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Donnerstag, den 15. März 1928.

an der Verwaltung der kulturellen Angelegenheiten geeignete Möglichkeiten geschaffen werden müßten.

Die Beamten werden grundsätzlich nur der Bevölke ferung des betreffenden Landes entnommen.( Abwei­chende Vereinbarungen der Reichsländer durch ihre Landtage sind möglich. Der Leiter der Verwaltung des Reichslandes( der die notwendige Fachbildung besitzen muẞ) wird unter Mitwirkung des Landtages( Vorschlag oder Bestätigung) von der Reichsregierung ernannt. Man könnte sogar diese Bestimmung einer unmittel­baren Volkswahl überlassen; der Gewählte wird selbstverständlich mit der Wahl Reichsbeamter und ist dann nur der Reichsregierung verantwortlich. Aber eine so enge Verknüpfung von Bevölkerung und Ver­waltung ist unserer Ansicht nach nicht erforderlich; der Leiter einer Landesverwaltung ist nicht die politische Spitze des Landes, wie der Reichspräsident, und bei dem abstrakt- sachlichen Charakter der Verwaltung nicht mehr Volksführer, wie die Gaugrafen der deutschen Frühzeit.

3. Da den Stämmen die Eigenstaatlichkeit und damit jede selbständige politische Bedeutung und Einflußmög­lichkeit genommen wird, müssen sie auf anderem Wege ein Mitbestimmungsrecht in der Reichs­führung erhalten. Gegenüber der Herr= schaft der quer durch alle Stämme hin­durchgelagerten atomisierten Massen­parteien müssen die organischen Einheiten in ihrer Gemeinschaft ein wirksames Gegengewicht in der Wil­lensbildung des Reiches bilden. Eigene Politik sollen die Stämme nicht betreiben, aber in der Reichspolitik sollen sie nicht nur durch die unorgani­schen Massen ihrer Einzelmenschen, sondern auch je­weils als Stamm vertreten sein. Die Durchführung dieses Gedankens ist so möglich, das die Landtage der Reichsländer je einen oder mehrere Vertreter in einen Reichsrat entsenden, der mit größeren Rech= als der Reichsrat der Weima rer Verfassung an der Gesetzgebung soweit nach der Reform der Reichsverfassung noch eine Mitwir fung in der dann von dem Reichspräsidenten selbständig geführten Reichsverwaltung in Frage kommt, auch an

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Gießener Zeitung"

desto mehr. Uns aber nach allen gemachten Erfahrungen Weitblickende Wirtschaftler machen deshalb überall auf die Gefahr aufmerbsam und wenden sich in scharfer Weise gegen den Gesetzentwurf. So z. B. der erste Beigeordnete des deutschen Städtetages, Mayer- Lülmann, in der Vossischen Zeitung". Ebenso der Vorstand des Deutschen Landgemeindetages, der kürzlich in Lockstedt tagte. U. v. a. Ob der Staat oder die Gemeinden die entstehenden höheren Lasten übernehmen: Wir Hausbesizer und Gewerbetreibende werden unser Teil davon bekommen.

Während man überall in Handel und Industrie rationali­siert und sich zwecks besserer Rentabilität zusammenschließt, will man hier zerschlagen und zersplittern und damit eine unver­antwortliche Vergeudungspolitik einschlagen.

Deshalb kann es vom wirtschaftlichen Standpunkt nur eines für uns geben: Erhaltung der hessischen Simultanschule, die sich glänzend bewährt hat, und Kampf dem Reichsschulgesetentwurf in dieser Form!

Ein Lehrer und Hausbesizer.

Lokales.

Die Größe der Postkarten nachprüfen!

Wichtig für Vereine und Mitglieder!

Alle Postkarten, die nicht von der Reichspost gekauft, aber in Privatdruckereien hergestellt sind, wolle man auf ihre Größe hin prüfen. Eine Postkarte darf nur höchstens 10,5 cm. Hoch und 14,8 cm. breit sein. Die Postverwaltung kontrolliert sehr scharf die ihr zur Versendung eingelieferten Postkarten und belastet jede Postkarte, die größer ist als das vorgenannte amtliche Format, mit 15 Pfg. Strafporto. Also Achtung!

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* Das amtliche Fernsprechbuch für den Oberpostdirektions­bezirk Darmstadt wird demnächst neu aufgelegt. Die Vorar­beiten hierzu werden am 10. April abgeschlossen. Bis dahin sind Aenderungen der Eintragungen bei der zuständigen Fern­sprech- Vermittlungsstelle anzumelden. Bei der Ausgabe neuer Fernsprechbücher ist für jedes neue Buch ein Buch der unmit­telbar vorhergegangenen Auflage zurückzuliefern. Bücher frü­herer Auflagen werden nicht angenommen.

dieſer beteiligt iſt. So sind die Reichslän: Die Forderung der Neuzeit

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der durch den Reichsrat an der Leitung des ganzen Reiches nach der Bedeu tung ihrer Stämme beteiligt und doch so unlöslich in das Ganze verflochten, wie ihr Schicksal in das des volks.

Schluß folgt.

Gesamt­

Reichsschulgesetz, Gewerbe und Hausbesik, Haben die drei Dinge auch etwas miteinander zu tun? Vor­läufig nicht. Und dennoch. Insbesondere für unser Hessenland ist es nötig, die Frage zu erörtern und Stellung dazu zu nehmen. Für uns als Eigentümer und gerngesehene Steuerzahler ist folgendes wichtig: Der Reichsschulgesetentwurf birgt in sich die große Gefahr, daß unsere hessische Gemeinschafts- oder Simul­tanschule zerschlagen und in Konfessions- und Weltanschau­ungsschulen zerfällt. In den einzelnen Gemeinden treten dann an die Stelle der seitherigen größeren Schulsysteme klei­nere und kleinste Schulkörper. Die Folge wird sein, daß die Leistungen zurückgehen müssen, ferner aber, daß dieser Schaden auch noch teuer bezahlt werden muß. Denn die Einrichtung und Ausstattung kostet zunächst einmal tüchtig Geld; ferner aber stellen sich die laufenden Ausgaben für Verwaltung und Unterhaltung um so viel höher. Schlimm ist allerdings dabei, daß die Eltern von nur 40 schulpflichtigen Kindern eine Sonderschule beantragen können. Sind also z. B. in einem Orte zehn Elternpaare mit je vier Kindern, die eine weltliche ( fonfessionslose) Schule beantragen, dann muß sie eingerichtet werden. Sie braucht einen besonderen Lehrer, einen besonderen Raum mit allem, was dazu gehört usw. Wer aber das Geld dafür aufbringt, wird diesen Leuten wenig Sorge bereiten.

Grüner Rasen Blaue Wellen.

Roman von Otto von Gottberg. 38. Fortsetzung.

Pünktlich trat er dann ins Zimmer, und Elisabeth erschrak über den feierlich ernsten Ausdrukt in dem von Seeluft oder schnellem Gehen gerötetem jungen Gesicht unter grauem Haar. Als er die Hand der Tante geküßt hatte, nahm er zögernd die ihre und sah aufmerksam auf. Tante Bärbchen sagte: Meine Nichte ist nämlich

Er unterbrach, während über das Weiß seiner Augen ein feuchtes Schimmern ging: Ich weiß, ich weiß, gnädigste Frau! In der Kammer meines lieben Kameraden Drewik hing das Bild des gnädigen Fräuleins."

Nach dem Händedrud stand er vor Elisabeth mit schmerz­licher Wehmut auf dem Gesicht. Es blieb fest, obwohl die Lippen zuckten. Ein Glanz von Trauer, aber auch von Stolz hing in den Augen, als er mit schlichter Wärme sagte: Mein liebes gnädiges Fräulein, was soll ich Worte machen? Wir find zwei Deutsche der Zeit des großen Krieges. Ich hatte zwei Brüder. Der eine schläft bei den Falklandinseln unter den Wellen, der andere in Polen unter dem Rasen. Gnädiges Fräulein, Sie trauern nicht allein, aber sind jung und werden Trost in Gott finden!"

Wie in Ehrfurcht nahm er ihre Finger und neigte sich so tief, als wolle er ihre Hand füssen, obwohl sie doch Mädchen war. Sie hatte verstanden. Ihre Stirn sant an der Tante Schultern, und beide schuchzten.

Der Seeoffizier wollte sich verabschieden, doch Elisabeth ließ ihn noch nicht gehen: Darf ich sehen, wo er gewohnt hat, und von seinen Kameraden hören, wie er die letzten Tage in der Heimat verlebte?"

Gewiß, mein gnädiges Fräulein. Wir stehen Ihnen zu Diensten," sagte er schnell und bestimmt, aber wußte, daß feiner und der Kameraden eine schwere Stunde harrte. Lieber wären alle dem Feind ins Netz und unter die Bomben gefah­ren, als vor die trauernde Braut des gefallenen Kameraden getreten.

Tante Bärbchen sprach gegen den Besuch auf der Pomme­rania", aber staunte, als sie am nächsten Tag Elisabeth in des Loten Kammer im Gespräch mit seinen Freunden sah. An Gerdas Art erinnerte ihr wehmütiger ernster Stolz, der die

PED GALAR TIRUTON

Nr. 22.

* Auf Grund des§ 1 des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten tritt der Vorstand des Gewerbeaufsichtsamtes zu Gießen, Obergewerberat Dr. Franz Gerhard, in den Ruhestand mit Wirkung vom 1. Juli 1928 an.

* Wegen Vornahme von Erdarbeiten ist der Studentensteg zwischen Friedrichstraße und Wartweg, sowie der Fußweg zwi­schen Wartweg und Klinikstraße auf die Dauer von etwa vier Wochen für allen Verkehr polizeilich gesperrt.

* Die Vertreter der 160 Turnvereine des Gaues Hessen ver­sammelten sich Sonntag in großer Zahl im Café Leib zu dem 96. Gauturntag. Das Gauturnfest 1929 erhält Alsfeld, das Gaufrauenwetturnen 1928 Laubach, das Gauwettschwimmen 1928 Weglar; als Gauturnwart für Volksturnen wurde Brühl­Ockershausen gewählt.

Donnerstag, den

1900 1. Verdienter Sieg Das Spiel war feh Grünewald- f Kaffeianer, verhind Gäfte die den Spiel Spieler auf dem der unter anderem Tor stand Brambad beiden guten Vert Läuferreihe waren rei faneller abspie zeigte die rechte Ge det. Sämtliche d heute wieder in jeh aber feinen Platz fallen. Die Gießen Stolz sein, ist doch G Hen Vereine im H an einem Führer, und vor allem Sp Rufen. Das talte Rommenden G 1900 2.

* Die große Oberhessische Viehversicherungsanstalt hält am 1. April im Café Leib eine Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Besetzung des Direktorenpostens. * Die erste Schnepfe wurde von Herrn Ernst Nikolaus im Steinbacher Wald geschossen.

verlangt von der Hausfrau, der das leibliche Wohl der ganzen Familie anvertraut ist, heute ein größeres Verständnis für den Nährwert der Speisen, als wie das früher der Fall war. Deshalb hat das wieder neu er­schienene Dr. Oetker's Schulkoch­buch, Ausgabe C bereits begeisterte Auf­nahme gefunden, weil es für jede Hausfrau und besonders für die angehenden ein guter Ratgeber in der Haushaltführung sein will, denn es trägt den veränderten wirtschaft­lichen Verhältnissen Rechnung und berück­sichtigt die neuen Forschungs- Ergebnisse in d. Ernährungs- Wissenschaft. Zahlreiche farb. Tafeln über Fleisch, Gemüse, Pilze, Kuchen, Torten, über die Anrichtekunst usw. ver­vollständigen die Sammlung von fast 500 Koch-, Back- und Einmache- Rezepten. Das 150 Seiten starke Buch ist in dauer­haftem Pappband, wo nicht vorrätig, gegen Einsendung von 30 Pfg. in Marken von mir portofrei zu beziehen. Viele neue und wert­volle Anregungen zum Backen bietet Ihnen mein bereits in Millionen- Auf­lage verbreitetes neues farbig illu. striertes Rezeptbuch, Ausgabe F, das für 15 Pfg. in allen einschlägigen Ge­schäften erhältlich ist. Sie erfahren aus dem Buche auch Näheres über den vorzüg­lichen Backapparat ,, Küchenwunder", mit dem Sie auf kleiner Gaskocherflamme backen, braten und kochen können. Dr. Oetker's Backpulver ,, Backin", Puddingpulver, Vanillin- Zucker, Gustin usw. sind in allen Geschäften stets frisch zu haben. Auf die Schutzmarke ,, Heller Kopf" wollen Sie bitte achten.

Dr. August Oetker, Bielefeld

* Konsularnachricht. Die chilenische tonfularische Vertre tung für den Volksstaat Hessen ist dem chilenischen Konsulat in Frankfurt a. M. zugewiesen worden.

Das Bayerische Hochland. Ill. Zeitschrift für den Fremden­verkehr und Wintersport. Die im Februar erschienene Nummer beschäftigt sich in Wort und Bild mit der alten Fuggerstadt Augsburg. Der Verlag München 9 versendet Probenummern an Interessenten kostenlos.

Aus Nah und Fern.

Lich. Die Wahl des neuen Bürgermeisters gestaltete sich recht kompliziert und blieb ohne Ergebnis. Ein neuer Wahl­gang war gestern abend angesetzt.

Bad Nauheim. Sein goldenes Jubiläum feiert der hiesige Krieger- und Militärverein Sassia" am 24. Juni. An der Feier werden auch die Vertreter der Kriegerfameradschaft Hassia teilnehmen.

Friedberg. Die Maul- und Klauenseuche ist in Nieder­Erlenbach erloschen. Mit Erledigung dieses Seuchenfalles ist der Kreis Friedberg' wieder seuchenfrei.

Trauer adelt und das Gesicht verklärte. Rührende Hochach­tung schenkten ihr Kurts Kameraden, obwohl sie zunächst nur zögernd und befangen sprachen. Almählich schien es ihnen wehmütige Freude, der Braut den Geliebten rühmen zu dür­fen. Ein Ritter des Ordens Pour le merite, Herr von Brieg, sagte mit leuchtenden Augen: Unser Drewiß wird seiner schö= nen Waffe für immer ein Vorbild bleiben." Ein Herr Knerr­heim schneuzte sich ofte Nase. Fast glaubte Elisabeth, ihn trösten zu müssen.

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Friedberg. Der mit einem Kostenaufwand von 230 000 M errichtete neue Wasserturm ist nunmehr fertiggestellt.

Alsfeld. Zur Propagandierung der beiden Bahnprojekte von Alsfeld über Ulrichstein nach Schotten und von Alsfeld durchs Schwalmtal nach Trensa wurde das schon früher bestan­dene Eisenbahnkomitee neu ins Leben gerufen.

Alsfeld. Auf dem Hofgut Rülfenrod brachte der Guts­pächter einen Eber auf das stattliche Gewicht von 920 Pfund.

Gedern. Bei der kürzlich hier stattgefundenen Generalver­sammlung der hiesigen Ortsgruppe des Raiffeisenvereins wurde deren Auflösung beschlossen.

Gedern. Verschüttet und schwer verletzt wurde im Basalt­bruch bei Burkharts ein Arbeiter. Mit Mühe gelang es den übrigen Arbeitern, den Verschütteten lebend herauszugraben.

Schotten. Große Dedland- Meliorationen will die Gemeinde Sichenhausen zwischen Bildstein und Hoherodskopf ausführen. Bis zum Sommer soll eine große Jungviehweide eröffnet werden.

Als die Damen schieden, bat Hiedring, sie in der Pinasse zur Stadt fahren zu dürfen. Elisabeth dankte. Sie wollte dem Gehörten im Gehen nachsinnen. Während des langen Wan­derns zur Stadt ging ein Gewitterregen nieder. Tante Bärb­chen trug einen Mantel, aber Elisabeth nur ein leichtes Gon merkleid. Sie kam durchnäßt ins Hotel und fröstelte während der Fahrt zum Bahnhof. Am nächsten Vormittag glaubte sie zu fiebern und ging in Priedelsdorf mit Kopfschmerzen zu Gerda jaß an Bett. Der Ontel schickte nach dem Hausarzt. der Kranken Lager und hielt ihre heiße Hand. Elisabeths Augen glänzten, aber blieben trocken. Ohne zu weinen, erzählte sie mit befremdender Stimme vom Besuch in Emden und dem Leben ihres Toten. Oft schien aus ihrer Stimme gar eine heimliche Freude oder Genugtuung zu sprechen Plöhlich ver­zerrte sie das Gesicht in Schmerzen und drückte die Hände auf die Brust: Es sticht furchtbar, Gertchen.".

Als der Arzt kam, tlapperten ihre Zähne im Schüttelfrost. Der Kopf glühte. Die müde Sprache war die einer Gequäl­ten.

Herchenhain. Die hessischen Segelflieger haben sich nunmehr für die Herchenhainer Höhe entschieden und sind mit ihren Flug­zeugen vom Hoherodskopf nach unserem Berge übergesiedelt.

Darmstadt. Ein erfolgreicher Förderer der hessischen Land­wirtschaft, Landstallmeister i. R. Schörte Darmstadt, erhielt von der Landwirtschaftskammer wegen seiner Verdienste um die Hessische Pferdezucht die silberne Medaille.

Bingen. Auf die Gerüchte über eine Verlegung der seit 31 Jahren bestehenden höheren Bauschule nach Mainz teilt der Aufsichtsrat dieser Schule mit, daß an dem Gerücht kein wahres Wort ist.

,, Lungenentzündung", sagte der alte Herr, als er aus dem Krankenzimmer trat. Onkel Karl und Tante Bärbchen erschraten wie Gerda, die unten fragte: Herr Doktor, würden sie mir erlauben, Professor Hullmann zur Schwester zu rufen?" Der Arzt hob Schultern und Hände in Bedauern: Gewiß mein gnädiges Fräulein, obwohl auch ich weiß, woran die Kranke leidet und wie sie zu behandeln ist. Selfen fann ihr nur die gesunde Natur und der Wille, zu leben. Das steigende Fieber ängstigt mich weniger als ihre eigentümliche Ruhe."

Weylar. Der Direktor der Landwirtschaftlichen Schule Wetzlar, Dr. Ulrich, ist zum Landwirtschaftsrat ernannt worden. Dillenburg. Zwei junge Männer stahlen in Siegen ein Motorrad. Auf nächtlicher Fahrt fuhren sie gegen einen Baum, wobei sie beide auf der Stelle getötet wurden.

Am Fernsprecher hörte Gerda bei Professor Sullmann in Berlin eine Krantenschwester sagen, der Geheimrat sei beschäf­tigt. Sie wisse nicht, ob er an den Apparat tommen tönne. Gerda wartete, bis ihr die aus den Tagen vor des Vaters Tod bekannte Stimme ans Ohr schlug und sie von der Schwe ster Erkrankung erzählen konnte. Der Professor fragte nach

den Anordnungen des Hausarztes und hieß sie gut: Mehr tann ich auch nicht tun!" Da fiel ihm ein, daß er mit gleichen Worten einst das Todesurteil des Ministers gesprochen hatte. Er glaubte auf dem Trebbiner Bahnhof zwei fröhliche junge Mädchen vor einem Leutnant zu sehen, und es tat weh, daß eine der hübschen Schwestern an schwerer Krankheit litt: Wann könnte ich fahren, gnädiges Fräulein?"

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,, Wie damals, 10,20 Uhr von Berlin."

Einen Augenblick!" Sie hörte ihn ins Zimmer sprechen und dann rufen: Es geht. Rechnen Sie auf mich!"

Sie stand an der Bahnhofssperre, als er in der Uniform eines Generalarztes ausstieg. Leider mußte sie berichten, daß Fieber sei auf 40 Grad gestiegen. Der alte Herr schien unbesorgt: War zu erwarten". Dann fragte er nach dem Entstehen der Krankheit. Sie sprach von der Reise nach Emden und dem Ausbleiben des Verlobten ihrer Schwester.

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Der Geheimrat nickte. Die Augen, die immer wie im Körper auch in der Seele von Menschen zu lesen versuchten, hatten also damals nicht geirrt. Der junge Leutnant, der hier auf dem Bahnhof vor den Mädchen stand, liebte nicht die dem Bild ihrer Mutter ähnelnden Schwester, sondern die Blon dine mit heherem Mund. Hoffentlich blieb ihr kleiner Leut­nant am Leben. Das Drohen eines tragischen Geschids schien über den Herren von Drewig zu schweben. Von dem kühnen U- Bootkommandanten ihres Namens glaubte er noch unlängst gelesen zu haben. In Priedelsdorf trat er an das Bett der Braut des Gefallenen und begriff bald, daß ärztliches Wissen ihr taum helfen könne. Die Krante mußte Schmerzen spüren, aber sie sprach heiter mit einer Gelassenheit, die ihm sagte, ste wolle nicht leben. Nur einen Rat hatte er zu geben: Mein gnädiges Fräulein, sie müssen gesunden wollen. Glauben Sie mir altem Mann, daß die Zeit alle Wunden und Schmer zen der Jugend heilt."

Elisabeth lächelte auf die Sand herab, die ihre Finger streichelten: Sie sind gut. Alle sind gut zu mir, und mic freut, daß Sie tamen, denn Papa sagte vor seinem Tode, er bedauere, Sie nicht früher gefannt und gerufen zu haben." Eine volle Stunde bis zum Abgehen des Zuges sprach et auf das Mädchen ein, konnte aber beim Scheiden nur Gerda sagen: Versuchen Sie es, gnädiges Fräulein."

( Fortsetzung folgt.)

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