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Samstag, den 25. Februar 1928.

finanziell beteiligt sind, sich infolge ihres entscheidenden Einflusses auf die Geschäftsführung der Genossenschaft mittelbar einen weiteren als den gesetzlich zulässigen Vermögensvorteil beschaffen. Hierzu kommt, daß der Grund und Boden, der von der Genossenschaft bebaut wird, oder bebaut werden soll, zum Teil der A.-G., zum Teil einem der beiden Vorstandmitglieder, dem Direktor Klein persönlich, gehört. Bei der ganzen Sachlage ge= winnt es den Anschein, als ob die A.- G u.nd die Genos­senschaft ein gemeinsames Unternehmen der Beteiligten bilden; dies wird auch dadurch bestätigt, daß nach dem Revisionsbericht vom 30. Juni 1925 eine gegenseitige Abrechnung beider Vereinigungen bisher nicht stattge= funden hat. Dem Antrag auf Bewilligung der Gebühren­und Stempelfreiheit vermögen wir hiernach nicht zu ent­sprechen."

8. Die Gemeinnützige Bauvereinigung habe bei einem Ver­gleich mit ihren Mitgliedern in der Elsenpfuhlstraße rund 160 000 RM. eingebüßt und will diese Summe aus einem anderen Neubauvorhaben herauswirtschaften.

9. Die Angaben in der Zeitschrift Das Grundeigentum" sind gestützt auf ein auf Veranlassung des Landgerichts I Berlin gefertigtes Gutachten eines gerichtlichen Sachverständigen. II. Bei den Häusern an der Oranienburgerstraße in Wittenau. 1. Die Frizz Klein, Bau- und Siedlungs- Aktiengesellschaft habe auch bei diesen Bauten übermäßige Gewinne erzielt. 2. Die Beamtensiedler seien durch die Gemeinnützige Bauver­einigung vor Bezug der Häuser getäuscht worden und zwar bezüglich der Zinsbedingungen und Hypothekenbelastungen. 3. Die Fritz Klein, Bau- und Siedlungs A.-G. habe auch bei diesen Häusern schlechte Arbeit geleistet.

,, Gießener Zeitung"

Polizeiwachtmeister vorgenommene Untersuchung ergab, daß Klein tatsächlich einen scharf geladenen Revolver in der Tasche trug. Die Schwiegermutter des Dr. Grohmann hat infolge dieses Auftretens einen Nervenschot erlitten und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Nach Schluß der Besichtigung erklärte Klein, daß die Beamten in eine Not- und Zwangslage geraten seien, daß er aber daran keine Schuld habe, die Schuld habe vielmehr die Behörde.

Ich frage hiermit das Preußische Staatsministerium: Sind ihm diese Zustände bekannt? Was hat das Staatsministerium bisher in dieser Sache veranlaßt, was gedenkt es weiterhin in dieser Sache zu tun? Insbesondere trifft es zu, daß Klein weiteren Kredit aus öffentlichen Mitteln erhalten hat, nach­dem bereits die Veröffentlichung im Grundeigentum" erfolgt waren? Hat das Staatsministerium die Sicherung bezw. die Rückzahluig der bisher an Klein gegebenen öffentlichen Gelder veranlaßt? Was gedenkt das Staatsministerium insbesondere zum Schutze seiner Beamten gegenüber Frizz Klein zu tun?

Lokales.

Kindererholungsheim vom roten Kreuz im Schloß Bingenheim.

4. Auch bei diesen Häusern sei die vereinbarte Bauhöhe nicht fürsorgerin, Schwester Käte Knöll. Der Betrieb wird aus eingehalten worden.

5. Die Gemeinnüßige Bauvereinigung habe von den Beam­tensiedlern käufliche Uebernahme verlangt, während der Zuschuß des Oberpräsidiums ausdrücklich für Miethäuser gegeben worden ist.

Nr. 17.

feld, Lauterbach und Schotten von Mitte Januar bis Mitte Februar erheblich schlechter geworden. Schuld daran ist die Rückkehr zahlreicher Arbeitskräfte aus den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und Schotten, aus dem rheinisch- westfälischen In­dustriegebiet, wo sie bisher beschäftigt waren und nun entlassen wurden. In der Arbeitslosenfürsorge befanden sich in den ge= nannten Kreisen insgesamt am 15. Februar 2475 Hauptunter­stüßungsempfänger und 3483 Zuschlagsempfänger, gegen 1858 bezw. 2612 am 15. Januar. Die Krisenfürsorge umfaßte ins­gesamt 15. Februar 243 Hauptunterstützungsempfänger und 389 Zuschlagsempfänger gegen 204 bezw. 355 am 15. Januar.

* Die Auszahlung der Militärversorgungsgebührnisse für den Monat März findet bei den Postanstalten in diesem Jahre am Montag, den 27. Februar, statt.

* Wegen Vornahme von Hausanschlußarbeiten ist die Lie­bigstraße zwischen Frankfurterstraße und Riegelpfad am 27. und 28. Februar 1928 für allen Fahrverkehr polizeilich gesperrt.

* Fünfmarkstücke sind im Januar etwas über 3% Mit­lionen neu geprägt worden, so daß jetzt etwas über 18 Millio­nen vorhanden sind. Der Bestand an Nickelmünzen zu 50 Pfg. wurden um 8,3 Millionen auf 35,7 Millionen gesteigert. Merk­würdigerweise haben die Münzen in Berlin, München, Stutt­gart und Karlsruhe noch fast Millionen Einpfennigstücke neu geprägt, obgleich der Verkehr damit übersättigt ist. Es sind davon mehr als 305 Millionen vorhanden. Andere Stücke wurden nicht mehr hergestellt.

Das Haus wird am 2. April für Kinder des Mittelstandes eröffnet. Die ausgezeichneten Erfahrungen mit den in den vergangenen Jahren dort untergebrachten Kindern infolge der kräftigen oberhessischen Luft, der guten und reichhaltigen Er­nährung und individuellen Pflege bieten die Gewähr für einen guten Erfolg. Das Heim steht unter der Leitung der Kreis­Mitteln des hessischen Roten Kreuzes erhalten, das auch bereit ist, im Einzelfalle einen Zuschuß zu den 3 RM. täglich betragen­den Pflegekosten zu übernehmen. Dieser Zuschuß kann bis zur Hälfte der Kosten( 1,50 RM, pro Tag) im Bedürfnisfalle ge= währt werden. Die Kur beginnt am 2. April mit einer Mäd­chengruppe von 6-14 Jahren und wechselt in vierwöchentlichem Turnus ab mit einer Knabengruppe von 6-11 Jahren. Da die Nebenbahn nach Gettenau Bingenheim von Friedberg abzweigt, werden die Kinder jeweils in Friedberg gesammelt und dort von der Schwester abgeholt. Wünsche über Behand­lung und Ernährung des Kindes sind bei der Aufnahme an Schwester Käte Knöll im Kinderheim Bingenheim zu richten. Jedes Kind hat mitzubringen: Leibwäsche: 4 Hemden, | chen, 4 Hosen, 4 Paar Strümpfe, 2 Nachthemden, 6 Taschentü­cher; Bettwäsche: 2 Bettücher, 4 Handtücher, 1 Badetuch; 2-3 solide Waschkleider bezw. Anzüge, 1 warmes Kleid bezw. An­zug, 2 Paar Schuhe, 1 Paar Hausschuhe, Zahnbürste, Kamm und Bürste, Waschlappen, Schwamm und Seife. Schmuck und Spielsachen sind nicht mitzubringen. Sämtliche Wäsche und Kleider müssen solide sein und deutlich gezeichnet werden. Für einzelne besondere Anschaffungen kann den Kindern ein Bar­betrag von 5 RM. mitgegeben werden, der zur Kontrolle an die Schwester abzuliefern ist.

6. Die beiden genannten Unternehmungen bezw. die Fritz Klein, Bau- und Siedlungs A.-G. haben ohne einen Pfen­nig eigenes Kapital bei diesen Bauten übermäßige Gewinne gemacht.

III. Troßdem die Behauptungen zu I bereits in der Nr. 13 der Zeitschrift Das Grundeigentum" vom 27. März 1927 ver­öffentlicht worden sind, sollen die Gemeinnügige Bauvereini­gung Wohnungssuchender und die Frizz Klein, Bau- und Sied­lungs- Att.Ges. weiter Beträge aus dem Hauszinssteuerauftom­men erhalten haben.

IV. Weiter stelle ich fest, daß der Generaldirektor Frizz Klein in einem Schreiben an den Geh. Finanzrat Dr. Hugen­berg folgendes geschrieben hat:

Der Dirigent erscheint der Redakteur des Grund­eigentums", Herr Dr. Frank, zu sein, der von einer Reihe interessierter Siedler und Mieter, die nach Qualität ihres Charakters und ihrer bürgerlichen Verhältnisse zu dem allerschlimmsten Teil unseres Volkes gehören, infiziert wird."

Bei den angeführten Siedlern handelt es sich um preußi­sche Staatsbeamte, die auf Veranlassung ihrer Dienststellen die Häuser bezogen haben und die Herr Klein in diesem Schreiben als zu dem allerschlimmsten Teil unseres Volkes" gehörig bezeichnet!

V. Desweiteren stelle ich fest, daß anläßlich einer Besichti­gung der Häuser in Wittenau, Oranienburgerstraße, am 11. 1. 1928 Klein in ungehörigster Weise die dort wohnenden Beam­ten und deren Frauen angeschrien und beleidigt hat durch Aeußerungen, wie Halten Sie den Mund!", Hier hängen Spinnweben an der Decke!"( in Wahrheit waren es Stockflecke), ,, Das ist die größte Schweinebude in der Welt, die ich je gese­hen habe!", Das ist ein Saustall...!"

Leib­

Nach einer Verfügung des Reichspostministeriums werden zur offenen Versendung gegen die Postkartengebühr im inner­deutschen Verkehr versuchsweise auch Postkarten zugelassen, die mit einer am unteren Rande anhängenden für die Aufschrift bestimmten Klappe versehen sind. die nicht der ganzen Fläche nach aufgeklebt ist, sondern durch Einschieben von drei Zapfen unter einer über die Vorderseite der Karte geklebte Leiste fest­gehalten wird. Voraussetzung ist, daß weder der innere Teil der Klappe noch der unter der Klappe befindliche Teil der Postkarte zu schriftlichen oder gedruckten Mitteilungen benutt wird und die Postkarten sonst den Vorschriften der Postordnung entsprechen.

* Ebert- Briefmarken. Wie verlautet, soll der Reichspoſt­minister beabsichtigen, Briefmarken mit dem Bilde des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert herauszugeben.

Samstag, den 25.

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* Der bekannte Berliner Langstredenläufer Paul Sillier führt in der Zeit vom 23. 2. 28 bis 6. 3. 28 einen Reford­Fuß- Marsch Stuttgart- Leipzig- Berlin durch. Es geht dabei um den großen ,, Soma"-Preis, gestiftet von dem Verlag der | ,, Soma", Monatszeitschrift für Körperkultur und Kunst. Die Strecke von 800 Kilometer muß in der Zeit von 13 Tagen zurückgelegt sein. P. Sillier gewann die Deutschen Marathon­Läufe 1921 und 1927. Ferner war er siegreich in den Dauer­läufen Berlin- Breslau, 330 Km. in 31 Std. 37 Min.; Berlin­Leipzig 140 Kilometer in 12 Std. 48 Min. Der Rekordläufer durchläuft voraussichtlich am 28. 2. 1928 unsere Stadt.

Die Verköstigung ist im Hinblick auf den Zweck des Heims so reichlich bemessen, daß von Zusendung von Obst und Näsche= reien abzusehen ist. Sendungen, die doch eingehen, werden den Kindern nicht ausgeliefert. Besuche von Eltern und Ange= hörigen können nicht gestattet werden. Etwaige telefonische Anfragen nach dem Ergehen der Kinder können unter Nr. 144 Amt Reichelsheim( Wetterau) jederzeit erfolgen. In Erkran­tungsfällen werden die Eltern sofort benachrichtigt. Ein Arzt steht in nächster Nähe stets zur Verfügung.

Das Hessische Rote Kreuz glaubt mit dieser Einrichtung einem bestehenden Bedürfnis abzuhelfen und hofft, daß gerade von Elter des Mittelstandes, die bisher ihren Kindern eine Erholung cht oder nur mit Schwierigkeiten gönnen konnten, recht zahlreich Gebrauuch gemacht wird.

* Verschlechterung des Arbeitsmarktes in Oberhessen. Ob­wohl das Baugewerbe wieder ziemlich in Gang gekommen ist, die Industrie günstige Beschäftigung aufweist und auch die Land­

VI. Bei der Besichtigung des Hauses des Referendars beim Kammergericht, Dr. Grohmann, erging sich Klein in solchen Schimpfereien, daß Dr. Grohmann ihn aufforderte, sein Haus zu verlassen. Klein weigerte sich, dies zu tun. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung griff Klein in die Hosentasche| wirtschaft eine gewisse Anzahl, Arbeitskräfte wieder aufgenom= und drohte mit den Worten: Ich schieße Sie nieder!", Groh­mann zu erschießen. Eine sofort, durch einen herbeigeholten| des Arbeitsmarktes in den oberhessischen Kreisen Gießen, Als­

Grüner Rasen Blaue Wellen.

Roman von Otto von Gottberg.

33. Fortsetzung.

Ihr Schiff fliegt auf," entschied Drewitz und hob den Kopf nach oben zum Lut: Drießner, lassen Sie feuern. Ein Treffer in die Tanks sollte genügen!" Wieder drehte er sich zum Engländer: Bei so schwerem Wetter dürften Sie taum an Land kommen. Ich versuche also, Sie zur Küste zu schleppen, aber werfe natürlich Ihr Boot ab, wenn ich Verdächtiges sehe. Jetzt framen Sie bitte Ihre Taschen aus!"

Von der Brüde stieg Nr. 1 mit breit schmunzelndem schie­fem Mund herab. Während der Untersuchung fremder See­leute mußten Nr. 2 oder 3 ihn ablösen. Drewiß nickte ihm zu, das hieß, er dürfe beginnen. Niemand verstand so gut wie der gewißte Pirat auf den Schiffen und in den Kleidern feindlicher Seeleute Verborgenes zu finden. Gutlaunig klopfte er dem Rothaarigen schon auf die Schulter und half beim Ausziehen des Delrocks, den er kaum ansah. Aufmerksamkeit aber schenkte er dem Südwester, weil das lederne Futterband ein wasser­dichtes Versteckt namentlich für Briefschaften bot.

Der Sommersprossige wollte sich den Hut nicht nehmen lassen. Der Maat riß den Südwester an sich. Damn you!" fluchte der Engländer. Nr. 1 schmunzelte in den Hut: It seh wat Witts." Er flappte das lederne Futterband um und gab dem Kommandanten zwei Briefe.

Drewig war nicht überrascht. Englische Kapitäne verdien­ten viel Geld durch Befördern von Post an Behörden oder Pri­vate im Ausland. Namentlich amtliche Schreiben sollten sie vor dem Aufbringen ihres Schiffes natürlich vernichten. Doch hofften sie oft, die Briefe bei der Untersuchung verbergen zu fönnen. Er las die Aufschriften, während der Maat den Bri­ten durch Taschen und Kleider ging. Ein Schreiben war für den englischen Konsul in Christiansund, das andere, mit dem Aufdruck einer Londoner Advokatenfirma, an einen Rechtsan­walt in Christiansund bestimmt.

men hat, ferner Notstandsarbeiten im Gange sind, ist die Lage

danten: Darf ichs Boot auch durchsuchen, Herr Kapitänleut­nant?"

Doch Drießner bat Drewitz nach oben. Er kletterte auf die Brücke. Des Oberleutnants Beigefinger wies zur englsichen Küste. Drei, vier, nein fünf Rauchfahnen wehte der Westwind näher. Darunter tanzten schwelende kleine Streichhölzer auf den Wellen. Eine Mahalla tam! Schnell stieg Drewitz wieder ein und schickte die Briten in ihr Boot.

Trockenes Krachen aus Geschützmund bellte oben und wie ein Echo dann ein längerer, bumpferer Donnerschlag in der Ferne. Der Rotkopf hob mit blinkenden Augen seine Achseln. Die Bessie Barnes" war unter einem Granattreffer aufgeflo­gen, und durch das kleine graue Schiffchen jubelte ein Surra, das ihm wohl weh tat. Darum schlug der Maat wieder freund= schaftlich auf seine Schulter, gab ihm Uhr, Pfeife, Tabaksbeutel und Whiskyflasche zurück und nahm Haltung vor dem Komman­

Aus Vereinen und Korporationen. Oberhessischer Kunstverein Gießen eröffnet am Sonntag, den 26. Februar 1928, 11 Uhr vormittag, im Turmhaus am Brandplay eine bis 25. März dauernde Ausstellung von Gemälden( Rud. Hellwog- Berlin) und Radierungen( Josef Steib- Düsseldorf). rogovceniatsENJA Steib- Düsseldorf). Besuchszeiten: Sonntags, Montags, Mitt wochs, Freitags von 12-2 Uhr, Mittwochs auch von 3-5 Uhr. Gesangverein Frohsinn" Gießen, veranstaltet am Samstag, den 5. Mai 1928, abends 8 Uhr, im Café Leib sein 44. Stif tungsfest. Gesangsoorträge, Theater, Tanz. Gäste können eingeführt werden.

Untertauchend ging er auf Südkurs, aber drehte bald nach Norden ab. Nach zwei Stunden glaubte er den Gegner abge­schüttelt zu haben. Doch der Funkenmaat meldete, er wähne Schraubenrauschen zu hören. Vielleicht hatte sich die Malhalla geteilt. Die eine Hälfte der Flottille suchte dann in südlicher die anderer in nördlicher Richtung nach dem U- Boot. Er mußte bis zum Abend unter Wasser bleiben und ging in seine Kammer. Unter dem Rock knisterten die Briefe. Er öffnete den an den britischen Konsul und freute sich des guten Fanges, als er las, wann die im Juli von norwegischen Häfen aus­laufenden Handelsschiffe auf eine Eskorte rechnen, also in Ge­leitzügen fahren konnten.

Verein ehem. hess. Leib- Dragoner des Kreises Gießen. Sonn­tag, den 4. März 1928, 3 Uhr nachmittags im Vereinslokal ,, Frankfurter Hof", Gießen, Generalversammlung. Es wird erwartet, daß alle Kameraden erscheinen. Anträge bis zum 1. 3. an den 1. Vorsitzenden.

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| versenkungen, den Empfang in doppelter Ausfertigung zu be­stätigen."

Gleichgültig riß er den zweiten Umschlag auf. Der Brief war von einer Advokatenfirma an eine andere gerichtet. Doch auch der Inhalt von Geschäftsbriefen mochte gelegentlich der Kriegsführung nützen. Darum mußte er wenigstens hinein­blicken. Er setzte sich und fand in der gelben Hülle einen zwei­ten Umschlag mit dem Ausdruck einer Newyorker Advokaten­firma. Die Adresse lautete wie die auf dem gelben Papier. Das Schreiben der Londoner Firma sagte, sie schicke den ein­gelegten Brief für Herrn.... Caspar v. d. Helle in Berlin, Roonstraße 4 a.

Der Brief schien harmlos, denn deutsche Konsulate waren über Verdacht erhaben. Immerhin mußte Drewig mit einer List oder Finte des Gegners rechnen und öffnete auch den letz­ten Umschlag. Zwei gefaltete Papiere nahm er heraus und dann einen längeren Brief. Die Newyorker Advokatenfirma schrieb:

Herr Bernhard Kunze, Nr. 48 Madison Avenue, übergab dem hiesigen deutschen Konsulat die anliegenden Papiere, nämlich den Trauschein eines Herrn Oskar v. Drewitz und die Geburtsurkunde seines Sohnes Werner. Wir haben die Doku­mente an Herrn Caspar v. d. Helle zu schicken und glauben uns des Auftrages so entledigt zu haben, daß die Sendung unter Umgehung der englischen Zensur in Ihre Hände gelangt."

Ein Caspar v. d. Helle war doch dem verstorbenen Minister v. Drewitz verwandt. Wie kam er zu einem Brief aus den Vereinigten Staaten, die zwar noch neutral, aber dem Deut­schen Reich doch feindlich waren! Ein Verdacht ließ ihn zögern, die letzte Hülle zu öffnen. Gar viele Landsleute liehen sich verbotenen Geschäften oder gar der Spionage, die ihre Wege wie durch Holland und die Schweiz, auch über Amerika nahm. Wenn er las, daß der entfernte Verwadte ein Verbrecher war, mußte er doch den Brief in die Hände der Vorgesetzten legen. Auch das war Soldatenpflicht! Schnell sah er in das Schrei­ben der Newyorker Advokatenfirma an den Rechtsanwalt in Christiania: Wir sind beauftragt, Ihnen zwei auf dem hiest­gen deutschen Konsulat abgegebenen Ürkunden zum Weitersen­den an Herrn Caspar v. d. Helle in Berlin, Roonstraße 4 a, zu überreichen, und bitten, in Anbetracht der häufigen Schiffs­

Welch merkwürdige Laune des Zufalls. Kurt entfaltete die Urkunden. Die eine bestätigte in der Tat, daß ein Oskar v. Drewizz in London Irmgard v. d. Helle geheiratet hatte. Ostar?! Oskar konnte nur der verschollene Bruder des ver­storbenen Ministers sein. Er griff zum zweiten Blatt. Was? Werner hieß das Kind der Ehe... wie der Sohn des toten Generals! War Werner nicht dessen, sondern Oskars Kind? Unmöglich! Aber warum wanderten die Dokumente von Newyork nach Berlin? Der alte Priedelsdorfer war un­längst gestorben. Wollte der in der Geburtsurkunde Werner genannte das Majorat fordern? Es gab nur einen Drewit seines Namens, den kleinen Vetter von der Armee. Da stand ihm plötzlich sein Bild vor Augen. Fast läd, clich ähnlich war er Elisabeth und dem Bild ihrer Mutter über dem Schreib tisch in Priedelsdorf. Ostars Frau aber war eine Helle, wie die des toten Ministers. Auch schien Werner immer verlegen, wenn die Kusinen ihn den fünftigen Herrn von Kunzenberg nannten. Also blieb kein Zweifel, daß er ein Kind des Ver schollenen war. Jedenfalls gab es einen Werner, der als Br dersohn des Ministers Priedelsdorf erben mußte. Dann ging ihm der schöne Besitz verloren. Er mußte fich mit dem kleineren Kunzenberg bescheiden. Elisabeth aber war glüdlich im Glauben, fortan im Heim ihrer Eltern zu bleiben. Sie liebte die Erde, auf der sie geboren war, und hatte sich viel leicht gar nur ihrem Erben verlobt. Vorher war sie doch Wer­ner gut gewesen. Doch warum grübeln? Wenn er die Pa­piere zerriß und ins Wasser warf, gab es für das Gericht tei nen Brudersohn des toten Ministers, und Priedelsdorf blieb ihm. Fortschung folgt.

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