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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Erscheint Mittwochs und Gamstags. Bezugspreis 2,40 M vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rüdfendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
41. Jahrg.
Politische Sagesschau.
Der Reichskanzler ist von seiner Reise aus Westpreußen heute nach Berlin zurückgekehrt.
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Der Vorsitzende der deutschnationalen Fraktion hat an den Borsigenden des Auswärtigen Ausschusses, Herrn Scheidemann das Ersuchen zur Einberufung des Auswärtigen Ausschusses auf den Beginn der nächsten Woche gerichtet.
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Zu den von der Görlitzer Kriminalpolizei bei Mitgliedern der KPD. vorgenommenen Hausdurchsuchungen wird mitgeteilt, daß nur bei einem Mitgliede der Partei Sprengstoffe gefunden wurden. Insgesamt wurden beschlagnahmt: 28 Doppelladungen in Dynamit, vier Giftgasbomben( sog. flüssiges Gas in Flaschen), 12 Sprengkapseln mit dazugehörigen Zündschnüren und ferner eine große Menge Infanteriemunition.
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Der Botschafter der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken Dr. Krestinski, der sich auf der Durchreise in BadenBaden befindet, hat dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann einen privaten Besuch gemacht.
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Der Vorsitzende des russischen Hilfskomitees für die verunglüdte ,, Italia"-Besagung hat den russischen Eisbrecher ,, Krasfin" angewiesen, die Nachforschungen nach Amundsen und die sog. Alessandrigruppe am 1. Oktober einzustellen. Diese In#truktionen des Vorsitzenden sind durch ähnliche Maßnahmen Italiens Italiens und Norwegens bedingt.
Im Dezember wird der Posten des Danziger Völkerbunds: tommissars neu besetzt.
Vom französischen Ministerrat ist soviel bekannt geworden, daß sich der Ministerrat einstimmig mit der Haltung Briands und den von ihm zu den kommenden Rheinland besprechungen entworfenen Richtlinien einverstanden erklärt hat.
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Die britische Regierung ist benachrichtigt worden, daß Japan den englisch- französischen Vorschlägen zum Flottenabkommen grundsäglich zustimmt. Die japanische Antwort ist in Tofio ausgehändigt worden; sie befindet sich zurzeit auf dem Wege nach London.
Die amerikanische Regierung hat Albanien anerkannt.
Druck und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäftsstelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher Nr. 2525 und 2526 Postscheckkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M
Samstag, den 15. September 1928
in der Tat eine Notwendigkeit geworden und Herr Scheidemann wird nicht drumherum kommen, spätestens zu Beginn der nächsten Woche dem Ersuchen der Deutschnationalen zu sprechen. Der Wunsch einzelner Kreise, sofort den Reichstag zu einer Aussprache zusammentreten zu lassen, erscheint unberech tigt. Die ganze Lage ist noch zu ungeklärt, so daß eine Debatte jetzt im Plenum des Reichstags zwecklos oder sogar schädlich erscheint.
Stresemann greift ein.
In den letzten Tagen fand ein umfangreicher Depeschenwechsel und Telephonverkehr zwischen Baden- Baden und Genf, bezw. Berlin statt. In der Umgebung des Außenministers herrscht keine Freude über das Auftreten Müller- Frankens. Stresemann soll der Auffassung sein, daß Müller- Franken sich unnötig scharf hervorgewagt habe und in diesem Sinne seine Ansicht nach Genf übermittelt haben.
Das hessische Wirtschaftsministerium über die Lage im besekten Gebiet.
Darmstadt. Unter dem Vorsitz des Ministers für Arbeit und Wirtschaft, Korell, fand am Mittwoch über ,, die wirtschaft= liche Lage im besetzten Gebiet" eine Sigung statt, an der außer den Referenten des Ministerums die Vertreter der Landwirtschaftskammer, der Handwerkskammer, der Landw. ZentralGenossenschaft, sowie der Handels- und Industriekammer in Darmstadt, Mainz, Worms, Bingen- Alzen, Groß- Gerau und Offenbach teilnahmen.
( Gießener Tageblatt)
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Nummer 73
Gebietsaustausch um Frankfurt.
Das Vorgehen der kleinen hessischen Exklave Steinbach im Taunus, welche unter Aufhebung der gegenwärtigen unhalt= baren Verhältnisse ein Zusammengehen mit Frankfurt erstrebt, bildet einen neuen Anstoß, die ,, hessische Frage" wenigstens in bezug auf die Flurbereinigung um Groß- Frankfurt praktisch einer Lösung entgegenzuführen. Kommunalwirtschaftlich und marktgeographisch stehen nun die Randgebiete, trotz ihrer staatlichen Zugehörigkeit zu Hessen, mit Groß- Frankfurt schon seit langem in einem sehr engen Verhältnis.
Offenbach mit seinen 80 000 Einwohnern bildet mit Frankfurt eine Posteinheitsgemeinde, untersteht allerdings trotzdem noch der Oberpostdirektion Darmstadt; die Vorzüge einer gemeinsamen Gas- und Elektrizitätsversorgung sind durch vertragliche Abmachungen gesichert; neben einer Lokalbahn be= steht der Straßenbahn- Durchgangsverkehr über die ,, Landesgrenze" hinweg und die Offenbacher Straßenbahnlinien mit den Nrn. 26, 27 und 28 sind bereits dem Frankfurter Nummernplan angepaẞt. Die Lage Offenbachs a. M. unmittelbar oberhalb Frankfurt hat zu Abmachungen geführt, die es Offenbach ermöglichen, seine Abwässer mainabwärts durch Frankfurter Gebiet in die Frankfurter Kläranlagen einzuführen; Ansätze zu einer gemeinsamen Hafen- und Lagerhausverwaltung dürften auch hier zu einer fruchtbringenden Zusammenarbeit im Interesse beider Teile führen. Hierzu gehören auch die Bestrebungen zur gemeinsamen Errichtung einer neuen Mainbrücke im Zuge der Riederhoferstraße, welche Offenbach, insbesondere den dortigen Gärtnereien, zugleich direkten Anschluß an die Großmarkthalle gibt; schließlich ist noch der gemeinsam in Angriff genommene Bau der Mainuferstraße zur Entlastung der Offenbacher Landstraße anzuführen, der Offenbach auch gleichzeitig bessere hof Frankfurt gewährt.
Übernahme der thür. Rechnungskammer Zufahrt zu dem Zentralviehmarkt und dem Schlacht- und Vieh
durch das Reich.
Die zwischen dem Reiche und Thüringen schwebenden Verhandlungen wegen Uebernahme der thüringischen Rechnungstammer auf den deutschen Rechnungshof sind zu einem gewissen Abschluß gekommen. Es besteht Aussicht, daß die Uebernahme bereits am 1. April nächsten Jahres erfolgt. Thürin= gen hofft, mit der Angliederung eine jährige Ersparnis von etwa 200 000 M zu erzielen.
Startbereit.
Friedrichshafen. Direktor Eckener berief Freitag vormittag die hier anwesenden Pressevertreter in sein Bureau und gab
Rheinlandbesprechungen in Genf. folgende offizielle Erklärung ab:
Trotz des bisherigen negativen Ergebnisses aller Einzelund Gesamtbesprechungen um die Rheinlandentsetzung, nimmt diese Frage in Europa das größte Interesse für sich in Anspruch. Der Standpunkt Deutschlands zu diesem Problem steht bisher eindeutig fest, wenn auch von verschiedenen Seiten versucht damit man wird, den Reichskanzler zum Umfall zu bringen auf alle Fälle mit„ Erfolgen" heimkommt.
Frankreich versucht noch immer ein Geschäft aus der Angelegenheit zu machen und findet in Lord Cushendun einen hilfsbereiten Sekundanten.
Als kleinen Hoffnungsschimmer darf man die Vertagung Der Besprechungen auf den morgigen Sonntag betrachten. Sämtliche Delegationsführer werden bis dahin aus der Heimat neue Anweisungen erhalten haben.
Kabinettsrat in Berlin.
Für heute ist eine Sigung des Reichskabinetts anberaumt worden, die sich mit dem gegenwärtigen Stand der Genfer Räumungsverhandlungen beschäftigen wird. Diese Sigung wird in Abwesenheit des Reichskanzlers voraussichtlich unter dem Vorsitz des Ministers Groener stattfinden. Nach den bisherigen Dispositionen ist nicht geplant, ein Mitglied der deutschen Delegation in Genf zur Berichterstattung für diese Kabinettssigung nach Berlin zu entsenden.
Diese Kabinettssitzung steht nicht unter einem günstigen Zeichen. Die Berliner amtlichen Stellen bemühen sich freilich seit Tagen, dem Ansturm der an sie gerichteten Anfragen dadurch zu begegnen, daß sie immer wieder versichern, an der Auffassung der Reichsregierung habe sich bis jetzt nichts geändert. Man vertrete nach wie vor den Standpunkt, daß Deutschland auf die Rheinlandräumung einen juristischen und politischen Anspruch habe. Weitere finanzielle und politische Leistungen Deutschlands tönnten für die Rheinlandräumung nicht in Frage tommen. Diesen amtlichen Erklärungen gegenüber klingen die aus Genf kommenden Nachrichten jedoch weniger beruhigend. Man spricht hier ganz offen davon, daß der Sozialdemokrat Breitscheid und der neugebackene demokratische Reichstagsabgeordnete Bernhard in Genf alles daran setzen, um den Reichskanzler dazu zu bewegen, den Franzosen mindestens auf halbem Wege entgegenzukommen. In Berliner politischen Kreiſen hört man recht ernste Besorgnisse über die Weiterentwicklung der Dinge, denn man gewinnt den Eindruck, daß von Tag zu Tag die deutsche Delegation ihre ursprünglichen festen Positionen abbaut. Die von den Deutschnationalen beantragte Einberufung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages ist damit
Das Schiff ist am Sonnabend fahrklar, und ich hoffe sehr, daß es möglich sein wird, die erste Probefahrt am Sonnabend vorzunehmen, zumal gegenwärtig eine ganz ausgezeichnete Wetterlage für Probefahrten herrscht. Die Ausführbarkeit dieser Fahrt hängt aber lediglich ab von der Möglichkeit, das Schiff aus der Halle zu bringen. Wir arbeiten hier unter ganz ungewöhnlich schwierigen Verhältnissen. Die Halle ist so eng für das große Schiff, daß wir über dem Schiff nur einen Spielraum von 65 Zentimeter haben und an den Geiten nicht viel mehr. So können wir nur mit größter Vorsicht bei Windstille oder bei ganz leichtem Winde aus südwestlicher Richtung die Halle verlassen.
Die hessische Landesgewerbeausstellung in Mainz?
Darmstadt. Die Streitfrage über die Abhaltung der Hessi= schen Landesgewerbe- Ausstellung 1930 scheint jetzt zu Gunsten von Mainz entschieden. Bekanntlich hat sich Darmstadt mit Der zuständige großem Eifer um die Ausstellung beworben. Ausschuß des Hess. Handwerks- und Gewerbe- Verbandes hat in seiner letzten Sigung in Darmstadt den schon im Vorjahre gefaßten Beschluß bestätigt, die Ausstellung in Mainz abzuhalten. Die letzte Entscheidung: ob Darmstadt oder Mainz bevorzugt werden soll, hat man dem Gewerbe- Landesausschuß überlassen.
Kaufspareinrichtungen.
Das Reichswirtschaftministerium hat sich im Einvernehmen mit den anderen beteiligten Ressorts mit der von der Rudolf Karstadt A.-G. und anderen Firmen eingeführten Kaufspareinrichtung eingehend beschäftigt. Ein Urteil der ordentlichen Gerichte, die nach Paragraph 8 des Gesetzes über Depot- und Depositengeschäfte vom 26. Juni 1925 über Verstöße gegen dieses Gesetz zu entscheiden haben, liegt noch nicht vor. Das Reichswirtschaftsministerium hat seinerseits die Rechtslage geprüft und ist zu der Auffassung gelangt, daß die Kaufspareinrichtung als Depositengeschäft im Sinne des Paragraph 2 Abs. 1 des Gesetzes über Depot- und Depositengeschäfte anzusehen ist. Um eine möglichst gleichmäßige Anwendung dieses Gesetzes zu erzielen, sind die Länderregierungen ersucht worden, in eine Erörterung der Angelegenheit einzutreten und dem Reichswirtschaftsministerium Material über die in ihrem Zuständigkeitsbereich eingeführten Kaufspareinrichtungen zu übermitteln. Es ist in Aussicht genommen, in der nächsten Zeit eine Besprechung mit den Vertretern der Länderregierungen in Berlin stattfinden zu lassen.
Neu- Isenburg( 13.000 Einwohner) ist wirtschaftlich und verkehrstechnisch in gleicher Weise vollkommen nach Frankfurt hin orientiert, wie dies ja aus der Notwendigkeit der Elektrifizierung der Isenburger Waldbahn deutlich hervorgeht; seine Abwässer führt Isenburg über die Gehspitze gleichfalls der Frankfurter Kläranlage zu und die Aufnahme der Krankenhausbedürftigen erfolgt ebenfalls durch das Frankfurter Städtische Krankenhaus. Dagegen hat sich das Isenburger Stadion eines starken Frankfurter Besuchs zu erfreuen und sich so zu einem beliebten zweiten Frankfurter Stadion entwickelt. Uebrigens liegen Offenbach und Jsenburg beide näher an Frankfurt, als die meisten seiner Vororte, wie z. B. Eschersheim, Secbach, von Höchst ganz abgesehen.
Buchschlag( 800 Einwohner) ist als reine Frankfurter Villenkolonie auf hessischem Boden entstanden und hat diesen Charakter bis heute beibehalten.
Der Industrieort Kelsterbach( 5000 Einwohner), ist viel enger mit der Frankfurter Wirtschaft verflochten als mit seinem Kreisort Groß- Gerau, und seinem Amtsgerichtsort Langen. Schon seit 1908 wird übrigens Kelsterbach durch die Frankfurter Wasserleitung mitversorgt.
Haarheim( 1300 Einwohner), steht in Frankfurt in Unterhandlung zweds gemeinsamer Errichtung einer Niddabrücke in Verbindung mit Frankfurt- Berkersheim. Sein Absatz-, Wirtschafts- und Beschäftigungsgebiet ist ausschließlich Frankfurt.
Vilbel( 6000 Einwohner), ist nahezu ausschließlich nach Frankfurt orientiert. Außer dem gemeinsamen Betrieb einer Omnibuslinie mit Frankfurt, ist es noch in gleicher Weise wie Bergen- Enkheim an das städtische Gaswerk II Heddernheim angeschlossen.
Diese mit dem Vorgehen Steinbachs nunmehr erneut aufgerollte Frage der Verbindung dieser hessischen Nachbarorte ( mit etwa zusammen 110 000 Einwohner) mit Frankfurt, könnte unter Umständen auf dem Wege eines preußisch- hessischen Gebietsaustausches gefördert werden. Eine Frage, die übrigens im Zusammenhang mit dem Problem der Verwaltungsreform bereits verschiedentlich erörtert wurde. In Betracht kämen hierfür, außer der kleinen unbewohnten preußischen Erklave bei Altenstadt in Oberhessen, eine Vereinigung der Gebiete um Wetzlar mit Gießen, von Hochheim mit Mainz, sowie der einspringenden preußischen Gebietswinkel im Süden Oberhessens bei Windeck und Bierstein. Alles Gebiete und Orte, die schon seit langem in engster gegenseitiger wirtschaftlicher und siedtungspolitischer Verflechtung stehen. Eine im Uebergangsstadium nicht zu umgehende preußisch- hessische Verwaltungsge= meinschaft würde den Boden für diese großzügige Flurbereinigung siedlungspolitischen Einschlags bilden.„ Binnendeutsche Grenzgemeinden als Wegebereiter des Einheitsstaates", betitelt Dr. Dietrich Mende einen aufschlußreichen Aufsatz auf diesem Gebiete in der„ Hilfe" vom 1. September, Hier hätten wir ein praktisches Beispiel einer sich anbahnenden Auswirkung deutscher Einheit auf kommunalpolitischem Gebiete, wozu dem kleinen aber rührigen Steinbach für die Aufrollung dieses sicherlich nicht einfachen Fragenkomplexes alle Anerkennung zu zollen ist.
Kurt Gorge gestorben.
Dr. ing. e. h. Kurt Sorge, Mitglied der Direktion der Friedrich Krupp A.-G., bis zum 31. Dezember 1933 Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände, und Vorsitzender des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, ist in Berlin an den Folgen einer Operation gestorben.


