Nr. 36. Sonnabend, den 3. September 1927.
chtliche Urfundsbeamte.
oberinspektor Otto Meger, Essen.
"
Gießener Zeitung"
lifierung in feiner Weise Not leiden. Wo Massenherstellung durch majchinelle Hilfsmittel möglich, leidet bei richtiger Bearbeitung
Technisch- und wirtschaftliche Beratung der Handwerksbetriebe. feinesfalls die Qualität.
sehen und Prozeßordnungen geregelten Auf werden in der Hauptsache durch zwei Organe ledigt, durch den Richter und den Urfunds
Bon Gewerberat a. D. Dr. Gustav Stödle, Darmstadt,
In der Nummer Dom 1. August Sessisches Handwerk u. Ge
tscheidung obliegt, hat das zweite Rechts: temmer errichteten Gewerbeförderungs- und Betriebsberatungsdem Richter in erster Linie die Rechtsjin merbe" wird ein furzes Tätigkeitsbild der von der Handwerks s nach dem Reichsgesetz vom 1. Juli 1927 ftelle gezeigt. Man erfieht daraus bereits, daß die Errichtung fundsbeamter der Geschäftsstelle führt, alle einer derartigen Stelle einem wirklichen Bedürfnisse entspricht. en Geschäfte selbständig zu erledigen, die Ber als Berater jahrelang tätig ist, begrüßt im Interesse der ind beurkundender Art sind. Hierzu gehört Handwerksbetriebe diese Einrichtung auf das Lebhafteste. Und Berkehr zwischen den Rechtsuchenden und dem der Industrie und Handel aus beruflicher Tätigkeit fennt, be Willen des Gesetzgebers soll der Urfunds: Dauerte bisher, daß den Handwerksbetrieben oder Meistern die enden helfend und beratend zur Seite stehen einen eigenen Betrieb gründen oder übernehmen wollen, eine
usdrücklich hervorgehoben sei
vor dem Urkundsbeamten Klagen, Güteam
toftenlos, allen Bedürfnissen entsprechende derartige Stelle mangelte. Umfang und Art der Handweitsbetriebe hat sich im Laufe der
juche, Gesuche um Kostenjejtjehung und jon. Jahrzehnte start geändert, weniger äußerlich, als bezüglich der Bverfahren betreffende Erklärungen gebüt umstellung mancher Betriebe, entsprechend den sich geänderten II erklärt werden. Auch die Strafpoze wirtschaftlichen Verhältnissen. Mangelndes Rapital, Derringerlen Fällen die Aufnahme von Parteierlla. ter Kredit, stellen Ansprüche an Betriebsinhaber, die man in dem rfundsbeamten vor. Insbesondere lägt sie heutigen Maße vor dem Krieg, nicht fannte. Eine Umschichtung 1santräge und Revisionsbegründungen, die in vielen Betrieben mußte erfolgen, sollte die Prosperität nicht n Rechtsanwalt eingereicht werden können, notleiden. Man mußte fich vielfach auch umstellen, was umso amten gegenüber gültig abzugeben find. Ichwerer war, als man sich in Handwerksbetrieben, auch größeren cht mehrfach entschieden hat, darf der Ur. Umfangs, so gut wie feine Spezialträfte halten fonnte, weil erbei nicht auf einfache Wiedergabe der diese für Handwerksbetriebe finanziell nicht tragbar sind. Die eschränken, sondern er hat in Ausübung Selbsthilfe fand aber durch die Handwerkstammer Mittel und
Die Betriebspragis selbst stellt den Betriebsinhaber sehr oft Dor ganz unvorhersehbare Aufgaben, die in den seltensten Fällen von einem Einzelnen gelöst werden fönnen Schon die Beherr schung bestimmter Gesetzesvorschriften, im Zusammenhang mit gr werbepolizeilichen Bestimmungen der allerverschiedensten Art, die für gewisse Betriebe lebenswichtig find, ist nur dem möglich, der jahrelang in der Materie gearbeitet hat und reichliche Erfahrung besitzt. Es gibt hier zahlreichste Fälle schwierigerer Lö sung, bei oft bereits bestehenden Anlagen, als bei neu zu errich tenden Anlagen. Wie oft kommt es noch vor, daß auf Anraten sachverständig sein wollender Leute, Anlagen errichtet, bezw. im guten Glauben umgeändert werden, die dann nachträglich, unter Bezugnahme auf gesetzliche Bestimmungen und Verordnungen, mit großen Kosten einer Abänderung bedürfen. Wie oft werden maschinelle, unzwed mäßige alte oder neue Einrichtungen gekauft, um hinterher feststellen zu müssen, daß diese den Bedürfnissen in feiner Weise entsprechen. Mitunter werden auch Preise für Maschinen usw. bezahlt, die in feinem Verhältnisse zum inneren Werte derselben stehen, ganz abgesehen davon, den Kaufvertrag so zu gestalten, daß möglichst Prozesse vermieden werden. Alle derartige unproduttive Kosten tragen nicht dazu bei, zu ,, rationa lifieren" d. h. billigere Produktionstoften, gegenüber bestimmten Konkurrenzen, herauszuwirtschaften. Unnötige Kosten sind im wirklichen Sinne unproduktiv und hinausgeworfenes Geld, das dem Betriebe verloren geht. Es entstehen durch Unkenntnis herHandwerk eigentlich Verdienst bringen sollten.
en Tätigkeit auf sachdienliche und form. Wege, diesem Mangel durch die Errichtung einer Gewerbeför vorgerufen, Vorausbelastungen auf fünftige Waren, die dem
Je hinzuwirken, jodaß er nicht nur bered berungsstelle abzuhelfen.
erpflichtet ist, von sich aus alle unsachge
der antragstellenden Partei auszuscheiden. lich zwei große Abteilungen. Die erste Abteilung erfaßt die Vor
Die Beratung und Gewerbeförderung selbst umfaßt eigent
htigen Tätigkeit obliegt dem Urkundsbeam
on Ladungen und von Zustellungen, wobei
en Form- und Fristvorschriften des Gesetzes er die Erteilung von Rechtstraftzeugnissen,
g der Zulässigkeit der Rechtsmittel und des
bildung in Theorie und Weiterbildung, während die eigentliche Beratung dort ihren Kern hat und ihre Tätigkeit entfaltet, wo es fich darum handelt, unterstützend in der eigentlichen Pragis
ju wirken. Mit anderen Worten: Der viel genannte Rationalifierungsgebante, der schon zum Schlagwort heruntergesunken
ittelfristen in sich schließt, sodann die Er. it, soll durch die Beratung verwirklicht werden. Viele glauben,
fungsklauseln, auf Grund deren in Zivilstreckung( Pfändung), in Strafsachen die Igen usw.
es handle sich bei der Rationalisierung der Handwerksbetriebe, überhaupt der Betriebe, um einen neuen Gedanken, bezw. um ein neuerfundenes System, Geld zu verdienen. Bei Leibe nicht.
Irkundsbeamte Entscheidung über die An. In großen Industriebetrieben kannte man die sogenannte ,, Ratios
e Festsetzung der Parteikosten zu treffen,
Ob die verlangten Kosten wirklich entstan
nalisierung" schon vor Jahrzehnten, genau so wie das„, Taylorsystem". Beide haben lediglich den gleichen Grundgedanken, Er
Kosten des Rechtsstreits gehören, ob sie alelung der geringsten Produktionskosten der Waren, die den Be
he notwendig waren usw. Eine gleiche dem Urkundsbeamten obliegende Entschei auf Festsetzung der einem freigesprochenen Der Staatstaffe zu erstattenden Auslagen und Anweisung der Gebühren der Rechts hen. Der Urkundsbeamte entscheidet ferner
f Bollſtrettbarkeitserklärung der Zahlungs, zuständig für die gerichtliche Beglaubigung id Handzeichen, die nach den Vorschriften
tig nur noch durch einen Notar erfolgen
Erweiterung des Aufgabenkreises des Ur ch die sog. Kleine Justizreform von 1921 eren eine große Zahl richterlicher Geschäfte zur selbständigen Erledigung überwiesen sonderer Anordnung der Landesjustizper m Urkundsbeamten u. a. übertragen wer der Erlaß der Zahlungsbefehle, die Beund Ueberweisung von Forderungen und echten, die Beschlüsse auf Einstellung der usw.; in Strafsachen die gesamte Straf snahme der Entscheidungen über Stras chung; ferner ist eine weitgehende Uebern Angelegenheiten der freiwilligen Gers in Grundbuch- und Vormundschaftsrfundsbeamte heute in einzelnen Ländern Prozent, aller Richterarbeiten. Diese im igung, Vereinfachung und Beschleunigung nen haben sich nach dem Zeugnis der zudurchaus bewährt; sie haben das Ziel Richters für seine größeren Aufgaben er
frieb verlassen. Jedoch ist dabei Bedingung, daß alle Teile des Betriebs das ihrige dazu beitragen, den Rationalisierungsgebanken zur Geltung zu bringen. Nicht nur die Werkstatt, sondern auch der laufmännische Betrieb muß in gleicher Weise anteilmäßig den Gedanken durchführen helfen. Rüdstände bedeuten Rüdläufe. Wenn uns vor dem Kriege die ,, Rationalisierung"
Kirche. Blitz und Feuer schienen die Au se zu sprühen. Das herrisch stolze Geficht ' ich einen Befehl, Hußlarn! Ich dachte adensen noch durchzuschlagen, aber der Ge geschlossen durch feindliche Uebermacht zus Armee würdiger. Keine andere unter der 25."
nicht so nachdrücklich wie heute eingehämmert wurde, dann find hier mancherlei Gründe schuld. Beispielsweise: Erſtartung der ausländischen Konkurrenz, gerade der Länder, die von Deutsch
land Waren bezogen, Verschiebung der Rohmaterialbasen, weitergehende Kartellierung bestimmter marktbeherrschender Industrieen, Zollmauern u. a. m.
Nr. 36.
In der trauten Stube, im stillen Kirchlein, im einsamen Wald odr sonstwo, wo Rub sie umgibt, da sammeln sie sich ihre Kräfte, vertiefen sich und lassen die Schätze von Wissen, Glau= ben und Denken in fich wachsen und reifen. Wo immer Menschen Großes schafften und auch ihrem Innern Größe gaben, da sind es stille Stunden, Tage und Jahre gewesen, in denen sie diese Kräfte für die großen Aufgaben ihres Lebens gesammelt hatten.
In einer fernen Stadt eines heiligen Landes da schwieg auch einst 30 Jahre lang in weltabgeschlossener Stille der vom Himmel Gesandte. Dort in der Totenstille des einsamen Nazareth sammelte sich in dem göttlichen Jüngling ein Fülle götti.her Weisheit und Kraft. Und dann erst trat er hervor aus jeiner Verborgenheit auf den großen Markt der Welt und in drei Jahren hatte er ein Wert vollführt, wie es Menschengeist nicht erjirnen fonnte. Drei Jahre und er hatte die ganze Welt erobert und war doch nicht herausgekommen aus seinem engen Vaterlande.
Wie oft werden gewisse Maschinen und Einrichtungen zur Produktion gekauft, für die man verabsäumt sich Garantien ge= ben zu lassen, inbezug auf Beschaffenheit, Leistungsfähigkeit usw. Gerade bei den Antriebsmaschinen, ob Dampf, Elektrizitäts- oder Verbrennungsmaschinen, müßte eine peinliche Nachprüfung vorgenommen werden, inwieweit vom Lieferanten versprochene Ueberlastungszahlen, Verbrauchsziffern, eingehalten worden sind, und wenn nicht, welchen Weg man beschreiten will oder soll, um zu seinem Recht zu gelangen. Gerade für derartige Fälle, ist Vorsorge im Verkaufs- bezw. Garantievertrag zu treffen. Aber wie viele Fälle gibt es, in denen Streitfälle entstehen, nachdem Maschinen längst eingebaut sind. Hätte man da nicht vorher abhelfen können, indem man diese Maschinen durch einen Sachver ständigen abnehmen ließ! Hunderte anderer Fälle ließen sich aufzählen und durch die Praxis belegen, bei denen Unsummen von Geld und Zeitverluste dadurch entstanden sind, und bald täglich noch weitere entstehen, mangels nicht genügender Unterrichtung.
Zusammenschlüsse in der Industrie führen immer weiter dazu, daß, bezüglich bestimmter Waren, sich das Handwerk in seinen verschiedenen Arten, nicht abänderlichen Preisen gegenüber sieht, zudem am einzelnen Handwerksbetriebe selten solche Abschlüsse gemacht werden können, die einem einzelnen Betriebe wesentliche Vorteile bringen. Derselbe muß sich deshalb darauf beschränken, dort die geringsten Produktionskosten herauszuholen, wo dieses eben noch möglich ist. So bei richtiger Einrichtung und Kontrolle der Werkstätten, Maschinen, Arbeitsmethoden, Arbeitsteilung usw.
Dabei muß man aber nicht nur an die Produktion denken, wieviel Waren ich produzieren lann, sondern wie fann ich mit Aussicht auf Gewinn meine Konsumtion vermehren. Was würde cs helfen, das zehnfache gegen früher zu produzieren, ohne auch nur das Doppelte der ursprünglichen Produktion absetzen zu fönnen. Es muß deshalb der Grundgedanke einer Beratung sein: Mit geringsten Mitteln, unter Ausnutzung aller vorhandenen Betriebsmitel, entsprechende Arbeitsteilung und Einteilung die Produktion zu fördern, um dadurch die Warenpreise herabsetzen zu können, um die Konsumtion besser zu beleben. Die Qualität der gelieferten Ware oder Arbeit, darf aber durch eine Rationa
tern mit andächtigem Bewundern einen General, der im EisenWerners Herz schlug höher. Er sah vor sich nicht den Vater, sonring des Feindes so des Sieges sicher war, daß er die Seinen für den morgigen Tag in die heutigen Quartiere des Gegners rief. Darum flammte in allen heißen Augen das Leuchten noch lange, als das zu befehlen, Eure Exzellenz!" verflungen war. Es war gerufen, nein, gejauchzt wie ein Schwur, der das frohe Wiedersehen von Siegern versprach.
Lernen wir wieder von ihm und seinem langen Scheigen in einsamer Stille. Jm lauten Treiben der großen Welt kann wahre Größe nicht geboren werden. Und du, Mensch dieser hastenden Zeit, dir sind auch stille Grunden gegeben, Stunden der Einkehr, der Sammlung. Das ist dein Sonntag.
* Rasche Bergung der Ernte. Das andauernd gute Wetter hat in der Landwirtschaft alle Kräfte für die Einbringung der Ernie mobil gemach. In wenigen Tagen wird die letzte Garbe, sofern das gute Wetter anhält, von den Feldern verschwunden sein.
Bereits oben wurde angedeutet, daß die Fachschulen, Unter-. richts- und Fortbildungskurse darauf hinweisen, und Grundlagen geben, auf welche Art und Weise man es anzufangen hat, einen Beruf richtig auszuüben. Die handwerkerliche Pragis hat aber erkannt, daß es notwendig ist, sich in weitestem Maße, bei eintretendem Bedarf, durch Beratung unterstützen zu lassen. Wie betont, hat die Industrie, durch größere Kapitalträftigkeit Mittel und Wege, sich durch eigene Spezialingenieure beraten zu lassen. In gleichem Maße weisen die Handwerkskammern den Weg, das Gewerbe zu unterstützen. Zum eigensten Vorteile, im harten Konkurrenzkampfe sollten es die Handwerker deshalb nicht versäumen, von einer segensreichen Einrichtung Gebrauch zu machen, die den Inhabern der Handwerksbetriebe nur zum wirtschaftlichen Vorteile gereichen kann.
Sie gingen. Der Vater trat neben Hußlarn in die Sakristei und schloß die Tür mit einem Krachen, das Störung verbot. Nicht einmal zurückgeschaut hatte er. Weder der Sohn noch der verwundete fleine Leutnant waren für ihn auf der Welt! Ein Schüttelfrost ließ Werner erschauern. Vergeblich versuchte er sich zum Ueberdenten ves Gesprächs mit dem Vater zu zwingen. Nur die ooste Nachhal Bataillon Scholz" huschten durch das Gehirn Der cben gehorte Divisionsbefehl schidte den Major über Tuszyn auf die oftwärts aus dem Dorfe führende Straße nach Brzeziny. Mit ihm tam vor Tagesanbruch also auch die eigene Kompagnie an der Kirche vorbei. Er durfte hier warten, und die Augen fielen zu.
e Augen suchten die Steinfliesen und sein Wenn die Armeeabteilung kehrtmachte Weg nahm, hing ihre Kolonne im Russen lange Wurst. Die Division Lizmann hatte I oder Vorhut eine Gasse durch den Feind 1. Die eigene Division blieb als südlichster am längsten im Kessel und in Gefahr, ab Doch der Mann von Tannenberg sollte aben, als sein Vertrauen auf preußischer der Armeeabteilung den wohl kühnsten Be rechte Hand schlug knallend in die flache Herren! Hußlarn, die Befehlsempfänger!" then den Divisionstommandeur statt des or sie treten. Auch Werner verhielt den n herrischen Lippen laute Worte wie Fandurch die Kirche dröhnten:„ Erstens, der a Gora geworfen. Die siegreiche Division vendung aus dem Kampf. 3weitens.." zten noch auf dem Papier. Aus neuen daß der Vater seine Truppe zu einer einmenwerfen wollte, Aufhorchen ließ, ein es ,, Neuntens: Mitgeführte Dienstpapiere hntens: Führer der Marschkolonne Gene ch. Mich treffen Meldungen bei der Nach Scholz. Und jetzt wiederholen!" Sein Adjutanten, der den Befehl laut vorlas.
alle Gestalten im Warten auf das Ge eilen. Doch wieder hob der Generallent ügen Sie hinzu elftens: Nächster Be Einrüden in Brzezing in meinem dorti rstanden?"
en. Ja, sie hatten verstanden, und aud
des
Lange hatte er wohl nicht geschlummert, als Fußstapfen und Sporentiirren ihn wedien. In die offene Kirchentür schlug von der Straße her die herrische Stimme des Vaters, nein Divisionstommandeurs. Fast schien sie Frohsinn und Zuversicht ins Dunkel zu tragen. Ein Feuer flammte. Vor dem hellen Lodern stand die breitschultrig hohe Gestalt in Pelzmantel mit hochgeschlagenem Kragen. Hinter dem Prasseln schlugen Soldaten cinen Wagen in Stücke. Ein Unteroffizier reichte marschfer= tigen Ordonnanzen, Schreibern und Burschen Gewehre. Auch der Vater ließ sich eine Handvoll Patronen in die Manteltasche schütten. Freilich- bei der Rachhut, dem letzten Bataillon am Feind, wollte er sein! Die Stunde war so ernst, daß Generale vielleicht jur Waffe des Musketiers greifen mußten. Darum hieß es, die Krankheit vergessen. Nur bis der Gleichschritt Marschierender wedte, wollte er noch unter der warmen Dede ruhen.
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Das Feuer draußen verglimmte. Des Vaters Stimme war nicht mehr zu hören. Doch ein Rauschen fieberheißen Blutes sang in die summenden Ohren, wie das Brausen u. Grollen der fernen Schlacht:„ Du bist nicht mein Sohn." Wer war er also? Watum hatte der Vater, nein der General, nicht früher von seiner Herkunft gesprochen? Lag der Schatten eines dunklen oder un
Lokales. Sonntagsgedanken.
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Vorsicht beim Unterschreiben. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Frauen aufdringlichen Reisenden Bücher und Bilderbestellscheine mit allen möglichen Nebenabreden un terschrieben haben und nun an einem auswärtigen Gericht auf Abnahme und Zahlung des Kaufpreises verklagt werden sollen. An alle Frauen ergeht die ernste Mahnung, die Unterzeichnung von Bestellscheinen nicht übereilt vorzunehmen.
Wieder ist Sonntag, Tag der Ruhe, Tag des Innenlebens. Wir brauchen sie, diese Stunden nach der Hast und Unruhe der Arbeitstage, die die Menschen von heute vom frühesten Morgen bis zum späten Abend mit ihren Werken ausfüllen, um leben zu können.
* Haussammlung für die Anstalt für Epileptische in NiederRamstadt. In diesen Tagen wird in unserer Stadt mit der Haussammlung für die Anstalt für Epileptische in Nieder- Ram stadt begonnen. Wir bitten die Einwohner herzlich, dieses Liebeswerk unterstützen zu wollen. Jede, auch die kleinste Gabe, ist willkommen. Der Empfänger ist mit freisamtlichem Ausweis versehen.
Sonntag Tag der Stille. Sechs Tage lang sausten die Räder, rauchten die Schlote, schafften die Hände. Dann kam der Feierabend der Woche, die Stille des Ruhetages. Doch viele tennen nicht mehr diesen Sonntag der Väter und meiden Stille und Ruhe und jagen nach Freuden, Vergnügen und rauschenden Festen. Aber es gibt noch Menschen, welche die Stille und den Frieden des Sonntags suchen und auch finden. Sie kennen diese tostbaren Stunden und nützen sie.
* Adoption! Der Landesverein für Innere Mission teilt mit, daß für Hessen in sämtlichen Fragen der Adoptionsver mittlung der Landesjugendpfarrer, Herr Pfarrer Lic. v. d. Au ( Darmstadt, Waldstraße 40, Tel. 349) zur Verfügung steht und alle diesbezüglichen Fragen und Anträge( Angebote und Nach fragen) erledigt..
sauberen Geheimnisses auf seiner Geburt? Ueber langem Grü beln schien sein Dasein, seine Welt in Trümmer zu fallen. Durfte er ehrbaren Leuten noch ins Auge sehen? Warum fragte der Vater, ob er eine der Kufinen liebe? Natürlich hatte er eines der lieben Mädchen zu heiraten gehofft. Vielleicht durfte er die Augen nicht zu den Kufinen heben. Das schmerzte genug, aber bitteres Weh brachte auch Erinnern an Verlorenes. Er sah sich als Kind. Die leidende Mutter lag im Bett oder auf einem Ruhesofa. Das janfte, liebe Geficht unter blonden Haaren ſpiegelte in frühen Furchen die Schmerzen eines fiechen Körpers wi der, aber tonnte immer in lachendem Glüd leuchten, wenn die Lippen Mein Wernerchen!" jauchzten. Waren Mütter des Lügens und Heuchelns fähig, oder hatte der General auch seiner Frau das Geheimnis verschwiegen?
* Keine staatlichen Wohnungsbauzuschüsse mehr. Die hessische Staatsregierung hat den kommunalen Verwaltungsbehör den in Stadt und Land mitgeteilt, daß alle nach dem 1. Juli 1927 eingereichten Gesuche um staatliche Wohnungsbauzuschüsse für das Baujahr 1927 nicht mehr Bewilligung finden können, weil die im Staatsvoranschlag 1927 für diesen Zwed vorgesehe nen Mittel durch die Bewilligung der vor dem 1. Juli 1927 ein gelaufenen Gesuche erschöpft werden.
* Straßensperrung. Wegen Erbauung eines Wohnhauses wird das Gäßchen zwischen Oswaldsgarten und Mühlstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt. Wegen Errichtung der Neubauten der Finanz- und Versorgungsämter wird die Lessingstraße bis auf weiteres für den Fahrverkehr gesperrt. Straßensperrungen,
mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil- Club E. V., Gießen. Offenheim bis Wegekreuz bei Km. 5,8, im Straßenzug Fried berg- Staden, für alle Fahrzeuge, bis 1. Oftober; Umleitung über Bruchenbrüden- Assenheim. Kaichen Heldenbergen, im Straßenzug Friedberg- Hanau, für alle Fahrzeuge, bis 17. September; Umleitung über Erbstadt Eichen. Kalbsburg Friglar, im Straßenzug Marburg- Kassel für alle Fahrzeuge, his 25. Oftober; Umleitung über KleinenglisWabern Holzhausen.
Der Husten quälte wieder, und das Winden unter den Schmerzen in der Brust mehrte noch den Kummer im Herzen. Wehmütig schaute er auf die schöne Kindheit und die liebe Mutter zurüd. Unvergessen war der Tag, an dem sie die teuere Tote im Sarg aus dem Haus trugen. Hinterdrein schritt der gebeugte Vater, und seither lag auf seinem Gesicht unter ergrauendem Haar ein Ernst, durch den selten noch das wie Sommersonne wärmende Lachen seines Humors brach. Gerade dem schweigend Leidenden hatte des Knaben Liebe und Bewunderung gegolten. Jmmer war es sein Wunsch, den Trauernden zu er freuen und aufzuheitern, oder durch ein fluges Kinderwort, mit einer guten Zenjur sein Lächeln zu weden. Dem Kadetten schon schien er ein Freund und Vertrauter, der freimütig von allen Freuden und Sorgen des Dienstes sprach. Während furzer Urlaubstage lernte er darum für den fünftigen Beruf mehr als in langen Monaten auf der Kriegsschule. Des ersten Weihnachtsabends nach der Mutter Tod erinnerte er sich. Der Vater sagte: Wir haben teine Mama mehr, aber doch eine Familie- das Regiment, die Armee! Komm, mein Sohn," und führte ihn nach dem Garnisonlazarett. Neben dem Posten vor dem Schilderhaus wartete eine Ordonnanz mit einem Korb am Arm. Drinnen trat der Vater an die Betten aller K.anten seines Regiments, gab ihnen Geschenke aus dem Korb und sagte:„ Sie sollen auch fern von den Ihren wissen, daß fie eine noch größere Familie haben die Armee, in der wir alle Kameraden sind."
Feierlich frohe Blide dankten dann, und ihm schien Vorbild als Mann wie Soldat der Vater, der jetzt sich doch als Träger
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Lischeid Gilferberg, im Straßenzug Marburg- Rassel, für alle Fahrzeuge, bis 30. September; Umleitung über Zhenhain. Die Sperrung der Straße Gießen- Rodheim a. d. BieberGladenbach( bis Landesgrenze) ist ab Mittwoch, den 7. Septem ber aufgehoben,
eines lichtscheuen Geheimnisses bekannte. Wer durfte Menschen noch trauen oder Glauben an sich durch das Leben tragen! Was fonnte die Zukunft noch bieten! Sie war ihm verleidet und will tommen der Tod. Gelegenheit zum Sterben fehlte nicht. Sein Bataillon sollte als Nachhut der Kolonne länger als andere Truppen im Wursttessel hängen. Da fand ein tranfer fleiner Leutnant wohl leicht den Tod. Vielleicht hob der Schnitter schon die Sense. Lebte doch im schmerzenden Kopf nur der Wunsch nach Ruhe und Vergessen. Der Wille, zu überdauern, regte sich nicht mehr. Warum auch? Wer durchfroren und durchnäßt, ver lauft und verbredt, ohne Dach über dem Kopf seit Wochen auf schlammigen und vereisten Landstraßen schlief, glaubte nicht mehr an ein fünftiges Leben unter gefifteten Leuten, sondern fragte zweifelnd, ob er später wohl wieder Schlummer finden werde, ohne das einlullende Brausen und Orgeln aus Kanonenmund zu hören. Lauter brüllte es draußen, doch fielen die Augen zu.
Das Räderrollen von Geschützen wedte. Wie lange hatte er wohl geschlummert? Die Uhr ohne Glas und Zeiger am Arm gelent gab feine Antwort. Vor der offenen Tür hing noch das Dunkel der Novembernacht. Eisige Luft wehte in die Leere Kirche. Fröstelnd zog er die Dede höher Von den Kerzen brannten nur noch Stümpfchen. In der Ferne trähte ein Hahn. Also tam bald der Morgen, das Rasseln fahrender Artillerie rollte schwäs cher und verklang im Dorf hinter der Ede, von der oftwärts die Straße auf Brzezing abbog. Wieder braufte, wie das eintönige Singen der ans Ohr gehaltenen Muschel, nur das Dröhnen der großen Schlacht.
Er versuchte sich aufzurichten. Der wunde Arm brannte und war steif wie der durchfrorene Körper. Er griff zum Wasserglas, nahm erst Chinin, dann ein Hustenpulver und trat aus der Kirche. Noch warf die Stabslaterne ihr Licht auf den frisch gefallenen Schnee. Wieder jagte ein beißender Nordwind trodene, harte Körner, die wie Nadelspigen auf die Haut schlugen. Zur Linken surrten Stiefel, flapperte Stahl und Blech. Von Starowa Gora her trat eine Infanterietolonne als Schar vermummter Schatten aus dem neblich weißen Wehen ins Laternenlicht. Die Köpfe in hochgeschlagenen Mantelfragen, die verschlungenen Hände in den Aermeln vor der Brust geborgen, hafteten in langem Schritt zwei Reihen Männer am rechten und zwei am linten Straßenrand.
Fortsetzung folgt.


