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Donnerstag den 5. Juli 1928.

Fußball.

,, Gießener Zeitung"

Surnen, Sport und Spiel.

Universitätssportfest.

Universität VfB. 2: 4( 2: 2).

Am gestrigen Sonntag widelten sich auf dem Universitäts­pertplatz glatt und reibungslos die leichtathletischen Wettkämpfe der hess. Landesuniversität ab. Mit außerordentlich gutem Menschenmaterial wartete vor allem die Korporation Fran­lonia" auf, die u. a. bis auf die Olympische Staffel alle Staf= feln gewann. Die Olympische Staffel ließen sich die ATV. Rheinfranken nicht nehmen. Die L. C. Korporation ,, Chattia" belegte nach diesen die 2. Plätze.- Wenn man auch den Rücken­wind in Betracht zieht, ist die Zeit von 11 Sef.( 10,9 Sef. im Vorlauf) die Geist im 100- m- Lauf herausholte, als sehr gut zu bezeichnen.

Nach der flotten Abwickelung des Programms stellten sich die Universitätsfußballmannschaft der Liga des VfB. zu einem

Trainingsspiel.

Die von Sonne und Wind beeinträchtigten VfB.er zogen in diesem Spiel für die ersten 25 Minuten unbedingt den kür­zeren. Denn trotzdem die Universität ohne Adelberger, Schwarz und Geist spielte, führte sie ein derart schönes Kombinationsspiel vor, daß in diesen 25 Minuten die Ligisten zwei Tore minus zu verzeichnen hatten. Beide Tore waren für Bingel unhaltbar. Besonders das 2. Tor von Lohrbacher( Üniv.) war ein Pracht­schuß von weit, weit her. In der Universitätsmannschaft läßt vor allem in der Läuferreihe der Eifer nach. VfB. gewinnt an Feldstärke und glich durch Kreß und Böttiger aus.

Mit dem Ergebnis 2: 2 ging es in die Halbzeit. Mit an­nähernder Ausgeglichenheit kämpften die beiden Mannschaften weiter. Aber schon 10 Minuten später baute die Universität ganz ab und VfB. wurde weit überlegen. Brambach( Univ.) im Tor hatte viel zu tun, entledigte sich jedoch seiner Aufgabe mit großem Geschic, mußte allerdings doch noch zweimal den Ball aus dem Netz holen.

Die Besten in der Universitätsmannschaft waren: Brambach im Tor, Hohmann als linker Verteidiger, Lohrbacher als Mittel­läufer und Bandle als Halblinker. Der Rest konnte nicht durch­halten, das Training fehlt.

Nachdem der VFB. sich erst gefunden hatte, zeigte er gleich­mäßig gute Leistungen. Auffallen mußte nur der Linksaußen Krez durch sein energieloses und wenig gutes Spiel.

Der Gesamteindruck des Uebungsspieles war ein durchaus guter. Es wurde sehr fair gekämpft, so daß der Schiri Schäfer­Gießen wenig einzugreifen brauchte. Auch er entledigte sich jeiner Aufgabe ohne Beanstandungen, wenn er auch einmal Sandspiel übersah.

Aus Aßlar.

Wer sehen wollte, wie schwer es ist, sich vom Fußball zu tren­nem, der mußte sich am vergangenen Samstag das Wochenend= spiel( übrigens eine moderne Erscheinung) in Aßlar ansehen. Die Ortsgruppe der Schiri- Vereinigung Weglar hatte wieder ein mal großen Mut und glaubte, ihr Können gegen die spiel­jtarten VfB.er aus Aßlar unter Beweis stellen zu können. Aber erstens fommt es anders und zweitens als man denkt. Die Schiedsrichter, die sich bestimmt vorgenommen hatten, so einen tleinen Sieg zu landen, haben sich beim Schlußpfiff bitter ge­iäuscht. 9: 1, eine bittere Abfuhr buchten sie in den Analen der Schiri- Vereinigung Wezlar.

Das Spiel selbst hatte nicht das gebracht, was man sich von ihm erhofft hatte. Es hatte nicht im Sinne der Schiri gelegen, das Spiel zu einem Kampfspiel zu gestalten, sondern es sollte nur eine Demonstration der Alten Herren sein, die sich nicht mehr wie die jungen, tatendurstigen Jungmannen, in den Kampf stürzen. Um es aber ganz kurz zu sagen, viel technisches Können war bei den Schiris nicht mehr vorhanden, und trotz des recht guten Torhüters von Aẞlar mußte die hohe Niederlage so zahlenmäßig zum Ausdruck kommen. Doch mit einem unverwüst­lichen Stehvermögen wurde der zweite Akt der Wochenendpartie begonnen. Man muß es den Aßlarern schon lassen, diesmal war im Gegensatz zum vergangenen Jahr alles prima vorbereitet. Für des Leibes Nahrung war Vorsorge getroffen, für Unterhal­tung bestens gesorgt, und so konnte es nicht ausbleiben, daß das Spiel mit seinem Ausgang überhaupt nicht mehr in Erwägung gezogen wurde. Dafür aber durften sich die Weglarer Pfeifen­männer überzeugen, daß die Aßlarer nicht nur einen Fortschritt in spielerischer Hinsicht zu verzeichnen haben, sondern auch sehr gut verstehen, ihren Gästen recht angenehme Stunden zu be­reiten. Recht kernige Worte sprach, der derzeitige Führer des Vereins, Herr Geuß, und es ist dem Verein nur zu wünschen, daß er diesen Mann am Steuer behält. Der Schiri- Häuptling,

Henkel Wetzlar sprach für die Schiri. Der Gau- Obmann Klier, der auch seine Nase überall haben muß, für die Be­wegung im allgemeinen. Wenn all die schönen Worte auch auf den Boden gefallen sind, die sie zu ihrer Verwirklichung brauchen, dann braucht es uns um unsere Sportbewegung nicht bange zu sein. Eine Tombola bescherte noch so manchen mit brauchbaren( wenn auch das Glück die Gewinne manchmal in recht drastischer Weise verteilte) Geschenken. Ein kleines Tänz­chen, wenn auch offiziell verboten, versöhnte die Alten Herren mit ihren besseren Ehehälften, die doch so oft alleine ihre Sonn­tag- Nachmittage verbringen müssen. Ein Dorshumorist sorgte für den unterhaltenden Teil und wurde in seinem Reportoir von dem stetigen als Ersatz- Schiri Voceroth u. Frau Schiri­häuptling Henkel trefflich unterstützt. Als Eintage gabs eine Massengratulation, die Herrn Geuß galt, der sein 45. Wiegen­fest im Kreise seiner Sportkameraden verbrachte. Der Gau= obmann Klier fand passende Worte für den Jubilar und die= ser war sichtlich bewegt, als sich alle seine Getreuen meldeten, um durch einen kräftigen Händedrud zu beweisen, wie sie mit ihrem Führer fühlen, daß dadurch die Stimmung nicht schlechter wurde, ist erklärlich. Nur allzu rasch nahte der Abschied für die Gäste. Mit Worten des Dantes für die Gastfreundschaft, mit dem Hinweis auf immer besseres Verständnis von Verein zur Instanz und letzten Endes für alle die Führer, die sich in der Bewegung an leitender Stelle befinden, entbot Herr Klier den Gastgebern ein fröhliches Wiedersehn. Auf Schusters Rappen begab sich eine kleine Gruppe auf die 6 Kilometerstrecke. Zu einer Bestleistung ist es allerdings nicht gekommen. An dieser Stelle aber im Namen aller Gäste herzlichen Dank für die freund­liche Aufnahme und die schönen Stunden in Aßlar. Hans,/ du Ein Schwäger. warst glücklich!

Handball und Leichtathletik. Gau- Athletik- Meisterschaften

auf der Spilburg in Wehlar.

Umstände verschiedenster Art taten den diesjährigen Gau­meisterschaftskämpfen nicht unwesentlich Abbruch. In Weylar war Schützenfest, in Gießen Regatta und Universitätssportwett= kämpfe. Alle drei Veranstaltungen hielten nicht nur viele Zu­schauer, sondern aus Gießen auch eine ganze Reihe der be­fähigsten Wettkämpfer zurück. Wenn das Umstände sind, die der Veranstalter nicht beeinflussen kann, so schien der Rest der Veranstaltung ein Opfer der rührigen" Wetzlarer Leichtathle= ten werden zu wollen. Trotz der einwandfreien, verbandssei­tigen Vorarbeiten, hatten sich in Wetzlar nicht genügend, hel­fende" Hände finden lassen, um Plazaufbau und Gerätebeschaf­fung reibungslos abzuwideln.

Aber davon wird der Außenstehende hoffentlich nicht mehr wie nötig gemerkt haben.

Die Kämpfe selbst wurden fast ausschließlich zwischen Gießen und Wetzlar ausgetragen. Besondere Zeiten wurden nicht ge= laufen, bis auf Müllers- 1900 200- m- 3eit von 23 Set. Die erſt­malig ausgetragene Meisterschaft im Hammerwerfen wird hof­fentlich dazu beitragen, diese außerordentlich wertvolle Uebung im Gau ein wenig mehr einzubürgern.

Vertreten war ca. 9 Vereine, die die 18 Konkurrenzen mit folgenden Ergebnissen austrugen:

100 m: 1. Müller, D.- 1900 11,9 Sef.; 2. Webermeier- 1900 12 Sef.; 3. Zerndt- SpV. Weylar 12,1 Sef.

200 m: 1. Müller, D.- 1900 Gießen 23 Sef.; 2. Zerndt- W. Sp. 24 Gef.; 3. Schwab- 1900 24,8 Get.

400 m: Philipp- VfL. Wezlar 54,9 Sef.; 2. Seifert- 1900 55,1 Gef.; 3. Hertstein- SpV. Wezlar 56 Sef.

800 m: 1. Gelbert- 1900 Gießen 2: 22,1 Min.; 2. Wolf- SpV. Wet­lar 2:24 Min.; 3. Birkenstoc- 1900 2:26 Min. 1500 m: 1. Wambach- FC. Werdorf 4:40 Min.; 2. Koch- Grünberg 4:46 Min.; 3. Diezel- SpV. Wetzlar 4:54 Min.( Eine be­achtliche Leistung des jungen Werdorfers.)

3000 m: 1. Bambach- SpV. Weylar 10:58 Min.; 2. Bärwinkel­SpV. Weylar 11:02 Min.; 3. Wambach- FC. Werdof 40 m zurück.

Kugelstoßen: 1. Mohl- VfB. Gießen 12 m; 2. Koch- VfL. Wehlar 11,43 m; 3. Frey- 1900 Gießen 10,61 m. Distuswerfen: 1. Mohl- VfB. Gießen 34,66 m; 2. Frey- 1900 32,78 m; 3. Philipp- VfL. Wetzlar 30,12 m. Hammerwerfen: 1. Birkenstod- 1900 Gießen 24,30 m; 2. Moh!- VfB. Gießen 23,20 m; 3. Marsthaler- SpV. Wetzlar 23,05 m. Speerwerfen: 1. Koch- VfL. Wetzlar 40,06 m; 2. Hopfenmüller­1900 Gießen 39,92 m; 3. Blant- FV. Weilburg 38,38 m. Weitsprung: 1. Webermeier- 1900 Gießen 6,35 m; 2. Seipp- 1900 Gießen 6,10 m; 3. Wolf- SpV. Wetzlar 5,85 m.

Nr. 54.

Hochsprung: 1. Capello- VFL. Wetzlar 1,65 m; 2. Seipp- 1900 Gießen 1,65 m; 3. Hopfenmüller- 1900 Gießen 1,45 m. Stabhochsprung: 1. Kappes- Grünberg 2,60 m; 2. Capello- VfL. Wetzlar 2,45 m; 3. Schneider- Großen- Bused 2,35 m. Dreikamps: 1. Koch- VfL. Weylar 138 Punkte; 2. Müller, D.­1900 Gießen 129 P.; 3. Hopfenmüller- 1900 120 P. und Capello- VfL. Wetzlar 120 P.

Vereinsäuftamps: 1. 1900 Gießen.

4 mal 100 m: 1. 1900- Gießen I. 46 Set.; 2. SpV. Weylar 46,5­Gef.; 3. 1900- Gießen II. 46,8 Sef.

4 mal 400 m: 1. 1900- Gießen 3: 50,2 Min.; 2. SpV. Weylar 3: 57,2 Min.

3 mal 1000 m: 1. SpV. Wehlar 9: 15,4; 2. VfB. Gießen 9: 22,2 Min.

100 m in 10,4 Sekunden lief bei den südd. Meisterschaften Geerling- Eintracht Frankfurt und ließ Dr. Wichmann 10,6 und Eldracher 10,7 sicher hinter sich. Die Zeit egalisiert die Deutsche ( Körnig) und Weltbestleistung( Paddock- USA.).

Olympiakandidaten unterliegen!

Bei den leichtathletischen Landesverbands- Meisterschaften ergab sich die erstaunliche Tatsache, daß drei von den DSB. Kandidaten für die Olympischen Spiele, die auch in der Staffel stehen, Corts, Houben und Dr. Wichmann, über 100 m glatt geschlagen wurden. Corts unterlag gegen Körnig( 10,8), und Schlößke( 10,8), Houben in 10,8 gegen Jonath( 10,6) und Dr. Wichmann in 10,6 gegen Geerling( 10,4). Diese mehrmaligen Niederlagen muß man nun wohl in Rechnung stellen.

Leichtathletische Umschau.

Die Ausbeute eines Sonntags.

In drei Wochen beginnen die Amsterdamer Hauptspiele, auj die sich mit ganz besonderer Sorgfalt unserer Leichtathleten seit Jahr und Tag vorbereiten. Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgen wir in diesen Wochen die Leistungen unserer Athleten, um zu sehen, ob und in welchem Ausmaße sie für die großen Amsterdamer Kämpfe gerüstet sind. Auch am vorletzten Sonn­tag trat wieder ein großer Teil unserer Olympiakandidaten in Aftion, und zwar in der Hauptsache bei den Ostdeutschen Kampf­spielen in Breslau und beim Länderkampf Westdeutschland­Holland in Dortmund. Die besten Leistungen sah man auch diesmal wieder in den Wurfkonkurrenzen. Paulus und Hoff­meister, die zusammen mit dem Allensteiner Hirschfeld zu un= seren hoffnungsvollsten, aber auch zuverlässigsten Kräften für Amsterdam zählen, kamen im Diskuswerfen wieder glatt auf 45 m. Zu ihnen gesellte sich aber noch ein dritter Mann, der Berliner Polizist Hänchen. Der Berliner hat in den letzten Wochen seine Leistungsfähigkeit stetig gesteigert und erreichte mit 45,72 m einen Wurf, der auch international erstklassig ist. Im Diskuswerfen haben wir also vier Leute, die in Amster­dam uns zumindest einen guten Platz sichern müßten. Jm Kugel­stoßen dagegen werden wir wohl unsere Hoffnung allein auf Hirschfeld setzen müssen, denn ein anderer deutscher Athlet ist noch nicht an die 15 m gekommen und hart an die 15 m stoßen auch eine Reihe Athleten in europäischen Ländern. Was die Amerikaner im Kugelstoßen leisten werden, weiß man noch nicht, aber ein Darany- Ungarn verbesserte am Sonntag den unga­rischen Rekord auf 14,83 m und in Paris stieß Duhours die Rugel 14,77 m weit. Das ist eine Konkurrenz, die zwar ein Hirschfeld nicht zu fürchten braucht, die aber unseren übrigen Werfern durchaus ebenbürtig ist. Bei den Springern war dies­mal Köpptes Leistung im Hochsprung mit 1,87 m die beste. In Amsterdam wird man natürlich viel besser springen. Unter den Läufen ragten die 800- m- Leistungen von Müller- Zehlendorf mit 1: 56,2 Min. und Dr. Merkel mit 1: 56,3 Min. hervor. Ganz dunkel gelagert ist zur Zeit die Situation in den Kurzstrecken. Gerade hier darf man die nächsten großen Kraftproben bei den verbands, englischen und deutschen Meisterschaften mit besonde rem Interesse erwarten. Houben wurde von Jonath geschlagen. Ist Jonath so gut, oder aber hat Houben wieder nachgelassen, das ist die Frage. Wie steht es mit Körnig? Wird er sich gegen Geerling, Dr. Wichmann und die anderen durchsetzen? Haben wir zur Zeit auf den Kurzstreden einen wirklich über­ragenden Mann? Zu diesen Zweifeln tommen dann noch die anderen, die Sorgen um Dr. Peltzer, die Fragen, ob die Büch­ner, Böcher, Kohn usw. in den Wochen bis Ende Juli ihre Lei­stungsfähigkeit noch wesentlich steigern können. Augenblicklich hat es nämlich kaum den Anschein, als könnten sie mit besonde ren Erfolgsaussichten in die Amsterdamer Kämpfe eingreifen. Verantwortlich: Paul Christian Klein in Gießen.

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