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Nr. 8

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Samstag, den 1. November 1930.

Aus Nah und Fern.

Bad Nauheim. Wie die Bad Nauheimer Zeitung" in einer Zuschrift von, gut unterrichteter Seite" mitteilt, erwägt man im hessischen Finanz- und Wirtschaftsministerium zurzeit ernstlich, die Amtsgerichte Bad Nauheim und Friedberg zu­jammenzulegen, und zwar denkt man an eine Verlegung des Amtsgerichts Bad Nauheim nach Friedberg und Belassung einer fleinen Geschäftsstelle in Bad Nauheim.

Friedberg( Hess.) Von der hier stationierten Schutzpolizei soll eine Bereitschaft in der nächsten Zeit nach Mainz verlegt werden.

Bobenhausen( Kr. Schotten). Infolge der Sparmaßnahmen wurde der Fortbildungsunterricht aus mehreren Gemeinden nach hier zusammengelegt.

Ein Bater erschießt im Scherz sein Kind. Schlitz. Im benachbarten Qued legte ein Einwohner ein bei ihm abgestelltes Gewehr im Scherz auf das nicht ganz folg= same Kind an. Mit den Worten: ,, Wenn du nicht schlafen gehst, schieße ich dich tot", drückte der unglückliche Vater das vermeint­lich ungeladene Gewehr ab. Das Kind war auf der Stelle tot. Büdingen. Der Beitrag zur hiesigen Allgemeinen Orts­frankenkasse für den Kreis Büdingen wurde mit Wirkung vom 1. November von 6,5 auf 5,5 Prozent ermäßigt.

Frankfurt. Der wirtschaftsparteiliche Reichs- und Landtags­abgeordnete Rhode legte sein Mandat zu Gunsten des Archi­tekten Ruhl von Oberrad nieder.

Kassel. In der Altenburger Braunkohlengrube auf dem Heiligenberg in der Nähe von Borken ging eine kleinere Braun­fohlenstrede zu Bruch, wodurch drei Bergleute verschüttet worden find. Nach siebenstündiger angestrengter Arbeit gelang es, die Bergleute lebend ans Tageslicht zu befördern.

Kassel. Die schlechte wirtschaftliche Lage in der Kasseler Basaltindustrie hat sich in den letzten Jahren so zugespitzt, daß sich jetzt der größte Teil der Steinbruchfirmen im Wirtschafts­gebiet Kassel- Hannover unter der Firma Hessisch- Hannoversche Basalt- Union zusammengefunden haben.

Der Lohntarif in der Kasseler Metallindustrie gekündigt.

Kassel. Der Verband der Metallindustriellen von Kassel und den benachbarten Industriebezirken e. V. hat am Freitag die Tarife für die Kasseler Metallindustrie zum 30. November gekündigt. Man erwartet umfangreiche Tariffämpfe in der ge­samten Kasseler Metallindustrie.

Honnef. 100 000 Kubikmeter Fels stürzten vom Süd­hang der Wolkenburg im Siebengebirge ins Tal. Die Stein­massen begruben eine Fläche von etwa 60 mal 40 Meter. Etwa fünf bis sechs Meter hoch liegen die Schuttmassen im Tal. Sie haben Wald, Wiese und Obstkultur zerstört. Durch den Absturz Senkte sich die Kuppe der Wolkenburg um zehn Meter.

Elten. Mitten auf dem Bahngleis befand sich ein Fuhrwerk, als ein Eilzug heranbrauste. Fuhrmann und Pferd blieben wunderbarerweise unverletzt; der Wagen wurde zertrümmert.

* Union

,, Gießener Zeitung"

Berlin, 31. 10. Das älteste Deutsche Ostseebad Heiligen­damm ist vom Deutsch- Evangelischen Volksbund übernommen worden, und zwar hat der Volksbund das Seebad mit seinen Geländen und Anlagen vorläufig auf zwei Jahre gepachtet und eine Option zum Kaufe erhalten.

Nobelpreis für Medizin.

Stockholm. Der diesjährige Nobelpreis für Medizin wurde dem Wiener Archäologen Professor Landsteiner zugeteilt für die Entdeckung der menschlichen Blutgruppe.

Kampf mit allen Mitteln.

Schon jetzt beginnen die Gottlosenverbände in Sowjetruß­land den Kampf gegen das Weihnachtsfest. Auch diesmal soll der Verkauf von Tannenbäumen streng untersagt werden, da­mit ,, die russischen Wälder vor religiöser Ausplünderung ge= schützt" seien. Eine Uebertretung des Verbotes soll mit Gefäng­nis zwischen 6 und 10 Monaten bestraft werden. Um die Christ­nachtfeiern zu stören, wollen die Gottlosenverbände am 24. De­zember große Straßendemonstrationen gegen die Religionen ver­anstalten. Trotz der jahrelangen Kämpfe scheint es immer noch nicht gelungen zu sein, die Religionen ganz zu vernichten. Jedes Mittel ist aber dazu recht. So sollen vom 1. November ab alle diejenigen, die ingendwie mit der Kirche zu tun haben, außer den Geistlichen auch die Organisten, Kantoren, Verleger und Re­dakteure religiöser Schriften, Künstler, die auf religiösem Ge­biet arbeiten und andere mehr keine Lebensmittelkarten mehr bekommen. Auch die Familien der Ausgeschlossenen werden von dieser Maßnahme betroffen.

Neues von der Welthilfssprache Esperanto".

In der englischen Universitätsstadt Oxford fand kürzlich der 22. Esperanto- Weltkongreß statt. Aus 28 Ländern waren 1200 Delegierte erschienen. Unter den elf Staaten, die offizielle Vertreter geschickt hatten, befand sich auch Deutschland. Mit dem Weltkongreß verbunden war auch die Jahresversammlung des , Weltverbandes der Esperantolehrer", in der Vertreter aller Schulgattungen, vom Volksschullehrer bis zum Universitäts­professor anwesend waren. In den Reden wurde besonders be­tont, daß Esperanto im höchsten Maße dazu beitragen kann, die internationale Annäherung der Völker zu fördern. Als Tat­sache wurde bekannt gegeben, daß die Esperantobewegung in der Lehrerschaft der ganzen Welt wächst. So wurden bei der letzten Zählung in 61 Ländern 6801 esperantistische Lehrer gezählt. Sch.

Neue Bücher.

Absazstockung, Arbeitslosigkeit und ihre Beseitigung. Ver­lag Reichsbund deutscher Technik, Berlin W. 35, Lützowstraße 27, Preis 1, RM. Eine Schrift, die kurz und sachlich, reich und treffend bebildert, in klarer Weise eine Darstellung der Funktio­nen des Geldes gibt. Die Darstellung der volkswirtschaftlichen Vorgänge erhält so scharfe Linien und Umrisse, daß dieses den meisten Menschen so unbekannte Gebiet auch dem Laien sofort

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Nr. 87.

verständlich wird. Diese Arbeit bringt Klarheit und zeigt die einzig mögliche Lösung der sozialen Frage. Sch.

82 Fragen zur sofortigen Beurteilung von Geschäfts- und Fabrikorganisationen, Leffingwe II, Verlag Organisator A.-G., Zürich 6. Mt.-, 90. Der Titel verspricht ein wenig viel, aber man muß sagen, daß der Inhalt wirklich für jeden Kaufmann und Fabrikanten außerordentlich wertvoll ist.

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Illustrierter Hessen Kalender 1931. Der 4. Jahrgang des von dem Hessischen Verkehrsverband herausgegebenen Kalenders ist erschienen. 104, zum großen Teil ausgezeichnete Aufnahmen, zeigen dem Beschauer eine charakteristische Reihe von Sehens­würdigkeiten und Schönheiten hessischer Städte und hessischer Landschaft. Die gediegene Ausstattung und der geringe Preis machen den Kalender zu einem geeigneten Geschenk, das bei Einheimischen und Fremden in gleicher Weise Freude erregen wird und für das fern der Heimat lebende Hessen besonders dankbar sein werden. In allen guten Buchhandlungen und Schreibwarengeschäften, sowie vom Hessischen Verkehrsverband, Darmstadt, ist der Kalender für 1,80 RM. zu haben.

Nur Pig. für eine Kurzgeschichte! Vor einem Jahr brachte Fritz Müller- Partenkirchen einen Hansa- Kalender her­aus, der nun für das Jahr 1931 unter dem Titel: Fritz Müller­Kalender vorliegt.( Verlag Paul Müller, München 2 NW. 8, Preis 2,20 RM.) Er ist ein Wochenabreißkalender mit aus­reichendem Notizraum.

Alpines. Ein alpines Prachtwert für nur 3,20 RM., das sich schlicht Alpenkalender nennt", so lautet eine Kritik über den Blodigschen Alpenkalender, der nunmehr für den Jahrgang 1931 zum 7. Male erscheint. Er nimmt unter den Alpenkalendern in­haltlich und umfangreich( 115 Kunstblätter, davon 7 in Mehr­farbendruck) eine gute Stelle ein. Bilder, die den anspruchs­vollen Bergwanderern von der Lieblichkeit der Täler, von den aufstrebenden Waldhängen, von Almen und Hochflächen erzäh­len, bis zu den Hochgebirgslandschaften. Technisch und inhalt­lich haben wir ein vollendetes Kunstwerk vor uns.( Verlag des Blodigschen Alpenkalenders, Paul Müller, München 2 NW. 8.)

Geschäftliches.

In Erkenntnis der außerordentlich schwierigen wirtschaft­lichen Lage, in der sich heute ein großer Teil der Bevölkerung befindet, hat das Rheinische Braunkohlen- Syndikat in Köln eine nicht unerhebliche Herabsetzung der Verkaufspreise für seine Braunkohlenbriketts Union" beschlossen und inzwischen bereits durchgeführt. Es spricht von einem guten Geist in der rheini­schen Braunkohlenindustrie, daß sie tatkräftig an der so notwen digen Senkung des Preisniveaus mitwirkt und auf diese Weise hilft, die wirtschaftliche Not zu lindern. Dieser Umstand wird wesentlich dazu beitragen, dem, Unionbrikett" neue Abnehmer zu gewinnen.

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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Ein nachträgliches Wort zum Weltspartag!

Wir wünschen dem Weltspartag guten Erfolg und hoffen, daß durch ihn viele Männer und Frauen veranlaßt werden, einen Teil ihrer Ein­nahmen regelmäßig zur Sparkasse oder zur Bank

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zu bringen; denn ein Notgroschen für unvorher­gesehene größere Ausgaben ist ebenso wichtig und ebenso nötig, wie die Vorsorge für den Fall des vorzeitigen Todes durch Lebensversicherung.

Die Lebensversicherungs- Unternehmungen in Deutschland

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