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Die

Donnerstag, den 5. Januar 1928.

raten. Sie wären sonst, falls die Versorgungsbehörden mit zweck­losen Anträgen überflutet werden, gezwungen, im Interesse der Aufrechterhaltung eines geordneten Dienstbetriebes bei den Ver­sorgungsbehörden diesen Erlaß wieder außer Wirksamkeit zu

sezen."

Neu angenommen wurde gegen den Widerspruch der Reichs­regierung ein Antrag auf Gewährung eines Sterbegeldes für die Hinterbliebenen, und zwar in Höhe von einem Drittel des Ster­begeldes von Rentenempfängern.

Zu§ 7 wurde eine Entschließung dahin angenommen, daß die Reichsregierung den Entwurf einer neuen Verordnung über Lieferung der Körperersazstücke und anderer Hilfsmittel vorlegen solle.

Hinsichtlich der Ersatzleistungen an die Krankenkassen nach § 14 RVG. wird als Endtermin das Jahr 1933 festgelegt. Dadurch wird die Ersatzleistung um 3 Jahre gegenüber dem Regierungs­entwurf verlängert, wenn auch in ihrer Höhe etwas abgemindert.

Zur Frage der Heilbehandlung der Hinterbliebenen erklärt die Regierung, daß sie bereit sei, einer Entschließung zuzustimmen, die folgenden Wortlaut hat:

Der Reichstag ersucht die Reichsregierung dem Reichsrat den Entwurf einer Verordnung vorzulegen, durch den dem§ 30 der Reichsgrundsätze über Voraussetzungen, Art und Maß der öffentlichen Fürsorge als Abs. 2 folgender angefügt wird:

,, Als hilfsbedürftig gelten alle Hinterbliebenen, deren Zu­sazrente nach dem RVG. gewährt wird."

Zu dem Vorschlag der Regierung, für die Gewährung von Erziehungsbeihilfen 15 Millionen Mark zu bewilligen, stellen die Regierungsparteien einschließlich der Demokraten und Wirtschaft­lichen Vereinigung folgenden Antrag: Für, die Erziehungsbei­hilfen der Kriegerwaisen bis auf weiteres einen jährlichen Betrag von 20 Millionen RM. zur Verfügung zu stellen und die Erzieh­ungsbeihilfen bis zum vollendeten 24 Lebensjahre zu gewähren." Der Antrag, zu dem der Vertreter des Finanzministeriums erklärt daß der Reichsfinanzminister hierzu sich die Zustimmung bis zur Erledigung des Beamtenbesoldungsgesetzes vorbehalten müsse, wird angenommen.

Gießener Zeitung"

serven notwendig erscheinen ließ. Die Landwirtschaft trat auch nicht in dem gleichen Maße wie sonst als Käufer auf, weil die schlechten Ernteergebnisse die finanzielle Lage der Landwirt­schaft sehr anhaltend beeinflußt, zumal auch noch das Sinken der Schweinepreise und der schlechte qualitative Ausfall der Roggenernte den wirtschaftlichen Ertrag der Landwirtschaft schmälerten.

Sehr stark bemerkbar machten sich im Berichtsmonat auch die Kreditschwierigkeiten. Diejenigen Handwerkszweige, die nicht direkt am Weihnachtsgeschäft beteiligt sind, konnten nur sehr schwer ihre Außenstände einziehen, weil das Publikum die ver­fügbaren Geldmittel für Weihnachtseinkäufe benutzte. Hinzu tritt noch aus den schon geschilderten Gründen die geringe Zah lungskraft der Landwirtschaft und die zunehmende Erwerbs­losigkeit. Eine Beschaffung der notwendigen Betriebsmittel durch Kredit stieß nach wie vor besonders für kleinere Hand­werksbetriebe, auf ziemliche Schwierigkeiten.

Der Arbeitsmarkt hat sich erheblich verschlechtert, besonders von seiten des Baugewerbes. Aus Oldenburg wird sogar be= richtet, daß die Zahl der Erwerbslosen höher liege als im Vor­jahre.

Lohnerhöhungen sind nur ganz vereinzelt für Handwerks­zweige zu verzeichnen, wohl aber noch ein Steigen von Roh­stoff- und Halbfabrikatspreisen, so für Leder und Textilien, Zu­behörteile für die Elektro- Installation und auch für deutsche Uhren. Gefallen sind dagegen die Preise für Roggenmehl und Schweine.

*

Lokales.

Heilige drei Könige. Das Hohe Neujahr, auch Drei­tönigsfest oder Epiphania( Erscheinung) genannt, hat bei der christlichen Kirche die Bedeutung des Erscheinens des Heilandes unter den Menschen; sein Tag ist bekanntlich der 6. Januar. Jm Abendland tauchte dieser Gedenktag als Geburts- und Tauf­fest Christi erst seit den 4. Jahrhundert auf. Nach dem Epi­

Im übrigen werden die Beschlüsse der ersten Lesung bestä- phanienfeste zählte man im christlichen Kirchenjahr die nächsten tigt.

Schließlich gibt die Reichsregierung noch zu einer Reihe von Bestimmungen des Gesetzes Erklärungen ab, die einer Gesetzes= auslegung gleichkommen.

Bericht über die wirtschaftliche Lage

Sonntage bis zum Sonntag Septuagesimä. Die protestantische Kirche gedenkt an diesem Tage vorzugsweise der Heidenmission.

* Paketverkehr. Noch immer ist nicht ausreichend bekannt, daß Einschreib pakete nach den derzeit gültigen postalischen Bestimmungen nicht mehr zulässig sind. An die Stelle der Ein­schreib- Pakete sind unversiegelte Wertpakete, zulässig bis 100 RM., getreten, die nur 5 Pfg. mehr kosten, als nach den

des deutschen Handwerks im Dezember 1927. heutigen Gebühren Einschreibpakete kosten würden.

Vom Reichsverband des deutschen Handwerks wird uns geschrieben:

Die Berichte über die wirtschaftliche Lage des Handwerks im Monat Dezember sind überwiegend nicht günstig. Von großem Einfluß ist in dem Berichtsmonat der starke Frost ge= wesen, der die Beschäftigung im Bauhauptgewerbe gänzlich still­legte und auch die Baunebengewerbe sehr stark an der Ausfüh­rung von Arbeiten hinderte. Infolgedessen ist die Beschäftigung im gesamten Baugewerbe nicht als zufriedenstellend zu betrach= ten. Während man diesen Rückschlag als saisonmäßig betrachten fönnte, zeigen aber gerade diejenigen Handwerkszweige, die zu Weihnachten eine Belebung erfahren sollten, eine solche nicht auf. Das Weihnachtsgeschäft ist, soweit bis jetzt feststellbar, nicht so ausgefallen, wie es erwartet wurde. Mit wenigen Ausnahmen wird sogar berichtet, daß der Umfang des Geschäf­tes nicht an den des Vorjahres heranreicht. Hierfür sind ver­schiedene Beweggründe ausschlaggebend gewesen. Zum Teil ist die Bevölkerung noch durch die Bezahlung von Wintervorräten in Anspruch genommen, zum Teil wirkt der starke Rückschlag auf dem Arbeitsmarkt hemmend. Die Hoffnungen, die man an die Erhöhung der Beamten besoldung geknüpft hatte, sind nicht in Erfüllung gegangen, zum Teil wohl deswegen, weil die Nach­zahlungen zur Abtragung von eingegangenen Verpflichtungen benutzt wurden. Im westdeutschen Industriegebiet wurde die Geschäftslage stark beeinflußt durch den Konflikt in der Eisen­industrie. Es wurde in den Käuferschichten allgemein Zurück­haltung geübt, da die evtl. Stillegung von den größten wirt­schaftlichen Folgen gewesen wäre und die Anlegung von Re­

Grüner Rasen Blaue Wellen.

Roman von Otto von Gottberg. 18. Fortsetzung.

Mit dem Wein brachten die Läufer Labkaus, ein Lieb­lingsgericht der Messe. In Priedelsdorf gab es weniger derbe Speisen. Dafür freute sich Drewiz des launigen Plauderns der Kameraden. Es hieß die letzten Tage an Land nüzen, um mit ihnen fröhlich zu sein. Doch Brieg fragte Hiedring, ob er Nach­richten von Warendorf habe, und wieder griff die kalte Hand ins frohe, warme Männerleben mit dem Mahnen, daß jung sterbe, wen die Götter lieben. Das Lächeln der bartlosen Lippen des Flottillen- Chefs erstarrte. Seine Augen suchten den Teller. Er sagte ernst: Nein, aber noch gebe ich die Hoffnung nicht auf!" Ohne die Gabel zu rühren, saß er nachdenklich, während ringsum wieder das Gelächter der Kameraden lärmte. Sie hat­ten gut lachen, denn sie trugen nur ihre eigene Haut zum Markte wie in schöneren Tagen auch er. Seit sein Befehl sie in den Tod schickte, drückte die Sorge um alle auf seinen Schultern. Dre­wig stieß mit dem Verstummten an. Er wußte, warum der Dreißigers Haar während der jüngsten Monate ergraut war. Der Schlaf mied ihn für Nächte, wenn er vergeblich auf das Einlaufen eines seiner Boote wartete. Auch der Pfarrer dachte wohl den Sinnenden auf andere Gedanken zu bringen, denn er fragte: Warum nennen wir das Gemisch von Rauchfleisch und Kartoffeln Labkaus, Herr Kapitänleutnant?"

Es labt, Herr Pfarrer", konnte Hiedring lächeln. ,, Seißt überhaupt nicht Labkaus, sondern Labskaus", rief Brieg.

" Ja", nickte Drewig ,,, und das Wort stammt aus Schott­land. Wenigstens habe ich dort wie Plumduff und Roast Beef auch Lob- scouse, einen ähnlichen Mischmasch aus Corned- beef, Kartoffeln und sauren Gurken gegessen."

Knarrheims Baß dröhnte: Ihr Plum- duff ist Plum- buff. Ich verlange, daß Drewitz für Fluntern eine halbe Mark in die Tischtasse zahlt. Er war überhaupt nie in Schottland! Abstim­men Herrschaften!"

Er flopfte mit den Fingerknöcheln auf die Tischplatte, und alle am Tisch hoben die rechte Hand. Sie wußten, Drewig war in Schottland gewesen, aber verurteilten ihn mit um so ver gnügterem Lachen, das den Pfarrer den Kopf schütteln lieh Einst hatte er gehofft, in der Flottille ein fruchtbares Land

* Der Polizeibericht meldet: 1. In der Zeit vom 24. bis 26. 12. 27 wurde in den Lagerräumen zum Nachtl. der A. E. G. ein Einbruchsdiebstahl ausgeführt und nachstehende Glühlampen entwendet: 302 Glühlampen je 15 Watt- Verbrauch, 217 Glüh­lampen je 25 Watt- Verbrauch, 79 Glühlampen je 40 Watt- Ver­brauch. Die gestohlenen Lampen, Marke Osram, sind für 120 und zum Teil für 220 Volt verwendbar. Vor Ankauf vird hiermit dringend gewarnt. Personen, welche hierzu aufklärende Wahrnehmungen gemacht haben, werden ersucht, der Kriminal­polizei Gießen Nachricht geben zu wollen. Diskretion wird zu­gesichert. 2. Jm Monat Mai 1927 wurde aus einer Drogerie in der Marktstraße ein Photo- Apparat gestohlen. Als Täter wurde ein Jugendlicher ermittelt. Der Apparat wurde am 31. 12. 27 sichergestellt. 3. Am 25. Dezember kam es zwischen Bewohnern der Wohnwagen An der Margaretenhütte mehrmals zu Schläge­reien und Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, so daß die Beamten des 2.. Polizeireviers mehrmals einschreiten mußten.

*

Lohnsteuer. Zur Vermeidung von Weiterungen wird darauf hingewiesen, daß die zur Auszahlung gebrachten Weih­nachtsgratifikationen Iohnsteuerpflichtig sind. Von diesen Beträgen sind 10 v. S., vermindert um je 1 v. 5. für die zur Haushaltung des Arbeitnehmers zählende minderjährige Kinder einzubehalten. Das Finanzamt wird den richtigen Steuer­abzug und Abführung der einbehaltenen Beträge überwachen und gegen Säumige Strafverfahren einleiten.

*

Falsche Reichsbanknoten über 20 Reichsmart. In letzter Zeit ist wiederholt vor der Annahme von Nachbildungen der

für den Samen seiner Lehre zu finden. Sonntags liehen die jekt Fröhlichen seinem Zuspruch auch andächtige Ohren. Sonst aber lebten sie dem Dienst und Vergnügen nicht anders als Männer ihres Alters im wohlbeschirmten Binnenland. Den Ernst ihres Berufes spiegelte nur das Gesicht des stets an Land bleibenden Flottillenchefs wider. Die Kommandanten scherzten Tischkasse, als dächten sie nie an Tod und Gefahr. von Bluffen oder Flunkern, sprachen von Labkaus und ihrer

Die Wachoffiziere und Ingenieure standen allmählich auf und machten beim Hinausgehen dem Flottillenchef ihre Ver­beugung. Mit Kaffee und Zigarren blieben nur die Komman­danten, bis auch Hiedring Mahlzeit, Herrschaften!" sagte. Das mahnte an den Dienst. Drewitz ließ Drießner mit dem Schrift­laden in seine Kammer bitten und saß bis zum Abend über Papieren. Auch am nächsten Morgen, während des Ueberneh­mens von Torpedos und Munition unter Aufsicht der Wachoffi­ziere hielt die Arbeit ihn seinem Boote fern. Nachmittags laß er die Kriegstagebücher der während seines Urlaubs eingelau­fenen Kommandanten. Sie schilderten die unterwegs gesammel= ten Erfahrungen oder Beobachtungen und sagten darum, welche Wege der fremde Handel neuerdings nahm und wo mit feind­licher Gegenwirkung, mit U- Boot- Fallen und Minenfeldern zu rechnen war. Während des Reinschiffmachens am dritten Tage brachte ihm ein Läufer des Flottillenchefs ein Päckchen Orden mit den Anschreiben in die Kammer. Auszeichnungen für gutes Verhalten seiner Leute während der vorletzten Fahrt waren bewilligt. Da wollte er doch die Besagung versammeln und be= grüßen.

Rr. 2.

Reichsbanknoten über 20 RM. mit dem Ausgabedatum vom 11. Oktober 1924 gewarnt worden, bei denen ein besonders auf fälliges Kennzeichen darin bestand, daß die auf dem druckfreien rechten Rande der Vorderseite der Fälschung befindliche Blind prägung( farblos geprägtes Linienmuster) anstatt rippenartig erhabene Linien, vertiefte Linien zeigte. Neuerdings sind nun diese rippenartigen Linien auf den Falschstücken wie bei echten Noten nach der Vorderseite zu erhaben aus geprägt, fallen jedoch durch ihre starte Pressung auf. Der Rand des Ausfertigungskontrollstempels stößt unten rechts an eine der ausgeprägten Linien nahezu an. Die Fälschung bleibt trok der vorgenommenen Veränderung an der mangelhaften Wieder­gabe des Frauenkopfes schon bei geringer Aufmerksamkeit für jedermann kenntlich.

Schon als er von der hohen Holztreppe dem Boote zu­schritt, rief ,, Oberded Ordnung!" der das Malen leitende Obermaat mit gelbem Anker und Kaiserkrone auf dem Aermel der dicken blauen Winterjace. Nr. 1" nannte ihn worttarge Bordgewohnheit als ältesten seemännischen Unteroffizier. Vier Matrosen in Lederjacken und blauen Drillhosen setten Far bentöpfe nieder und richteten sich auf. Einer stand barhäuptig. Der Kopf des anderen trug die blaue Mütze, der eines Dritten eine graue Wolltappe. So taten sie auch Dienst in See. Rein Vorgesetzter der Waffe fand Tadel an ihrer Kleidung, wenn das Zeug warm und trocken hielt. Also frönte Jan Maat feiner Neigung für wunderlich Gewand.

Drewiz trat von der Plante an Ded: Lassen Sie rühren und den ersten Wachoffizier holen!"

Ein Matrose lief. Bald hob Drießner den Kopf aus dem Secluf. Nur seine Müze mit goldner Kaisertrone und Eichen­

Für die Aufdeckung der für disse Nachbildung in Frage kommenden Falschmünzerwerkstatt hat die Reichsbank eine Be lohnung von 3000 RM. ausgesetzt.

* Wie die Provinzialdirektion für Oberhessen mit teilt, ist die Provinzialkasse von Montags bis Freitags von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Nachmittags, sowie an Samstagen und am letzten Werktage jeden Monats ist die Provinzialkasse für jeden Verkehr geschlossen.

* Die Freie Vereinigung ehemaliger 222er, die ihren Sit hier hat, übernahm, einer Anregung des Volksbundes für Deutsche Kriegsgräberfürsorge entsprechend, die Patenschaft über den deutschen Soldatenfriedhof in Pawelcze( Galizien), auf dem neben zahlreichen Angehörigen anderer deutscher Heeresforma­tionen über 200 Gefallene vom Reserve- Infanterie- Regiment 222 bestattet liegen, die in den schweren Kämpfen um Pawelcze gefallen sind.

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Gemcbebetriebs im geglichen Voraus tehenden Betriebsa diefem Sinne ist au Industrie- und Han sterien vorstellig mern haben Erfolg zen hat verfügt, da Steuerpflicht unterli zur Wanderlagerite Einwohnern 80 R Einwohnern 120 R wohnern 150 RM. weniger- beträgt genügender Schutz werbesteuer belastet

* V. H. C.- Tagungen. Am 7. und 8. Januar findet ein Jung- VHC- Wintertreffen auf dem Hoherodskopf statt. Am 21. und 22. ds. Mis. wird in Friedberg eine Jung- VHC- Führer­tagung abgehalten, auf der man u. a. über die verschiedenen Auffassungen oder Hemmungen der Jung- VHC- Sache und über das Vater- Bender- Heim beraten will.

* Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungs­kosten beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Dezember auf 151,3 gegen 150,8 im Vormonat. Sie ist demnach um 0,5 v. H. gestiegen.

* Das Gefrieren der Fensterscheiben. Um das Schwitzen und Gefrieren der Fenster zu verhüten, stellt man eine Mischung aus 55 Gr. Glyzerin und einem Liter verdünntem( 63 v. H.) nicht denaturiertem Spiritus her und reibt dann mit einem Fensterleder, sobald die Mischung klar geworden ist, die innere Fläche des Fensters ab.

Ueber die hohen steuerlichen Belastungen kommen von allen Seiten Klagen. So schreibt der Deutsche Auto­mobil- Klub über Kraftfahrzeugsteuer und Straßenherstellung:

Die Straßen werden nur zum verhältnismäßig geringen Teile durch den Personenkraftwagenverkehr beschädigt. Wie die Feststellungen auf der Versuchsstraße bei Braunschweig ergeben haben, werden die Straßen nicht durch die luftbereiften schnell­fahrenden Kraftwagen, sondern durch die eisenbereiften lang­sam fahrenden Wagen am meisten beschädigt und zerstört.

Stellt es schon eine große Unbilligkeit dar, den Kraftfahr­zeugbesitzern derart hohe ordentliche Steuern zuzumuten, wie dies in den letzten Jahren geschah, Steuerbeträge, welche in gar feinem Verhältnis zu der tatsächlichen Abnühung der Straßen durch die Kraftwagen stehen, so wirkt sich darüber hinausge­hende Erhebung eines 25prozentigen( ab 1. April 1928 20 Pro­zent) Zuschlages zur Kraftfahrzeugsteuer besonders für die Be sitzer von Personenkraftwagen als eine durch nichts gerechtfer­tigte, absolut unbegründete Belastung aus. Kein Kraftwagen­besitzer wird sich sträuben seinen Teil beizutragen zur Wege­unterhaltung in Form einer Steuer, aber wenn er allein die Steuer aufbringen soll, und die vielen anderen Sorten an eisen­bereiften Fuhrwerken, die hauptsächlichsten Zerstörer unserer Landstraßen, steuerfrei ausgehen, so kann er, wenn gar eine Erhöhung der Steuer vorbereitet wird, nicht ruhig zusehen.

1

Ebenso ungerechtfertigt ist es, Ausgaben, welche der Aus­bau der Straßennetze erforderlich macht, ganz oder zum großen

franz verriet den Seeoffizier. Kein Schmiedegesell hätte den Beschmutzten in der Lederjacke Kollege genannt. Beim Gruß hielt er die öltriefenden Finger dem Lederschirm der Mütze fern, um ihn nicht zu beschmieren.

Will die Besatzung sprechen, Drießner!"

Auf des Oberleutnants Ruf zum Antreten trochen Unter­offiziere, Matrosen und Heizer aus dem Luf und traten in zwei Gliedern zusammen. Vor den rechten Flügel stellte sich Drießner und neben ihn der semmelblonde Ruelow, dann Krause, der sommersproßige Ingenieur und Steuermann Fiebig, der dritte Wachhabende. Hinter ihnen standen die seemännischen Unteroffiziere mit gelben, die technischen mit silbernen Knöp fen und an ihrem linken Flügel die Doppelreihe der Matrosen und Heizer.

Als der Kommandant dreißig Augenpaare die seinen suchen sah, trat er zurück: Ich hab Euch was mitgebracht! Nr. 1!" Der Obermaat trat vor ihn und erschrat fast als der Kom mandant seine Hand nahm: Freue mich, Ihnen nach zwölf Fahrten endlich das verdiente Kreuz erster geben zu können. Tragen Sie es lange und in Ehren!" Er hob die Stimme und rief über den mit brennenden Augen Errötenden hinweg: The anderen aber nehmt euch ein Beispiel am ältesten Unteroffizier. Bitt mir aus, daß ich nächstes Mal mehr von der Sorte mit­bringen kann!"

Beim Zuhören rissen sie das Kinn mit einem Rud an den Hals noch näher und sahen dann ihren Kommandanten dem Unteroffizier das Kreuz ans Tuch über der linken Brust stet ten.

,, Nr. 2 und 3!" rief er darauf.

Der Bootsmannsmaat und der Obermatrose, die den Diens des zweiten und dritten seemännischen Unteroffizierstaten, sprangen aus dem Glied neben ihren älteren Kameraden. " Ihnen beiden kann ich den Oldenburger geben. Vergessen Sie aber nie, daß ein deutscher Bundesfürst Ihrer huldvoll gedacht hat, und zeigen Sie sich der Ehre würdig." Auch den Batteriemaat und die Funkengäste rief er von und zog ihnen schwarz- weiße Bänder durch die Knopflöcher. Nach einer kurzen Ansprache ging er das Glied entlang. Neben den drei seemännischen Unteroffizieren standen die technischen, der Zentralmaat, der die Pumpen- und Tiefrudermotoren be diente, die Unteroffiziere von beiden Maschinenräumen, des Batterie- und der Torpedomaat, der Funkenmaat und endlic ein ihm noch unbekannter Geschützführer.

( Fortsetzung foigt.)

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