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Donnerstag, den 5. Januar 1928.

Teil auf die Kraftfahrzeughesizer abwälzen zu wollen. Das seit Jahren geübte Prinzip, Reich, Länder und Gemeinden zu ent­lasten und die einzelnen Staatsbürger ohne Rücksicht auf Bil­ligkeit und Moral und ohne Eingehen auf die wirtschaftlichen Auswirkungen zu beschweren, ist bereits ins Extrem ausge:

artet.

Statt dem Verkehr durch Entlastung Entwicklungsfreiheit zu geben, werden ihm überall Hemmschuhe angelegt.

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Der Autohausierhandel unterliegt der Wanderlagersteuer.

Die Industrie und Handelskammer Friedberg schreibt: Bei der Kammer waren vor einiger Zeit aus Einzel- und Groß­handelskreisen eine Anzahl Beschwerden über den Autohausier­handel geführt worden. So bietet eine Frankfurter Großfirma vermittelst sog. Autoläden ihre Waren an verschiedenen Orten des Kammerbezirks zum Verkauf an. Auf Grund dieser Be­schwerden hat die Kammer in Wahrung der Belange des be= zirkseingesessenen Einzel- und Großhandels geeignete Schritte unternommen und sich bei den zuständigen Stellen dafür ein­gesetzt, daß im vorliegenden Falle die Erhebung der Wander­

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wurde gegen einen Baum geschleudert und blieb bewußtlos lie­gen. Das französische Auto brachte den Schwerverletzten ins Städtische Krankenhaus.

Rüdesheim. Die Stadtverordneten beschlossen, für den Neubau des abgebrannten Rathauses ein Preisausschreiben zu erlassen.

Koblenz. Gestern 3 Uhr nachts brach in der am Schloß­platz gelegenen Turnhalle der Besatzungstruppen aus unbekann­ter Ursache Großfeuer aus. Das ganze Gebäude brannte nie­der. Die Feuerwehren konnten nichts anderes tun, als die Nachbargebäude und die Baumanlagen des Schloßplazes zu schützen. Nach einer Stunde war der etwa 1500 Quadratmeter große Bau nur noch ein rauchender Trümmerhaufen.

Frankfurt a. M. Bei dem hiesigen Gericht sind jetzt drei Frauen im Richteramt tätig. In der Sitzung des Großen Schöf­fengerichts am Dienstag saß erstmalig eine Frau im Richter­ornat als Beisigerin mit. Es handelte sich um Frau Dr. Bann. Bisher übte sie, wie auch ihre beiden Kolleginnen, ihre richter­liche Tätigkeit in einer Zivilabteilung des Amtsgerichts aus.

Verschiedenes.

Nr. 2.

sein Glas, und alle Augen hingen an seinen Lippen. Aber des Dichter stand nicht auf; er lächelte nur etwas verlegen, und dann rief er in die Stille hinein: Ober, noch ein Helles!"

*

Dramatische Verhaftung eines Heiratsschwindlers. Am Sonntag abend sprang auf dem Alexanderplatz in Ber­lin ein Mädchen plötzlich einem Manne, der ihr auf dem Plaze begegnete, an den Hals und hielt ihn fest, obwohl er versuchte, sie durch Faustschläge ins Gesicht abzuschütteln. Ein Polizei­beamter kam dazu, und nun ergab sich, daß eine betrogene Brant einen Heiratsschwindler gefaßt hatte, einen 39jährigen Willy Schröter. Schröter pflegte mit seinen Opfern nicht bloß ein paar Tage lang, sondern monatelang in Verbindung zu blet­ben, um alles herauszuholen, was möglich war. Unter dem Namen ,, Oberpostsekretär Fritz Trautwein" und Oberpostschaff­ner Fritz Worms" näherte er sich u. a. zwei Witwen, die einiges Vermögen und eine Wohnungseinrichtung besaßen. Nachdem er ihnen zunächst das Geld abgenommen hatte, kam er plötzlich mit der ,, freudigen Nachricht", daß er in einen Vorort von Ham­burg versetzt worden sei, um dort eine Postagentur zu leiten. Er veranlaßte die Bräute, ihre Aussteuer und einen Teil der Einrichtung zur Uebersiedelung nach Hamburg nach dem Bahne

lagersteuer vorgenommen wird, zumal nach den Ausführungs- der heutige Stand des Deutschen Sängerbundes hof zu schaffen. Den Rest machte er zu Geld, weil die Hamburger

bestimmungen zu dem hess. Gesetz, betr. die Besteuerung des Gewerbebetriebs im Umherziehen vom 22. Dezember 1900 die gesetzlichen Voraussetzungen für die Heranziehung der in Rede stehenden Betriebsart zur Wanderlagersteuer gegeben sind. In diesem Sinne ist auf Antrag der Kammer der Vorort des Hess. Industrie- und Handelskammertags bei den zuständigen Mini­sterien vorstellig geworden. Die Maßnahmen der hess. Kam= mern haben Erfolg gehabt. Das hess. Ministerium der Finan­zen hat verfügt, daß der Autohausierhandel der Wanderlager­steuerpflicht unterliegt. Wenn der Autohausierhandel restlos zur Wanderlagersteuer, die z. 3t. in Gemeinden bis zu 3000 Einwohnern 80 RM., in Gemeinden von über 3000 bis 10 000 Einwohnern 120 RM. und in Gemeinden von über 10 000 Ein­wohnern 150 RM. für je 7 aufeinanderfolgende Tage und weniger beträgt, herangezogen wird, dann dürfte hierin ein genügender Schutz des eingesessenen Handels, der mit der Ge­werbesteuer belastet ist, liegen.

Aus Nah und Fern.

Mainzlar. Die hiesige Spar- und Vorschuß kasse beschloß, die alten Spareinlagen mit 20 Prozent aufzuwerten.

Grünberg. Steigendes Interesse in weiten Kreisen findet die am 7. und 8. Januar hier stattfindende Geflügelaus= stellung der Züchtervereine Grünberg, Nieder- Ohmen, Hom­berg, Alsfeld, Lauterbach und Schlitz.

Büdingen. Nachdem die Flußregelungsarbeiten am Laufe der Nidder nach etwa zweijähriger Arbeit bis avf einen kleinen Restt durchgeführt sind, hat sich nunmehr im hie­sigen Kreise ein Verband zur Instandhaltung der mittleren regulierten Nidder mit dem Size in Altenſtadt( Kr. Büdingen) gebildet, dessen Zweck es ist, den Lauf der Nidder mit seinem Flußbette, Ufern u. a. m. im jezigen, besthergerichteten Zustande zu erhalten.

Lauterbach. Die hiesige Sparkasse verzeichnete im Mo­nat Dezember meue Spareinlagen von 196 630 Mart. Im Jahre 1927 stieg der Umsatz des Instituts insgesamt von etwa 39 auf über 45 Millionen Mark.

Limburg. Bei einer Milchrevision wurden Wasser­zusätze von 5, 30, 40 und sogar 60 Prozent festgestellt. Gegen fünf Landwirte wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Elz b. Limburg. Wegen Verdachts der Brand= stiftung wurden ein Dentistenehepaar von hier und zwei An­verwandte desselben in Haft genommen.

Mainz. Ein Autoführer aus Wörrstadt, der auf der Finther Landstraße einem Auto der Besatzung ausweichen wollte, kam mit seinem Fahrzeug der Böschung zu nahe. Er

Das deutsche Volkslied weint

Von Otto Pomber, Dresden.

,, Um Gotteswillen, was ist denn geschehen? Warum weint denn das deutsche Volkslied?"

,, Die Schlager wollen es totschlagen!"

Ja, gewiß, sie wollen es; es ist die grausame Absicht jener Eindringlinge aus dem Lande der Sensation, woher die Jazz­Band, der Kaugummi, der Niggertanz importiert wurden.

Ganz verschüchtert verkriecht sich das deutsche Volkslied in seines Vaterhauses dunkelsten Winkel, wagt kaum aus dem Ver­steck hervorzublicken und zittert an allen Gliedern, wenn der Spektakel mit Tönen, Holzgeklapper und Bum- Bum losgeht. Die freche Hetäre im Talmischmuck wird von dem Volke der Denker und Dichter mit Hallo empfangen, während das eigene Kind schmachvoll die mißachtete Aschenbrödelrolle einnimmt, fich die Augen ausweint und sich der entarteten Eltern schämt. ,, Aber, was wollen Sie", meint da einer. Der Schlager ist nun einmal modern! Besonders, wenn er vom Auslande tommt. Haben Sie nicht in der Zeitung gelesen, daß mancher Schlagerkomponist Hunderttausende verdient hat?"

Mein Herr! Glauben Sie vielleicht, daß es bei der Bewer­tung einer Kunstleistung darauf ankommt, wie hoch sie mit Geld bezahlt wird? Dann müßte: Wir versausen unser Oma ihr klein Häuschen" eine besondere Kunstleistung sein."

Und dann dieses Getue mit dem Worte ,, modern"! Mit diesem fadenscheinigen Begriffe, der morgen das verflucht, was er heute in den Himmel hebt, mag ein Narr wie ein Kind Ipielen nur sollte man damit die Kunst und das einfache Lied möglichst in Ruhe lassen. Den Niedergang unserer Kunst hat zum großen Teile die Herniederziehung der doch auch nach Schonheitsbegriffen zu wertenden Malerei, Plastik, Musik und Dichtkunst in das spielerische und trügerische Gebiet der, Mo­derne" verschuldet. Der Geschmad des Schönen ist wandelbar and schafft schon an sich Unterscheidungsreize; zur Zeit aber ver­Juchen wir bewußt das minderwertigste Heute in das Morgen zu tragen und entweihen dadurch den einst so stolzen Tempel, In dem ein Lied fein Lied, eine Oper feine Oper mehr ist, in

Fast 1 Millionen Freunde des deutschen Liedes. Das soeben erschienene Jahrbuch des Deutschen Sänger­bundes" gibt erstmalig an Hand einer in diesem Jahre durch­geführten Statistik ein ausführliches Bild der Verteilung der Mitgliedsvereine in Deutschland und dem Ausland; die Ge= samtzahl der Vereinsmitglieder umfaßt 1406 700, wovon 565 000 aftive Sänger sind. Reichsdeutschland ist in 20 Kreise eingeteilt, die sich im allgemeinen an die politischen Länder­grenzen halten. Am meisten wird im Freistaat Sachsen ge­sungen, wo nicht weniger als 53 900 aktive Sänger sind, sodann folgen Süddeutschland und die Rheingegend. Der Hessische Sängerbund umfaßt z. 3t. 600 Vereine mit 28 000 Mitgliedern. Die obengenannte Gesamtzahl der Aktiven verteilt sich auf 14 333 Vereine, die an etwa 9500 Vereinsorten in Deutschland und dem Ausland tagen. Die österreichischen Bundesländer stellen etwa 33 000, die Sudetendeutschen 23 500 aktive Sänger. Die in der Entwicklung begriffenen gemischtchörigen Abteilungen umfassen heute schon über 70 000 Sängerinnen. Auch im Aus­land sind wichtige Erweiterungen zu verzeichnen, so der Süd­westafrikanische Sängerbund, der in Windhuk seinen Sitz hat.

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Hm, Hm!!!

Der Vorstand des Deutschen Fußballbundes" in dem Tau­sende von Vereinen mit Hunderttausenden von Mitgliedern zusammengeschlossen sind. beschäftigte sich in einer kürzlich abge­haltenen Arbeitssitzung u. a. auch mit dem Schankstätten- Gesetz­entwurf. Eingehend wurde über die Bestimmungen des Ent­wurfes debattiert, daß den Sportplagtasinos in Zukunft keine Alkoholkonzession mehr erteilt werden sollte. Schließlich faßte man den vielsagenden Beschluß: Im Hinblick auf die Tatsache, daß 60 v. H. aller Sportplätze Hypotheken von Brauereien haben( was man bei diesem Anlaß erfährt!), beschließt der Bund bei den zuständigen Stellen vorstellig zu werden, diesem Gesetzentwurf nicht zuzustimmen, da er für den Bestand der großen Sportplazanlagen eine Gefahr bedeutet. Der Geldsack pfeift auf Fortschritt und Gesundheit. Wenn er nur Geld ver­dient, dann liegt ihm an allem nichts. Wer in seine Gewalt gekommen ist, der muß sich fügen."

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Wilhelm Busch, dessen 20. Todestag wir demnächst begehen fönnen, war kein Freund vieler Worte, und nichts war ihm verhaßter als Reden. Als er einmal einem Festmahl zu seinen Ehren beiwohnen mußte und Ansprache auf Ansprache folgte, blieb nur der Gefeierte stumm. Da flüsterte ihm der Oberbür­germeister ins Ohr: Verehrter Meister, dürften wir nicht viel­leicht nach so vielen Reden auf ein paar Worte von Ihnen hoffen?" Busch nickte ergeben in sein Schicksal; er schlug an

dem Malerei zum verrücktesten Unsinn wird und Gedichte eines Matthias Claudius und Eichendorff, eines Mörike und Storm als altmodisch und abgetan in die Ecke fliegen.

Wie oft fehlt dem Modernen alle Einheit, aller Stil! Jst es Ihnen noch nicht aufgefallen, daß man bei der Betonung der schlanken Linie" zu kleinen, knüppelartig verdickten Schir­men greift, die kaum einer für schön findet, auf die man sich nicht stützen kann, die man hochheben muß, um beschirmt zu sein und für die man sich nur deshalb erwärmt, weil sie zwar höchst unpraktisch, aber, modern" sind? Hat es noch nicht Ihr Kopfschütteln erregt, daß die moderne Lyrik eine Begriffsver­schieberin und Effektworthascherin zu werden droht, die sich nur noch mit Superlativen abgibt und nur schönes Fournier dar­stellt, während anderseits Schlager modern" sind, die so ganz und gar des schönen Wortes entbehren und grob, ja roh erschei­nen, wie ein ungehobelter Tisch? Ein Affe ist es, der an jede Kunstleistung, überhaupt an jede Sache den Maßstab des Mo­dernen legt!

Gewiß, es gibt heute noch Schlager, die wenigstens Schwung und Rasse zeigen und deren Texte nicht miserabel sind. Ich denke dabei an die weidlich abgeklapperte ,, Valencia", die ihrem Erzeuger ein Vermögen einbrachte. Aber sehen wir von der Handvoll des Guten oder Erträglichen ab. Was bleibt übrig? Textlich kaum mehr, als der entsetzlichste Schund! Während sich kaum einer um Gustav Falkes Gedichte kümmert, während herz­liebe feine Lyriker, Liederkomponisten vom Range eines Franz Schubert der eiskalten Teilnahmslosigkeit des sogenannten Pub­likums ausgesetzt sind und verhungern können, erklettern Schla ger- ,, dichter" und Schlager- ,, komponisten", von der Gunst eines lotterigen Publikums getragen, ein Postament, von dem sie die erstbeste Faust herabstoßen sollte.

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Sind wir als Volk der Denker und Dichter! nicht geradezu auf einen Tiefstand des Geistes und Geschmades ange­langt, daß wir als Volksmasse, die sich einst das zartschöne ,, Am Brunnen vor dem Tore" ins Herz sang, heute gröhlen: Ach Auguste, ach Auguste sag, was tuste, deine Pu- Pu- Puste ist so schwül", oder: Du kannst mich mal am A...am Alexander­plaz, Ich möchte Würstchen mit Senf beschmiert" ,,, Ach Schim­mel, lieber Schimmel, laß den Schweif wehn, Mein Schat

Einrichtung durch seine eigenen Sachen vervollständigt werden würde. Die Bräute ließ er unterdessen in einem Hotel, wo sie auf die Uebersiedelung warteten, mittellos sitzen. Der Verhaf­tete hat ohne Zweifel viel auf dem Kerbholz.

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Aprilnarren im Dezember.

,, Daily Expreß" meldet aus Buenos Aires: Der Rat der Stadt plante einen Spaß; er wurde zur Tragödie. Zu dem ,, Tag der Unschuldigen", der unserem 1. April insofern ent­spricht, als man an diesem Tage die Leute zum Narren halten kann, verhieß der Rat mit einem Inserat, daß er in alle 3et­tungen der Stadt einsetzen ließ, daß ein richtiggehender Stier kampf stattfinden werde. Und zwar als Glanzleistung des städtischen Ausstellung. Nun sind aber Stierkämpfe in Argen­tinien streng verboten. Eine Arena wurde in der Tat auf dem Ausstellungsgelände angelegt, und es stellten sich etwa 40 000 Schaulustige ein. Die Stunde, die für den Beginn des Schu­spiels angesetzt wurde, war längst verstrichen, doch erschienen weder Torero noch Stier. Das Publikum begann zu protestieren, bis es endlich merkte, es sei in den April geschict wor­den. Darüber geriet es in solche Wut, daß es die Arena stürmte und alles vernichtete, was zu vernichten war. Frauen fielen in großer Anzahl in Ohnmacht, und Kinder verloren ihre rasenden Eltern. Die ganze Polizeimacht der Stadt rückte an und stellte mit Mühe die Ordnung wieder her. Das Publikum erfuhr nun erst, daß der Rat der Stadt einen gelungenen Scherz zu machen die Absicht gehabt habe. Das Resultat waren aber viele Verwundete, darunter fünf Schwerverletzte.

Ueber Erbgesundheitslehre.

Geld und Geldeswert kann ein Mensch erben von Verstorbe nen, meistens wohl von seinen Eltern, doch auch von Seitenver-, wandten, oder gar von Fremden. Dabei wird jedes Ding nur einem Erben zufallen, mags ein Königreich oder ein Haus sein, ein Acker oder nur ein Fingerring oder Büchlein, und wenn ein Bauersmann seine Zeit oder ein Fürst sein Land, wie einst Philipp der Großmütige sein Hessenland, unter seine Kinder ver teilt, so kann jedes nur ein Stück vom Ganzen erben.

Dagegen gibt es manches, was auch der ärmste Vater und ebenso jede Mutter schon bei Lebzeiten jedem der Kinder, obs viele sind oder wenig, gleich bei der Geburt vererbt und damit mehr oder weniger vervielfältigt: das sind die Naturanlagen leiblicher und geistiger Art. Seine blonden oder schwarzen, glat­ten, lockigen oder krausen Haare, blauen oder dunklen Augen, großen oder kleinen Wuchs, flinken oder schwerfälligen Verstand, lebhafte oder schlafmütige Gemütsart, schlaffen oder festen Wil­das alles hat ein Kind angeboren und von den Eltern

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laß mich an deiner Welle" usw. Und ist es nicht bezeichnend, daß selbst Leute, die sich zur guten Gesellschaft" rechnen, und bei jeder Gelegenheit die vornehme Note" herausstecken, sich danach biegen und wenden? Wollen sie denn nicht merken, daß ,, Wer hat bloß den Käse zum Bahnhof gerollt" nach der Kloake riecht und, Bei mir, da mußte neunzehn trudeln, eh du nen Blumentopp gewinnst" die niedrigsten Instinkte weckt? Kann es noch schlimmer werden? Kaum! Es müßte denn sein, daß man noch das Mistfahren besänge; obendrauf käme dann all das Zeug, das an der Verrohung des Geschmacks mitschuldig ist. Hier liegt der Schund und Schmutz, meine Damen und Herren. Einst hob der Künstler das Publikum empor, heute steigt man­cher nieder, um einem Publikum zu schmeicheln, das er selbst im tiefsten Herzen verachtet. Goethe möchte einmal aufstehen und Zeuge sein, was Kinder und Erwachsene statt eines Set­denrösleins" heute singen und pfeifen. Seine ernsten, großen Augen würden Blige des Zornes sprühen!

Gewiß, die Zeiten haben sich geändert, und die vielen neuen Reize des Verkehrs und des Lebens überhaupt stellen neue Forderungen; der neue Sang hat viel lebhafteres Feuer als früher. Muß man aber dabei so ganz abstreifen, was jahr hundertelang als Würde und Feinheit galt?

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Krieg dem gemeinen Schlager! Todfeindschaft diesem Bon­bon", das schmierigen Inhalt im bunten Staniol reizvolles Melodien präsentiert! Schafft vernünftige und anständige Tanz texte; auch in ihnen die Leidenschaften kühn emporflammen und Eros Triumphe feiern. Die Liebe soll leben, nicht aber die übelriechende Gosse, der absolute Blödsinn, die Plumpheit, die Gemeinheit!

Jeder wirkliche Deutsche arbeite mit, daß der Unrat, dex sich in den Texten der, modernen Schlager" breit macht, auf Den Komposthausen wandert; denn dorthin allein gehört ez. Kein Herr, der etwas auf sich hält, keine Dame, die über der Halbwelt stehen will, tanze nach ,, Käse, den man zum Bahnhof gerollt" oder nach der, dicen, dicken, dicken Viehmagd, die der Saubub hat so gern".

Schlagt den frech gewordenen Schlager tot! Rettet das zarte Volkslieb und den anständigen Tanztext!