Nr. 6
Gießener Zeitung
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Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus.
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( Gießener Tageblatt)
cht des Vermieters Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüdtrok dieser Klause lendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
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Politische Rundschau.
Die thüringische Regierung hat beschlossen, die Notverordüber die den Gemeinden vom Reiche zugestandene soge= nannte Bürgerabgabe vorläufig nicht zu erlassen, weil im Katinctt teine Einigung zu erzielen war.
Im Zusammenhang mit der Preissenkungs- und Lohnab
Orgelegten, von dem baubewegung der westdeutschen Industrie haben sämtliche Vorbenen Mietvertrage standsmitglieder der Vereinigten Stahlwerke mit Wirkung vom er Antragsteller den 1. Juli auf 10 v. H. ihrer Bezüge verzichtet.
ehenden Pfandrecht
Der Verband Berliner Metallindustrieller hat am Sonn
hat, das sich auf abendabend den im Metallfartell zusammengeschlossenen Gehme beziehen sollte wertschaften den für das Tariefgebiet Berlin gültigen Lohnund Gültigkeit einer tarik gekündigt. Die Kündigung wurde zum 30. September ausFrage ist mehrfas geipzochen und erstreckt sich auf über 280 Betriebe mit mehr als gerichts gewesen, jo 140 000 Arbeitern und Arbeiterinnen.
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Drud und Verlag von Albin Klein in Gießen. Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21.
Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postscheckkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.
Mittwoch, den 3. September 1930
Die Beweisaufnahme im Disziplinarverfahren gegen den Einräumung eines Berliner Oberbürgermeister Böß in der Berufungsinstanz ist im hinsichtlich der ge vollen Gange. Von dem Vorsitzenden des IX. Senats des Oberpfändbaren Sachen verwaltungsgerichts, von Salpius, sind Frau Böß, Willy und az eine solche Ver: Mar Starei und der ehemalige Buchhalter Lehmann vernom=
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Die Anklageschrift gegen die Brüder Sklaret, an der seit Monaten unter Mitwirkung von vier Staatsanwälten gearleitet wird, ist jetzt im wesentlichen fertiggestellt. Die zuständiStraffammer des Landgerichts I wird nach Zustellung die
Ansicht schließt fió Cräffnung des Hauptverfahrens beschließen. Nach der Eröffnung des Hauptverfahrens wird den Angeklagten die Anklageschrift jugestellt.
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nicht beteiligter oder Erteilung von vorstand. Hiernach Landesarbeitsgerichts des Landesarbeits identen des Landge
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Vor dem Gewerbeaufsichtsrat Berlin-- Mitte wurde Dienstag in Gegenwart von Vertretern der Personalabteilung ter Berliner Verkehrsgesellschaft, des Betriebsrats und der Gewertschaften über den von der Direktion beim Oberpräsidenten peftellten Antrag über die notwendigen Arbeiterentlassungen verhandelt.
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Es hat sich heraus gestellt, daß das deutsche Konsulatsge: bäude in Lodz bei den letzten deutschfeindlichen Kundgebungen schwerer beschädigt worden ist, als in der polnischen Presse zugegeben wurde.
In der Nacht zum Dienstag starb der Präsident des Direttoriums der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, Dr. von Olshausen, im Alter von 53 Jahren.
In Brüssel ist am Montag der 1. Weltkongreß der katholischen Presse, an dem 240 Vertreter von 28 Nationen, teilnehmen, eröffnet worden.
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Generalmajor a. D. Henry Allen, der ehemalige Befehlshaber der amerikanischen Besagungstruppen im Rheinland, verstarb plöglich an den Folgen eines Herzschlages.
Wie aus Lima gemeldet wird, hat der Präsident der neuen Militärregierung, Oberst Sanchez Corro, die Gesandten Perus in England, Spanien, Oesterreich und Belgien ihres Amtes ent= hoben und hat dem Gesandten in Frankreich befohlen, nach Lima zurüdzukehren.
Die einzelnen Kontrakte für den Bau des neuen Riesendampfers der Cunard Line wurden zum Teil bereits vergeben. Die Kosten des genannten Dampfers werden auf 120 Millionen Reichsmart geschätzt.
Nach einer Meldung aus Konstantinopel haben die türkischen Truppen am Montag einen großangelegten Angriff auf die cufständischen Kurden unternommen, die immer noch einen Teil des Ararat besetzt halten. Nach der Niederwerfung der Kurden wollen sich türkische und persische Sachverständige im Ararat treffen, um zu versuchen, eine neue Grenzregelung zwi= schen der Türkei und Persien herbeizuführen.
Am Montag wurde in ganz Holland der 50. Geburtstag der Königin Wilhelmine mit großer Begeisterung gefeiert.
Die Reichstagswahlvorschläge für den
Wahlkreis Hessen- Darmstadt.
12. Deutsche Bauernpartei: Hillebrand, Bloß, Appel II., Keßler. 16. Konservative Volkspartei: Dr. Hoetsch, Dr. Reen, Herold, Heyer.
17. Christlich- sozialer Volksdienst( Evangelische Bewegung): Hartwig, Greb, Süß, Schmit.
22. Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenenpartei der deutschen Mannschaft einschließlich der Abgefundenen: Becker, Delles.
Voraussichtlich 5000 Reichstagskandidaten.
Die einzelnen Kreiswahlvorschläge werden in den nächsten Tagen herauskommen, da viele Kreiswahlausschüsse ihre Arbeiten noch nicht beendet haben. Sobald die Ergebnisse vorliegen, wird man einen Ueberblick haben, wie viele Parteien insgesamt diesmal um die Gunst des deutschen Volkes werben. Die Zahl wird sich nicht mit der Zahl der Reichswahlvorschläge decken; sie wird in den einzelnen Kreisen verschieden sein. Soweit man bis jetzt übersehen kann, werden aber auch in den einzelnen Wahlkreisen weniger Wahlvorschläge eingereicht werden man rechnete amtlicherseits mit einem Mindereingang von etwa 100 Listen und entsprechend weniger Kandidaten. Immerhin wird die Zahl der Kandidaten die 5000 erreichen. 1928 waren es 6209 Bewerber.
1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands: Dr. David, Dr. Mierendorff, Rizel, Weber.
2. Deutschnationale Volkspartei: Dr. Ruppel, Steuer, Schindel, D. Fritsch.
3. Deutsche Zentrumspartei: Dr. Bockius, Knoll, Dr. Bauer, Diehl.
4. Kommunistische Partei: Remmele, Brenzel, Gertel, Wörtge. 5. Deutsche Volkspartei: Dingelden, Dr. Niepoth, Schätzel, Kloos.
6. Deutsche Staatspartei: Dr. Ehrhard, Jehner, Dr. Huntemüller, Reller.
7. Reichspartei des deutschen Mittelstandes( Wirtschaftspartei) e. V.: Dr. Horneffer, Weiser, Gilles, Steuernagel.
Zeitungsmagnat Hearst aus Paris ausgewiesen.
Paris, 2. Sept. 3wei Organe des Pariser Parfumfabrifanten Coty ,,, Figaro" und ,, Ami du Peuple", verbreiteten heut früh die Nachricht, der bekannte amerikanische Zeitungsmagnat Hearst habe gestern nachmittag von der französischen Polizei den Ausweisungsbefehl aus Frankreich zugestellt erhalten. Die Tatsache der Ausweisung wird heute vormittag im Quai d'Orsay offiziell bestätigt.
B. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei( Hitler- Bewegung): Münchmeyer, Ringshausen, Dr. Daum, Abt. 100. Hessisches Landvolk( Christlich- Nationale Bauern- und Landvolkpartei): Dorsch II., Glaser, Mossel, Fenchel.
11. Volksrechtpartei( Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung): Dr. Wolf, Streit, Westphal, Lindt.
Diese sensationelle Ausweisung dürfte mit der vor ungejähr zwei Jahren unter geheimnisvollen Umständen erfolgten Veröffentlichung des geheimen englisch- französischen Flottenabkommens durch mehrer Organe der Hearstpresse zurückzuführen
sein.
Amerikas Arbeitslosenziffer.
( Neueste Nachrichten)
Anzeigenpreise: die 30 mm breite Petitzeile auswärts 24 Pfg.. lokal 12 Pfg., die 90 mm breite Reklame- Petitzeile 96 Pfg. Platz vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholung Rabatt. Für Bollklischee- Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung.
Washington. Die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten hat Dr. William M. Stewart, der Leiter des amerikanischen Statistischen Amtes, auf 7 bis 9 Millionen geschätzt. Man will daran einen direkten Beweis für die vom Vorgänger von Dr. Stewart, Charles Persons, erhobene Anschuldigung gegen die Regierung sehen, der behauptete, die Regierung habe mit der Zahl der amerikanischen Arbeitslosen unaufrichtig manipuliert. Persons hatte die Zahl der Arbeitslosen auf 5 Millionen geschätzt.
Ein Toter, 68 Verwundete.
Budapest. Am Montag mittag kam es hier zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und sozialdemokratischen De monstranten, wobei ein Arbeiter getötet und achtundsechzig verletzt wurden. Die Demonstranten sollen die Polizei mit Steinwürfen angegriffen haben, worauf die Beamten das Feuer eröffneten. Alle Demonstrationen waren von der Regierung verboten worden. Trotzdem hatte die Arbeiterschaft in allen Fabriken die Arbeit niedergelegt und etwa 80 000 Demonstranten durchzogen mit Niederrufen gegen die Regierung die Straßen.
Der Unterweltfönig von Newyork in Deutschland.
Nachdem der amerikanische Unterweltfönig Jad Diamond in England gleich wieder abgeschoben war, ist er über Belgien nach Deutschland gekommen.
Nummer 70
Verhütung unwirtschaftlicher Preisbindungen.
Das Gutachten des Reichswirtschaftsrats. In dem 5. Abschnitt der Notverordnung vom 26. Juli 1930 wird der Reichsregierung die Ermächtigung gegeben, bestimmte Maßnahmen zur Verhütung unwirtschaftlicher Preisbindungen zu treffen. Die Reichsregierung hat den Reichswirtschaftsrat um ein Gutachten zu solchen Maßnahmen zur Senkung der Kartellpreise gebeten und ihm dabei besondere Fragen vorgelegt. Dieses Gutachten, das der Wirtschaftspoli tische Ausschuß des Reichswirtschaftsrats erstattet hat, wird nunmehr veröffentlicht.
Dem Gutachten wird die Bemerkung vorangeschickt, daß es nicht Aufgabe des Reichswirtschaftsrats gewesen sei, zu dem Kartellproblem im ganzen Stellung zu nehmen. Es sei auch von keiner Seite das Kartellwesen in der Gesamtheit seiner Wirkungen als volkswirtschaftlich unbedingt günstig oder unbedingt schädlich wirkend bezeichnet worden; nach übereinstimmender Auffassung könne diese Frage lediglich für den Einzelfall entschieden werden.
Aachen, 2. September. Der D- 3ug 54, mit dem der„ könig der Newyorker Unterwelt", Jack Diamond, von Antwerpen tommend in Deutschland eingereist war, traf hier gegen Mitternacht ein. Diamond wurde von der Aachener Kriminalpolizei, die mit einem stärkeren Aufgebot den Bahnhof abgesperrt hatte. festgenommen, und zwar bei der Paßrevision. Er wurde dann dem Polizeigefängnis zugeführt. Bis zur Erledigung der Aus= lieferungsverhandlungen wird er in Haft bleiben. Diamond hatte etwa 15 000 RM. Bargeld und größeres Gepäck bei sich. Der Verhaftete will der Unterweltfönig nicht sein. Aus Berlin erfährt man, daß die Beschreibung des 34jährigen Unterweltfönigs auf den Verhafteten im allgemeinen paẞt. Nur weist der Paß eine Aenderung auf, als der Vorname mit John angegeben steht. Der Paß ist in Newyork am 14. Auguſt ausgestellt und vom dortigen deutschen Konsul visiert worden. Der Verhaftete bestreitet mit aller Entschiedenheit, der gesuchte Verbrecher zu sein. Auch will er von der Behörde überhaupt nicht gesucht sein.
Das fehlte gerade noch!
Newyork, 2. September. Zu der Verhaftung des amerikanischen Unterweltfönig Jad Diamond in Aachen erklärt die Newyorker Polizei, daß zurzeit nicht nach Diamond gefahndet wird.
Die erste Frage der Reichsregierung hatte dahin gelautet, ob bei der gegenwärtigen Wirtschaftslage die volkswirtschaftlichen Nachteile von Preisbindungen deren Vorteile für die Gesamtwirtschaft derart überwiegen, daß es notwendig erscheine, bis zur Ueberwindung der krisenhaften Zustände auf Preisbindungen jeder Art zu verzichten oder anstelle der Preisbindungen nur unverbindliche Richtpreise zuzulassen. Das Gutachten des Reichswirtschaftsrats hierzu geht davon aus, daß das Problem der Preisbindungen in dem Gesamtproblem der gegenwärtigen Krise wie auch in dem Gesamtproblem der Preise nur einen Faktor darstelle, neben dem die anderen Momente, ie vonſeiten der Produktions- und Verteilungskosten den Preis in erster Linie bestimmen, nicht außer acht gelassen werden dürften. Welchen Umfang die Preisbindungen in den für Produktion und Lebenshaltung wichtigen Warengruppen einnehmen, habe sich nicht genau feststellen lassen. Von den Regierungsstellen ausgehende Schätzungen beziffern auf dem Markt der industriellen Erzeugnisse für das Jahr 1929 den Anteil der preisgebundenen Waren auf ungefähr 20 bis 30 v. H. mit 15 Milliarden von rund 50 bis 60 Milliarden R.-M. des Gesamtumsaßes. Diese Zahlen wurden indessen von einem Teil der Ausschußmitglieder als erheblich überschätzt bezeichnet, weswegen eine nähere Untersuchung hierüber dringend gewünscht wird. Anerkannt wird die erhebliche Bedeutung der Preisbindungen für die Gesamtpreislage, zumal ihre Wirkung sich von dem Gebiete der Rohstoffe auf die weiteren Stufen der Erzeugung und Verteilung fortpflanzt. Bemerkt wird, daß nach den amtlichen Feststellungen die Bewegung der gebundenen Preise in den letzten Monaten hinter dem Preisrückgang der nichtgebundenen Waren erheblich zurückgeblieben ist. Nach einmütiger Auffassung des Ausschusses kann nach alle dem nicht empfohlen werden, auf Preisbindungen jeder Art zu verzichten oder nur unverbindliche Richtpreise zuzulassen.
Die zweite Frage der Reichsregierung ging dahin, ob es sich empfiehlt, die Preisbindungen auf solchen Gebieten aufzuheben, auf denen preisgebundene Unternehmen unter dem Drucke der allgemeinen Wirtschaftslage oder ihrer besonderen Be triebsverhältnisse die festgesetzten Preise unter Umgehung der Bindungen nicht einhalten, oder ob in einzelnen Fällen die Bindungen auf unangemessen hohe Preise und Preisspannen aufgehoben werden sollen. Der Ausschuß hält es hier einmütig für notwendig, daß die Kartelle alsbald die von der wirtschaftlichen Entwicklung überholten Preisbindungen auch formal berichtigen oder aufheben und richtet den dringenden Appell an die Kartelle, hiernach zu verfahren. Er hält nötigenfalls einen Eingriff der Regierung auf Grund ihrer Vollmachten für berechtigt und billigenswert. Ebenso hält er ein Eingreifen der Regierung in Einzelfällen für angebracht.
Als dritte Frage hatte die Reichsregierung die Frage gestellt, ob die Preisbindungen von Angehörigen der nächsten Wirtschaftsstufe, also z. B. von Angehörigen des Einzelhandels durch Produzenten oder Großhandel, aufzuheben seien, insbe sondere, ob sich dies für sogenannte Markenartikel empfehle. Der Ausschuß bemerkt hierzu, er könne eine allgemeine Aufhebung durch Regierungseingriff nicht befürworten, vielmehr auch hier einen Eingriff nur auf Grund einer Prüfung von Fall zu Fall empfehlen. Was die Markenartikel betrifft, so bezeichnet der Ausschuß es als dringend erwünscht, daß die hierüber in Gang befindlichen Verhandlungen zwischen den einzelnen Herſteller- und Händlergruppen alsbald zu Preissenkungen und zu betriebswirtschaftlichen Fortschritten führen. Auch hier sollen Prüfungen im Einzelfall vorgenommen und, wenn sich hierbei Preisbindungen ergeben, die Nußensäße über das lebliche und Ungemessene hinaus ermöglichen, eventuell der Rechtsschuß für eine solche Preisbindung entzogen werden.
Allgemein herrschte im Ausschuß Einmütigkeit darüber, daß mit möglichster Beschleunigung Klarheit über die von der Reichsregierung zu treffenden Maßnahmen herbeigeführt werden müsse, wobei der Reichswirtschaftsrat auch seine gutachtliche Zuziehung für die Entscheidung der Einzelfälle wünscht.


