Donnerstag den 5. Juli 1928.
Gebieten der Staatsverwaltung alle Unterlagen fehlen. Im Winter 1928-29 werden voraussichtlich neue Gewerbsteuer-, Grundsteuer- und Gebäudeentschuldungssteuer- Gesetze kommen, zum 1. April 1929 ist ein neuer Finanzausgleich zu erwarten, so daß die Einnahmeseite des Voranschlags sich nicht übersehen läßt. Außerdem können die Ausgaben im Voranschlag auch durch die Vorschläge der Sparkommission beeinflußt werden. Ein warheitsgetreues Bild, wie es der Voranschlag bringen soll, läßt sich daher in den nächsten Monaten schlechterdings nicht entwerfen. Etwa notwendige Ergänzungen für unumgängliche Ausgaben sollen in einem Nachtrag zusammengefaßt werden.
Lokales.
Straßensperrungen,
mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil- Club E. V., Gießen. Die Ederbrüde in der Gemeinde Battenfeld, im Straßenzug Biedenkopf Frankenberg bezw. Winterberg, vom 2. 7. bis 14. 7.; Umleitung über Grünenwald.
In Hermannstein, im Straßenzug Wetzlar- Nauborn, vom 2.7. bis 6. 7.; Umleitung über Leun.
Bad Salzhausen- Nidda, im Straßenzug Berstadt- Nidda, bis auf weiteres; Umleitung über Geisnidda. Nieder- Wöllstadt Assenheim, im Straßenzug Berstadt- Nidda, vom 5. 7. bis auf weiteres; Umleitung über Bruchenbrücken. Nieder- Mörsen Ziegenberg, im Straßenzug Bad NauheimUsingen, vom 9. 7. bis auf weiteres; Umleitung über Niederweisel Horbach- Langenhain.
Km. 81,4 Km. 82,4, im Straßenzug Siegen, bis 14. 7. 28; Umleitung: Bahnhof Rennerod.
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Polizeibericht. Gestohlen wurden in der Nacht zum 28. Juni 1928 von der Insel der Klinkelschen Mühle auf der Lahn 5 junge lebende Hühner. Rasse: Plymouth- Rocks; Farbe: blau und weiß gestreift( schiefergrau). In der Nacht zum 29. Juni wurden in einem Hofe eines Hauses BahnhofstraßeSchanzenstraße Blumenstöcke und Tomatenstücke in roher Weise abgebrochen und beschädigt. In letzter Zeit wurden wiederholt Frauen auf dem Wochenmarkt die Geldbörsen( Portemonnai und dergl.) aus dem Marktkorb entwendet. Der Dieb, bezw. die Diebin konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden.
Einem Handelsmann aus Treis a. d. Lda. wurde am 26. Juni auf dem Viehmarkt in Gießen ein lebendes Kalb im Werte von 70 Rmt. gestohlen( gelbscheckiges Mutterkalb). Am 21. Juni wurden einem Arbeiter auf dem Bahnhof Gießen vor dem Fahrkartenschalter aus seiner Brieftasche, die er auf das Tischchen gelegt hatte, 320 Rmt. gestohlen. Am 26. Juni wurden einem Handwerksburschen, angeblich auf der Herberge, ein Rudsad mit Gärtnerhandwerkszeug und Kleidungsstücken entwendet. In der Nacht zum 29. Juni wurde ein Gartenhaus am Nahrungsberg erbrochen und nachstehende Sachen entwendet: 1 grauer Gummimantel, 1 blaue Arbeitshose, 2 Tischdecken( weiß und rosafarbig), eine Anzahl Messer, Gabeln und Löffel mit Nickelgriffen, eine Hängematte, eine Anzahl Teller, ½ Dutzend Tassen und Untertassen. Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliche Mitteilungen die zur Aufklärung dienlich sind, erbittet die Kriminalpolizei Gießen.
* Einen besonders beachtlichen und dazu noch doppelten Erfolg hat der bekanntlich sportlich sehr rege Oberhessische Automobil- Club e. V. in Gießen, der sich schon im Frühjahr ds. Js. bei der Sternfahrt zur Pressa den ersten Clubpreis sichern konnte, neuerdings wiederum gelegentlich der Zielfahrt zu dem vom 27. 6. bis 1. 7. stattgehabten Baden- Badener Automobil- Tournier errungen: Bei einer Beteiligung von 15 Wagen erzielte er den zweiten Club- Teampreis, und außerdem wurde seinem Mitglied, Herrn Dr. A. Noll in Gießen für eine Streckenleistung von 1044 Km. unter 113 Bewerbern der zweite Preis für größte Entfernung zuerkannt.
Drucksachen aller Art bezieht man am billigsten
von Albin Klein, Giessen
Das Bezirkskriegerfest in Großen Linden
des Bezirks Gießen der Kriegertameradschaft Hassia, das ge= meinsam mit dem Verbandsfest des Kriegerverbandes Hüttenberg am vergangenen Sonntag, den 1. Juli, in Großen- Linden ge= feiert wurde, hat einen sehr eindrucksvollen Verlauf genommen. Die Einwohnerschaft hatte die Häuser gut geschmückt, Guirlanden waren über die Straßen gespannt, zahlreiche Fahnen mit den alten und neuen Reichsfarben und mit den hessischen Landesfarben grüßten weithin; dazu ein wahrer Sonnentag. Kurz, es war eine Lust, beim Fest zu verweilen und den imposanten Festzug mit den mehr als 60 Vereinen und einigen schön aufgebauten Festwagen, der sich infolge seiner Länge nahe 1½ Stunde durch den Ort bewegte, an sich vorüberziehen zu sehen. Als die Spitze des Festzuges am Denkmal der im Weltkrieg Gefallenen angekommen war, machte das Ganze Halt, die Glocken läuteten, die Fahnen senkten sich und auf Minuten sprangen die Gedanken zurück in die Jahre 1914--18 und hinaus auf all die vielen Schlachtfelder, wo Millionen unserer besten Brüder ruhen. Einem kleinen Mütterlein in meiner Nähe rollten Tränen über ihre runzlichen Wangen--- Die neue Zeit fordert mehr wie vor den Krieg, den Blick darum nach vorwärts. So marschierten nach diesem ernsten Akt unter flotten Märschen und mit festem Gleichschritt die etwa 2000 ehemaligen Soldaten im Festplatz ein. Nach kurzen, herzlichen Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Großen- Lindener Kriegervereins, Herrn Ober- Telegraphensekretär Post, und des Bürgermeisters Lang übermittelte der Vertreter der Kriegerkameadschaft Hassia Herr Landgerichtsrat Trümpert, die Grüße des Präsidiums an den festgebenden Verein, der nun 50 Jahre dem Verband angehöre. Allezeit haben die Großen- Lindener Kameraden die Bestrebungen der Hassia gefördert, als sichtbares Zeichen der Anerkennung dafür überreichte er dem Verein den goldenen HassiaFahnennagel. Einen zweiten Fahnennagel überbrachte der Kavallerieverein Gießen durch dessen 1. Vorsitzenden Soldan
,, Gießener Zeitung"
Zur Vermögensbewertung.
Die Bewertungsvorschriften des Reichsfinanzministers für das zwangs- und nicht zwangsbewirtschaftete Grundvermögen lassen bekanntlich bestimmte Abweichungen von den Normalsätzen zu. Ueber deren Anwendung im Landesfinanzamtsbezirk Darmstadt wurde in einer Besprechung des Landesfinanzamts mit den Wirtschaftsorganisationen am 19. Juni in Darmstadt verhandelt.
Das Ergebnis teil der Präsident des Landesfinanzamts durch folgende Verordnung mit:
Verordnung
über die Bestimmung der Gemeinden mit abweichenden Bewertungssätzen für zwangsbewirtschaftete Grundstücke und über die Höhe der nicht aus Steuerlasten bestehenden Grundstückslasten bei nicht zwangsbewirtschafteten Grundstücken.
Auf Grund der§§ 28, 32 3iff. 1 und 2, 36 Abs. 2 der Verordnung über die Einheitsbewertung und Vermögenssteuerveranlagung 1928 vom 9. 6. 28 RBewV. StDB. 1928 vom 9. 6. 28 wird im Benehmen mit der hessischen Landesregierung verordnet:
§ 1.
Die für Mietwohngrundstücke geltenden Normalsätze nach § 26 Abs. 1 fönnen für die als besonders schlechte Lage anzu sehenden Altstadtteile der Städte Darmstadt, Mainz, Offenbach, Worms und Gießen um 10 v. H. des Wehrbeitragswertes ermäßigt werden.
§ 2.
Für die Geschäftsgrundstücke des Hotel- und Beherbergungsgewerbes können die Normalsätze nach§ 25 Abs. 1 für Bad Nauheim um 25 v. H. für Bad Salzhausen, die Kurorte Seeheim, Jugenheim, Alsbach, Auerbach und Lindenfels um v. H. des Wehrbeitragswertes ermäßigt werden.
§ 3.
15
Für sämtliche Grundstücksgruppen können in der Gemeinde Wimpfen die Normalsätze nach den§§ 24( 1), 25( 1), 26( 1) um 15 v. H. des Wehrbeitragswertes ermäßigt werden.
§ 4.
Für sämtliche Grundstücksgruppen des besetzten Gebiets sind die Normalsätze der§§ 24( 1), 25( 1), 26( 1) neben der Ermäßigung nach§ 1 dieser Verordnung um 10 v. H. des Wehrbeitragswertes zu ermäßigen.
§ 5.
Für die als nicht zwangsbewirtschafteten im Sinne der Durchsführungsverordnung anzusehenden Grundstücke kann ohne Nachweis für die nicht aus Steuerlasten bestehenden Grundstückslasten ein Betrag von 20 v. H. des jährlich im Durchschnitt nachhaltigen Rohertrags abgezogen werden.
Der Präsident des Landesfinanzamts.
Aus Nah und Fern.
n. Das voller Wuch hinten aus und traf den
Abendstern. Vorgestern trat hier ein Büroangestellter an ein Gespann von hinten heran und wollte das Pferd streicheln. jungen Mann mit gegen Brust und Leib, so daß er zusammenbrach. Man brachte den Schwerverletzten in die Gießener Klinik, aber auch die sofort vorgenommene Operation konnte ihn nicht mehr retten. Er starb am folgenden Tage.
Friedberg. In Rodheim vor der Höhe bei Friedberg verunglückte ein 17jähriges Mädchen bei dem Versuch, auf einen fahrenden Zug zu springen. Dabei geriet es unter den Zug, so daß ein Bein abgefahren wurde. Das Mädchen ist kurz nach der Einlieferung in das Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.
Büdingen. In der Nähe von Niedergründau wurde eine auf dem Felde arbeitende Bauersfrau von einem Motorradfahrer überfallei und vergewaltigt. Nach der Tat fuhr der Unhold in Richtung Langenselbold davon.
Mainz. Von der Ortskrankenkasse wird ein neues Verwaltungsgebäude errichtet, das etwa eine Million Mark erfordert. Frankfurt. Die ,, Bremen"-Flieger haben die Einladung der
aus Dankbarkeit dafür, daß die Großen- Lindener 1927 zurückgetreten waren des 1. Westdeutschen Kavalleristentages wegen. Die in diesem Fahnennagel eingravierten Worte lösten unter den Gästen viel Beifall aus. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt bei der Festrede des Bezirksvorsitzenden Professor Dr. Krämer- Gießen. Das alte Große, die ruhmreiche Vergangenheit müssen und sollen wir nie vergessen und den starken deutschen Geist aus jener Zeit des Aufstieges brauchen wir heute mehr denn je, um in der neuen Zeitströmung den Wiederaufbau unseres Vaterlandes erfolgreich durchführen zu können. Die Liebe zum Vaterland, die Freiheit und das Recht, sie sollen eines jeden Deutschen Wertvollstes sein. Der Vorsitzende des Hüttenberger Kriegervereins unterstrich die Worte der Vorredner und ermahnte auch im Namen seines Verbandes, immer treu zur Kriegervereinssache zu halten, so wie der Kriegerverein Großen- Linden nun schon 50 Jahre zum Hüttenberger- Verband stehe. Sein Hoch auf die deutsche Kameradschaft fand lautesten Widerhall. Die nun folgenden Vorführungen des GroßenLindener Reitervereins, der beiden Gesangvereine„ Germania" und„ Harmonie" und des Radfahrervereins zeigten gute Leistungen und trugen zur Hebung der Feststimmung mit bei. Am allermeisten tam aber die Freude des Wiedersehens der Kameraden zum Ausdruck. Dort waren es Altveteranen, die schon die 80 hinter sich haben, hier waren es Kameraden, die draußen im Weltkrieg Schulter an Schulter gestanden haben. Herzlich drückten sie sich die Hände und tauschten liebe Worte ob des Wiederschens aus. Der stille Beobachter hierbei kam zu der Ueberzeugung: daß Kriegerfeste im engeren und größeren Verband doch ihre Berechtigung haben. Die Musik spielte, der Tanz setzte ein und so vergingen die schönen Nachmittagsstunden. Fast rührend war es mitanzusehen, als die Stunde der Heimkehr geschlagen hatte und die Vereine geschlossen hinter ihren Fahnen mit der Musik ,, Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus", von Kamerad Post bis zum Festplatausgang beglei= tet, Abschied nahmen mit dem Ruf: Auf Wiedersehen in 14 Tagen in Offenbach zum Landeskriegertag!
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