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Nr. 72.

Mittwoch,

Mittwoch, den 12. September 1928.

Lokales.

Straßensperrungen,

mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil- Club E. V., Gießen. Die Strecke Engelrod- Hörgenau der Straße Gießen- Fulda ist ab 12. d. M. bis auf weiteres für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Helpershain- Dirlamen, für den Durchgangs­verkehr Alsfeld.

Die Sperrung der Strecke Ruppertenrod Ermenrod im Zuge der Straße Gießen Grünberg- Alsfeld ist ab 9. d. M. wieder aufgehoben.

Straßensperrung. Wegen Vornahme von Straßenbauarbei­ten wird die Bahnhofstraße zwischen Schanzenstraße und Kap­lansgasse vom 13. September 1928 auf 14 Tage für allen Fahr­verkehr gesperrt.

* Dienststunden des Polizeiamts für den Publikumsverkehr ab 15. September sind von 8 Uhr vormittags bis 12% Uhr mittags und von bis 6 Uhr nachmittags. Samstags von 8-12 Uhr mittags. Für Samstagnachmittags ist in der Zeit von- Uhr ein Eildienst eingeführt, bei dem aber nur Anträge, die unaufschiebbar sind, erledigt werden können.

, Gießener Zeitung"

50 Jahre Gesangverein Heiterkeit" Gießen.

,, Grüß Gott, mit hellem Klang...". Im Schmucke zahlreicher Fahnen begrüßten Gießens Stra= ßen die zahlreichen Gäste, die schon am Samstag, den 8. Sep­tember, herbeigeeilt waren, um Teil zu haben an dem Jubel­feste eines der angesehensten Gießener Gesangvereine. Heiß wie im Juli brannte die Sonne vom blauen Himmel und trieb die von der Reise angegriffenen Sangesfreunde zum edlen ,, Gerstensaft".

* In den Ruhestand versetzt wurde der ordentliche Pro­fessor der medizinischen Fakultät an der Landesuniversität Geh. Med.- Rat Dr. Paul Martin auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober 1928 an..

* Um den Milchpreis. Die Landwirte berufen auf den 14. September eine Versammlung in das Hotel Trapp in Friedberg ein, um über die Festsetzung des Milchpreises zu verhandeln.

*

Die Mitglieder der, Heiterkeit" aber hatten sich am Nach­mittag in schöner Pietät, soweit sie abkömmlich waren, zum Neuen Friedhof begeben, um der im Weltkrieg gefallenen Brü­der zu gedenken. Es sind dies die Mitglieder:

Musizieren durch umherziehende Musikanten in Wirt­schaften. In letzter Zeit wurde die Wahrnehmung gemacht, daß in Wirtschaften musikalische und gesangliche Darbietungen ge­bracht werden, ohne daß die Musikanten im Besitz der hierzu erforderlichen polizeilichen Erlaubnis sind. Anschließend an diese Darbietungen erfolgt in der Regel unter den anwesenden Gä­sten eine Sammlung. Duldet der Wirt eine solche Veranstaltung, so macht er sich strafbar.

Karl Loos, Karl Schmidt, Georg Rosar, Ernst Enders, Georg Lenz, Chr. Schuler, Ernst Seth, Adolf Seibert und Ludwig Becker,

denen zu Ehren nach dem Choral Jesus, meine Zuversicht" und dem Gesangsvortrag der Sänger Hier winket selige Ruhe" Herr Pfarrer Becker ergreifende Worte des Gedenkens sprach. Das Lied vom ,, guten Kameraden" und der Choral Wie sie so sanft ruhen" schloß die erhebende Feier.

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Weiterhin sprachen noch Herr Bürgermeister Dr. Seib für die Stadt. Seine Worte: ,,... Die Sänger seien die angenehm­sten Bürger einer Stadt" lösten besonderen Beifall aus. Lehrer Gengnagel- Grünberg sprach als 1. Vorsitzender Lahntalsängerbundes und dann die schier endlose Reihe der Vereinsvertreter, die ihre Glückwünsche und ihre Geschenke zum Teil mit einem Chorvortrag überbrachten. Es waren dies die Vereine: Konkordia Gießen, Liederkranz Gießen, Bauersche Ge­sangverein Gießen, Freiwillige Feuerwehr Gießen, Sängerver­einigung Lollar, Kasseler Sängerfranz Westend, Grünberger Sängerkranz, Liedertafel Marburg, der Verein der 116er Gie­ßen, Amicita Gießen, Kapallerieverein Gießen, Ortsgewerbe­verein Gießen, Frohsinn Lich, Frohsinn Gießen, Liederkranz Dillenburg, Männergesangverein Wezlar, Frohsinn- Langgöns, Gesangverein Herborn, Gesangverein Weilburg, Gesangverein Union Wetzlar usw.

Straßenbahn auf Straßenbahn rollte am Abend zum Trieb und schaffte die Tausenden zur Volkshalle, in welcher die ,, Hei­terkeit" ihr Jubiläumskonzert mit anschließendem Kommers hielt.

Ueber hundert Sänger des festgebenden Vereins scharten sich um ihren verdienstvollen Chormeister Schättler und boten ihren dankbaren Zuhörern Männergesang in erstaunlicher Vollendung. Nach einem Einleitungsvortrag der Kapelle Weller Gießen ka­men drei Schubert'sche Chöre zum Vortrag: Heilig ist der Herr", Die Nacht und Der Gondelfahrer"; letzterer mit Be­gleitung des Dichesters zeigte ganz besonders, wie viel Arbeit geleistet, wie viel Können aber auch im Chor vorhanden ist.

* 70. Geburtstag eines Gelehrten. Der ordentliche Professor der Chemie an der hiesigen Universität, Geheimrat Dr. Elbs, fann am 13. September seinen 70. Geburtstag begehen. Seit Herbst 1913 hat er hier den Lehrstuhl für Chemie und die Lei­tung des chemischen Laboratoriums an der Landesuniversität inne. Geheimrat Elbs kann auf eine außerordentlich fruchtbrin­gende wissenschaftliche Arbeit zurückblicken, die seinen Namen weithin bekannt gemacht hat. Aus seiner Schule sind zahlreiche glänzende Forscher und Praktiker der Chemie hervorgegangen.

Aus Nah und Fern.

Bad Nauheim. Der Verband hessischer Schulgeographen hält hier am 27. und 28. Oktober seine Hauptversammlung ab.

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Es war ein Genuß, die gesanglichen Darbietungen all dieser Vereine mit einander vergleichen zu können, die verschiedenen Auffassungen der Chorleiter, das wechselnde Stimmenmaterial und das Ergebnis, zu dem man kommen mußte, war, daß die edle Sangeskunst in unserer engeren Heimat auf ganz beachtlicher Höhe steht. Es war ja vorgekommen, daß sich der eine oder an= dere Verein ein wenig zu viel vorgenommen hatte und seine schweren Chöre mit reichlich geringer Besetzung zum Vortrag brachte; aber auch in diesen Fällen erkannte man den lobens­werten Eifer an.

Die Jos. Werth'sche Ballade ,, Walter v. Birbach"- schon einmal von der Heiterkeit" beim Wertungssingen auf dem Lahntalsängerfest in Kirchhain mit großem Beifall vorgetragen zeigte dann auch diesesmal wieder, daß selbst schwerste Chöre in formvollendeter Weise von der Heiterkeit" bewältigt wer­den. Drei Volkslieder: In einem fühlen Grunde", ,, Die Dros­sel singt, ein Posthorn klingt und Nur die Hoffnung feſtge­halten" zeigten die Vielseitigkeit des Chores, der es verstand, in diese schlichten Melodien viel Jnnigkeit und Seele hineinzu­legen. Mit dem Schlußlied ,, Friedrich Rotbart" v. Podbertsky wuchs Sängerschar und Orchester unter der Leitung des Herrn Schättler zu einem Klangförper zusammen, der diesen Vortrag zum besten des ganzen Abends machte.

Schotten. Seinen Verlegungen erlag am Dienstag im Krankenhaus in Gießen der Motorradrennfahrer Engler. Der erst 32 Jahre alte Rennfahrer zog sich am Sonntag auf der Opelbahn eine Verätzung von Speiseröhre und Magen zu.

Unter- Seibertenrod. In der Sonntagnacht weckte man den Landwirt Horst von hier und berichtete ihm, daß sein Sohn vom Motorrad gestürzt sei. Der 20jährige Mann war in der Dunkelheit in ein angeblich unbeleuchtetes Fuhrwerk gefahren. An diesem Sturz ist der Bedauernswerte noch in der Nacht ge= storben.

Es war spät in der Nacht, als Festgeber und Gäste sich für wenige Stunden trennten.

Flotte Märsche des Orchesters leiteten dann zum Festtom= mers über. Zunächst ergriff der Vorsitzende des festgebenden Vereins das Wort zur Begrüßung der Versammelten. Herr Heinrich Weber führte u. a. folgendes aus:

Lauterbach. Vor einigen Tagen erkrankten in Sickendorf, Angersbach, Stondorf, Hergersdorf, Brauerchwend, Reuters und Almenrod eine Anzahl Personen. Die Erkrankungen wer­den auf Wurstvergiftung zurückgeführt durch Wurst, die ein Metzger und Gastwirt in Wallenrod gelegentlich einer Tanz­musik verkaufte. Die Erkrankten befinden sich alle auf dem Wege der Besserung.

Büdingen. Die städtische Marktkommission hat beschlossen, den wohlbekannten und für das südliche Oberhessen sowie die angrenzenden preuß. Teile bedeutungsvollen Büdinger Gallus: markt in diesem Jahre am 21., 22. und 23. Oftober abzuhalten.

Mainz. Am Sonntag verstarb hier Generalleutnant Ex­zellenz Richard Freise im Alter von 71 Jahren. Er war vor dem Kriege längere Zeit Batteriechef im Feldartillerieregi­ment 27 in Gonsenheim.

Ufingen. Dienstag vormittag gegen 11 Uhr wurde auf der Strecke Usingen- Grävenwiesbach auf einem Bahnübergang die 75 Jahre alte Frau Katharina Moses aus Heinzelberg von einer Lokomotive eines Personenzuges tödlich verletzt.

Marburg. Nachdem schon vor einigen Wochen die Ge= meindevertretung von Ockershausen der Eingemeindung nach Marburg zugestimmt hatte, nahm auch die Marburger Stadt­verordnetenversammlung nach einem eingehenden Bericht den Vertragsentwurf an. Die Eingemeindung wird den Etat der Stadt Marburg in den nächsten Jahren mit 20 000 Mark be­lasten. Die endgültige Entscheidung liegt nunmehr bei dem Ministerium

Eisenbahnunfall bei Limburg.

Jeder Zug am Sonntag morgen brachte neue Sänger, die mit ihren Fahnen voraus zum ,, Schipkapaß", zum ,, Boller", zum ,, Hessischen Hof", zum Dippel" usw. usw. zu ihren Standquar­tieren zogen. Ueberall in der Stadt hörte man fröhlich improvi­sierten Männergesang. Und getreu dem wahren Wort:

Wo man singt da laß dich ruhig nieder, Böse Menschen singen keine Lieder! saßen die Sänger nirgends allein, sondern eine Schar frcu­diger Zuhörer konnte nie wegfinden.

,, Hochverehrte Festversammlung! Liebe Freunde und Sangesbrüder! Nachdem die letzten Töne des Konzertes verklungen sind, darf ich Sie von hier aus zu unserem Jubelfeste herzlich willkommen heißen. Ich begrüße be= sonders die Vertreter des hessischen Staates und der Stadt Gießen, Herrn Schulrat Hassinger- Darmstadt und Herrn Bürgermeister Dr. Seib, des weiteren zwei Sangesbrüder aus Berlin, die als Vertreter des Berliner ,, Sängerkranzes" hier weilen. Der Besuch des heutigen Abends beweist, daß Sie die Liebe zur Heiterkeit" bewahrt haben.

Limburg. Dienstag mittag ereignete sich kurz vor der Sta­tion Balduinstein ein Zugunglück. Der von Limburg kommende Personenzug entgleiste kurz vor dem Bahnhof. Der Sachschaden ist beträchtlich. Personen sind nicht verunglückt

Um 2 Uhr nachmittags setzte sich vom Oswaldsgarten der Festzug in Bewegung. Es war ein stattlicher Zug, der sich auf der im letzten Augenblick geänderten Marſchroute uns Gießenern zeigte. Die ,, Heiterkeit" führte die ihr zum Geburts­tag gestiftete Fahne, noch von der Hülle umschlossen, auf einem geschmackvollen Festwagen mit sich. Auch der Lokomotivführer­Gesangverein führte einen Festwagen im Zug, auf dem bas Volkslied ,, Am Brunnen vor dem Tore" versinnbildlicht war. Es waren nahe 50 Vereine, die sich an diesem Festzuge mit ihren Fahnen beteiligten. In der schon inzwischen überfülten Voltshalle angekommen, fand der Höhepunkt des ganzen Festes, die Weihe der neuen Fahne der Heiterkeit statt. Brausend scholl Mozarts ,, Weihe des Gesangs" vom Chor der ,, Heiterkeit" unter der Leitung des Herrn Schättler meisterhaft vorgetragen, durch die weite Halle. Lauter Beifall dankte den Sängern.

50 Jahre Heiterkeit"! Keiner der Gründer hat wohl geglaubt, daß der Verein solch eine Ausdehnung erleben würde. Es ist eine ganze Reihe verdienstvoller Vereins­leiter und Dirigenten, die den Verein zu dem gemacht ha­ben, was er ist einem der angesehenſten Gießener Ver­eine. In Dankbarkeit sei hier der noch lebenden Gründer: J. Gilbert, H. Seidewand und H. Steinhäuser gedacht. Aber was uns allen diese Heiterkeit" so lieb und wert macht, das ist das deutsche Lied und der deutsche Männersang, die wir in ihr pflegen, und so soll es bis in alle Zukunft bleiben. Diesen beiden, dem deutschen Lied und dem deut­schen Männersang, wollen wir treu bleiben, denn sie sind die stolzesten Blüten im deutschen Garten.

Drum töne voll im deutschen Klange

du deutsches Lied!

In fast dreiviertelstündiger Ansprache entledigte sich dann Herr Schulrat Hassinger in meisterhafter Form der Weiherede. Durchdrungen von Heimatgefühl und Vaterlandsliebe forderte der Redner von jedem Deutschen Mitarbeit am Wiederaufbau unseres Vaterlandes und weiter Einigkeit und Opfersinn von allen. An keiner anderen Stelle könne man das jedem einzel­nen Deutschen so eindringlich ins Gewissen rufen, wie bei einer Fahnenweihe. Denn wenn eine solche Feier nicht Opfersinn und Hingabe an das Ganze auslöst, hat sie ja teinen inneren Wert. In diesem Sinne weihte er die Fahne mit den Schlußworten:

Im Anschluß an die beifällig aufgenommenen Ausfüh­rungen des Vorsitzenden nahm derselbe die Ehrung einer Reihe verdienter Mitglieder vor. Der 2. Vorsitzende des Vereins und gleichzeitige Vorsitzender des Lahngau im Hess. Sängerbund, Herr Emil Koch, wurde für 30jährige aktive Mitgliedschaft mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet, desgleichen Herr Franz Otto. Zu Ehrenmitglieder wurden die Mitglieder A. Münch, K. Hedmann und G. Sonntag ernannt, der erstere außerdem für 25jährige Aktivität mit der silbernen Ehrennadel mit Diplom bedacht. Herr Emil Koch dankte im Namen der Geehrten.

,, So weihe ich denn die Fahne ihrem heiligen Beruf. Möge sie alle, die hinter ihr herschreiten, begeistern, ihre Kräfte einzusetzen für Heimat, Sangeskunst und Vater­land, möge sie sein und bleiben ein Symbol der Einigkeit, des Rechts und der Freiheit.

Mit dem Gelöbnis, sie heilig zu halten in guten und in schweren Tagen, übernahm der erste Vorsitzende der Heiterkeit" dann die geschmückte Fahne von der Sprecherin der Stifterinnen, Frau Schwender, und gab sie an den Fahnenträger, A. Schnei­der weiter, der das Versprechen ablegte, sie zur Ehre des deut­schen Liedes und des deutschen Vaterlandes zu tragen.

Im bunten Wechsel folgten nunmehr Gesangsvorträge be= freundeter Vereine, Ansprachen, turnerische Vorführungen und Musikvorträge. Aus der Reihe der Ansprachen und Gratulatio­nen sei besonders die des Regierungsvertreters, Herrn Schulrat Hassinger, hervorgehoben, der der Heiterkeit" als Präsent der hess. Regierung ein Schubertbild mit eigenhändiger Wid­mung des hess. Staatspräsidenten überreichte. Er führte da= bei aus:

Kein Zusammenschluß von Ober- und Niederingelheim. Niederingelheim. In der am Montag abgehaltenen Ge­meinderatssitzung kam es zu einer scharfen Aussprache über die Eingemeinung zwischen Nieder- und Oberingelheim. Der Bür­germeister Muntermann trat für die Eingemeindung der bei­den Orte ein und hob die großen wirtschaftlichen Vorteile her­vor. Mehrere Gemeinderatsmitglieder wandten sich gegen seine Ausführungen und machten ihm den Vorwurf, ohne Fühlung mit dem Gemeinderat mit Oberingelheim und der Regierung verhandelt zu haben. Es wurde aufs schärfste abgelehnt, daß der hessische Innenminister zu einem Besuch nach Ingelheim eingeladen werden solle mit dem Zweck, die Verhandlungen zu erleichtern. Die Sizung wurde so stürmisch, daß der Bürger­meister zum Schluß vor fast leeren Sigen sprach.

,, Das deutsche Lied", gesungen von der Heiterkeit, schloß den Weiheakt.

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Auch im Anschluß an diesen Festakt, fanden sich auf der Bühne eine ganze Reihe von Gratulanten ein, die z. T. recht wertvolle Angebinde für die neue Fahne überreichten.

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Inzwischen hatten sich dann auch die Teilnehmer( Mitglieder der dem Lahngau des Hess. Sängerbundes angehörenden 75 Ver­eine) des Massenchors gesammelt. Unter straffer Leitung des Gauchormeisters Kasten wurde Kreutzers ,, Schäfers Sonntags­lied" und der bekannte Abschied vom Walde" von Mendel­sohn- Bartholdy zum Vortrag gebracht. Ueberwältigt lauschten die Zuschauer dieser Fülle des Klanges, und ein jeder spürte die Macht, die im Gesang liegt.

,, Wir sind in dieser Stunde noch den Männern zu Dank verpflichtet, die den Grundstein zu der Heiterkeit legten. Einem Verein, der bisher in Gießen eine bedeutsame Rolle hat spielen dürfen. Der hessische Staat erkennt das wert­volle Schaffen dieses Vereins an und übermittelt seine Glückwünsche und als äußeres Zeichen seiner Anerkennung ein Bild. Desgleichen übermittele ich Ihnen die Glück­wünsche des Herrn Ober- Reg.- Rat Dr. Heß von der Pro­vinzialverwaltung. Darüber hinaus bringe ich Euch die Grüße des Hessischen Sängerbundes, dem 35 000 Sänger angehören."

Herr Schulrat Hassinger schloß mit dem Appell an alle Sangesbrüder, alle Kräfte zusammenzufassen und die noch Ab­seitsstehenden heranzuziehen zum Wohle von Heimat, Sanges= funst und Vaterland.

Dankbar belohnte das Auditorium die wirkungsvollen Dar­bietungen.

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Leider ließ sich die Feststimmung nun nicht mehr unter­drücken, es wurde nach und nach so unruhig im Saal, daß die Gesangsvorträge der 14 befreundeten Vereine, trotzdem sie alle ihr bestes gaben, oft ohne Wirkung verhallten. Nach Abwicklung des Programms ergriff der Vorsitzende des Lahngau des H. S. B. Herr Emil Koch, noch die Gelegenheit, dem Sänger K. Thiel­mann für 50jährige Zugehörigkeit zur Sängervereinigung Lol­lar den Ehrenbrief des Deutschen Sängerbundes überreichen. Mit Worten des Dankes für all die Zeichen der Freund­schaft eröffnete am Abend der 2. Vorsitzende, Herr Emil Koch, den letzten Teil der Feier. Musikalische, radsportliche, turnerische und tänzerische Vorführungen sorgten für Unterhaltung und Abwechslung. Bis dann endlich die Bühne frei war und von Jung und Alt in ausgiebigſter Weise der Göttin Terpsichore ge­huldigt werden konnte.

Als Uebergang in den grauen Alltag war für den Montag ein Familienausflug der Heiterkeit" auf die Karlsruhe" ein­geschoben, der prachtvoll verlief.

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