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Mittwoch, den 1. Oftober 1930.

Auch sonst enthalten die neuen Regeln allerlei Bestimmungen, die von den Vereinen, Spielern und Schiedsrichtern beachtet werden müssen, sodaß es in deren Interesse liegt, sich mit den

Neuerungen unbedingt bekannt zu machen. Untenntnis schützt

nicht vor Strafe.

Die neuen Spielregeln des Deutschen Fußball- Bundes. Der D. F. B. gibt seine Spielregeln in vollständig neuer Fassung entsprechend den Bestimmungen der Fifa heraus. Wie wir hören, wird demgemäß noch im September eine gänzliche Neubearbei­tung( 21. Auflage) des Schiedsrichter" von S. Rosenberger und A. Hofschneider erscheinen unter Berücksichtigung der neuen Re­geln und mit deren ausführlicher Erläuterung, illustriert mit etwa 100 Demonstrationsbildern. Die Neuauflage erscheint wie­der im Sportverlag Died& Co., Stuttgart, und kostet steif ge= hefter RM. 4.-.

Leichtathletik.

Vereinsmeisterschaften der Sp. Bgg. 1900 Gießen.

Vom herrlichen Herbstwetter begünstigt, tamen am Sonn­tag die den Abschluß der Bahnsaison bildenden Vereinsmeister­schaften zum Austrag. Das außerordentlich reichhaltige Pro­gramm wurde von den Kampfrichtern in rascher Folge abge= widelt. Trotz der schlechten Trainingsmöglichkeiten in den lez­ten Wochen und der vorgeschrittenen Jahreszeit wurden durch­weg sehr ansprechende Leistungen gezeigt. Ergebnisse: Attive Gruppe A:

Sprinterdreikampf( 50 m, 100 m, 200 m): 1. Schickedanz 12 Punkte; 3000 m: 1. Gerhardt( vom Mal) 9:42 Min.; 4 X 1500 m- Staffel: 1. Mannschaft( Gerhardt, Bepperling, Paul, Peters) 18: 6,4 Min.; Hochsprung: 1. Peters I 1,55m, 2. Wolf 1,55 m( durch Los); Stabhochsprung: 1. Jung 3,00 m; Kugelstoßen: 1. Schäfer 12,51 m; Diskuswerfen: 1. Schäfer 36,51 m; Speerwerfen: 1. Hopfenmüller 46,42 m; Fünfkampf: ( nach Wahl) 1. Guyot 3012,67 Pkte.;

Aftive Gruppe B:

50 m- Lauf: 1. Linsemann 6,6 Sef.; 100 m- Lauf: 1. Linse­mann 12,1 Sef.; 1000 m- Lauf: 1. Glagow 2:50 Min.; Weit­sprung: 1. Krämer 5,85 m; Kugelstoßen: 1. Trauth 9,52 m; Diskuswerfen: 1. Trauth 28,27 m; Dreikampf:( nach Wahl) 1. Krämer 1855,25 Pkte.

Jugend, Klasse A:

Sprinterdreikampf 50, 100, 200 m: 1. Koch II 12 Pfte.; 800 m- Lauf: 1. Baumstieger 2: 14,7 Min.; Weitsprung: 1. Fel­sing 5,49 m; Distuswerfen: 1. Rodriguez 32,83 m; 2. Felsing 32,81 m; Dreikampf: 1. Rodriguez 749,05 Pfte. Jugend- Klasse B: 100 m: 1. Gräf 12,8 Sef., 2. Baumstieger 12,8 Sef.( Handbreite zur.); Hochsprung: 1. Schlarb 1,53 m; Speerwerfen: 1. Gräf 49 m.

Jugend- Klasse C: 50- m- Lauf: 1. Volf 7,7 Sef.; Weitsprung: 1. Volf 4,08 m; Rugelstoßen 1. Volf 7,34 m. Jugend- Klasse D: 50 m: 1. Bergmann 8,2 Sef.; 2. Stöhr, 8,2 Gef. ( Handbr. zur.); Standweitsprung: 1. Bergmann 1,88 m; Ball­weitwurf: 1. Stöhr 50,35 m.

Jugend- Klasse E: 50 m: 1. Weihrauch 7,8 Sef.; Standweitsprung: 1. Goß 2,04 m; Ballweitwurf: 1. Goß 55,65 m

,, Gießener Zeitang"

oder 72 Spiele zu absolvieren; ergibt zusammen 128 Spiele. Für diese sind demnach auch 128 Schiedsrichter zu stellen; da natür­lich entsprechend den Befähigungsklassen" eine solche Menge allein für die Bezirksliga nicht vorhanden ist, muß se der der qualifizierten Schiedsrichter vielleicht 8 bis 10 mal oder noch öfters eine Spielleitung übernehmen; dazu kommen noch die zwischenzeitlichen Abkommandierungen in die Bezirksklassen und vielleicht auch noch in die Jugend- und Gauklassen. Für die Sonderklasse beträgt die Pauschalabgabe 400 Mart, sodaß die Vereine zusammen 6800 Mart abliefern müssen, also das Jahres­gehalt von einem Beamten in schon ziemlich gehobener" Stel­lung. Daneben sind die Spielabgaben" fällig, nämlich fünf Prozent der Brutto- Einnahme; nimmt man einen Durchschnitts­besuch von 600 Personen zu je 50 Pfennigen an die 22 Lokal= treffen in Kassel, Göttingen, Fulda und Marburg werden allein schon diesen Durchschnitt überbieten also eine Einnahme von 300 Mark pro Spiel, so bringen die 128 Spiele 38 400 Mark ein, von denen 1920 Mart als Spielabgaben abzuführen sind. Die 17 Vereine müssen also dem Verband 8720 Mart zahlen.

4 mal 50 m- Staffel für C, D= u. E- Klasse: 1. C- Klasse 30 Sek., 2 E- Klasse 30,5 Sef., 3. D- Klasse 31,8 Sek. Frauen: 50 m: 1. A. Knab 7,6 Sef.; 100 m: 1. A. Knab 14,1 Set., 2. M. Lösch 14,2 Sek.; Hochsprung: 1. A. Knab 1,30 m; Weitsprung: 1. D. Nidel 3,64 m; Rugelstoßen: 1. A. Schlüter 7,35 m; 800 m- Lauf: 1. Elly Richtberg 2: 56,5 Min. Mädchen: 50 m: 1. M. Lösch 7,6 Sef.; Weitsprung: 1. E. Richt­berg 3,82 m; Ballweitwurf: 1. M. Lösch 49,20 m; 4 mal 50 m- Staffel( Frauen und Mädchen komb.): 1. A- Mannschaft 29 Gef., 2. B- Mannschaft 30 Set.

Aus Wetlar.

Bei den am 21. 9. durch den Tv. Wetzlar- Ng. veranstalteten Reichs- Jugendwettkämpfen gelang es dem bekannten Jugend­lichen A. Kilo vom VfL. Wetzlar im Kugelstoßen( 10 Pfd.) 16.40 m zu erreichen. Es dürfte dies wohl die beste Leistung sein, die von einem Jugendlichen bisher im Kugelstoßen in Deutsch­land erzielt wurde.

Sport in Zahlen.

Und was bezahlen sie an die Bahn und andere Verkehrs­mittel für ihre Spielfahrten? Ohne auf die Einzelheiten einzu­gehen, seien nur die Gesamtsummen der Fahrtstrecken genannt. In der Südgruppe fährt ein Verein aus Gießen 1535,4 Kilo­meter, aus Fulda 1523,4 Kilometer, aus Marburg 1431,6 Kilo­meter, aus Kassel 1284,0 Kilometer und aus Hersfeld 1195,8 Kilometer( in der Nordgruppe hätte Hersfeld 1393,2 Kilometer verfahren müssen); die neun Vereine der Südgruppe legten zusammen 12 493,2 kilometer zurück. In der Nordgruppe sind die Verhältnisse viel günstiger; hier muß ein Verein aus Ein­bed 1031,6 Kilometer, ein Verein aus Kassel( mit Großalmen­rode) 606,8 Kilometer und ein Verein aus Göttingen( mit Grone) auch 606,8 Kilometer auf der Bahn verbringen, sodaß sich für die acht Vereine eine Gesamtstrecke von 5279,2 Kilometer ergibt. Für beide Gruppen zusammen kommt die Zahl von 17 772,4 Kilometer heraus. Meistenteils wird man wohl Sonn­tagskarten benutzen; einige Strecken werden auch mit Auto­bussen zurückgelegt; daher kann man den Betrag für Spiel­fahrten nicht genau berechnen, aber aus der Kilometerzahl wenigstens eine Ahnung von den Ausgaben bekommen.( Wenn ein Verein sich einen Ueberblick darüber verschaffen will, stehen die Angaben der Zahlen für die einzelnen Spielfahrten gern zu Diensten.)

Diese Statistik Sport in Zahlen" ließe sich noch vervoll­ständigen durch Heranziehen der 1. Bezirksklasse, deren 34 Ver­eine, auch wenn sie in vier Gruppen geteilt sind, ebenfalls aller­lei Material an Spielen, Abgaben und Ausgaben liefern. Das Beispiel der Bezirksliga möge aber genügen, einen Einblick in die vielseitigen Auswirkungen des Eportbetriebs zu gewähren.

Der Deutsche Fußballbund und die ihm angeschlossenen Landesverbände geben gewöhnlich nach Schluß eines Spieljahres einen Ueberblick über den Spielbetrieb heraus, der gewisser­maßen den Charakter einer Statistik hat. Wenn man sich nicht nur an die nadten Zahlen hält, sondern sich auch einmal die Mühe macht, im Geiste sich vorzustellen oder auszurechnen, was sich alles hinter dem Zahlenmaterial versteckt, dann wird man auf manche unvermutete Offenbarung stoßen, die zu denken gibt und den Sportbetrieb in ein besonderes Licht rückt. Eine solche Betrachtung kann man aber auch schon zu Beginn eines Spiel­jahres anstellen, allerdings nicht in summa", sondern nur ,, summatim", d. h. auszugsweise. Wir wollen dafür einmal die Spiele der Bezirksliga in Hessen- Hannover heranziehen. Diese Spielklasse zerfällt in die Nordgruppe mit acht und die Süd­gruppe mit neun Vereinen, umfaßt also zusammen siebzehn Ver­eine. Die Ligaspiele werden demnach von 17 mal 11 oder 187 Spielern ausgetragen; das ist das Minimum, welches sich noch dadurch erhöht, daß nicht jede Mannschaft in der Lage ist, alle ihre Spiele mit denselben elf Spielern zu bestreiten, vielmehr oftmals gezwungen wird, sogenannte Reserve- oder Ersatzspieler einzustellen; die Zahl erhöht sich dadurch zwangsweise im Laufe der Serie um mindestens 33 Prozent, das ist etwa auf 250. Die Nordgruppe hat 8 mal 7 oder 56 und die Südgruppe 9 mal 8

2 Merkmale

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Aus Nah und Fern.

Lang- Göns( Kr. Gießen). Der an der hiesigen Volksschule tätige Lehrer Hermann Roth ist auf sein Nachsuchen hin mit Wirkung vom 1. Oktober ab in den Ruhestand versetzt worden.

Nr. 78.

gen und Bildungspolitiker, Vertreter von Staats- und Kommu­nalbehörden sowie eine große Anzahl von Lehrern und Lehrer­innen aller Schularten werden vertreten sein. Das Thema des Rongresses lautet: Aufgaben und Grenzen der Staatstätigkeit im Bildungswesen der Gegenwart". Ein besonderes Gepräge erhält die Tagung durch eine Reihe bedeutsamer Sonderver: anstaltungen, Führungen und Besichtigungen.

Obbornhofen( Kr. Gießen). Der Gemeindevoranschlag für das Rechnungsjahr 1930 liegt bis zum 6. Oktober 1930 auf der Bürgermeisterei zur Einsicht offen

Darmstadt. Am 20. Oktober sollte vor dem hiesigen Be­zirksschöffengericht die Verhandlung gegen Bürgermeister Sin= ger aus Seligenstadt stattfinden. Da Selgienstadt jedoch dem Bezirksschöffengericht Offenbach zugeteilt ist, wurde die Ver­handlung dorthin überwiesen. Bürgermeister Singer ist des Vergehens im Amt angeklagt.

Bahnbau Haiger- Breitscheid.

Ein neuer großer Mercedes- Typ.

Zum Pariser Automobil- Salon bringt Daimler- Benz den lang erwarteten ,, Großen Mercedes", der nun, nach zweijähriger Einlaufzeit, in die serienmäßige Fabrikation übernommen wor den ist. Der Wagen weist einen, je nach Wunsch des Käufers mit oder ohne Kompressor gebauten Achtzylinder- Reihenmotor von 7,7 Liter Zylinderinhalt auf, der 150 bezw. 200 Brems- PS Teistet. Dieser Motor, ebenso das Niederflur- Fahrgestell, wie auch das Schnellganggetriebe und alle anderen höchstwertigen tech­nischen Vervollkommnungen geben dem Wagen in konstruktiver Beziehung die erste Stelle im neuzeitlichen Bau der Fahrzeuge größter internationaler Sonderklasse. Die Karosserien weisen ihm eine führende Stellung zu: unnachahmlicher Komfort, vollendete Innenarchitektur und ideale Schönheit der Linie im einzelnen wie in der Gesamtgestaltung. Mit diesem neuen großen Wa­gen zeigt Mercedes- Benz beim Pariser Automobil- Salon ein Fahrzeug, das geeignet ist, auch den exclusivsten Höchstleistungen der Spitzen- Fabrikate der Welt als Beispiel vorangestellt zu werden.

Haiger. In der Angelegenheit des Bahnbaues Haiger­Breitscheid hat in Wiesbaden eine Besprechung stattgefunden, an der u. a. Vertreter der Regierung, der Reichsbahnverwal­tung, des Dillenburger Kreistages, sowie Vertreter des Landes­arbeitsamtes Hessen teilgenommen haben. Allseits wurde an­erkannt, daß dieser Bahnbau eine zwingende wirtschaftliche Not­wendigkeit ist und mit allem Nachdruck die Durchführung des Projektes gefördert werden müsse. Im Mittelpunkt stand die Beschaffung der Geldmittel. Von zuständiger Stelle wurde die Zusicherung gegeben, daß in Kürze die Finanzierung sicherge­stellt und noch in diesem Jahre mit dem Beginn der Arbeiten gerechnet werden könne. Die Durchführung des Bahnbaupro­jeftes wird etwa 600 Arbeitern Erwerbsmöglichkeiten für zwei Jahre bieten.

Der älteste Westfale gestorben.

Bocholt. Am Sonntag starb der im Jahre 1825 geborene Johann Heisterkamp, genannt ,, der alte Pannemann", in der Bauernschaft Lovik bei Bocholt.

Pädagogischer Kongreß.

Neue Bücher.

Vererbungslehre und Erbgesundheitspflege. Einführung nach methodischen Grundsätzen. Von Dr. Jakob Graf. 264 S. Mit 4 farbigen Tafeln und 54 Abbildungen. J. F. Lehmanns Verlag, München 1930. Geb. 8 RM., geh. 6,75 RM. Die Wissenschaft bemüht sich gegenwärtig offenbar besonders, das Geheimnis zu lüften, das bisher noch über der Vererbung lag. Das vorliegende Buch ist eine streng wissenschaftliche Ein­führung in die Vererbungslehre nach dem heutigen Stand der Forschung und soll nach dem Willen des Verfassers nicht nur ein Lehrbuch, sondern auch ein Lernbuch sein für Lehrer und Schüler. Der gesamte Stoff ist streng gegliedert und in knapper Form gegeben.

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