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Samstag, den 4. Jnuaar 1930.

mungen wurden die bestehenden Einrichtungen des Handwerks| zum Vorbild genommen. Da das Handwerk auch heute noch das unumstrittene Rekrutierungsgebiet der Industrie für den Bedarf an Facharbeitern darstellt, darf es berechtigterweise er­warten, daß das Gesetz nicht achtlos an dem vorübergeht, was sich seit Jahrzehnten im Handwerk bewährt hat, daß insbe sondere der Vorrang der berufsständischen Regelung vor der tarifvertraglichen festgelegt wird. Nur unter dieser Voraus­setzung wird es dem Berufsstand möglich sein, der Vorlage seine Zustimmung zu geben.

Grundsätzlich seien noch die Wünsche des Handwerks an den Gesetzgeber für das neue Jahr 1930 dahin zusammen­gefaßt, daß es von ihm eine entschiedene Wandlung seiner bis­herigen Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik erwartet. Das Es will nur, Handwerk wünscht keine Sonderbehandlung. daß die gesetzgebenden Faktoren vor der Verabschiedung neuer Vorlagen Rücksicht auf alle Volkskreise nehmen und daß nicht etwa das Handwerk im Widerstreit der Interessen zwischen der Macht der Industrie und strafforganisierter Gewerkschaf­ten unberücksichtigt bleibt, daß vielmehr jeder Akt des Gesetz­gebers die von selbst gebotene Rücksicht nimmt auf den Stand, der die Brücke schlägt zwischen Kapital und Arbeit.

Das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft ringen seit Jahren um Wiederaufbau und endgültige Gesundung. Trotz aller Mühen ist dieses Ziel noch lange nicht erreicht. Ein Voranschreiten wird nur möglich sein, wenn sich das ge­samte Volk und die gesamte Wirtschaft auf den Grundge­danken der Schicksalsverbundenheit aller Teile einstellt. Hier­zu bedarf es neben dem ernsten Willen zur Mitarbeit des fest­begründeten Glaubens an unsere Zukunft als Volk und Wirt­schaft und der unzerstörbaren Hoffnung auf endgültigen Erfolg. Unter diesen Gedanken sei die gemeinsame Arbeit im neuen Jahre 1930 gestellt.

Ausländische Bergarbeiter im Ruhrbezirk.

Nach dem Kriege setzte in Europa eine Völkerwanderung ein, die die geschichtliche an Umfang weit übertroffen hat. Sie hatte ihre Ursache in dem Bestreben der Völker, ihren Staat straff zu nationalisieren. Rigoros gingen die Polen vor, die dabei über eine Million Deutsche aus ihrem Lande, besonders aus den neuerworbenen Gebieten verdrängten. Von den Flücht­lingslagern wanderten diese Menschenmassen ins Innere des Reiches. Große Schwierigkeiten machte die Beschaffung von Arbeitsmöglichkeiten und Wohnungen. Auch von Frankreich wanderten Tausende Deutsche aus oder sie wurden ausgewiesen. Alle Beamten im öffentlichen Dienst, die in Elsaß- Lothringen nicht für Frankreich optierten, waren gezwungen, sich in ihrem Vaterlande wieder Arbeit zu suchen. Umgekehrt setzte aber auch eine starke Abwanderung aus Deutschland ein, wenn auch nicht in dem Maße wie die Einwanderung. Die ausländischen Ele­mente, die sich in der goldenen Vorkriegszeit hier wohlfühlten, zeigten keine Lust, nun auch die schlechteren wirtschaftlichen Verhältnisse mitzuerleben und die bösen Folgen des verlorenen Krieges auf sich zu nehmen. Da zeigte sich besonders im Ruhr­

Der Stammtisch.

Eine Humoreske aus Gießen.

1884 erschien zu Berlin im Verlag von Richard Eckstein Nachfolger ein Büchlein:" Der Stammtisch", von Ulpius. Die darin erzählte Geschichte hat sich tatsächlich begeben. Heute noch tennt man die in derselben mit z. T. er­dichteten Namen vorkommenden Personen. Die Handlung spielt sich in der Engelapothke, am Kirchenplay, sowie Ins Lote Wirtschaft" ab. Die Humoreskei sei hier wörtlich nachgedrudt: Ich hab' es immer gesagt: Der Mensch da in Shakespeare's Hamlet" hat gar nicht so unrecht, wenn er behauptet: Es gibt Geschichten zwischen Himmel und Erde, von denen sich all' uns're Schulmeister nichts träumen lassen!" Was ich den Herren jetzt erzählen werde, das gehört auch so in die Kategorie! Man sollt' es rein für unmöglich halten, daß vernünftige Leute auf so was verfallen könnten, denn' s ist halt gar zu toll und hirn­verbrannt, aber das Factum liegt vor, und, an mir selber hab' ich's erfahren, denn ich bin sozusagen das corpus vile gewesen, an dem die übeln Kameraden dazumal das unglaub­liche Experiment in Szene gesetzt haben. Und was das schlimmste ist: bis zu einem gewissen Grade ist das Experiment auch wirklich geglückt!

Wenn ich Ihnen jetzt gleich so kurzer Hand mit zwei Worten erzählen wollt', in wiefern, so würden Sie alle zusammen ausrufen: ,, Weiß Gott, unser lieber Kehrbach ist denn doch ein bißchen dümmer als dumm! Das geht schon mehr über die Bäume!" Sobald Sie aber die Geschichte im Zusammenhang hören, wird Ihr Urteil sich mäßigen. Ich gebe ja zu, ich bin oft nicht argwöhnisch genug, und traue nicht jedem Menschen, und besonders nicht einem guten Bekannten, gleich alle Nichts­nuzzigkeiten zu: aber in meiner Situation wär' auch ein anderer in die Falle gegangen.

Nun, ich will jetzt nicht weiter über die Sache philosophie­ren. Hören Sie mir gefälligst zu und sagen Sie mir dann un­befangen Ihr Urteil. Ich hab' seit langer Zeit die Geschichte nicht mehr erwähnt, denn ich gesteh's, ich hab' mich vor mir selber geschämt. Jetzt aber will ich's einmal ohne weitere Um­stände ehrlich zum Besten geben, und vor Sie hintreten, wie Schillers Muse mit jungfräulichem Bangen...! Sprechen Sie Ihre Ansichten rüdhaltslos aus: ich achte sie, doch fürchte ich sie nicht.

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,, Gießener Zeitung"

bezirk, wo die Polen, die als Berg- und Industriearbeiter tätig waren, in manchen Stadt- und Landgemeinden mit ihren finderreichen Familien einen großen Prozentsatz der Bevölke­rung ausmachten, so in Hamborn 17,1%, in Recklinghausen 23,1%, in Recklinghausen- Land 15,7%, in Herne 21,6%, in Gel­senkirchen- Land 17,7%. Durch die Abwanderung ist in den vorgenannten Gemeinden der Prozentsatz der Einwohner mit polnischer Muttersprache im Durchschnitt auf 1,03% zurückgegan­gen. Viele Polen setzten ihre Hoffnung auf ihren neugegrün­deten Staat und fanden den Weg dorthin zurück. In großer Zahl wanderten sie nach anderen Ländern, besonders nach Frankreich aus, dessen wirtschaftliches Leben nach dem Kriege einen neuen Auftrieb bekam, so daß man dort die bei uns zur ständigen Erscheinung gewordene große Arbeitslosigkeit über­haupt nicht kennt. Sie wurden dort gern als Arbeiter für den Bergbau und die Industrie aufgenommen, zumal, wenn sie aus gleichartiger Beschäftigung im rheinisch- westfälischen In­duſtriebezirk kamen. Wir erinnern uns auch noch der Werbe­aktion der Franzosen unter den Bergarbeitern des Ruhrbezirks während der Ruhrbesatzung im Jahre 1923, wo sie Arbeiter so­wohl für die französischen wie auch für die Zechen des Saar­bezirks suchten.

Auch andere fremdländische Elemente haben den Ruhrberg­bau nach Beendigung des Krieges verlassen, weil sie erkann­ten, daß die guten Zeiten vorbei waren. Während die Zahl der vor dem Kriege hier beschäftigten polnischen Bergarbeiter nicht zu ermitteln ist, weil die Polen kein eigenes Staatengebilde besaßen, ermittelte die Ruhrknappschaft neben den 34 121 Aus: ländern im Ruhrbergbau 138 972 Mann aus östlichen Teilen des Reiches, so aus Ost- und Westpreußen, Posen und Ober­schlesien; das ist reichlich ein Drittel der ganzen Belegschaft, während die Ausländer insgesamt nur 8,3% ausmachten.

Nach einer neuerlichen Erhebung seitens des Ruhrberg­baues beschäftigt dieser zurzeit nur noch 14 764 fremdstaatliche Bergarbeiter, d. s. 3,85% der Gesamtbelegschaft. Den Haupt­teil machen die Tschechoslowaken. Drei Viertel aller bei uns beschäftigten ausländischen Bergarbeiter entfallen auf die öster­reichischen Nachfolgestaaten. Dann sind auch heute noch stark vertreten die Polen mit 8,34%. Es ist ohne weiteres klar, daß die Beschäftigung von Arbeitern aus den österreichischen Nach­folgestaaten, die zum größten Teil deutschstämmig sind, anders beurteilt werden muß, als die anderer Ausländer, deren Be­schäftigung bei der ohnehin großen Arbeitslosigkeit und dem Kampf um jeden Arbeitsplatz nicht gerade gern gesehen wird. Wir dürfen dabei nicht vergessen, daß von weit über 90 Mil­lionen deutschsprachigen Menschen nur 65 Millionen in unseren Landesgrenzen wohnen, während alle übrigen auf Duldung in einem Gaststaate angewiesen sind.

Eine Ueberschwemmung Deutschlands mit ausländischen Ar­beitern ist jedenfalls nicht zu befürchten, da die Landesarbeits­ämter die Beschäftigung der ausländischen Arbeitskräfte genau tontrollieren. Für jeden fremden Arbeiter, auch wenn er die deutsche Muttersprache hat, muß in jedem Jahre erneut die Zu­stimmung zur Beschäftigung seitens des Landesarbeitsamtes eingeholt werden.

Und den Zahnarzt Wolf kennen Sie auch, wissen Sie, den mit den schwarzen Bartkotelettes, der die zwei hübschen Töchter hat, oben an der Frankfurter Straße! Den beiden Backfischen sieht man's auch nicht an, was ihr Vater für ein durchtriebener Mensch ist, denn der ist einer von den Haupträdelsführern gewesen, und hintennach hat er mich am meisten gefoppt. Ich hab' mir aber auch dafür keinen Zahn mehr bei ihm plombieren lassen, den Teufel auch! Bei so einem Witbold schlimmster Sorte ist man ja keinen Augenblick sicher, daß er einem statt der Blombe nicht irgend ein Dynamitfabrikat hineindrückt, so daß man eines schönen Morgens, wenn man grad' einmal auf was Hartes beißt, seine sämtlichen Zähne in allen vier Win keln des Zimmers zusammenlesen kann. Ich danke dafür!

Es war also im Oktober. Ich bin g'rade aus meiner Hirsch­Apotheke auf die Straße getreten. Es ist schon dämmerig ge­wesen, und drüben in der Hauptstraße war man eben dabei, die Laternen in Brand zu setzen. Wie ich nun rechts um die Mauer biege, da sehe ich, wie aus dem Dannenberg seiner klei­nen Konditorei der dicke Fechner, der Tageblatt- Redakteur, auf's Trottoir tappt, sich zwei Sekunden lang umschaut und dann ge= raden Wegs auf mich zukommt. ,, Salve", ruft er mit seiner feisten Bierbaẞstimme, denn er hat immer gern ab und zu seine lateinischen Brocken angebracht; das trifft sich ja gut! Sie gehen doch auch zum Vater Lotz, oder haben Sie vorher noch was anderes vor?"

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Nachschrift: Die Namen in vorstehender Humoreske sind fin­giert, ersonnen. Ein alter Gießener Herr teilte uns dazu fol­gendes mit: Es handelt sich um die Engelapotheke, die selbigmal in dem Haus Ede Kirchenplatz und Kaplaneigasse war. Der Apotheker Kehrbach hieß aller Wahrscheinlichkeit nach Dr. Lau­benheimer. Vater Lotz in der Wolkengasse ist Ins Loze", da= mals Mandarinenkasten geheißen, am Seltersweg. Karolinchen Lotz geb. Walter war die Ehefrau des Bierbrauers Lotz. Asses­sor Winkler Becker. Dr. Erdmann vermutlich Dr. Karl Wernher, Sohn des bekannten Professors Wernher, genannt Kalif, der sich ein schönes Haus am Ludwigsplatz erbaute. Redakteur Fechner?( ist nicht identisch mit Scheyde). Wöhler, der bekannte Korsettenfabrikant F. C. L. Koch( in Firma Koch u. Pazz) kombiniert mit Zügen des Kaufmanns Louis Treff ( Tuchhandlung, Walltorstraße), der mit seinen langen Beinen am Pult steht., Auf nach Sevilla!" ist eine dem Fabrikanten Im Oktober ist's gewesen; es wird jetzt g'rad sieben Jahr'. Koch geläufige Aeußerung. Zahnarzt Wolf ist Zahnarzt Dr. Wir haben damals beim Vater Lotz in der Wolkengass' unsern Koch, mit zwei schönen Töchtern, Frankfurterstraße, gegenüber Stammtisch gehabt. Ich weiß nicht, ob Sie die Herren noch Café Hettler. Konditorei Danneberg Konditorei Lied am sämtlich gekannt haben. Da ist zum Beispiel der kleine Assessor Kirchenplay. Klubdiener Bremer Krämer. Medizinalrat Winkler dabei gewesen, der jetzt im Justizministerium beschäf- Semmler wahrscheinlich Dr. Stammler. Der alte Knorr der tigt ist, und der Doktor Erdmann, dazumal Assistent auf der Hofgerichtsvat Knorr, von dem in jener Zeit zwei Geschichtchen chirurgischen Klinik, ferner der Redakteur vom Tageblatt", erzählt wurden, die hier erwähnt seien: Er spielte einmal Kar­Fechner hat er geheißen, und sechs oder sieben Herren verschie= ten. Er wollte dabei rasch einen Stich machen, mußte aber dener Berufsklassen. Nun, einen davon kennen Sie gewiß: gleichzeitig spucken. In der Hitze des Gefechtes speuzte er auf den Wöhler, in Firma Wöhler und Krause, Korsettenfabrik. Der den Tisch und warf die Karte in den Speikasten. Seine außer= kommt noch bis auf den heutigen Tag allwöchentlich zweimal ordentliche Vergeßlichkeit war allbekannt. Von seiner Frau zum Lotz und macht sich dort über ehrlicher Leute Kind lustig...| geschieden, begegnete er nach vielen Jahren zu Frankfurt einer

Lofales.

Sonntagsgedanken.

G

Nr. 1.

Ein neues Jahr liegt vor uns, durchsetzt mit Freud und Leid, mit schönen und trüben Tagen. Wir kennen nicht die Reihenfolge, wie sie kommen, wir kennen auch nicht das Maß, nach dem sie gemessen werden. Aber eines wissen wir, daß ohne Arbeit, Sorge und Plage fein Tag kommen wird, den das neue Jahr uns gibt. Und Kampf wird es sein, Kampf um das Dasein auf dieser Erde. Diesem Ringen um das Leben dürfen wir aber den Wert nicht absprechen. Beschränken wir aber die Bedeutung des Lebens auf den Kampf fürs irdische Dasein allein, dann freilich wird dieses Leben freudlos und un­gerecht. Die Güter dieser Erde, um die der Kampf geht, sie allein können den Menschen nicht glücklich machen. Das Glück, das von ihnen kommt, hält nicht an, bleibt nur kurz und eilt rasch wieder von dannen. Und der neue Tag zeigt vielleicht schon wieder trübe Wolken an dem Himmel, der gestern noch im schönsten Blau uns leuchtete.

Wer nur Jrdisches beachtet, steigt den grünen Berg des Lebens hinauf und findet oben ein Dedland. Jrdische Güter haben noch niemals einen Menschen allein glücklich gemacht. Wer dem Leben einen besseren Inhalt geben will, der muß seinen Blid auch über die sinnlichen Einzelheiten des Alltags erheben. Im engen Kreis verengert sich der Sinn; es wächst der Mensch mit seinen größeren Zwecken. Und diese arbeiten hin zu den Jdealen des Menschen, zu dem Hochbild, das über die unmittelbare Sinneswelt hinausragt, das auch dem klei= nen Anliegen des Erdendaseins eine höhere Klarheit, eine heilige Weihe verleiht.

Der Sonntagsschreiber.

* Vom Stadttheater. Am Sonntag nachmittag hat die junge Welt nochmals Gelegenheit, das Märchenspiel ,, Das tap­fere Schneiderlein" zu bewundern. Am Abend können sich die Alten am ,, Kyritz Pyriz" erheitern. Die nächste Woche bringt. als Premiere am Freitag den Geisterzug" von Ridley.

* Personalien der Reichsbahn. Herr Lademeister Junker wurde von Gießen nach Bad Nauheim und der Betriebsassistent Volz und der Zugschaffner Viehmann von Wetzlar nach hier versetzt.

* Der Provinziallandtag hat seine erste Sitzung vom 9. Januar auf den 25. Januar verschoben, auf der auch über einen Antrag wegen der Gasfernversorgung verhandelt werden soll; im übrigen bleibt die Tagesordnung die alte.

* Autounfall. Auf dem Wege nach Marburg erlitt am Donnerstag abend ein Postauto, das das Personal des Stadt­theaters nach Marburg fuhr, kurz hinter der Wellersburg einen erfreulicherweise recht glimpflich verlaufenen Unfall. Ein ihm entgegenkommendes Lastauto der Brauerei Jhring- Lich wollte ein Fuhrwerk überholen, bemerkte den Omnibus zu spät und fuhr ihn an. Nur dem Umstand, daß beide Wagen langsam fuhren, ist es zu verdanken, daß alle Beteiligten ohne ernstlichen Schaden davonkamen. Die beiden Wagen allerdings mußten abgeschleppt werden.

Dame, bleibt stehen, grüßt und redet sie mit den Worten an: ,, Wir müssen uns irgendwo im Leben schon einmal gesehen haben. Darf ich fragen, mit wem ich die Ehre habe?" Ich bin die geschiedene Frau des Hofgerichtsrates Knorr zu Gie­Ben", lautete die Antwort. ( Fortsetzung folgt.)

Das werdende Weltmuseum der Druckkunft.

Von Dr. A. Ruppel, Direktor des Gutenberg- Museums in Mainz.

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Um das Jahr 1445 geschah zu Mainz am Rhein eine welt­historische Tat, die berufen war, das Angesicht der Erde zu ver­ändern. Das große Ereignis bestand in der unscheinbaren Tat­sache, daß der Mainzer Bürger Johann Gensfleisch genannt Gutenberg die Kunst erfand, mit beweglichen, gegossenen Me­tallbuchstaben die Handschriften, die bisher nur wenigen zu­gänglich waren, mit unheimlicher Schnelligkeit und in schier unbegrenzter Zahl zu vervielfältigen und so das Wissen der Welt zum Allgemeingut der Menschheit zu machen. Nicht erst die Entdeckung Amerikas( 1492) oder die noch spätere Refor­mation( 1517) leiteten die neue Zeit ein denn beide Ereig­nisse hatten nur für einen Teil der Welt und auch nur für Teil­gebiete des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens Bedeutung. Die Quelle, aus der das gesamte Leben der Neuzeit in der gan­zen Welt Befruchtung und Nahrung erhielt, war die Buch­druderkunst. Gutenbergs Erfindung ist es gewesen, die das Ge­sicht der Neuzeit formte und auf die Entwicklung aller Gebiete des menschlichen Lebens den entscheidenden Einfluß ausübte: auf Denken und Sein, Wissenschaft und Kunst, Wirtschaft und Technik. Wenn irgend ein Mensch verdient, Vater der Neu­zeit zu heißen, so ist es weder Christoph Columbus noch Martin Luther, sondern Johann Gutenberg; denn nur diesem gottbe­gnadeten Genie wird der Fortschritt verdankt, der die Neuzeit von dem Mittelalter scheidet. Wir mögen uns dessen bewußt sein oder nicht: wir alle wären nicht, was wir sind, ohne die alles beherrschende Tat des großen Meisters.

Die Welt weiß es, was sie diesem Manne schuldet; sie hat daher keine schickliche Gelegenheit vorübergehen lassen, ohne ihm dankbar zu huldigen; sie errichtete ihm zahlreiche Denkmäler, erinnerte sich 1640, 1740 und 1840 in herrlichen Jahrhundert­festen an die Größe seiner Erfindung, feierte in nie gesehener Pracht im Jahre 1900 seinen 500. Geburtstag und wird in 10 Jahren bei der Halbjahrtausendfeier der Druckkunst( 1940) die­sem großen Wohltäter der Menschheit keine geringere Huldigung darbringen.

Als lebendiges Erinnerungsmal an den unsterblichen Mei­ster wurde im Jahre 1900 in Mainz das Gutenberg- Museum gegründet, dessen Zweck es ist, alles, was für die Erfindung Gutenbergs Zeugnis ablegt, aber auch alles, was die Geschichte der gesamten Druckkunst in allen Kulturländern der Erde be= trifft, zu sammeln, zu sichten, zu bearbeiten, auszustellen und in wissenschaftlichen Veröffentlichungen weitesten Kreisen bekannt­zugeben.

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