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Samstag, den 28. Juli 1928.

mit dem Kirchenvorstand konnten noch nicht zum Abschluß ge= bracht werden,

Neuhaus. Hier sprang der 18 Jahre alte Arbeiter Karl Dieß aus 3ell bei Alsfeld auf den Zug, tam dabei zu Fall und geriet unter die Räder. Der rechte Oberarm und der linke Unterschentel wurden ihm abgefahren. Nach der Einlieferung in die Chirurgische Klinit in Gießen ist der Berunglückte ge­storben.

Maulbach. Der neue Ortsgeistliche, Pfarrer Kalbhenn, hielt am letzten Sonntag hier und in Appenrod und Dannenrob nor zahlreich versammelten Gemeinden seine Antrittspredigten.

Schotten. Am heutigen Samstag beginnt hier die große Imfertagung, die der Imkerverband für Hessen, Kurhessen und Seffen- Nassau abhält. In der Turnhalle wird eine große Aus stellung allerlei Jmfereierzeugniße, wie Honig, Wachs, Bienen­wölfer, Bienenstöde usw. eröffnet.

Bom Vogelsberg. In vielen Gemeinden, besonders in den vor Jahresfrist durch Hagelschlag geschädigten Orten, herrscht eine außerordentlich große Kartoffelknappheit, wodurch beson­ders die Schweinehaltung sehr erschwert wird.

Butzbach.( Ueberfahren und getötet.) Der Einwohner Ju­lius Schepp aus Griedel wollte mit seinem Sohn aus dem Butzbacher Wald Holz holen. Auf dem Heimwege versagte die Bremse am Wagen. Schepp geriet unter die Räder, die ihm über den Kopf gingen, so daß der Tod auf der Stelle eintrat.

Bad Nauheim. Die Bade- und Kurverwaltung teilt mit: Bis zum 26. Juli betrug der Gesamtbesuch 25 786 Gäste, darunter 4364 Ausländer. Anwesend waren am 26. Juli 5659 Gäste.

Limburg. Der wegen Ermordung seiner Mutter vom Lim­burger Schwurgericht zum Tode verurteilte 20jährige Maurer Anton Horn hatte bekanntlich gegen das Todesurteil Revision eingelegt. Diesen Antrag hat er nunmehr ohne Wissen seines Berteidigers zurüdgenommen, so daß das Todesurteil damit rechtsträftig geworden ist.

Sachenburg. Die seit einigen Jahren geplante Kneipptur­anstalt ist letztens errichtet worden. Unter Leitung des Arztes Dr. Dengler- Köln werden in der neuen Anstalt von dem in Bad Wörishofen ausgebildeten Personal alle Anwendungen der Kneippschen Heilmethode ausgeführt. Schwimm- und Luftbad sind ebenfalls bestens eingerichtet worden. Der schöne wald­reiche Westerwald, der immer mehr von Fremden aufgesucht wird, und ganz besonders Hachenburg, das mit Recht die Garten­stadt des Westerwaldes genannt wird, haben hierdurch eine weitere Bereicherung erfahren.

Zur Konjunktur im Baumarkt.

Ueber die Konjunktur im Baumarkt schreibt der Wochen­bericht des Instituts für Konjunkturforschung vom 4. Juli d. J.: Die Beschäftigung im Baugewerbe hält sich seit März dau­ernd unter dem Stand der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Die tonjunkturellen Hemmungen, die darin zum Ausdrud fom­Die men, gehen in der Hauptsache vom Wohnungsbau aus: Stodung auf dem Hypothekenmarkt als Folge der gegenüber dem Vorjahre eingetretenen Verengung des Kapitalmarktes erschwert die Finanzierung der Wohnbauten. Daran tonnte auch die vielfach versuchte kurzfristige Finanzierung durch 3wi­schenkredite" nur wenig ändern. Denn diese bedeutet nur eine Berschiebung der Schwierigkeiten bis zur Fälligkeit der kurz­fristigen Kredite, aber keine entscheidende Erleichterung. Die angespannte Lage des Wohnungsbaumarktes kommt deutlich in der bisherigen Zahl der Bauerlaubnisse für die gegenwärtige Bausaison zum Ausdruck: In der Zeit von Oktober 1927 bis Anfang Mai 1928 wurden etwa um 5 bis 6 v. H. weniger Bauer­laubnisse als in der gleichen Zeit des Vorjahres erteilt. Der Bestand an Bauvorhaben, der sich aus dem Vergleich der Bau­vollendungen und der erteilten Bauerlaubnisse annäherungsweise ermitteln läßt und der maßgebend für die Wohnungsbautätig= feit der nächsten Zeit sein dürfte, ist nicht unbeträchtlich geringer als vor Jahresfrist. Im ganzen ist gegenwäri: g damit zu rech­nen, daß im Jahre 1928 das Bauvolumen im Wohnungsbau um etwa 10 v. H. geringer sein wird als im Jahre 1927. Auch die Zahl der Bauaufträge, die von der öffentlichen Hand aus­gehen, liegt, nach der Entwicklung der ersten 5 Monate zu schlie­jem, in diesem Jahre um etwa 25 bis 30 v. 5. niedriger als im Jahre 1927. Doch scheint hier insofern die Lage etwas günstiger zu sein, als in diesem Jahre bedeutend größere Bau­

Ein Besuch beim Bibelübersetzer

Dr. Hermann Menge.

Bon Emil Die h1, Direktor der Württ. Bibelanstalt, Stuttgart.

Es ist Sonntag Kantate. Mein Weg führt mich durch das alte, malerische Goslar am Harz. Hell strahlt die Sonne am Firmament; es ist, als ob an diesem Morgen die in voller Früh­lingspracht erwachte Natur mit einstimmen wollte in das Singet dem Herrn". Und von den Türmen der ehrwürdigen Kirchen erschallen die Glocken und rufen die Gemeinde zum Haus des Herrn.

In der stillen Thomasstraße an der Peripherie der Stadt wohnt inmitten lieblicher Gärten und schöner Anlagen der greise Bi belübersetzer Dr. Hermann Menge. Nur mit der Verbesse­tung seiner Bibelübersetzung beschäftigt, lebt er völlig zurück­gezogen mit seiner betagten Gattin, mit der er im Oktober vorigen Jahres das Fest der diamantenen Hochzeit feiern durfte. Was hat doch dieser Mann in seinem langen Leben nicht alles geleistet! Als langjähriger Direktor höherer Lehranstal­tem und als Herausgeber sprachwissenschaftlicher Werke hat er ichy den Ruf eines ausgezeichneten Philologen erworben. Aber dass Größte in seinem Leben ist doch das: Gott hat ihn in wun­denbarer Führung dazu berufen, die Heilige Schrift in die Sprache unserer Zeit zu übersetzen und das in einem Alter, wo andere längst der Ruhe pflegen. Und nun darf er es noch er­leben, daß seine Uebersetzung in einem wahren Siegeslauf emmen ungeahnt raschen Eingang bis über die Grenzen unseres deutschen Baterlandes hinaus gefunden hat. In der kurzen Beit von zwei Jahren sind über 35 000 Exemplare verbreitet woorden und es scheint die Mengebibel berufen zu sein, auf

,, Gießener Zeitung"

vorhaben vergeben wurden als 1927, so daß der Gesamtwert der von der öffentlichen Hand in den Monaten Januar bis Mai vergebenen Bauaufträge gegenüber dem Vorjahre an= nähernd gleich geblieben ist. Dagegen waren bisher sowohl Zahl wie Wert der von Industrie und Handel erteilten Bauauf­träge größer als 1927. Jm ganzen scheint es, daß zunächst der Rüdgang der Wohnbautätigkeit durch die Aufträge der öffent­lichen Hand und namentlich durch die von Industrie und Han del in gewissem Umfange ausgeglichen worden ist. Jedenfalls deutet die Lage auf dem Baustoffmarkt darauf hin, daß der Bedarf an Baumaterialien feine wesentliche Einbuße erlitten hat. Hierfür spricht auch, daß die Baustoffpreise im ganzen bis zur Gegenwart eine leicht ansteigende Tendenz aufweisen.

Sejfische Ausführungsbestimmungen zum Einheits- Bewertungsgeseß.

In der letzten Nummer dieser Zeitung sind die Bewer­tungsrichtlinien für die Grundstücke zur neuen Feststellung der Einheitswerte bekanntgegeben worden. Im Anschluß hieran veröffentlichen wir die nachstehende Rechtsverordnung des Prä­sidenten des Landesfinanzamts Darmstadt über die Anwendung von Zu- oder Abschlägen zum Normalbewertungssak für Grund­stücke in besonders guter oder besonders schlechter Lage.

Verordnung

über die Bewertung zwangsbewirtschafteter Grundstücke im Bezirk des Landesfinanzamts Darmstadt. Auf Grund des§ 28 Sat 1 und§ 32 der Durchführungs­bestimmungen zum Reichsbewertungsgesetz für die zweite Fest­stellung der Einheitswerte und zum Vermögensteuergesetz für die Veranlagung für 1928 bestimme ich im Benehmen mit der Hessischen Regierung folgendes:

1. Bestimmung der Gemeinden mit abweichenden Bewertungs­sägen auf Grund des§ 28 Sat 1 RBew. BS. DB. 1928.

§ 1. Villen.

Für Villen kommen die in§ 24 Abs. 1 Satz 2 RBew. VSt. DB. 1928 für besonders gute Lage und schlechte Lage vorge­sehenen erhöhten und ermäßigten Bewertungssäge in Betracht in den Gemeinden Darmstadt, Gießen und Offenbach.

§ 2. Geschäftsgrundstücke.

Für Geschäftsgrundstücke kommen die in§ 25 Abs. 1 Satz 3 RBew. VSt. DB. 1928 für besonders gute Lage, schlechte Lage und besonders schlechte Lage vorgesehenen erhöhten und er­mäßigten Bewertungssäge in Betracht in den Gemeinden Darm­stadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms.

§ 3. Mietwohngrundstücke.

Für Mietwohngrundstüde tommen die in§ 26 Abs. 1 Sat 3 RBew. VSt. DB. 1928 für schlechte Lage und besonders schlechte Lage vorgesehenen ermäßigten Bewertungssätze in Betracht m den Gemeinden Darmstadt, Gießen und Offenbach. Als schlechte und besonders schlechte Lage gelten insbesonders die Altstadt­teile dieser Städte.

§ 4.

Grundstücke, die teils Wohnzweden, teils gewerblichen Zweden dienen.

Wird bei Grundstücken, die teils Wohnzwecken, teils ge­werblichen Zweden dienen, nach§ 29 Abs. 1 RBew. VSt. DB. 1928 jeder Teil für sich bewertet, so finden die§§ 2, 3 auf den betreffenden Teil Anwendung.

11. Bestimmung der Gemeinden mit Zu- und Abschlägen wegen besonderer Verhältnisse auf Grund des§ 32 RBew. BSt. DB. 1928.

a) Nach§ 32 Nr. 1 RBew. BSt. DB. 1928.

§ 5.

Sämtliche Grundstüdsgruppen( Villen, Mietwohngrund­stücke, Geschäftsgrundstüde, sowie Grundstücke, die teils Wohn­zweden, teils gewerblichen Zweden dienen, sind zu bewerten mit einem Abschlag in Höhe von 10 v. H. von vem sich nach §§ 24-31 RBew. VSt. DB. 1928 ergebenden Gesamtwert in der Gemeinde Wimpfen.

b) Nach§ 32 Nr. 2 RBew. BSt. DB. 1928.

Jahrzehnte hinaus Gemeingut der deutschen Christenheit zu werden.

Es war mir eine herzliche Freude, in dem einfachen, aber doch so trauten Heim dieses gottbegnadeten Mannes verweilen und mich mit ihm aussprechen zu dürfen. Und wie freute sich auch Dr. Menge selbst, wieder einmal über seine Lebensfüh­rungen und erfahrungen zu reden und von dem Werden seines Bibelwertes zu erzählen. Dabei wird er nicht müde, die Gnade unseres Gottes zu rühmen, die ihm so reichlich widerfahren ist.

Dr. Menge, der heute im Alter von 87% Jahren steht, fühlt sich geistig noch überaus frisch und klar, und wenn ihn auch förperliche Schwachheit, besonders der Augen, je und je ernst­lich zur Schonung mahnt, hat er sich doch vor wenigen Wochen, einem inneren Drange folgend, entschlossen, nochmals an eine gewaltige Aufgabe zu gehen: an die Uebersetzung der alt= testamentlichen Apokryphen. Dieser Arbeit gehört nun sein ganzes Sinnen und Denken, ihr opfert er seine ganze Zeit und Kraft. Da sitzt der greise Gelehrte an seinem von der Sonne freundlich beschienenen Schreibtisch, umgeben von seinen Bü­chern, und arbeitet und übersetzt rastlos von morgens bis abends, und Gott schenkt ihm täglich neue Kraft und legt offensichtlich seinen Segen auch auf diese neue Arbeit. Wenn in nicht zu ferner Zeit auch die Apokryphen in der Menge'schen Uebersetzung vorliegen werden, wird das weithin begrüßt werden, weil ja doch, wie Luther sagt, die Apokryphen der Heiligen Schrift zwar nicht gleich zu achten, aber dennoch nüßlich und gut zu lesen sind."

Kantate ,, Singet dem Herrn"! Dies war nicht nur an jenem Sonntagmorgen der Unterton, der das Menge'sche Haus erfüllte, nein, das ist der Ton, der im Herzen des treuen Man­nes fortklingt, bis er es mit neuen Zungen anstimmen darf, drüben in der Ewigkeit.

§ 6.

Nr. 59.

Sämtliche Grundstücksgruppen( Villen, Mietwohngrundstücke, Geschäftsgrundstücke, sowie Grundstücke, die teils Wohnzwecken, teils gewerblichen Zweden dienen, sind zu bewerten mit einem Abschlag in Höhe von 10 v. 5. von dem sich nach§§ 24-31 RBew. VSt. DB. 1928 ergebenden Gesamtwert in allen Ge meinden des besetzten Gebiets. III. Anwendungszeitraum.

§ 7.

Die vorstehenden Bestimmungen finden Anwendung auf die Hauptfeststellung der Einheitswerte nach dem Stand vom 1. Januar 1928 und auf Neu- und Nachfeststellungen, die auf einen Feststellungszeitpunkt vorzunehmen sind, der in den mit dem 1. Januar 1928 beginnenden Hauptfeststellungszeitraum fällt.

Darmstadt, den 12. Juli 1928.

Der Präsident des Landesfinanzamts Darmstadt. Glässing.

Nichtzwangsbewirtschaftete Grundstüde.

Sie sind bekanntlich mit dem Ertragswert( dem 18fachen des jährl. Reinertrags) jedoch nicht über den gemeinen Wert hinaus zu bewerten. Zur Ermittlung des Reinertrags sind die Präsiden­ten der Landesfinanzämter berechtigt, Pauschsätze festzusetzen für diejenigen Grundstückslasten( Nebenleistungen, Instand­haltungskosten und sonstige Grundstüdslasten), die nicht aus Steuerlasten bestehen. Der Präsident des Landesfinanzamts Darmstadt hat hierüber folgende Bekanntmachung erlassen: Befanntmachung

über den Pauschsah für die nicht aus Stenerlasten be­stehenden Grundstüdslasten.

Auf Grund des§ 36 Abs. 2 der Durchführungsbestimmungen zum Reichsbewertungsgesetz für die zweite Feststellung der Ein­heitswerte und zum Vermögenssteuergesez für die Veranlagung 1928 vom 9. Juni 1928( Reichsgesetzbl. 1 S. 174) bestimme ich für den Bezirk des Landesfinanzamts Darmstadt im Benehmen mit der Hessischen Regierung folgendes:

$ 1.

Zur Ermittlung des Reinertrags der bebauten, nicht zwangs­bewirtschafteten Grundstücke im Sinne der oben genannten Durch­führungsbestimmungen tönnen für die nicht aus Steuerlasten bestehenden Grundstüdslasten( Rebenleistungen, Instandhal­tungskosten, sonstige Grundstückslasten, sowie für Abnukung 25 v. H. des jährlich im Durchschnitt nachhaltigen Rohertrags von diesem ohne Nachweis abgezogen werden.

§ 2.

Die vorstehenden Bestimmungen finden Anwendung auf die Hauptfeststellung der Einheitswerte nach dem Stande vom 1. Januar 1928 und auf Neu- und Rachfeststellungen, die auf einen Feststellungszeitpunkt vorzunehmen sind, der in den mit dem 1. Januar 1928 beginnenden Hauptfeststellungszeitraum fällt. Darmstadt, den 12. Juli 1928.

Der Präsident des Landesfinanzamts Darmstadt. J. V.: Dr. Hellwig.

Geschäftliches.

Billiges Baugeld.

Die bekannte Bausparkasse der Gemeinschaft der Freunde in Wüstenrot- Württ., das größte und älteste 3wedsparunter­nehmen Deutschlands hat wiederum eine neue Baugeldzuteilung an 576 ihrer Bausparer in Höhe von insgesamt 8 004 700,- Reichsmart zu verzeichnen. Damit sind nun durch dieses rein gemeinnützige Werk in Jahren insgesamt 58 Millionen Reichsmart für 3 701 Bausparer zum Bau von Eigenheimen zur Verfügung gestellt worden. Dieser Erfolg ist ganz überragend, wenn man bedenkt, daß die gesamten Mittel ohne jegliche fremde Hilfe nur von den Bausparern selbst aufgebracht sind und als unfündbare Baudarlehen zu dem billigen 3ins von 4 oder 5 Prozent bei äußerst günstigen Abzahlungsbedingungen gegeben werden. Die Bausparkasse der Gemeinschaft der Freunde in Wüstenrot ist tatsächlich innerhalb von Jahren zu einem beachtlichen Wirtschaftsfaktor geworden; sie hat in anerkennens werter Weise mit dazu beigetragen, den Wohnungsbau, insbe sondere den Bau von Eigenheimen zu fördern.

Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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Dr. August Oetker, Bielefeld.