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sich böswilligerweise ihrer Mietszahlungspflicht entziehen, ist der Staatsregierung nicht gegeben. In solchen Fällen liegt jedoch für die Polizei kein Anlaß vor, für die Unterbringung des obdachlos Gewordenen zu sorgen. Die Polizeibehörden werden entsprechend angewiesen.

Nach Paragraph 36 Absatz 3 des Mieterschutzgesetzes darf der zur Herausgabe eines Raumes Verpflichtete von der Ge­meindebehörde nicht in den gleichen Raum wieder eingewiesen werden. Der Polizeibehörde steht ein Einweisungsrecht nur zu, wenn der Familie durch die Obdachlosigkeit eine unmittel­bare Gefahr droht und diese sich nur durch zwangsweise Ein­weisung in die freistehende Wohnung beseitigen läßt. Dies setzt voraus, daß die Obdachlosigkeit nicht auf Böswilligkeit be­ruht. Vor der Einweisung, die nur für eine bestimmte Frist erfolgen darf, ist daher die Möglichkeit einer Unterbringung in andere Räume zu prüfen. Durch die polizeiliche Einwei­sung lebt das frühere, durch Aufhebungsklage beendete Miet­verhältnis nicht wieder auf, es wird auch nicht neu begründet. Die Unterbrinung ist eine Maßnahme, die zur Entschädigung des Sausbesizers oder des sonst Berechtigten verpflichtet. Ent­schädigungspflichtig ist letzten Endes die Gemeinde, gleichgültig ob eine staatliche oder kommunale Polzeiverwaltung in Frage kommt, da es sich um mittelbare Polizeikosten handelt.

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Obwohl es sich hier um preußische Verhältnisse handelt, ist die Regierungsantwort auch für Hessen nicht ohne Interesse.

Verschiedenes.

Amundsens Nordpolflug hatte den Anlaß zu einem richtigen politischen Kampf um den Nordpol gegeben. Der wagemutige Forscher selbst sollte die Absicht haben, auf dem Punkt, den er als erster durch sorgfältige wissenschaftliche Messungen als den wahren Nordpol feststellen wollte, die Flagge seines Vaterlandes zu hissen und das Gebiet um den Nordpol für Norwegen zu annektieren. Andererseits erhebt die kanadische Regierung ernste Ansprüche auf dasselbe Gebiet. Vermutlich ist Kanada durch dieForschungen des bekannten Polarforschers Vilhjamur Ste fansson veranlaßt, der in seinen Büchern Länder der Zukunft" und Jäger des hohen Nordens" auf die reichen Naturschätze Hinweist, die jene Erdstriche bieten, die man bisher als allen Lebens bar angesehen hat. Stefansson hat praktisch bewiesen, wie man mit leichtem Gepäck unversehrt durch das Eis kommen kann; freilich muß man dazu großen Mut und das richtige Ge­schick haben. Seitdem vor mehr als tausend Jahren die nordi­schen Wikinger den Kampf mit dem Eis des Nordpolgebiets auf­genommen hatten, hat sich die Menschheit bemüht, immer weiter nach Norden vorzubringen. Unzählige Menschenleben sind diesem Wissensdrang zum Opfer gefallen. Als Erster, der auf dem Weg durch die Luft zum Pol dringen wollte, starb der schwedische Ingenieur S. Andrée im Jahre 1897 den Heldentod. Ein groß­artiges Beisp. dafür, was Mannesmut, gepaart m. wissenschaftl. Erfahrung, zu leisten vermag, bietet die weltberühmte Polar­reise Fritjof Nansens. die in dem klassischen Werk In Nacht und Eis" beschrieben ist. Nansen ist dem Eis auch in späteren Jahren treu geblieben, wie sein Buch Spitzbergen" beweist. Dieses Buch ist gerade jetzt von Interesse, weil es die Basis näher beschreibt, von der Roald Amundsen bei seinem kühnen Flug ausgegangen ist und wohin er, nach soeben eingegangenen Nachrichten, auch wieder zurückgekehrt ist. Nebenbei bemerkt, zeigt Nansen in seinem Werk auch, welche Reichtümer an ausge­zeichneter Kohle Spitzbergen birgt; die Inselgruppe ist inzwischen von Norwegen annektiert worden. Unter den erfolgreichen Polarforschern dürfen Männer wie Einar Mikkelsen und Knud Rasmussen nicht vergessen werden, die uns in ihren Werken Ein arktischer Robinson" und In der Heimat des Polar­menschen" mit der Natur der Polarländer vertraut gemacht haben. Die Annektionslust der Regierungen hat sich übrigens nicht auf den Nordpol beschränkt, auch der Südpol, der im Gegen­satz zum Nordpol auf einem mächtigen eisstarrenden Kontinent liegt, ist durch den australischen Staat einverleibt" worden. Be­kanntlich hatte Roald Amundsen das Glück gehabt, den Südpol

zu erreichen und zwar nicht ganz ohne Zufall zur selben Zeit, in der der unvergeßliche Kapitän Robert Scott mit seinen Ge­treuen dasselbe Ziel anstrebte. Welche Enttäuschung für Scott, als er nach unsäglichen Anstrengungen als erster, wie er glaubte, den Südpol erreichte und sehen mußte, daß dort schon die nor­wegische Flagge wehte. Scotts Werk rLeyte Fahrt" ist ein er­greifendes Zeugnis von Forscher- Heroismus. Neben Kapitän Scott ist als besonders erfolgreicher Erforscher des Südpolarge­bietes der Australier Douglas- Mawson hervorzuheben, dessen Werk ,,, Leben und Tod am Südpol" allgemein bekannt ist.

Reichshandwerksordnung.

Der Ausschuß für Berufsstandspolitik, den der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag gemeinschaftlich mit dem Reichsverband des deutschen Handwerks gebildet hatt, ist am 3. und 4. Juni ds. Js. zu Beratungen in Hannover zusammen­getreten. Den Beratungen lag zugrunde ein neuer Referenten­entwurf für die Reichshandwerksordnung, der im Reichswirt­schaftsministerium aufgestellt worden ist. Der Entwurf wurde in Gegenwart seines Verfassers eingehend beraten, wobei die Notwendigkeit zu einer Reihe von Abänderungsanträgen sich ergab.

Leider wird auch dieser Entwurf vom Reichswirtschafts­ministerium noch als vertraulich behandelt und es war trotz aller Bemühungen die Genehmigung zur Vorlage an sämtliche Mitgliedskörperschaften des Reichsverbandes nicht zu erreichen. Lediglich der Vorstand des Reichsverbandes und des Kammer­tages ist neben dem Ausschuß für Berufsstandspolitik für die Prüfung des Entwurfs zunächst zugelassen worden. Außerdem hat die Geschäftsleitung des Reichsverbandes erreicht, daß der Entwurf in den einzelnen Wahlgruppen, aus denen sich der Reichsverband zusammensetzt, in vertraulicher, nicht öffentlicher Form zur Beratung gestellt werden kann. Der Grund für die weitere vertrauliche Behandlung liegt darin, daß noch immer eine Anzahl von Ländern mit ihren Gutachten zum Entwurf im Rückstande ist, sodaß eine endgültige Vereinbarung unter den beteiligten Reichsministerien noch nicht erfolgen konnte.

Der Reichsverband des deutschen Handwerks wird unver­züglich weitere Schritte unternehmen, um die baldigste Frei­gabe des Entwurfs zur öffentlichen Kritik zu erreichen.

Literarisches.

Die Rheinische Jahrtausendfeier in Berlin und die Saar­Kundgebung in Hannover gehören zu den Höhepunkten der ver­anstalteten Feiern für das Deutschtum und die Deutscherhaltung der Rheinlande. In Wort und Bild würdigt u. a. die neueste Nummer der Illustierten Zeitung J. 3."( Verlagsanstalt Ringier u. Co., G. m. b. S., Stuttgart) dieses Ereignis.

Die für jeden 2., 3. und letzten Montag im Monat ange= setzten Sprechstunden über die Angestelltenversicherung betref= sende Fragen werden in der Zeit vom 28. Juni bis 26. Juli 1925 nicht abgehalten. Vom 27. Juli 1925 an werden sie dann wieder in der gewohnten Weise im Stadthaus Gießen, Garten­straße 2, Hauptbau, Zimmer Nr. 2( Wanderfürsorge) stattfinden.

In China und Marokko lodern die Aufruhr- und Kriegs­fackeln; andere Staaten fesseln durch politische und wirtschaft­liche Vorgänge die Aufmerksamkeit. Sollen diese Ereignisse verstanden und in ihren Auswirkungen beurteilt werden, so bil­den georgraphische Kenntnisse oder doch geographische Orien= tierung dafür die Vorausseßung. Unsere Leser werden es be grüßen, daß im GEA- Verlag G. m. b. H., Berlin W. 35, eine Weltkarte 1: 47 000 000 erschienen ist, die, im Bilde 95X60 cm groß, vielfarbig die politische Einteilung der Welt zeigt. Die sauber ausgeführte Karte fann bestens empfohlen werden; sie wird zum Preise von 2 M durch jede Buchhandlung abgegeben.

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