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Samstag, den 1. März 1930.

Riesen- Waffendiebstahl in Leipzig.

Leipzig. Der Leipziger Reichswehr sind ein großes Ma­schinengewehr, 38 kleine Maschinengewehre und 270 Gewehre gestohlen worden. Die Waffen dürften insgesamt 70 Zentner wiegen, so daß für ihre Fortschaffung wenigstens zwei Automo­bile benutzt worden sein müssen. Die Waffen waren in einem Gebäude außerhalb des Kasernengeländes untergebracht. Die­ses Gebäude wurde bis vor einiger Zeit von einem Posten be­wacht. Der Posten wurde dann aber eingezogen, und die Siche­rung der Waffen blieb auf einige Rundgänge eines Posten be­schränkt, die durch eine Stechuhr kontrolliert wurden. Infolge= dessen konnten die Diebe ihre Kraftwagen bis an das Depot heranbringen und mit der schweren Last beladen.

Vor der Abnahmeprobefahrt der Europa". Bremen. Die Probefahrt des Schnelldampfers Europa" des Norddeutschen Lloyds ist am 27. Februar mit einer Fahrt von Curhafen- Reede nach Bremerhafen- Columbus- Pier vor­läufig beendet. Das Ergebnis des ersten Teiles der Probe­fahrt ist sehr befriedigend. Das Schiff bewies erneut glän­zende See- Eigenschaften. Die Abnahmeprobefahrt wird in der nächsten Woche stattfinden.

Tegner an Deutschland ausgeliefert.

Der seit seiner Festnahme in Kolmar in Haft befindliche Heinrich Tehner wurde am Dienstag von der französischen Be­hörde der deutschen Gendarmerie ausgeliefert. Tegner wird zur Aburteilung nach Regensburg überführt werden. Er hatte bekanntlich in seinem Auto einen Handwerksburschen verbrannt und wollie dadurch seinen eigenen Tod vortäuschen, um in den Besitz einer hohen Versicherungssumme zu gelangen.

Militärische Sprachenpolitik in Böhmen.

Gießener Zeitung

Lokales.

Sonntagsgedanken.

Noch ein paar Tage, dann haben die Geigen ausgesungen, dann ist die lärmende Zeit wieder zu Ende und Gottes Kirche gebietet der tanzenden Welt ein strenges Halt. Maskenkleid und aller Flitterkram fallen, es schweigen Trompeten und Gei­gen, Freude und Lachen verstummt und ein grauer Aschermitt miitwochmorgen streift erbarmungslos der Welt den falschen Glanz ab. Und nichts bleibt übrig als falte Asche. Die tolle Zeit hat zwar fein Hehl gemacht aus ihrem Gehalt. Ihr Ge­wand war wie ihre Seele. Flach und leer, leicht und sorglos. Wohl dem, der wieder zurückkehren kann zum ruhigen Alltag und friedlichen Sonntag, der nicht vergessen hat, daß es noch etwas Höheres gibt, der die Straße wieder findet, die aufwärts und nicht abwärts führt. Nichts bleibt übrig als kalte, talte Asche.- Das ist das Los alles Jrdischen ein Häuschen Staub. Was nützt doch aller Reichtum und aller Glanz die­ser Welt. Das Endbild davon ist immer wieder Staub und Asche. Unvergänglich nur ist, was aus unserem Aschenleib bei seinem Tode als Seele der Unsterblichkeit entgegengeht. Der Glanz, den du, Mensch, dieser Seele geben kannst, der ist wahr und echt und wird bestehen auch vor dem Sonnenlicht des Ewigen. Der Sonntagsschreiber.

Zu einem unerhörten Uebergriff dem Deutschtum gegenüber hat sich der militärische Landeskommandant in Böhmen hin­reißen lassen. Er hat in einem militärischen Reservatbefehl darüber geklagt, daß die Offiziere und ihre Familien im enge= ren Kreise und in breiter Deffentlichkeit die deutsche Sprache auffallend gebrauchten, wodurch das nationale Empfinden in der tschechischen Oeffentlichkeit verletzt werde.

Verschärfung der Lage in Monaco.

Die politische Lage in Monaco wird mit jedem Tag ver­widelter. Eine Abordnung von 14 Personen, die keiner Partei angehören, hat sich zum Palais begeben, um dem Regenten eine Bittschrift zu unterbreiten, die Wahlen bereits im März zur Ausschreibung zu bringen.

Antimonarchistische Kundgebungen in Madrid. Madrid. Das Zarzuela- Theater war während der Rede des ehemaligen Ministerpräsidenten Sanchez Guerra telepho­nisch mit dem Königspalast und dem Ministerpräsidium ver­bunden, so daß dort die Rede gehört werden konnte. Nach Schluß der Versammlung kam es zu lebhaften Zwischenfällen. Etwa 3000 Personen, meist Studenten und Arbeiter, veranstal= teten eine Demonstration bei der Gran Via, wobei rote Fahnen mitgeführt und Hochrufe auf die Republik ausgebracht wurden.

Die finanzielle Auswirkung der direkten Kreissteuern. Interessante Zahlen aus Stadt und Land.

Nr. 16/17

* Mittel für kommunale Bedürfnisse. Das Gesamtministe­rium hat der Landeskommunalbank- Girozentrale für Hessen in Darmstadt die Genehmigung zur Ausgabe von Schuldverschrei­bungen auf den Inhaber bis zum Betrage von 5 Millionen Rmt. verzinslich mit 8 Prozent zur Beschaffung von Mitteln für kommunale Bedürfnisse erteilt.

* Vom hessischen Landbund. Die Landesversammlung fin­det Samstag, den 8. März, in Frankfurt a. M., im Volksbil­dungsheim statt. Ueber Hessische Politik" spricht Landtags­abgeordneter Dr. Leuchtgens Friedberg, ferner spricht der Reichsminister a. D., Präsident des Reichslandbundes, Dr. H. c. Schiele Berlin über Ein Jahr Kampf der Grünen Front".

Prof. Dr. Hermann von Jhering f. Prof. Dr. Hermann von Jhering ist, nahezu 80jährig, nach längerem, zuletzt qualvollem Leiden in der Nacht des 24. in der chirurgischen Klinik verstorben. Er war als ältester Sohn des genialen Rechtsphilosophen Rudolf v. Jhering 1850 zu Kiel geboren, betrachtete sich aber steis als Oberhesse, da er in Gie­ßen, wohin sein Vater 1852 berufen wurde, Gymnasium und Universität besucht hatte. Hier wie in Berlin und Göttingen betrieb er medizinische und naturwissenschaftliche Studien. Nachdem er dann in Göttingen, Leipzig und Erlangen als Assi­stent an zoologischen Instituten, sowie in Leipzig als Privat­dozent tätig gewesen war, trieb ihn sein Forscherdrang nach Südamerika, wo er bis zu seinem hohen Alter blieb, zuletzt als Leiter des Museums zu Sao Paulo, das er förmlich aus dem Nichts geschaffen hatte. Der Deutschenhaß der Brasilianer, ge­schürt durch die diplomatischen Vertreter Englands und Frank­reis, trieb ihn aus dieser Stellung und aus dem Lande. Er fehrte nach Deutschand zurück und ließ sich in Büdingen nieder. Bis in sein hohes Alter hat Hermann von Jhering eine unge­mein rege Tätigkeit als Schriftsteller auf den verschiedensten Gebieten entfaltet.

Zum Viehhofprojekt.

* Die erste Zuchtvichversteigerung des Landwirtschaftskam­mer- Ausschusses für die Provinz Oberhessen im Jahre 1930 fin­det in Butzbach am Mittwoch, den 12. März, einen Tag vor dem bekannten Butzbacher Faselmarkt, statt.

* Vicheinfuhr. Eine fünftägige Absonderung für Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen aus sanitären Gründen ordnet It. letzten Amtsverkündigungsblatt der Minister des Innern für Vieh aus den stark verseuchten Gebieten Potsdam, Köslin, Stralsund, Liegnig, Hannover, bayer. Schwaben und dem württ. Donaukreis an.

Auf Einladung des Präsidenten des Bundes der Viehhänd­ler Deutschlands fand am Montag abend im Gewerkschaftshause eine von etwa 500 Viehhändlern besuchte Versammlung stati, in der man sich eingehend mit der Frage der Errichtung eines Viehhofes an Stelle des jetzigen Viehmarktverkaufsplages be­schäftigte. Von allen Rednern aus Viehhändlerkreisen wurde mit Entschiedenheit die baldmöglichste Errichtung eines Vieh­hofes gefordert, wobei betont wurde, daß der Gießener Vieh­markt der größte Nutzviehmarkt in Südwestdeutschland gewor den, den in dieser Ausdehnung zu erhalten sowohl im Inter­esse des Viehhandels, als auch der Stadt gelegen sei.

Der Preußische Landkreistag hat eine Erhebung über die finanzielle Auswirkung der direkten Kreissteuer veranstaltet. In den Nr. 3 und 4 der Zeitschrift für Selbstverwaltung" ist ein Artikel erschienen ,, Die direkte Kreissteuer in den preußi­schen Landkreisen und ihre finanzielle Auswirkung". Der Ar­tikel enthält eine Reihe interessanter Tabellen, in denen zum ersten Male festgestellt wird, wie hoch die Grundbeträge der ein­zelnen Maßstabssteuern sind und wie sie sich auf das platte Land und die freisangehörigen Städte verteilen. Die ganze Berechnung ist abgestellt auf das Jahr 1928, wo der Gesamt­betrag der Kreissteuer aller Kreise 145 Millionen betrug. 6 rheinische Kreise erheben überhaupt keine Kreissteuer. Der Durchschnitt der Hundertsätze, in denen die Kreissteuer zu den Ueberweisungen erhoben wird, liegt bei 40,7 Prozent. Den niedrigsten Satz hat die Rheinprovinz mit 19,1, den höchsten Pommern mit 56,3. Bei der Grundvermögenssteuer beträgt der Durchschnitt 58,32, am niedrigsten in der Rheinprovinz mit 29,2, am höchsten Ostpreußen mit 107,3. Bei einem durchschnittlichen Gewerbesteuersatz von 57,55 hat die Rheinprovinz mit 29,0 den niedrigsten, Ostpreußen mit 103,6 den höchsten Satz. Die Grundbeträge der Ueberweisungen und Realsteuern verteilen sich auf das platte Land und die kreisangehörigen Städte wie folgt:

Einkommensteuer

Millionen

davon auf dem platten Lande in%

160

60

28,7

60,8

123,6

77,5

25,4

50,7

Körperschaftssteuer

Grundvermögenssteuer

Gewerbesteuer

*

Hessischer Straßenbericht.( Mitgeteilt vom Hess. Auto­mobilklub.) Heuchelheim- Azbach und Heuchelheim- Ringen­bach( Ortsdurchfahrt Heuchelheim) vom 27. Januar bis auf Wieseck- Alten­weiteres gesperrt. Umleitung: Rodheim.

Buseck.

-

* Straßensperre. Die Provinzialstraße Ortsdurchfahrt Bo benhausen II ist ab Montag bis auf weiteres für jeglichen Ver­fehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Ober- Seibertenrod Ruppertenrod bezw. Sellnrod- Groß- Eichen.

*

* Straßensperre. Die Sperrung der Goethestraße zwischen dem Seltersweg und der Johannesstraße ist wieder aufgehoben. Feuerschutzwoche. Die in der Arbeits- und Interessen­gemeinschaft deutscher Feuerwehrorgane zusammengeschlossenen Spitzenverbände der deutschen Feuerwehr veranstalten mit Un­terstützung der Behörden des Reiches und der Länder vom 27. April bis 4. Mai ds. Js. eine Feuerschutz- Woche". Träger der Veranstaltung sind etwa 30 000 Feuerwehren. Einer an­läßlich dieser Veranstaltung herausgegebenen Broschüre Feuer­Verhütung" ist weiteste Verbreitung und Beachtung zu wün­schen. Ein Sonderheft gibt auch der Verlag der Hessischen Feuerwehr- Zeitung", Albin Klein in Gießen, heraus.

Als Vertreter der Stadtverwaltung gab der Beigeordnete Dr. Hamm eingehende Erklärungen über diese Angelegenheit ab und kündigte an, daß eine vorläufige Regelung ins Auge ge­faßt sei, nach welcher man den Vichhof zunächst ohne direkten Bahnanschluß mit einem kurzen Anmarschweg von der Bahn­vampe aus schaffen wolle. Die Kosten für den ersten Bau­abschnitt werden auf rund eine Million Mark beziffert, für den zweiten Bauabschnitt werden etwa drei Viertel Million Mark erforderlich sein. Hinsichtlich der Finanzierung des Baues hat sich jetzt auch eine Möglichkeit gezeigt, die eine befriedigende Lösung erwarten läßt, so daß die Versammlung sich einig war in der Erwartung, daß in baldmöglichster Frist mit dem Bau des Viehhofes begonnen werde.

Die Tabellen zeigen neben dem Gesamtdurchschnitt für Preußen die absoluten Beträge und den Anteil des platten Landes für die Landkreise der einzelnen Provinzen und Re­gierungsbezirke. Von den Grundbeträgen sämtlicher Maßstabs­steuern liegen 65,7 Prozent auf dem platten Lande. Das platte Land deckt von der Kreissteuer 69,9 Prozent, wird also stärker herangezogen als die kreisangehörigen Städte. Denn die Ta­bellen zeigen, daß im Landesdurchschnitt in Preußen von 100 Rmt. Maßstabssteuersoll auf dem platten Lande 45,5 Rmk, in den kreisangehörigen Städten nur 37,6 Rmf. als Kreissteuer erhoben werden. Die kreisangehörigen Städte zahlen also nur 82,6 Prozent von dem, was das platte Land aufzubringen hat.

Die Kreissteuer mit 145 Millionen bildet nur 41 Prozent der Gesamteinnahmen der Landkreise. Im Jahre 1928 betrug die Kreissteuer 145 Millionen und deckte 41 Prozent der Ge­samteinnahmen der Kreise, im Jahre 1913 betrug sie 86 Millio­nen und deckte 77 Prozent der Gesamteinnahmen. Diese Zah­len zeigen in aller Deutlichkeit, daß die Kreise steuerlich ver­selbständigt sind gegenüber 1913. Sie greifen nicht mehr in dem Maße auf die freisangehörigen Gemeinwesen zurück, wie es noch 1913 der Fall war.

Feuerverhütung!

Gyuk

VEGENER

* Das Büchlein für alle

Die offizielle Aufklärungsbroschüre zur Feuerschutz- Woche

Deutschland- italien

am 2. März in Frankfurt a. M.

Amtlich teilt der Deutsche Fußball- Bund mit:

Das Spiel und die Mannschaften:

Der Italienische Fußball- Verband hat dem Deutschen Fuß­ball- Bund bis zur Ausgabe dieser Mitteilungen seine Spieler für das Länderspiel noch nicht genannt.

Die deutsche Mannschaft wird in folgender Aufstellung antreten:

Stuhlfaut

Hagen

Weber

Knöpfle

Leinberger

Heidkamp

Albrecht Szepan Pöttinger Frank L. Hofmann Ersatz: Kreß, Brunke, Mantel, Röschke( Fürth), Armbruster ( FSpV. Frkft.), Schmitt, Kuzorra.

Der Schweizer Schiedsrichter Ruoff hat das Amt des Spielleiters angenommen, als deutscher Linienrichter ist Wesp­Frankfurt a. M. tätig. Dem Spiel der Nationalmannschaften geht ein Spiel zweier Jugendmannschaften des Mainbezirks im S. F. u. L. V. voraus.

*

Die italienische Expedition wird insgesamt 18 Personen um­fassen, begleitet wird sie von einer größeren Anzahl italienischer Pressevertreter, Photographen und Interessenten, ein Zeichen da­für, wie hoch das Spiel in seiner sportlichen und allgemeinen Bedeutung in Italien eingeschätzt wird. In Frankfurt treffen die Jtaliener am Sonnabend Nachmittag ein. Der Deutsche Fußball- Bund hat für seine Gäste im Hotel Monopol- Metropol Unterkunft vorbereitet. Ihr Aufenthalt wird sich bis Montag

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Abend erstrecken. Die deutschen Bundesvertreter und die Na tionalmannschaft wohnen im Hotel Excelsior am Hauptbahnhof. An besonderen Veranstaltungen ist eine Besichtigung der Stadt Frankfurt a. M., sowie am Montag eine Fahrt nach dem Römerkastell Saalburg bei Bad Homburg geplant. Die Stadt­verwaltung Frankfurt selbst wird am Sonntag Vormittag die Vertreter des Jtalienischen Fußball- Verbandes und des Deut­schen Fußball- Bundes in einem besonderen Empfang begrüßen. Am Sonnabend wird der Verein Frankfurter Sportpresse für die von auswärts gekommenen Pressevertreter einen Begrüßungs­abend veranstalten.

Das Interesse an diesem internationalen Fußballspiel hat außerordentlich weite Kreise erfaßt, sodaß alle verfügbaren Ein­laßkarten für 42 000 Zuschauer bereits im Vorverkauf ausge­geben sein werden. Der Deutsche Fußball- Bund hat zum ersten Male seinen Bundesvereinen eine besondere Vorkaufgelegenheit geboten, die von 700 Vereinen aus fast allen Teilen des Reiches benutzt wurde und diesen so über 10 000 Einlaßkarten sicherte. Neben der Freude über die Neueinrichtung stehen die Klagen über eine nicht ausreichende Zuteilung der Karten; es war aber im Hinblick auf die überaus starke Nachfrage von allen Seiten eine Ueberschreitung des vorgesehenen 25prozentigen Anteils der Vereine am Kartenverkauf nicht angängig. Die Stadionkampfbahn in Frankfurt a. M. ist durch Be­helfsbauten in ihrem Fassungsvermögen um die größtmöglichste Anzahl an Zuschauerplätzen vergrößert worden.

Die Rundfunkübertragung des Spiels wurde unbeschränkt auf alle deutschen und interessierten Sender des Auslandes zu­gelassen.

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