Nr. 74

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Gießener Zeitung

Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüd­sendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

43. Jahrg.

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Politische Rundschau.

( Gießener Tageblatt)

Druck und Verlag von Albin Klein in Gießen. Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526. Postscheckkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M.

Samstag, den 20. September 1930

Wie die Landvolk- Nachrichten erfahren, wird der Führer der Reichsliste der Landvolkpartei, Staatsrat a. D. Höfer, auf jein Reichstagsmandat verzichteen, um seine Arbeitskraft dem Thüringischen Landtage zu erhalten.

In dem Beleidigungsprozeß des 2. Bundesführers des Stahl­helms, Oberstleutnant Düsterberg, gegen den Hauptgeschäfts­führer des Jungdo, Bornemann, und den Schriftleiter der Zei tung„ Der Jungdeutsche", Pastenaci, wurden diese zu einer Geldstrafe von je 50 Rmt. verurteilt.

In einer halbamtlichen Erklärung im„ Giornale d'Italia" mirh feitaeitellt. dan die italienisch- französischen Verhandlungen

München erschossen worden, ist falsch. Hitler befindet sich zur Zeit wohlbehalten in München und beabsichtigt, nach den Stra­pazen des Wahlkampfes sich heute für einige Tage zur Er­holung in die Berge zu begeben.

Ein Berliner Mittagsblatt bringt in sensationeller Auf­machung die Meldung, daß Hitler angesichts des Wahlaus­falles, sich nunmehr doch entschlossen habe, von München nach Berlin überzusiedeln und die Parteileitung ebenfalls dorthin zu verlegen. Die entscheidenden Besprechungen darüber fänden am Donnerstag statt. Wie wir dazu in München erfahren, iſt auch diese Meldung absolut unzutreffend. Die nationalsozia­listische Parteileitung hat vor einigen Monaten in München das Palais Barlow erworben, in das die Parteileitung in Dünen überündeten mich Nach am Mittwoch hat Hitler bei dem in Umbau befindliche Palais in ung ausgesprochen, daß das neue g hoffentlich bald bezogen werden

Die Maultiere und auch die verschiedenen Träger waren so erschöpft, daß sie einfach an der Stelle niedersanten, an der man eben hielt...

Jimmy Caren war zu Sarrasani herangetreten und erklärte mit einem fragenden Blick in der Runde umher:

,, Es scheint, als wäre dieser Ort für ein Lager nicht gerade vertrauenerwedend... Die Gebetsmühle von As- el- tor gilt für den Tibetaner als eine der heiligsten Stätte. Ich weiß so mehr schien es daher nicht, ob uns der Chinese gut beraten hat, als er uns versicherte, wir würden hier

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Station machen..."

Auch Sarrasani gestand darauf zu:

" Ich befürchte ein gleiches... Ich bin allerdings darüber erstaunt, daß wir nicht die

m geringsten Spuren von Tibetanern angetroffen haben, die sonst ziemlich regelmäßig hierher lommen. Aber unsere Leute sind viel zu sehr erschöpft, als daß wir diesen für den heutigen Tag noch eine erneute Anstrengung zumuten dürfen... Ich werde mit dem Chinesen Rück­sprache nehmen, ehe wir uns entscheiden..."

ürzt, so daß man fholen konnte... te dieser: wir werden bald einen Tag ausruhe gürtel der Wände As- el- tor."

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Und Sarrasani holte sich Ma- tschi heran, der in unterwürfiger Haltung sofort gehorchte... „ Ma- ischi, ich bin in Ungewißheit darüber, ob wir uns hier aufhalten dürfen, denn es liegt uns vollkommen fern, ungewollt die Gefühle der Tibetaner zu verlegen.. Und wir ftehen bereits auf tibetanischem Boden... Kannst Du uns wirklich raten, daß wir uns im Be­reich der Gebetsmühle von As- el- tor aufhalten?..."

Aber der Chinese versicherte:

Ich habe schon so viele über diesen Paß geführt, und alle habe ich im Schuße der Gebets­mühle von As- el- tor ruhen lassen... Und alle sind zum Frieden gekommen..."

Sarrafani antwortete nichts darauf, troßdem er das unbehagliche Gefühl hatte, als hätte die Antwort des Chinesen einen etwas verhängnisvollen Doppelsinn gehabt...

...

3um Frieden gekommen Bedeutete das nicht ebensoviel, daß sie sterben mußten? Aber nirgends zeigte sich auch nur das geringste Anzeichen, als könnte der Aufenthalt hier oben irgendwelche Gefahr bringen

Allerdings machte sich doch etwas fühlbar...

Wenn sie auf dieser Höhe wirklich von einer Übermacht bedroht wurden, dann gab es nach feiner Seite irgendein Entrinnen...

Aber vielleicht war es wirklich eine Torheit, sich allzusehr Gedanken zu machen... Und so erteilte Sarrasani die Anweisungen für ein Lager...

Für die drei Europäer wurde das gewohnte 3elt aufgestellt, während sich die Träger in ihre Fellmäntel hüllten und sich auf den Boden zum Schlaf niederkauerten. Als es dunkelte, hockten Jimmy Carey, der holländische Arzt und Sarrasani vor dem nebrigen Zelt an einem kleinen Feuer, über dem sie sich Tee bereiteten, der sie wärmen follte, denn eine Eisluft fegte bei Nacht über den Paß.

Dabei war der Lärm der rasselnden Gebetsmühlen so laut, daß man sich fast nur schreiend verständigen konnte...

Dabei erklärte Jimmy Carey einmal: Wenn ich irgendwie eine Möglichkeit hätte, würde ich alle die Gebetsmühlen einstellen lassen, denn es ist doch unmöglich, daß man bei einem solchen rasselnden Lärm schlafen kann..."

Sarrasani richtete den Blid empor, wo sich silhouettenhaft alle die sich drehenden und matternden Behälter gegen den Sternenhimmel abhoben und bemerkte dann nachdenklich: Eigentlich sehe ich darin weniger eine Gefahr, daß wir im Schlaf gestört werden... Was mir bedenklich erscheint, ist nur der eine Umstand, daß es bei dem Rasseln der Gebetsmühlen unmöglich sein wird, das Herankommen von Feinden wahrzunehmen..."

Ein wenig erschrocken anwortete der holländische Arzt:

"

Sie glauben doch nicht etwa an eine solche Möglichkeit, Mister Sarrasani?"

Man muß immer auf alles vorbereitet sein... Aber seltsam fand ich es doch, daß wir nicht einem einzigen Pilger begegnet waren, trotzdem As- el- tor als eine der besuchtesten Gebetsstätten gilt... Ich habe gute Lust, den Ma- tschi etwas mehr heranzuholen... Er mag für diese Nacht immer in unserer Nähe bleiben..."

Aber Jimmy Caren schüttelte den Kopf und erklärte:

Ich glaube nicht mehr recht daran, denn wir hätten bereits an gefährlicheren Punkten angegriffen werden können... Die Tibetaner werden die mehr nach Westen gelegene ein, als daß sie für uns viel übrig haben werden..."

ch die Paßhöhe end große Paßstraße benüßen und werden viel zu sehr mit den Aufständen in Nepal beschäftigt

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Eine interessante Berichtigung zum Wahlergebnis. Innerhalb der deutschnationalen Mandate tritt infolge eines Additionsfehlers eine ganz interessante Verschiebung des Wahlergebnisses ein. Die Deutschnationalen hatten nach den borläufigen Feststellungen im Wahlkreise Düsseldorf- West 61 189 Stimmen erhalten, so daß der Spitzenkandidat des Kreis­wahlvorschlages, Senatspräsident Dr. Deerberg, Berlin, als ge= wählt galt. Nun ist aber festgestellt worden, daß bei der Ad­dition der Krefelder Stimmen ein Fehler unterlaufen ist und die deutschnationale Stimmzahl nur 58 997 betrug. Dadurch fällt das Wahlkreismandat fort und die Deutschnationalen er­halten einen Sitz mehr auf der Reichsliste.

Falsche Gerüchte über Hitler.

München. Das an der Berliner Börse am Donnerstagvor­mittag hartnädig sich haltende Gerücht, Adolf Hitler sei in

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artei fordert Auflösung ischen Landtags.

er Wirtschaftspartei hat, wie aus lbgeordnete Ladendorff im Preußi­eingebracht, wonach der Landtag jelöst werden soll. In der Begrün­em Ergebnis der Reichstagswahlen ute in Preußen herrschenden Regie­nnähernd die Mehrheit des Volkes die Demokratische Partei, eine der hrem alten Namen in den Reichs­r aufgetreten ist. Die National­1 Preußischen Landtag noch nicht Wirklichkeit heute die zweitgrößte enigstens noch die letzten äußeren Prinzips gewahrt werden sollen, it sofort selbst auflösen."

en der österreichischen ahnverwaltung.

Prozeß Strafella gegen ,, Arbeiter­tag neue Sensationen. Es wurde das Untersuchung wegen der Geheim­ng veröffentlicht. Daraus geht her­rttausend Schilling willkürlich als nd, wozu der Anwalt Strafellas, daß die Geheimfondsfache nur einen bei den Bundesbahnen darstelle. nokratischen Gewerkschaften 2,7 Mil­Ing einer unrechtmäßig benützten rden, dem sozialdemokratischen Lo­te siebenhundertfünfzigtausend Schil­nden der Lokomotivenführer.

smandat niedergelegt.

Landtagsabgeordnete Oberregie­früher Bürgermeister von Michel­jeiner Wahl zum Reichstagsabgeord igsmandat niederlegen. An seine

Frau Steinhäuser- Offenbach, die 3 angehörte, ein Mandat erhalten.

bau in Ostafrika?

Son der Entdedun g eines großen anyika, dem ehemaligen Deutsch­fich eine völlige Umwandlung des entralafrika. Das neu entdeckte gen von Sachverständigen, die um­urchführten, mehrere hundert Mil­lionen Tonnen vituminöser Kohle enthalten, deren Ausbeutung sehr rentabel sei.

Die deutschen Aerzteverbände zur Notverordnung.

Der gesetzgeberische Eingriff der Notverordnung in die Rechtsbeziehung zwischen Aerzten und Krankenkassen ist als un­erträgliche Entrechtung der Aerzte auf das Entschiedenste zu be= kämpfen. Solange die Notverordnung in Kraft bleibt, muß das Bemühen der Aerzteschaft darauf gerichtet sein, die ihre Berufs­stellung erschütternden Auswirkungen nach Möglichkeit zu ver= hüten. In Uebereinstimmung mit dem Vorstand des Hartmann­bundes hält es der Geschäftsausschuß des Deutschen Aerztever­

( Neueste Nachrichten)

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Nummer 75

Arbeitslosigkeit- Kauffraftausfall.

Unter allen Wirkungen der gegenwärtigen Wirtschaftsde­pression wird die Arbeitslosigkeit in breiten Volksschichten am schwersten empfunden. Sie bedeutet nicht allein und Sorge für die unmittelbar Betroffenen, sie stellt sich zugleich als r teste Belastungsprobe der öffentlichen Finanzen und der gesam= ten Wirtschaft dar. Von der Produktionsseite gesehen, bedeu­tet das erzwungene Feiern von Millionen arbeitswilliger Hände einen ausschlaggebenden Ausfall von Kaufkraft, der un­mittelbar und auf allen Märkten mehr oder weniger stark zu verzeichen ist.

Unverkennbar ist: wenn weniger verdient wird, kann nur weniger ausgegeben werden; sinkt der Umsatz des Einzelhandels, so können die ungünstigen Rückwirkungen auf den Großhandel, auf Industrie, Landwirtschaft und Kleingewerbe nicht ausblei­ben. Um welche Beträge handelt es sich nun bei dem Kauf­traftausfall infolge der Massenarbeitslosigkeit? Darüber stellte das Institut für Konjunkturforschung neuerdings Berechnungen an. Aus der Gesamtzahl der Arbeitslosen und den Verdiensten, die die Arbeitslosen zuletzt bezogen haben, wird der Brutto­lohnausfall berechnet. Er beträgt im ersten Halbjahr 1930 nicht weniger als 3,05 Milliarden RM. gegenüber 2,09 Milliarden RM. im ersten Halbjahr 1929. Für die Arbeitslosen selbst ist der Kaufkraftausfall allerdings geringer; die beziehen Unter­stützungsbeträge zur Bestreitung des notdürftigsten Lebensunter­halts. Setzt man für das erste Halbjahr 1930 von dem Brutto­lohnausfall in Höhe von 3,05 Milliarden RM. diejenige Sum­me ab, die die Arbeitslosen aus der Arbeitslosenversicherung, der Krisenunterstützung oder der Wohlfahrtspflege bezogen haben, so erhält man einen Betrag von 1,85 Milliarden RM., der als Nettolohnausfall bezeichnet werden kann. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen: diese Unterstügungsbeträge sind kein ursprüng­liches Einkommen. Sie werden vielmehr durch Versicherungs­beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sowie durch die Steuerzahler aufgebracht, also von deren Einkommen gleichsam abgezweigt. Volkswirtschaftlich gesehen, wird demnach die Zif= fer des Bruttolohnausfalls im Betrage von 3,05 Milliarden im ersten Halbjahr 1930 am ehesten eine annähernde Größenvor­stellung von dem gesamten Kaufkraftausfall in der Arbeitneh­merschaft vermitteln können.

Es handelt sich also um gewaltige Summen, die infolge der Massenarbeitslosigkeit, weniger durch die deutsche Volkswirt­schaft strömen. Nicht alle Wirtschaftszweige werden jedoch durch diese Kaufkraftschrumpfung gleichmäßig betroffen. Am stärk­sten wirkt sie sich zweifellos auf Teile der Lurusindustrie und auf das Vergnügungsgewerbe aus. Schwer betroffen werden ferner u. a. die Textil- und Lederwarenindustrie, die Produktion von Hausrat usw. Verhältnismäßig weniger werden die Fol­gen auf den Nahrungsmittelmärkten spürbar sein; hier wird es sich vor allem um eine Verschiebung der Nachfrage von den teuren, zum Teil höherwertigen zu den billigeren, zum Teil geringerwertigen Lebensmitteln handeln. Alle diese Wirkun­gen des Kaufkraftausfalls infolge der Arbeitslosigkeit werden wesentlich verstärkt durch die Einkommensminderung, die auch in anderen Wirtschaftsgruppen, namentlich in der Landwirtschaft und im Kleingewerbe, festzustellen ist.

Also doch!

Der Vorsitzende der Deutschen Zentrumspartei, Dr. Kaas, hat sich in einer Zentrumsversammlung in Trier u. a. auch gegen die Vorwürfe verteiditgt, daß er in den Jahren 1918 und 1919 separatistische Bestrebungen unterstützt habe. Er hat dabei aber zugegeben, daß er mit Trimborn und anderen dafür ein­getreten sei, das Rheinland von Preußen loszulösen und aus ihm einen selbständigen Bundesstaat wie Baden, Bayern, Thü­ringen und Sachsen zu machen. Diese Bestrebungen hätten nichts zu tun gehabt mit dem Vorgehen der Separatisten späterer Zeit, die das Rheinland zu einem selſtändigen Staat neben Deutschland machen wollten; das sei natürlich Landesverrat ge= wesen. Als Grund für seine Stellungnahme in jener Zeit führt er an, daß im November und Dezember 1918 alles schwankte und der sozialistische Kultusminister Hoffmann ein Kulturpro­gramm entworfen habe mit der Trennung von Staat und Kirche.

Was Kaas hier ausführt, ist nicht neu. Er zeigt aber klar und deutlich, daß tatsächlich bei den Verhandlungen über die Reichsverfassung die Bestrebungen der Rheinländer auf Los­reißung von Preußen stark in die Waagschale gefallen sind und wesentlich zur Gestaltung des Schulkompromisses bei­getragen haben. Daß dabei namhafte Persönlichkeiten aus der Zentrumspartei hervorragend beteiligt gewesen sind, steht nach den neuesten Auslassungen des Zentrumsführers außer Zweifel.

einsbundes für ſtandesunwürdig, wenn ein Arzt entweder selbst Herabseßung der Krankenkassenbeiträge.

oder durch seine Hilfspersonen die Notverordnung dadurch sabo­tiert, daß er den Versicherten die Krankenscheingebühr oder den Arzneikoſtenanteil erstattet. Der Geschäftsausschuß macht es den Aerzten zur Pflicht, die auf wirksame Ersparnismaßnahmen in der Reichsversicherungsordnung gerichteten gesetzgeberischen Be­strebungen zu unterstützen, soweit dies ohne Schädigung des Zwedes der Versicherung möglich ist.

Die Sozialdemokratie macht gegenwärtig ein großes Agi­tationsgeheul über die Notverordnung zur Krankenversicherung. Sie verschweigt dabei, daß diese Notverordnung in erster Linie den Zwed hat, eine Ermäßigung der Krankenkassenbeiträge, also auch eine Entlastung der Versicherten zu erreichen. In welchem Umfange letzteres bereits der Fall ist, zeigen die Beschlüsse einer