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Samstag, den 1. November 1930.

dem nordöstlichen Feldesteil mit zwei anschließenden Abtei­lungsquerschlägen beschränkt geblieben ist. Die Explosions­schwaden sind dann mit den einziehenden Wettern durch die ganze Grube geführt worden. Sachverständige Bergleute wer­den sich hiernach ein Urteil bilden können, ob mit der Mitwir bung von Schlagwettern zu rechnen ist.

Ueberflüssige Einfuhr von Türen und Fensterrahmen. Während die deutsche Türen- und Fensterindustrie, sowie das Bauschreinerhandwerk über starken Absatzmangel zu klagen haben, und ein erheblicher Teil der in diesem Gewerbe beschäf­tigten Facharbeiter brotlos ist, werden fortlaufend erhebliche Mengen ausländischer Türen und Fensterrahmen aus den Ver­einigten Staaten von Nordamerika, Schweden und Holland ein­geführt. Allein in rohen, d. h. ungestrichenen Bauschreiner­waren betrug die Einfuhr im Jahre 1929 rund 30 000 Doppel­zentner im Werte von 1,6 Millionen RM., wozu noch erhebliche Mengen( grundierte oder sonstige bearbeitete Türen und Fenster­rahmen kommen. Ein Teil dieser eingeführten Bauschreiner­waren findet für öffentliche oder mit öffentlichen Mitteln er­stellte Bauten Verwendung. Die erheblichen Mittel, die zur Belebung der Bautätigkeit in Form von Steuern der deutschen Wirtschaft entzogen werden, fließen also nicht restlos der ein­heimischen Wirtschaft für die Lieferung von Baumaterialien wie­der zu, sondern gehen zum großen Teil als Gegenwert für die völlig überflüssige Einfuhr ausländischer Baumaterialien ins Ausland, obwohl vor längerer Zeit die meisten Landesregie­rungen Erlasse herausgegeben haben, wonach der Verwendung ausländischer Baustoffe und Bauteile bei Bauten, die mit öf= fentlichen Mitteln gefördert werden, entgegenzutreten ist. Die Praxis zeigt jedoch, daß die vergebenden Stellen sich vielfach aus unerfindlichen Gründen an diese Bestimmung nicht halten. Wir meinen, daß vor allem die Architekten ihren Einfluß da­hingehend geltend machen sollten, daß diesen Erlassen im Inter­esse der deutschen Volkswirtschaft Folge geleistet wird.

Lösung der Fettfrage.

Die Sorgen der deutschen Viehzucht und Viehhaltung werden erhöht durch die erstaunliche Tatsache, daß die tierischen Fette einheimischer Herkunft so gut wie unverkäuflich sind. Die Schuld liegt

1. bei den Hausfrauen. Warum wird nicht bei jedem Einkauf ausdrücklich deutsches Schmalz, deutscher Talg ver­langt? Ein diszipliniertes Vorgehen der deutschen Haus­frauen könnte der Landwirtschaft hierin wertvolle Hilfe bringen, ohne sich dadurch besondere Kosten der Unbequem­lichkeiten aufzuladen;

2. beiden Margarinefabriken. Muß denn ein Groß­teil des Fettgehaltes der Margarine aus raffiniertem Wal­fischtran bestehen? Dieser ist doch nur für teures Geld aus dem Auslande zu beschaffen! Da alle Verhandlungen über diese Frage mit dem über die Reichsgrenzen hinweg ver­trusteten Margarinekonzern man wollte diesen zur Ver­wendung deutscher Fette bewegen bisher scheinbar völlig ergebnislos verlaufen sind, sollte nunmehr die Reichsregie­rung den Margarinewerken einen Beitirnungszwang für raffinierte deutsche tierische Fette auferlegen.

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So würde die im Interesse der Verbraucher wie der Land­wirtschaft verbotene Gefrierfleischeinfuhr eine wirkungsvolle und dringend nötige Ergänzung finden.

1300 Geschäftsagenturen unterhalten amerikanische Firmen in Deutschland. 1150 davon werden von deutschen Agenten versehen. Diese 1150 Herren soll­ten lieber um den Vertrieb deutscher Waren besorgt sein, um den brachliegenden deutschen Arbeitskräften Erwerbsmöglichkeiten zu verschaffen, statt die für Deutschland wirtschaftsschädliche amerikanische Konkurrenz großzuziehen!

Aufruf

an alle unmittelbar oder mittelbar der Jugendpflege und Volksbildung dienenden Bünde, Verbände, Vereine

und Einzelpersönlichkeiten des Hessenlandes. Die Erwerbslosigkeit hat jetzt schon eine Höhe erreicht, daß Behörden und alle, die sich mitverantwortlich fühlen für das Wohl und Wehe unseres Volkes, mit ernster Sorge dem Winter entgegensehen. Was aber alle Wissenden mit dem größten Schmerz erfüllt, ist die Tatsache, daß viele Hunderttausende Ju­gendlicher zur Zwangs- Untätigkeit verurteilt sind, junge Men­schen, die gesunde Lebenskraft und Arbeitswillen haben und doch vom Arbeitsprozeß ausgeschlossen sind, ausgeschlossen von jeder Möglichkeit, Hand anzulegen und Werke zu gestalten. Sie besonders leiden unter der Arbeitslosigkeit, verlieren Lebens­mut, Selbstvertrauen und den Glauben an einen Sinn der Ge­sellschaft. Wie unser gesamtes Volk sittlich dadurch gefährdet wird, daß zahllose Jugendliche während der Reifejahre in ihrem Tätigkeitsdrange und ihrem Schwung gelähmt werden, ist noch gar nicht abzusehen. Es wird Aufgabe der zuständigen Behörden sein, Maßnahmen zu treffen, um die Not der erwerbslosen Ju­gendlichen soweit wie nur irgend möglich zu lindern. Aber Be­hörden allein sind machtlos vor dem gewaltigen Umfang der Aufgabe.

Darum ergeht ein Ruf an die Leibesübung treibenden Ver­eine aller Richtungen: Deffnet die Tore solcher Hallen, Spiel­und Sportpläge, die an den meisten Vor- und Nachmittagen der Woche unbenugt stehen! Ladet die Erwerbslosen ein als Eure Gäste unter Aufsicht und Anleitung erfahrener, vielleicht auch erwerbsloser Vereinsmitglieder zu spielen. Wendet nicht ein, die Plätze und das Gerät könnten dabei leiden! Es steht hier Höheres auf dem Spiel! Was besagt es, wenn wirklich ein Ball schneller abgenutzt, der Rasen auf dem Plaze früher als sonst abgespielt wird, gegenüber der Tatsache, daß junge Volksgenossen dauernden Schaden an ihrer Seele nehmen! Ueber den Kreis dieser Vereinigungen hinaus richte ich meinen Ruf aber auch an alle anderen Jugendbünde und-Vereine und an jeden Einzelnen in ihnen. Bruder- und Schwesterliebe wer­den hier noch mannigfache Wege finden, geistige und seelische Not zu lindern.

Ich denke z. B. an die Berufsverbände oder an die Steno­graphenvereine, wie überhaupt an alle Vereinigungen, die

Gießener Zeitung"

Lokales.

Zum Allerseelentag.

Mit welken Blumen spielt der Wind. Wald und Feld hüllen sich müde in den grauen Schleier, den der Herbst über die Erde legt. Verwelken und Vergehen das ist der Lauf der Welt, das ist das Los des Schönen auf der Erde. Von selbst kommen uns in dieser Zeit des Sterbens in der Natur Gedanken vom Werden und Vergehen. Und der Weg führt uns dann hinaus in den Gottesacker zu denen, die uns vorangegangen sind in das Land des Friedens. Sie ruhen draußen still nebeneinander, die oft viel miteinander gestritten. Bunte Aſtern und die letzten Rosen blühen auf ihren Gräbern. Und über allen erhebt sich das einigende Zeichen des Kreuzes. Die Toten aber schweigen.-

Lasset dafür uns zu ihnen reden!- Denn das Leben lügt, aber der Tod ist immer wahr. Ihr Toten, die ihr für immer von uns Abschied nahmt, bleibet in uns lebendig als ein Vor­bild auf dem Wege zur Vollendung! Ihr Toten, die ihr das Auge niemals wieder öffnen werdet, zeigt uns Sehenden den Weg, ch' unser Tag dem euren gleich zur Neige geht! Ihr Toten, die ihr den Lebenskampf zu Ende führtet, leiht uns die Kraft, auszuharren in der Erdennot! Ihr Toten, die ihr zur ewigen Ruhe eingegangen, seid uns Mahner, die flüchtige Zeit zu nützen. Der Sonntagsschreiber.

,, Kauft deutsche Ware!"

Mit einer ausgezeichneten Bilddarstellung verbunden ist dieser Satz in allernächster Zeit auf den Bahnhöfen der Deut­schen Reichsbahn sowie der meisten Privatbahnen zu lesen. Das Plakat zeigt einen deutschen Grenzpfahl, auf dessen linker Seite mehrere Ausländer mit ihren Kisten und Warenballen siten, die sie gern nach Deutschland einführen möchten; auf der rechten Seite steht ein Deutscher, der den Ausländern sein Geld zeigt, es ihnen aber nicht für ihre Waren gibt, sondern vielmehr mit den Worten behält: Das Geld im Inland bringt Arbeit und Brot!"

Ein Ehepaar im Schlaf durch Kohlenoxydgase vergiftet.

In dem Nachbardorfe Alten- Bused wurde dieser Tage der Landwirt Rabenau und seine Frau in ihren Betten be­wußtlos aufgefunden. Das Ehepaar war durch Kohlenoxyd­gase vergiftet worden, die im Laufe der Nacht dem am Abend vor dem Schlafengehen gefüllten Ofen entströmt waren. Die schnell herbeigerufene Gießener freiwillige Sanitätskolonne kam dem verunglückten Ehepaar mit Sauerstoffapparaten zu Hilfe und konnte die Frau wieder zum Bewußtsein bringen. Dagegen liegt der Ehemann noch immer schwer darnieder. Beide wurden der Gießener Klinik zugeführt.

* Mandatswechsel im Hessischen Landtag. Oberregierungs­rat Rizel von hier hat infolge seiner Wahl in den Reichstag sein Landtagsmandat niedergelegt. Sein Nachfolger wäre Staatsrat Schwamb, der jedoch wegen dienstlicher Belastung auf das Mandat verzichtet hat. Infolgedessen tritt Frau Stein­häuser Offenbach, die früher schon dem Landtage angehörte, wieder in den Landtag ein.

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* Zeugengebühren im Spruchverfahren vor dem Arbeits­gericht sind nach einem Rundschreiben der Reichsanstalt für Ar­beitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in jedem Fall zu zahlen.

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Reformationsfeier. In der Stadtkirche findet am Sonn­tag, den 2. November, abends 8 Uhr, eine Reformationsfeier statt. Herr Professor D. Dr. Schuchmann hält einen Vortrag über ,, Vom Sinn des Bekenntnisses".

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Einstellung einer Betriebskrankenkasse. Mit dem 1. November 1930 hat die Betriebskrankenkasse der Maschinen­fabrik Heyligenstaedt u. Comp. A.-G. ihre Tätigkeit eingestellt. * Bürgerverein. In einer am vergangenen Mittwoch statt gefundenen Versammlung wurde die Wiederbelebung des Ver­

Kurse abhalten in Maschinenschreiben und Buchführung, ich denke an die Volkshochschulen und an alle unmittelbar Volksbildung pflegenden Verbände, die Sprach- oder sonstige Fortbildungs­furse veranstalten, die Lichtbild, Film, Rundfunk und Schall­platte usw. in den Dienst der Sache stellen könnten. Aber ich denke es mir nicht so, daß man sagt oder schreibt: Erwerbs­lose haben freien Eintritt". Nein, ich denke daran, daß jeder und jede, die einem solchen Bund, Verein oder Verband ange­hören, sich annehmen um einen erwerbslosen Freund, Kame­raden oder Nachbar, um einen oder eine, mit denen sie vielleicht früher auf derselben Schulbank gesessen haben, von dem sie nun wissen, er sitzt irgendwo im Dunkeln und Kalten, einsam und freudlos, stumpf und dumpf. Holt ihn herbei, nehmt ihn mit in Euren Kreis, laßt ihn teilnehmen an Eurer Arbeit, an Eurer Freude, an Eurem Lernen und Schaffen! Ihr Mädchen, die ihr vielleicht in Eurem Bunde Lese- oder Handarbeitsabende habt, denkt an die Altersgenossin, an die Freundin, die in trost­losem Einerlei ihre Tage verbringt, die nicht das freudige Ge­fühl wertvoller Arbeit, nicht die tiefe Befriedigung geleisteten Werkes haben darf! Nehmt sie mit in Euer trauliches Versamm­lungszimmer, laßt sie Euren Geschichten und Eurem Singen lau­schen, gebt auch ihr eine Arbeit und helft damit ihr Selbstge= fühl wieder heben und stärken!

Wieviel Bünde und Verbände, die eigene Heime haben, kön­nen hier Gutes wirken, wenn jeder Zugehörige einen erwerbs­losen Freund mitbringt in die warme, helle Stube, wo ernite und frohe Unterhaltung die Stunden rascher dahin fliegen läßt. Die Mitglieder von Wandervereinen können erwerbslose Kame= raden und Bekannte mit auf die Wanderung nehmen, ihnen frohe Stunden bereiten auf dem Wege und bei der Einkehr in die Jugendherberge und so die lastende Dumpfheit von ihnen nehmen, die sie immer tiefer hineingeraten läßt in geistigen und seelischen Jammer. Es kann natürlich nicht Aufgabe dieses furzen Aufrufes sein, alle Möglichkeiten aufzuzeigen, die sich denen bieten, die wirklich guten Willens sind. Nähere Einzel­heiten sollen in einer am 8. November ds. Js. stattfindenden Sitzung aller in Betracht kommenden Bünde und Verbände und sonstiger Institutionen erörtert werden, in der Herr Dr. Neun­dörfer, der Leiter der Volkshochschule Offenbach, ein einleitendes Referat über die Frage ,, Wie kann der seelischen Not der Er­merbslosen gesteuert werden?" erstatten wird. Daran soll sich eine eingehende Aussprache anschließen.

Nr. 87.

eins beschlossen und ein vorläufiger Ausschuß, dem die Herren Rektor i. R. Müller, Kaufmann Valentin Frey, Kaufmann Horst, Polizeiverwaltungsoberassistent Dierlamm, Hofrat Grünewalt angehören, gewählt.

* Aus dem Stadttheater. Als Fremdenvorstellung wird am morgigen Sonntag die Operette ,, Das Land des Lächelns" ge geben.

* Konzertverein. Jm Stadttheater findet am Donnerstag, den 6. November, abends 7.30 Uhr, das erste Symphonie- Kon zert unter Leitung von Dr. Temesvary statt.

* Großes Militär- Streichtonzert. Auf der Liebigshöhe" spielt am Sonntag, den 2. November, das hiesige Bataillons: Musikkorps. Anfang 4.15 Uhr.

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Konzert. Unter Leitung des Herrn Wilhelm Schättler veranstaltet der Gesangverein Heiterkeit" am Sonntag, den 2 November, nachm. 4 Uhr, in der Neuen Aula ein Konzert. * Radfahrer- Verein 1885 e. V. In der Turnhalle am Os waldsgarten hält der Verein heute, Samstag, abend sein Winter­fest mit radsportlichen Vorführungen ab.

Straßensperrungen,

Die Ortsdurchfahrt Klein- Linden im Zuge der Straße Gie Ben Wetzlar wird ab 3. November 1930 wegen Kanalisations: und Wasserleitungsarbeiten für jeglichen Verkehr gesperrt. Um leitung über Garbenheim- Dorlar- Azbach- Heuchelheim- Gie ßen und umgekehrt.

Die Sperrung der Ortsdurchfahrt Fauerbach bei Friedberg ist aufgehoben.

Gesunde Küche im November.

Jm November pflegt in unserem Klima meist der Winter schon die Zügel der Regierung an sich zu reißen. Da heißt es nicht nur in der Kleidung, sondern auch in der Ernährung sich umzustellen.

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Frisches Obst und frisches Gemüse werden immer teurer und seltener, einzig der deutsche Apfel bleibt von der Obstfülle des Herbsts übrig. Aepfel eignen sich wegen ihres Gehaltes an Fruchtzucker, Vitaminen und Salzen für jung und alt, zumal sie in Gestalt von Apfelmus von kleinsten Kindern ebenso wie von alten Leuten mit schwachen Magen oder mangelhaftem Gebiß bequem genossen werden können.

Die frischen Gemüse muß in weitem Maße jetzt die Kar: toffel ersetzen. Sie stellt durch ihren Gehalt an Nährstoffen, ihren billigen Preis und ihre vielseitige Zubereitungsmöglichkeit ein wirkliches Volfsnahrungsmittel dar. Ihr Hauptwert für unsere Ernährung beruht auf ihrem Reichtum an Zuckerstoffen ( Kohlenhydraten) und an Vitaminen. Lezere dürfen aber nicht durch unzweckmäßige Zubereitung dem Körper entzogen werden. Um sie zu erhalten, ist es nötig, Kartoffeln stets mit der Schale zuzubereiten, am besten im Dampftopf zu dämpfen oder ungeschält mit faltem Wasser anzusetzen. Selbstverständ­lich fönnen auch bei verschiedenster Art der Zubereitung Kar­toffeln stets nur als Beitost zu anderer Nahrung dienen, da ihnen Fett und Eiweiß fast ganz fehlen. Also man gebe z. B. Kartoffeln mit Butter und Hering, Kartoffeln mit Fleisch und Sauce. Als zweckmäßige Winterkost wird man neben den Fetten auch dem Fleisch notgedrungen jetzt einen etwas größeren Raum im Küchenzettel einräumen müssen. Der No­vember gemahnt uns in diesem Zusammenhange an die Mar­tins- Gans. Wer sich's leisten bann, der mag jetzt Gänsebraten essen, allein Gänsebraten ist meist recht fett. Deshalb sollten Magen- und Gallenkranke mit seinem Genuß besonders vor sichtig sein, wenn der Arzt ihn nicht ganz verboten hat.

Zu den Fleischarten der, Saison" gehört auch Wildbret, insbes. im November Rebhühner und Hafen. Wild ist, schmackhaft zubereitet, nicht nur eine Delikatesse, sondern wegen seiner leichten Verdaulichkeit auch besonders geeignet für die Krankenküche. Dr. C. K.

Mein heutiger Ruf will nur die Gewissen wachrütteln, damit jeder Einzelne und jede Organisation für Jugendpflege und Volksbildung unter Anspannung und Ausnügung aller zur Ver fügung stehenden Mittel und Kräfte dazu beitrage, jungen Menschen in ihrer fürchterlichen Lage zu einem Lichte, zu einer Betätigung, zu einer Feierstunde im freundlichsten Sinne zu ver helfen, damit sie nicht der unabwendbaren Versackung anheim­fallen. Ich bin überzeugt, die Jugend findet noch gar viele Möglichkeiten, an die ich hier nicht erinnern konnte, sie wird jede sich bietende Gelegenheit freudig ergreifen, ja sie wird Ge= legenheiten schaffen, weil sie helfen will! Und wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

Mit Nachdruck wiederhole ich meine schon gar oft ausge sprochene Forderung, alles zu tun, um die Festlichkeiten und Lustbarkeiten einzuschränken. Der gegenwärtige Augenblic verlangt diese Rücksicht auf die wirtschaftlich Schwachen in ganz besonderem Maße und er unterstreicht, daß kein Aergernis, aber auch keine Verführungsmöglichkeit gegeben werden darf. Mag die Versuchung noch so lockend sein, die runde Zahl der Jubi­läums usw. noch so dringlich, der Gewinn für die Vereinskasse noch so flug ausgerechnet: Wir müssen wissen, daß unsere Ver eins- und Bundesbrüder nicht nur ihrem Verein oder Bunde angehören, daß sie auch Verpflichtungen gegenüber sich selbst und ihren Familien haben. Das Recht zur Freude soll niemanden, das Recht auf den brutalen Genuß muß jedem bestritten werden.

Warum gerade ich als Mann der Volksbildung und Jugend­pflege mich um diese Sache annehme? So könnte ich gefragt werden. Und ich will die Antwort geben: Weil ich als den Sinn und die Aufgabe aller Volksbildungs- und Jugendpflege­arbeit die Formung und Gestaltung aller Volksgenossen ansehe und die Mitarbeit an der Volkswendung. Volk als Gesamtheit und Einheit kann aber nicht werden, wo Tausende von Volks genossen in unverschuldetem Elend des Geistes irre werden, an ihrem Leben und an seinem Sinne. Und Volk fann auch nicht werden, wo die anderen, die Glücklicheren, lau und teilnahms­los beiseite stehen und nicht wissen, nichts wissen wollen von der schweren Last, die auf dem Nachbar liegt, auf dem, der ,, nahe bei uns" ist. Darum rufe ich Euch auf, Ihr Nachbarn, Freunde und Kameraden:

Helft Euren Brüdern und Schwestern! Euer Heinrich Hassinger.

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