Mittwoch, den 13. Juni 1928.
ist also den Verbänden Gelegenheit geboten, bis zum 8. Juli die bisher noch nicht ermittelten Vertreter festzustellen und zu melden. Als Austragungsorte und Gegner sind bestimmt worden:
Bayern München,
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In Köln: VpVg. Köln- Sülz In Duisburg: Preußen Krefeld Tennis- Bor. Berlin, In Hamburg: H. S. V. Dritter Vertreter von Westdeutschland( FC. 04 Schalke, Kurhessen Kassel, Borus= sia Rheine oder Schwarz- Weiß Essen),
In Frankfurt a. M.: Eintracht Frankfurt-DSC. Dresden. In Halle: Wacker Halle Dritter Vertreter von Süddeutschland( FSV. Frankfurt oder Wacker München). In Berlin: Hertha Berlin Sportfreunde Breslau.
In Breslau: SC. 08 Breslau VfB. Könisberg. In Stettin: Preußen Stettin Holstein Kiel.
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,, Gießener Zeitung"
Eine Betrachtung zu der Tragödie
am 3. Juni 1928 in Amsterdam.
Nachdem sich die allgemeine Aufregung über den Verlauf des Spieles Deutschland Uruguay einigermaßen gelegt und man an der Hand der verschiedenen Berichte aus der Feder von Augenzeugen ein getreues Abbild der Vorkommnisse gewonnen hat, ist man dazu übergegangen, tiefgründige Betrachtungen darüber anzustellen, wie für die Zukunft die Wiederholung solcher Fälle vermieden werden könnte. Ich sage ausdrücklich ,, könnte", denn alle noch so weisen und strengen Maßnahmen werden doch nicht imstande sein, die Sicherheit eines unbedingten Erfolges zu verbürgen. Man darf nämlich nicht vergessen, daß das Fußballspiel ein Kampfspiel ist und daß bei jedem Kampfspiel, mag man noch so sehr durch Gesetze, Regeln oder senstige Erlasse auf eine ritterliche Durchführung hinarbeiten, Unregelmäßigkeiten und Entgleisungen vorkommen; das liegt in der Natur, im Charakter, im Temperament der Kämpfer be= gründet.( Um Irrtümern vorzubeugen, sei betont, daß der Be= griff„ Kampf" natürlich nur mit dem Begriff„ Wettkampf" identisch ist.) Man sehe sich Rugby, Handball, Hockey, Rudern, Schwimmen, Ringen, Bogen usw. an; überall fällt mal der eine oder andere Teilnehmer aus der Rolle und vergeht sich gegen die geschriebenen und ungeschriebenen Sportgesetze in mehr oder minder auffälliger und grober Weise. Nur bringt es der ganze Aufbau eines Fußballspieles mit sich, daß gerade bei diesem Sportzweig die genannten Vergehen häufiger zutage treten als anderswo, besonders deshalb, weil sich das Spiel hauptsächlich auf Beinarbeit, d. i. auf dem Treten nach dem Ball, aufbaut und daneben das Körpergewicht zur Abwehr in die Wagschale geworfen werden darf. Innerhalb des ganzen ,, Wettkampfes" wird es daher immer zu persönlichen„ Zweikämpfen" tommen, d. h. zu Zusammentreffen zweier Gegner, die um den Besitz des Balles im wahrsten Sinne des Wortes
Von den westdeutschen Vertretern muß also der dritte auf fremdem Platz und gleich gegen den spielstarken Hamburger Sportverein antreten; da werden so leicht keine großen Lorbeeren zu ernten sein, vielmehr heißt es, sich ganz gewaltig ins Zeug legen, wenn ein immerhin ehrenvolles Resultat herausgeholt werden soll; trotzdem darf die Flinte nicht vorzeitig ins Korn geworfen werden, denn der H. S. V. ist auch nicht unüberwindlich, und wenn der Westdeutsche einen guten Tag hat, tann es vielleicht klappen, daß er sich das Recht zur Teilnahme an der Zwischenrunde erwirbt. In ihrer engeren Heimat empfängt die Spielog. Köln- Sülz, der westdeutsche Meister, ihren Gegner; hat sie also einesteils den Vorteil des eigenen Plazes und Publikums auf ihrer Seite, so hat sie dafür aber auch den süddeutschen Meister, Bayern München, sich gegenüberstehen; die Sülzer haben in der letzten Zeit ganz verschiedene Resultate erzielt, so daß man nicht weiß, woran man mit ihnen ist; also heißt es abwarten. Am 2. Juni konnte Köln- Sülz die ,, Bayern" in München mit 4: 2( 1: 1) schlagen, nachdem es gegen Wor- ,, kämpfen". Solange dieser Kampf mit den erlaubten Mitteln matia Worms mit 1: 7 verloren und gegen VfR. Heilbronn mit 1: 0 gesiegt hatte, doch soll in der Verteidigung Schröder vom VfR. Köln unter falschem Namen in München mitgewirkt haben, ein Verfahren, das, wenn es Tatsache ist, bis zum 8. Juli wohl noch unangenehme Folgen für den Verein und den Spieler haben dürfte. Auch der zweite Vertreter des WSV., die Krefelder Preußen, erwarten in der Heimat ihren Gegner aus Berlin; Tennis- Borussia scheint nicht in solcher Form zu sein, daß die Krefelder nicht Herr über sie werden könnten; erst am 3. Juni hat sie gegen SV. Spandau mit 1: 3 verloren, u.iter Zugrundelegung der verschiedenen Faktoren, die zu Gunsten von Krefeld und zu Ungunsten von Berlin sprechen, kann man also hier mit einem Erfolg der Westdeutschen rechnen.
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ausgetragen wird, ist nichts dagegen zu sagen; im Gegenteil verleihen solche Zweikämpfe dem Spiel sogar erst den richtigen Reiz und bilden den Hauptteil des Spieles. Sobald aber einer der Kämpfer regelwidrig vorgeht, um sich in den Besitz des Balles zu setzen, oder sich unerlaubter Tricks bedient, die darauf hinauslaufen, den Gegner momentan wehrlos zu machen oder vielleicht sogar längere Zeit oder dauernd außer Gefecht zu setzen, ist natürlich von einer ritterlichen Kampfesweise nicht mehr die Rede und verliert das Spiel den Charakter eines ehrlichen Wettkampfes. Solche Trids haben 3. B. Spieler von Uruguay gegen die Deutschen angewandt: sie traten ihnen im Vorbeilaufen wider die Knöchel, sie liefen neben ihnen her und stellten ihnen im geeigneten Moment den Fuß auf den Fuß, sie
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famen hinter ihnen her und traten ihnen ebenso auf den Absatz usw. Und darin hatten sie wie schon die Argentinier vorausgesagt hatten! eine solche Uebung und Gewandtheit, daß der Schiedsrichter diese Schliche nicht bemerkte und das Publi fum sie erst recht aus der Entfernung nicht leicht bemerken tonnte. Auch sonst waren die Südamerikaner bei ihren„ Bedipulationen" nicht gerade zart und wählerisch; davon wiesen die Körper der deutschen Spieler nachher die deutlichsten Spuren auf. Durch eine solche Behandlung wurden die deutschen Spieler natürlich benachteiligt und auch gereizt, besonders diejenigen, auf die man es in erster Linie abgesehen hatte. Und daraus erklärt es sich denn auch, daß einzelne, als sie sahen, daß sie vom Schiedsrichter keinen Schutz und kein Recht zu erwarten hatten, sich soweit vergaßen und persönlich Vergeltung übten. Es ist festgestellt, daß die Deutschen nicht mit den Regelwidrigkeiten angefangen haben, sondern daß die Gegner, als sie merkten, daß die deutsche Elf in guter Form war, systematisch darauf ausgingen, durch versteckte unfaire Tricks die Deutschen zu schwächen und zu Regelwidrigkeiten zu reizen; und das haben sie erreicht. Die Deutschen gingen in die Falle und lie= ßen sich zu Exzessen hinreißen; da hatten die Uruguayer gewonnenes Spiel; sie stellten sich als die Märtyrer hin und setzten beim Schiedsrichter durch, daß vor allem Kalb vom Plaze mußte;
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nachher bei Hofmann- Meerane dasselbe Manöver. Es ist menschlich leicht zu erklären, daß beim Fußballspiel Entgleisungen vorkommen; dabei sprechen, wie schon eingangs gesagt, Charakter und Temperament der Spieler mit. Die Entgleisungen der beiden Deutschen in Amsterdam fallen schwer ins Gewicht, namentlich in Anbetracht der Bedeutung und Größe der Veranstaltung, und wenn man auch mit Rücksicht auf die herausfordernde Spielweise der Gegner und das Versagen des Schiedsrichters vor dem auch schon vorher gewarnt worden war!- mildernde Umstände walten lassen will, so ist das Vergehen der beiden doch immer verwerflich; verwerflich deswegen, weil ihnen die Selbstbeherrschung fehlte und dies ein Defizit in der sportlichen Einstellung und Erziehung ist. Die beiden Spieler haben dieses Manto auch schon früher bekundet, und der DFB. hatte nicht Unrecht, als er Zweifel hegte, ob er sie in Amsterdam aufstellen sollte. Das Debut gegen die Schweiz wird ihn dann doch wohl zu dem Entschluß gebracht haben, den einmal beschrittenen Weg fortzusetzen. Der zweite Versuch schlug aber fehl und der deutsche Fußballsport erlitt eine Einbuße an Ansehen und Wertung. Das ist eine Lehre für die Zukunft. Der DFB. wird sicher für seine Länderwettkämpfe keine Spieler mehr heranziehen, die ihm in Bezug auf ihre sportliche Einstellung nicht die Gewähr für allerbestes Abschneiden bieten.
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