Samstag, den 1. Februar 1930.
ordneten( wobei die kommunalen Parlamente noch gar nicht mitgerechnet sind) nicht leisten. Bei der Palamentsreform fommen wir gleichzeitig zur Reform des Wahlrechtes und des parfamentarischen Systems überhaupt, ohne die eine Aufrüttelung der Geister aus dem Marasmus heraus zu politisch verantwor= tungsbewußten Persönlichkeiten nicht mehr möglich it. Also Reform des Staatsethos.
So weitet sich der Blick von einer Einzelfrage zum großen Ganzen unseres staatlichen Daseins. Das Ziel ist klar. Wege gibt es genug. Was fehlt, ist der Wille zur Tat. Möge er bald kommen, noch ehe die sausende Talfahrt unseres Staatswagens uns an jene gefährliche Stelle bringt, an der wir im November 1923 angelangt waren!
Der Ausschuß zur Förderung der Bestrebungen auf Erlaß einer Amnestie aus Anlaß der Rheinlandräumung.
Art V der französischen Note vom 29. August 1929, die das Hauptstück der politischen Vereinbarungen des ersten Haager Abkommens darstellt, besagt, daß die beteiligten Regierungen ., aus Anlaß der Räumung der besetzten Gebiete eine Amnestie Für Handlungen erlassen werden, die mit der Besetzung im Zusammenhang stehen",„, wobei in weitem Maße dem Geiste der Versönlichkeit und Befriedung Rechnung getragen werden soll." Soweit es sich um Urteile deutscher Gerichte handelt, wird diese weitherzige Räumungsamnestie wiederum, wie die Londoner Amnestie vom 1. September 1924, nur den Deutschen zugute kommen, die während der Notzeit 1918-1924 den ehemals feindlichen Regierungen Vorschub geleistet haben.( Separatisten 2c.)
,, Gießener Zettung"
Der Weg der Entschuldung.
=
Von Dr. Karl Klein Buchschlag.
Der Aufsatz„ Entschuldung durch zinsfreie Hypothek" hat begreiflicherweise großes Interesse erweckt. An den Verfasser sind von den verschiedensten Seiten Anregungen herangetreten, einige Erläuterungen über den Gang der Entschuldung zu geben. Diesem Wunsche wird gern entsprochen, dabei aber auch nochmals auf den Weg der eingehenden schriftlichen oder mündlichen Befragung bei der Deutschen Bau- und Siedlungsgemeinschaft( D. B. S.) e. G. m. b. H. in Darmstadt, Heinrichstraße 2, verwiesen, der ja auch von einer erheblichen Zahl von Interessenten eingeschlagen wurde.
Diesen Anlaß benutzt der Ausschuß zur Förderung der Beftrebungen auf Erlaß einer Amnestie aus Anlaß der RheinLandräumung, um in einer erneuten großen Eingabe an Reichsregierung u. Reichstag den Erlaß einer wirklichen Befriedungsamnestie für alle Deutschen zu fordern, die aus Anlaß der uncuhigen Jahre 1918-1924 gegen das formale Recht verstoßen haben, insbesondere die staatstreuen Elemente, die in höchster Not des Staates 1923 die Verräter bekämpft und dabei dem Buchstaben des Gesetzes zuwidergehandelt haben.
Der Ausschuß tritt völlig überparteilich für eine gänzliche Vereinigung der Unruhekomplege von 1918-1924 und der daburch geschaffenen besonderen Kriminalität ein.
Der Ausschuß hat jetzt einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, ber nach Ansicht des Ausschusses den Bedürfnissen solcher BeFriedungsamnestie entspricht. Der Eingabe ist eine ausführliche Denkschrift beigefügt, die das Gesamtproblem der Befriedungsamnestie behandelt.
Zunächst dürfte aber eine Betrachtung über die heutige Lage des Hypothekenmarktes vorauszuschicken sein. Die vom Verfasser in dem früheren Aufsatz angedeuteten Befürchtungen über wachsende Schwierigkeiten der Hypothekenbeschaffung und Steigerung des Zinsfußes haben sich leider schon mehr als be stätigt. Vor kurzem ist ein Aufsatz durch die Blätter gegangen mit der Ueberschrift„ Börsenderoute und Hypothekenkrise", der mit dürren Worten folgendes besagt:
Nr. 9.
ken, daß es bis zum 1. Januar 1932 nur noch wenig über zwei Jahre sind. Für ihn ist es ratsam, möglichst bald durch Einzahlung die Darlehensanwartschaft zu erlangen. Wenn er 10 Prozent des von ihm gewünschten zinsfreien Darlehens einbezahlt, gelangt er sofort in die Reihe der Darlehensanwärter und rückt dann seinem Range nach zur Darlehenszuteilung vor. Nach Einzahlung von 10 Prozent des beantragten zinsfreien Darlehens muß er jeden Monat die Pflichtleistung von 1,50 Rmf. für 1000 Rmt., wie oben näher ausgeführt, weiter entrichten. Da der Schuldner der Aufwertungshypothek noch über zwei Jahre Zeit hat, braucht er die 10 Prozent zur Erlangung der Darlehensanwartschaft, also 400 Rmt. für 4000 Rmt., 600 Rmt. für 6000 Rmt. und 800 Rmt. für 8000 Rmt. nicht unbedingt auf einmal zu entrichten. Diesen Betrag kann er auch in mehreren Raten einbezahlen. Was er durch langsame Einzahlung der 10 Prozent in Raten an Zeit der Darlehensanwartschaft verliert, kann er nachher durch Verdoppelung oder Verdreifachung des monatlichen Mindestbetrages wieder einholen.
„ Die Lage des Hypothekenmarktes hat sich bedenklich zugespitzt. Zunächst waren die Hypothekenbanken zur Einstellung ihrer Beleihungstätigkeit gezwungen, weil weder das Jniand noch das Ausland deutsche Pfandbriefe kaufen will.... Von großer Bedeutung für die Finanzierung des Wohnungsbaues waren bisher die kommunalen Sparkassen. Deren Mittel für die Bauwirtschaft werden aber ständig geringer, weil die Kommunen zur Deckung ihrer Defizite auf die Mittel der Sparkassen zurückgreifen... So steht der Wohnungsbau vor einem fast völlig geldleeren Kapitalmarkt."
Jeder Entschuldungssparer hat es in der Hand, durch die Höhe seiner Einzahlung die Darlehenserlangung zu dem von ihm gewünschten Zeitpunkt herbeizuführen, weil er durch Erhöhung seiner monatlichen Beiträge für sich einen Vorrang schaffen und somit eine Beschleunigung bewirken kann. Sehr bald nach Beginn seiner Spartätigkeit wird er genau gewahr, wie er seine Einzahlungen einzurichten hat, um in der ihm verfügbaren Zeit zu dem gewünschten Erfolg zu kommen.
Was hier von der Hypothekenbeschaffung für den allgemein bevorzugten Wohnungsneubau Ungünstiges berichtet wurde, kommt noch viel mehr für die Erlangung von Hypotheken ir Betracht, die der bisherige Haus- und Grundbesitz aufnehmen will. Wenn es sich bei dieser als„ Hypothekenkrise" bezeichneten Lage auch um einen mehr augenblicklich besonders zugespihten Zustand handelt, so ist doch an eine erhebliche Besserung kaum zu denken. Vielmehr wird, wenn die vorübergehende Ueberwindung des Krisenzustandes gelingt, eine langsame und allmahliche Verschlechterung statt der Besserung nachfolgen. Gegenüber dem Versagen der Realkreditinstitute und der allgemeinen außerordentlichen Knappheit an Mitteln zur Beleihung von Haus- und Grundbesitz ist die Bausparkasse die einzige Einrichtung, die noch und immer wieder erhebliche Gelder zur Darlehenszuteilung zur Verfügung hat. Die Deutsche Bau- und Siedlungsgemeinschaft( D. B. S.) hat vor kurzem wieder Darlehen im Gesamtbetrage von rund 2½ Millionen Reichsmark vergeben und wird binnen kurzer Zeit zu einer Darlehensvergebung in ungefähr gleicher Höhe schreiten.
Die bisherigen Amnestiegesetze haben den abschließenden Schlußstrich für die Notzeit 1918-1924 nicht gebracht, weil sie einmal alle Tötungsverbrechen von der Amnestie ausschließen und sodann sich nur auf abgeurteilte Fälle erstrecken, also die Aufrollung neuer Prozesse wegen der alten Vorgänge nicht verhindern. Die Denkschrift behandelt die einzelnen UnruheLompteze und kommt zu der erschütternden Feststellung, daß Heute noch Zehntausende von Deutschen auf der linken und rechfen Seite in einer Ungewißheitslage leben, ob sie nicht wegen Ergendeiner Tötungshandlung im Zusammenhang mit der Unuhezeit 1918-1924 verhaftet und wegen Mordes oder TotSchlags verfolgt werden. Die Rheinlandräumung und die von amfeven Gegnern uns aufgezwungene Verräteramnestie dürfte ber willkommene Anlaß zur Gewährung einer wirklichen BeFriedungsamnestie für alle Deutschen für die Jahre 1918-1924 fein. Der Ausschuß, dem Männer und Frauen aus allen Kreifen der Bevölkerung angehören, erbittet die Amnestie als letzte moralische Gabe an das besetzte Gebiet.
Zentrumsantrag zur Stügung des Roggenmarktes.
Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat, gemeinsam mit ber Bayrischen Volkspartei, einen Antrag eingebracht, der die Reichsregierung ersucht, beschleunigt den Entwurf eines Rog. genbrotgesetzes vorzulegen, das den Genuß von wirklichem Roggenbrot sicherstellt und dadurch gleichzeitig zur Stützung des Roggenmarktes beiträgt.
Ernst Morik Arndt
und das deutsche Vaterland.
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Dem Verfasser ist von verschiedenen Seiten nahegelegt wor den, sich darüber zu äußern, daß das niedrigste Darlehen der D. B. S. 4000 Rmt. betrage, während an kleineren und auch mittleren Plätzen die Aufwertungshypothek von 25 Prozent sehr oft unter 4000 Rmt. Heruntergehe. Der Nehmer des zin freien hypothekarischen Darlehens kann den die Aufwertungshypothek übersteigenden Betrag des Darlehens zur Vornahme von gründlichen Reparaturen, behufs völliger Instandsetzung seines Hauses, was die meisten Häuser sehr nötig haben, oder zur Erstellung von Nebenbauten verwenden. Es wird ihm sehr willkommen sein, dies auf eine so günstige Weise vornehmen zu können.
Zum Schlusse sei noch kurz erörtert, welche Sicherheit die Bau- u. Entschuldungsbausparkasse gewährt. Als gemeinnütziges Unternehmen macht sie keine Gewinne und geht auch keinerlei Geschäfte ein, die Gewinne abwerfen sollen, aber weil sie mit Risiko verbunden sind zu großen Verlusten führen fönnen. Ihre Aufgabe ist nur die immer fortgesetzte Darlehensvergebung an sparende Mitglieder. Jm Gegensatz zu allen anderen Geldinstituten übernimmt sie keine Verbindlichkeiten und macht keine Schulden, aus denen sie eines Tages haftbar gemacht werden könnte. Die Gemeinschaftsbausparkasse ist nur die Durchgangsstelle für zinsfreie Darlehen, die auf Goldmartgrundlage an erster Stelle sichergestellt werden und deren Rüdzahlungen, verbunden mit den ständig eingehenden Spargeldern. immer wieder der Darlehensvergebung zufließen.
Nun zum Gang der Erlangung eines zinsfreien Darlehens: Es kommt ganz darauf an, wann die zinsfreie Hypothek benötigt wird. Wird die bisherige Hypothek erst in 6 bis 8 Jahren fällig, so genügt es, den Weg der Mindestleistung, dic auch Pflichtleistung ist, und auf alle Fälle immer bezahlt werden muß, einzuschlagen. Es braucht dann als Mindestleistung nur 1,50 Rmf. für 1000 Rmt. im Monat bezahlt zu werden. Das ergibt monatlich 6 Rmt. für 4000 Rmt., 9 Rmt. für 6000 Rmt., 12 Rmt. für 8000 Rmt., 15 Rmk. für 10 000 Rmk. us. Es kann übrigens heute jede Hypothek einer Hypothekenbank oder Sparkasse, die nicht eine längere Laufzeit hat, vom Hypothekenschuldner abgelöst werden. Sparkassen oder Hypothekenbanken nehmen den Betrag des hypothekarischen Darlehens jederzeit gern zurück, da sie ihn sofort zu einem höheren Zinssatz anderweitig ausleihen können. Bekommt also der Entschuldungssparer seine noch längere Jahre laufende höchstverzinsliche Hypothek satt, und will er sie früher in die zinsfreic umwandeln, so braucht er nur einfach seine monatlichen Einzahlungen auf das Doppelte oder Dreifache zu verstärken, um so früher zur Erlangung des zinsfreien Darlehens und Ablösung der Hypothet mit den hohen Lasten zu kommen.
Ernst Morik Arndt steht, wie sein großer Zeit- und Streitgefährte, der Reichsfreiherr vom Stein, an einem Wendepunkt ber Zeiten, wie auch die Gegenwart sie erlebt. Die damalige wie die heutige Welt sucht auf allen Gebieten des menschlichen Lebens neues Land. In solchen Katastrophen der Geschichte teht die lebende Generation in der zu Ende gehenden Epoche und ihren Vertretern oft nur das Ueberlebte, das Erledigte, das Schlechte, in sich selbst die einzige Hoffnung, das Zukunftssichere, Das Gute, sie denkt in absoluten Gegenfägen. So galt einem Fichte( vergl. Müsebed, Meister der Politik III., G. 123) die Aufklärung als das Zeitalter der vollendeten Gündhaftigkeit, des raditalen Egoismus. Er selbst schuf und brachte den neuen gewissen Geist eines guten und vollkommenen Reiches. So Tonnte seine Rade ,, über den Begriff des wahrhaftigen Krieges" die Erscheinung des Feindes nur begreifen als alles Böse, gogen Gott und Freiheit Feindliche, was seit Beginn der Zeit bekämpft worden ist von allen Tugendhaften, zusammengebrängt, und auf einmal erschienen, ausgestaltet mit aller Kraft, bie das Böse haben kann." Und er fragt: Wozu?„ Auch alle Kraft des Guten, die jemals in der Welt erschienen ist, soll sich bereinigen und es überwinden. Dies ist das große Schauspiel, welches meines Erachtens dieser Zeit vorbehalten ist."
Der Prophet des Guten", der Vertreter des Glaubens an die Zukunft seines Voltes, war Ernst Morig Arndt. Er ist vor 160 Jahren, am 26. Dezember 1769 in Groß- Schoriz auf der Insel Rügen geboren; wie Martin Luther, so konnte auch er sagen, men Vater, mein Großvater, und meine Ahnen sind alle echte, rechte Bauern gewest." Auch in seinem Aeußeren erinnerte er an den großen Dottor Martinus, in dem die Kraft, die Größe und die Einfalt des deutschen Mannes vereint waren, wie nie vorher in einem einzelnen Menschen. Mit Luther hatte er die unterJetzte Gestalt, das flammende, bohrende, braune Auge gemein.
Der Schuldner einer Aufwertungshypothek muß daran den
Liebe zu einer großen Gesamtheit, die Aufopferung für die Gesamtheit fehlt, die Idee der Gemeinschaft und des Vaterlandes fehlt, die dauernd größte für ein Volt." Und flingt es nicht uns entgegen, als sei es für unsere Tage bestimmt, wenn er im Geist der Zeit( 1805) ruft:
Ernst Moriz Arndt war ein Weihnachtskind, und bei der Art, wie er auch später auf bestimmte Tage und auf glückliche Borzeichen Wert legte, ist es mehr als wahrscheinlich, daß das Datum feiner Geburt auf sein Gemütsleben einen bestimmenden Einfluß gehabt hat: Das Christentum bedeutet ihm eine der michtigsten Lebensmächte.
Die andere Lebensmacht war ihm das Deutschtum. Trüb Find ihm die Aussichten für das deutsche Volk. Im Jahre 1802 flagt er:
,, Ein Volt, das hundert Herren hat, kann nicht glücklich jein noch groß, weil ihm das Bewußtsein der Stärke, die
,, Ein Mensch ist selten so erhaben, daß er äußere Knechtschaft und Vernichtung dulden tann, ohne schlechter zu werden, ein ganzes Bolf ist es nie."
Dann seine bitteren Klagen und laute Anklage:
Der Verfasser wurde gefragt, wie es komme, daß die Bansparkasse auch zinsfreie Darlehen zur Ablösung von Hypothe ken gäbe, da sie doch eigentlich nur zum Bauen da sei. Der Hauptzweck ist die Entschuldung und Befreiung von der Schul denlast. In diesem Bedürfnis stehen sich alter und neuer Hausbesitz gleich. Es gilt, durch Entschuldung zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit und Freiheit zu gelangen. Es ist das Bestreben, jeden Deutschen zum wirklichen Eigener auf freiem Grund und Boden zu machen.
Ich habe Tränen geweint über die Zeit und das Geschlecht; des Gefühls und des Nachdenkens zerstörender Reiz will mir ringend die Brust zersprengen. Ich muß reden, das Herz zu erleichtern, 3orn belebt das Herz, das im Jammer erstarren würde."
Die Weihnachtskrankheit.
Die„ Berliner Aerztekorrespondenz" veröffentlicht den nach stehenden Bericht aus dem Tagebuch eines Reinidendorfer prattischen Arztes, der Kenntnis gibt von einer Weihnachtskrank heit, die mit dem zweiten Tage des neuen Jahres vollkommen erloschen ist. Der Bericht lautet:„ Vor Weihnachten war es außerordentlich ruhig in der Praxis, wie in den Sommermona ten. Plötzlich, am 20. Dezember, sette ein Sturm auf die Sprech stunden ein, der eine neue Grippeepidemie befürchten ließ. Auffällig war aber schon, daß Besuche in der Wohnung der Kran
Die Zukunft Deutschlands war der Inhalt seines Dentens. Zwei Mächte rangen um die Vorherrschaft: Oesterreich und Preußen, Habsburg und Hohenzollern. Nur ganz allmählich findet er Berständnis für den preußischen Staat. Ein Kind der Natur, wie er war, brauchte er lange Jahre, um die Vorurteile seiner schwedisch- pommer'schen Heimat zu überwinden: die unflare Begeisterung für das Land der Wälder und der Freiheit, Standinavien, und den Widerwillen gegen dies ärmliche, nüch terne Preußen, das mit seinem verstandestalten Friedrich" doch allein die Spaltung Deutschlands verschuldet habe. Für Arndt war der Staat Friedrichs des Großen mit seiner Zentralisation, seinem Absolutismus geradezu die politische Berkörpe rung der Aufklärung, die er so ingrimmig haßte. Erstaunt lesen wir:
,, Wir Deutschen, wenn wir uns als Volk ansehen, haben uns dieses Königs wenig zu erfreuen gehabt, ja teiner hat uns so geschadet, nicht bloß scheinbar, sondern wirklich." Er geht noch weiter:„ Mit schneidendem Hohn hatte Friedrich der Welt die starrenden Züge des Todes im Antlig des deutschen Reiches" gezeigt." Das war nach Arndt's Meinung ein schweres Vergehen.
werden, der Geist der Gewalttat und Lüge durch den Geist der Gerechtigkeit, Wahrheit, der Freiheit, der Einigkeit: Das ge samte Germanien, voran seine Fürsten, muß, wie einst unter Hermann, dem Cherusker, das Joch der Römer zerbrechen.
Wenn jeder einzelne sich herrlich fühlt, das Bolt wür digt, das Gesetz heilig, das Vaterland unsterblich, die Für sten edel dann fürchtet Euch nicht: Die Welt ist gerettet." Inzwischen ist die Schlacht bei Jena geschlagen, der Staat Friedrichs des Großen zusammengebrochen. Und nun findet Arndt den Weg zum preußischen Staat:
In allen Staaten und Völkern gibt es etwas Dunkles und Geheimes, das ihrem innersten Leben gleich ist, und worin das Ganze wie an unsichtbaren Banden gehalten wird: Die letzte Religion, das innigste Notwendigkeitsgefühl, das unerklärlich zieht und hält. In Deutschland war diese letzte Religion der Name Kaiser und Reich. Durch Friedrich ist diese Religion zerstört und er hat die dunkle Ehrfurcht zuerst lächerlich gemacht."
Aber für Arndt tam der Tag von Damaskus, aus dem Austerlitz brach am 2. Dezember 1805 der österreichische Kaisereifernden Saulus sollte ein begeisterter Paulus werden! Bei staat zusammen. Was nun? War dies Deutschlands Ende? Wie ist zu helfen?
Der böse Geist kann nur durch den guten Geist überwunden
,, Nie ist die Teilnahme an einem Kriege größer gewesen, nie ist einer mit heißeren Tränen und Gebeten eingesegnet, nie hat höhere Ehre, höheres Heil in irgendeinem auf dem Spiele gestanden als in diesem. Es war tein Krieg mehr um kleine Ländchen, um kleinere Fürstenvorteile, um bürgerliche Händel; es war ein Krieg um Ruhm und Unabhängigkeit, um Ehre und Freiheit einer halben Welt."
Nie hat man die Deutschen, nie die Preußen lebendiger gefühlt. Der Hohn war so brennend, die Erinnerung glor reicher Taten und Leiden unter dem gewaltigen Friedrich so frisch, das Vertrauen auf den preußischen Adel so sicher, daß man die Gefahr des ungleichen Kampfes, die fürchterlichen Mittel und die Kriegsart des Gegners und den Ge brauch, den er davon machte, nicht wog. Man wog die Notwendigkeit, die Gerechtigkeit und Heiligkeit des Streites. Es war eine Empfindung, ein Zorn, ein Glaube, ein Ver brawen des ganzen Volkes."
Als trotz der Niederlage Friedrich Wilhelm III. in Bartenstein den Entschluß faßte, den Krieg fortzusetzen, da jubelte Arndt ihm zu:
Schaften von Stunden Sto fälschung, i hebliche Ge nis verhäng Außerde trieben und mittel zum 1. 8. auch in herstellungsra mäßige Beha erhebliche M
,, Dank Dir, braver König! So nur herrschest Du Deiner großen Ahnherren wert! Das Unglüd schwebt über jedem Sterblichen Haupte, auch über der Könige Häuptern. Standhaftigkeit erhält, Tugend rettet oft, auch wo es am verzweifelsten ist; und wenn alles fallen soll, so muß der König und Herr glorreich mit fallen und vergehen, ehe er in Schande willigt; von dem Unglück rettet endlich der Tod, von dem Schlimmsten, von Schande, weder Leben noch Tod. Halte das Herz empor und die Hoffnung! Deine Untertanen, die Dein bleiben, werden Mut fassen, und Rache und Mut wird jede Brust entflammen und jeden Arm bewahren gegen Unrecht und Uebermut. Halt aus, König in Preußen! Dein Volk hinter Dir tann noch wieder erstehen und den mit Ehre in Berlin einziehen sehen, den Bonaparte zu einem seiner Unterfönige machen möchte."
Ja, so start ist der Glaube des tapferen Mannes an Gottes Gerechtigkeit und Deutschlands Zukunft, daß er jetzt, wo Preußen unter den Fängen des Siegers zu verbluten scheint, den Grundriß zu seinem Neubau des Reiches entwirft.
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