nicht erstorben. So überraschend es zunächst klingen mag: die Spartätigkeit hat sich durchschnittlich im gleichen Tempo wie im Vorjahre fort­gesetzt. Im Juli 1930 überschritten die Sparguthaben in den deutschen Sparkassen bereits die zehnte Milliarde und, was besonders bemerkenswert ist, diese zehnte Milliarde wurde in der gleichen Zeitspanne erspart wie die neunte- in sieben Monaten nämlich.

Dieser Fortschritt ist nicht erklärt mit dem Hinweis auf die Geldflüssigkeit, wie sie in Krisenzeiten an den Banken regelmäßig aufzutreten pflegt. Bei den Sparguthaben handelt es sich ja im wesentlichen um die oft sauer erübrigten Rücklagen der Angestellten, Beamten, Arbeiter und der Gewerbetreibenden. Alle diese Schichten schaffen sich wieder, wenn man es so aus­drücken darf, ein gewisses Geldpolster für Fälle der Not, oder sie spaven, um irgendeine größere Anschaffung zu machen, eine größere Ausgabe( z. B. Ausbildung des Sohnes, Aussteuer der Tochter usw.) bestreiten zu können. Das aber zeigt unverkenn= bar, daß in breiten Volksschichten ein gesundes Prinzip in der Führung des Privathaushalts waltet. Auch volkswirtschaftlich gesehen, ist das Sparen von größter Bedeutung: die Ersparnisse lagern ja nicht als totes Kapital in der Sparkasse oder in Banken, die heute auch wieder Sparkonten eingerichtet haben, sondern werden in der Wirtschaft nutzbringend angelegt.

Zehn Milliarden Sparguthaben auf den Sparkassen, an­gehäuft in sechs Jahren das ist eine gewaltige Leistung. Sie wurde erreicht trotz der bitteren Erfahrungen der Inflation, im festen Vertrauen auf die Zukunft unserer Währung und Wirtschaft und trotz der oft schwierigen wirtschaftlichen Ver­hältnisse im Nachkriegsdeutschland. Ende des Jahres 1924 ruhten auf den deutschen Sparkassen nur 608 Millionen Spar­einlagen. Dann stiegen, bei wachsender Spartätigkeit, diese Einlagen ununterbrochen: bis Ende 1926 auf 3,1 Milliarden, bis Ende 1929 auf 9,0 Milliarden und bis zum 31. Juli 1930 schließlich auf 10,0 Milliarden. Mißt man dieses Ergebnis allerdings am Vorkriegsstande, dann zeigt sich, daß wir gegen­über 1913 noch weit im Rückstand sind. Damals gab es auf den deutschen Sparkassen 19,7 Milliarden Mark Spareinlagen. Heute stehen wir, was den Umfang der Spareinlagen betrifft, mit 10 Milliarden RM. etwa an derselben Stelle wie im Jahre 1903.

Flurnamen der Gemarkung Beuern.

Von Wilhelm Arnold- Beuern.

( Schluß).

Der Umfang des Dorfes in früherer Zeit ist noch jetzt leicht festzustellen. Der Haingraben, dessen Spuren größtenteils noch sichtbar sind, umgab es von drei Seiten. Die weitere Begren zung bildete der Bach, in welchen der Haingraben einmündete. Am oberen Ausgang aus dem Ori befand sich augenscheinlich ein Tor, wenigstens wurden dort Reste von Grundmauern auf­gefunden, ein solches ist auch am unteren Eingang zum Dorf anzunehmen. Von der Untergasse, welche das Dorf der Länge nach durchzieht, zweigen sich verschiedene Nebenstraßen ab: erſt­lich die Borngasse, benannt nach dem schon 1650 erwähnten Oberborn. Da, wo die Hintergasse in die Borngasse einmündet, durchschneidet sie das frühere Gelände des Brandhofes und teilt dasselbe in den oberen und unteren Hofgarten.( Nach der Ueberlieferung wurde allabendlich( um 9 Uhr) das Tor bei der Hintergasse und der hintere Ausgang der Berngasse an der Scheifen richtiger schiefen Gasse, noch jetzt die Lücke genannt, geschlossen.) Zweitens zweigt sich ab von der Untergasse die Mezzengasse, die in den früher sogen. Metzenbach einmündet, über welchen einst der Mezzensteg( jetzt 2) führte. Metz findet sich schon zusammengesezt in Girmet- wiese in der Gemarkung vor und bezeichnet, wie Gir oder Kir( Kirloh) eine sumpfige oder schlammige Tiefstelle, mundartlich Matsch. Bei den Ausschach­tungen zur Wasserleitung zeigte sich eine solche am oberen Ende der Straße von 3 Meter Tiefe von schwärzlichen Erdmassen auf­gefüllt. Im übrigen sind Zusammensetzungen mit Metz in Ober­hessen ungemein häufig, auch die Ortsnamen Waldgirmes und Kleingirmes gehören dazu. Die Pfütze, früher nur ein Pfad, verbindet die Untergasse mit dem Bersröderweg. Letzterer wurde auch Froschgasse genannt. An der Nordseite der Untergasse mün­den, außer der schon erwähnten Hintergasse, westwärts noch die erst seit 1870 entstandene Hofgartenstraße( im Volk: die neue Gasse) und die noch jüngere Scheibengasse.

Als sich die Bevölkerung mehrte, begann man, sich auch

*) Nach einer Mitteilung des Bürgermeisters von Bleiden­bach wird die Benennung ,, auf den Beuern" daselbst nur im Ge­markungsgrundbuch geführt, während sie beim Volfe ungebräuch­lich ist, das statt dessen auf den Staare" sagt. Die fragliche Stelle sei fumpfiges Wiesengelände und es sei sehr unwahrschein­lich, daß daselbst sich ehemals Wohnstätten befunden hätten.

,, Gießener Zeitung"

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Ueber die Berge sendet die Sonne einen letzten Abschieds­gruß der Erde. Sie hat ihren Tagesweg vollendet, wie die Menschen ihre Tagesarbeit. Noch einmal bestrahlt sie den Him­mel mit ihren schönsten Farben. Es ist Abend geworden und der Tag hat sich geneigt. Wie die große Sonne noch einmal vor ihrem Scheiden eine Fülle von stiller Pracht über die Erde gießt, so soll der Feierabend das innerste des Menschen mit Frieden und Glück bestrahlen. Wenn die Abendglocken läuten, dann steigen die Gedanken der Menschenkinder aufwärts in die lichten Höhen, wo es feinen Abend gibt, wo ein sonnenheller einziger Tag die Ewigkeit ist. Von dort aus gibt ein ewiger Gott uns Menschen Tag um Tag. Und wie die Sonne in ihrem Lauf ihren Tagesweg vollendet, um am folgenden Morgen ihn wieder neu zu beginnen, so soll der Mensch schaffen und wirken, Tag für Tag, vom frühen Morgen bis es Abend wird. Dann wird der Tagesschluß in Wahrheit zum Feierabend verdienter Ruhe, dann wird es der Seele leicht und froh, denn sie hat die Ruhe der Nacht verdient. Umstrahlt vom goldenen Abendrot wanderst dann du und ich durch den stillen Abendfrieden. So wie die Sonne hinter dem Bevge friedlich und still versinkt, so wird auch einst unser Leben hinuntersinken, wenn die Todes­dämmerung naht und der letzte Abend anbricht. Mit jedem neuen Abend sind wir eine Wegstrecke der aufdämmernden Ewigkeit entgegenpilgert. Wenn die Abendglocken läuten, mahnen sie uns Tag für Tag an den letzten Feierabend unse= res Lebens. Wie ein großer, langer Tag wird einst das Leben versinken. Und das letzte Abendrot, das wir schauen werden, wird uns die letzte Strecke Weges beleuchten, wo am Ende das Tor in eine andere Welt sich öffnet.

Der Sonntagsschreiber.

*

* Vom Stadthaus. Die Voranschläge für das Rechnungs­jahr 1930 für die Stadt, das Wohlfahrtsamt, die Elektrizitäts­werke, das Gaswerk, das Wasserwerk, das Volksbad, die Studienanstalt, die Gewerbeschule und die Maschinenbauschule liegen bis zum nächsten Donnerstag auf dem Stadthaus, in der Bergstraße, zur Einsicht offen.

* Winterfahrplanzeit. Mit dem 5. Oktober beginnt bei der Reichsbahn die Winterfahrplanzeit.

* Verhaftet. Am 20. 9. 1930 versuchte der 48jährige woh­nungslose Elektromonteur Ernst La as aus Näviges bei einem hiesigen Arzt durch Vorspiegelung falscher Tatsachen in den Besitz von Morphium zu kommen. Laas, der anscheinend star­fer Morphinist ist, war im Besitze einer Spritze und eines Fläschchens mit Morphium, das er vermutlich in Essen auch auf betrügerische Weise erlangt hat. Kurz nach seiner Festnahme brachte sich Laas mit seinem Messer verschiedene Schnittwun­den auf der Brust bei, die seine Einlieferung in die Klinik notwendig machten. Ein angeblicher Dr. Vorberg- Schürmann aus Ulm bestellte vor einigen Wochen bei einem hiesigen Op­titer ein Fernglas zum Preise von 140 RM. Als nach Liefe rung des Glases der Kaufpreis nicht einging und alle Zuschrif ien unbestellbar an den Geschädigten zurückkamen, stand für die­sen fest, daß er einem Schwindler in die Hände gefallen war. Einige Zeit später wurde bei dem Geschädigten wieder ein Glas durch einen Dr. Stevens aus Biberach- Riß bestellt. Der Geschädigte erstattete Anzeige. An Hand der Korrespondenz beider Besteller konnte von der Kriminalpolizei einwandfrei festgestellt werden, daß es sich um ein und dieselbe Person han­delte. Auf telephonisches Ersuchen hin an die Kriminalpolizei Biberach- Riß konnte der angebliche Dr. Steven in der Person des von der Staatsanwaltschaft Ulm wegen Betrugs gesuchten Vertreters Friedrich Vorberg aus Lüttringshausen festge­nommen werden. Um bei seinen Opfern allen Argwohn weg­zutäuschen, benutzte Vorberg zu seinen Bestellungen Briefbogen mit der ausgedruckten Adresse: Dr. Steven, Handelsvertreter, Biberach- Riß. Haftbefehl wurde gegen Vorberg erlassen. Festgenommen wurde auf Grund eines Haftbefehls ein An der

außerhalb des durch den Haingraben umhegten Ortes anzu­bauen. So entstand der Ortsteil Fünfhausen nach einer z. T. noch vorhandenen Gruppe von 5 Häusern benannt, ferner seit 1830 auf dem früheren adeligen Hofgelände an der Borngasse die Neuenbäu( leider nicht amtlich geführt). Den bedeutend­sten Zuwachs an Gebäuden hat das Dorf durch den Ausbau der beiden schon genannten Straßen, der Hofgarten- und der Schei­bengasse, erfahren. Eine Anzahl von Gebäuden ist neuerdings auch auf der Atzenwiese entstanden. Außer der alten, 1322 er­bauten Kirche waren früher innerhalb des Orts an hervor ragenden Gebäuden noch vorhanden: der Brandshof( abgetragen um 1778), der Pfaffenhof( bis 1817 bestanden) und der Schwal­bacherhof in der Mezzengasse( nach der Ueberlieferung im August 1770 durch Feuer zerstört).

Beethoven Thema.

Sein Brief, der Ruf seines Herzens, hatte sein Ziel erreicht! Aber das Zeichen, das Wunder der Verzeihung ließ recht lange auf sich warten. Wer sagte übrigens, daß es überhaupt kommen werde? Vielleicht hatte sich die Pforte des Paradieses schon für immer hinter dem Verworfenen geschlossen?

Beethoven wendet sich vom Fenster ab und zuckt in demselben Augenblick heftig zusammen- ein Paar dunkler Augen betrach= tet ihn von der anderen Seite des Zimmer her! Bei dem undeut­lichen Lichtschein der einen Kerze, die auf dem Tische brennt, tritt eine steife Greisengestalt hervor, die Lippen barsch, die Nase willensfräftig, und die Augen, die strengen, dunklen Augen scheinen ihn durchbohren zu wollen.

-

Beethoven weicht einen Schritt zurück, doch die Augen lassen ihn nicht los. In der nächsten Sekunde begreift er, daß er einer Sinnestäuschung zum Opfer gefallen ist. Es ist ja nur das Bild seines Großvaters an der Wand, dem die ungewisse Beleuchtung ein so seltsames Leben verliehen hatte. Aber der Schreck, der ihm für die Dauer eines Augenblicks die Kehle zuschnürte, hat einen neuen Gedanken in ihm geweckt. Ja, ja, ich verstehe Dich, sagt er, Du hast recht, Du hast sehr recht!

Und plötzlich fühlt er das fieberhafte Feuer und die bren­nende Sehnsucht in seiner Brust ermatten und vergehen. Eine unendlich weite und fühle Leere und Dede umgibt und erfüllt ihn. Es ist ihm, als gehe er unter einem hohen Kirchengewölbe dahin und jeder seiner Schritte halle wider und werde unter den sich verjüngenden Spitzbögen verschluckt. Orgelflang durch­

Nr. 79.

Kläranlage wohnhafter Kaufmann und auf Ersuchen der Staats anwaltschaft Plauen der Buchbinder Gerhard Börz aus Bochum

* Aus dem Gerichtssaal. Am vergangenen Mittwoch hatte sich vor dem Großen Schöffengericht Gießen der Leiter des Butz­bacher Stadtbauamtes, Stadtbaumeister Scheerer, wegen Ver gehens im Amt zu verantworten. Der Angeklagte wurde zu

Urteil hat der Angeklagte Berufung eingelegt.

Camstag, de

SAMS

Alsfeld. R Krause in Alsi

zeit. Herr Koch

Klein- Krog

einem Jahr 2 Monaten Zuchthaus verurteilt. Gegen dieses jahr; beide sin * Gestohlen wurde eine Reiseschreibmaschine, Marke Erika" Josef Merget e * Fahrraddiebstähle im September 1930: Damenrad Marke Frau des Besize

mit der Fabrifnummer 104 742.

,, Lehrmann", Herrenrad Marke Miele" Fabriknummer 60056, Herrenrad Marke Mifa" Fabriknummer unbekannt, Herrenrad Marke NSU" Fabriknummer unbekannt, Herrenrad Marke ,, Corona" Fabriknummer 529 570.

*

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nia", Herrenrad Marke Brentano", Herrenrad Marke, C. Leich", Herrenrad Marke ,, Torpedo", Herrenrad Marke ,, Miele" Herrenrad Marke Germania", 2 Herrenräder Marke unbekannt, Herrenrad Marke Goldrad".

Sichergestellte Fahrräder: Herrenrad Marke ,, Aleman versteigerung 43

* Billigerer Fahrzeug- Brennstoff. Die Bensinpreise sind in der letzten Zeit bis zu 3 Pfg. pro Liter heruntergesetzt

worden.

* Grundstücks- Verpachtung. Am Montag, den 6. und Diens tag, den 7. Oktober sollen leihfällig gewordene Grundstücke der Stadi an Ort und Stelle auf weitere 6 Jahre verpachtet wer den. Zusammenkünfte sind am Montag um 8.30 am Schiffen­berger- Weg, am Bahnübergang; um 11 Uhr bei der Marga retenhütte, um 2 Uhr nachmittags an der Gabelsbergerstraße, Ece Hammstraße, am Dienstag um 8.30 Uhr in der Licherstraße bei der Wirtschaft, Zur Stadt Lich"; um 9.30 Uhr an der Ecke Kaiserallee- Alter Rödger Weg; um 2 Uhr nachmittags am Eichamt in der Dammstraße.

* Aus dem Stadttheater. Am Sonntag, den 5. Oktober, nachmittags 6 Uhr, wird zum letzten Male der Schwank ,, Week­end im Paradies" von Arnold und Bach als Fremdenvorstel lung gegeben.

*

Konzertverein. Ein Sonderkonzert, anläßlich des ärzt lichen Fortbildungkurses, findet am Dienstag, den 7 Oktober, abends 8 Uhr, in der Universitätsaula statt.

* Turnverein 1846. Am Sonntag, den 5. Oktober, findet in der Turnhalle am Oswaldsgarien das Vereins- Abturner ſtatt.

* Männer- Turnverein. Morgen, Sonntag, den 5. Oktober, ist ein Turngang nach Großen- Bused. Abmarsch 9 Uhr am Gerichtsgebäude.

* Gesangverein Heiterkeit. Samstag, ven 4. Oktober, abends 8 Uhr, in der Turnhalle Abendunterhaltung mit Theaterauf­führung.

* Dirigententursus. Der Hessische Sängerbund wird im Frühjahr 1931 in Darmstadt einen großzügigen Dirigenten­kursus veranstalten.

* Undichte Fenster und schlecht schließende Türen lassen unnötig kalte Luft ins Zimmer dringen. Also Fugen und Ritzen gut abdichten und für feſtſchließende Türen Sorge tragen! Auch die Dachluken und Kellerfenster bezw. die Türen benötigen die gleiche Vorsorge, falls Verschwendung von Heizmaterial ver­mieden werden soll.

Straßensperrung,

Die Straße Kirchhain- Hersfeld wird ab Chausseehaus zur Kreisgrenze Marburg Kirchhain bis auf weiteres gesperrt. Die Umleitung nach Kirchhain erfolgt für den Verkehr aus Richtung Frankfurt über Marburg- Schützenpfuhlbrücke- Klein­seelheim- Kirchhain und umgekehrt; für den Verkehr aus Rich­tung Frankenberg und Biedenkopf über Chausseehaus Bürgeln Ginseldorf- Bauerbach- Kleinseelheim- Kirchhain und umge­fehrt.

braust den Säulenwald. Es ist das Heiligtum der großen Ein­samkeit, das Heiligtum des Künstlerseins und des Künstler­leides, in das jeder eintreten muß, der das Angesicht Gottes schauen will, um sich Tag für Tag für die Menschheit zu opfern.

In diesem selben Augenblick steht das Thema des Presto­Sazzes wie mit Feuerschrift geschrieben vor ihm, und er rast über dos Piano, als gälte es die Eingeweide aus seinem Körper zu reißen. Wie mit grollenden, donnernden Paukenschlägen stürmt die Flut der Leidenschaft in immer heftigeren Ansätzen von der dunkelsten Tiefe des Basses bis zum schmetternden Diskant hin auf. Ein adlergleicher Gedanke nach dem andern reißt sich heraus aus dem Sturmgebrause, breitet seine schweren Schwingen aus und stößt unter gellendem Schrei mit den anderen zusammen. Mit ihren grausamen Schnäbeln, ihren wie aus Stahl geschmie deten Klauen hacken sie auf das zitternde Opfer los, das in dem fürchterlichen Kampfe schwer verwundet wird und heftig blutet.

Bisweilen scheint der Kampf zu ermatten, ein blasser Son­menschimmer, ein stillerer Dur- Klang durchdringt die düstere Wolke. Doch das währt nur eine Sekunde. Gleich donnert es aufs neue mit vermehrter Raserei. Neue mächtige, streitbare Vögel mischen sich in das blutige Spiel. Der Kämpfer scheint dem Erliegen nahe und im Begriff zu sein, sich hoffnungslos der unwiderstehlichen Uebermacht zu ergeben. Da, plötzlich, unter einer unerhörten Anspannung aller Kräfte der Verzweiflung, mit einem letzten, Himmelanstürmenden Aufflammen des heili­gen Feuers der Selbstbehauptung bricht sich sieghaft der Ge­danke der Persönlichkeit Bahn! Wie eine elektrische Eniladung, die die Athmosphäre reinigt, rollt ein riesiges Arpeggio den steilen Abhang der ganzen Klaviatur hinauf, wird von einem donnernden Widerhall beantwortet und erstirbt in zitterndem, atemlosem, gebieterischen Schweigen. Es ist der Augenblick der inneren Sesbstprüfung, der notwendige Rückschlag nach dem übermenschlichen Kraftausbruch.

Und dann das turze Nachspiel! Kein überheblicher Sieges: jubel, kein übermütiger Freudenlärm. Dazu ist der Kampf zu crschütternd gewesen, der zu teuer erkauft worden. Doch durch die männlich beherrschten Schlußstrophen leuchtet wie Sternen­schein die Ahnung des höchsten menschlichen Glücks: Das Emp finden der eigenen Persönlichkeit und ihrer Kraft.

( Aus dem schwedischen Beethovenroman ,,, Quasi una fan­tasia" von G. Nordling. Uebersetzt. Geb. 5.- RM., im Verlage C. Bertelsmann, Gütersloh. Erhältlich in jeder Buchhandlung.)

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