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Giessener Zeitung

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( Giessener Cageblatt)

Amts- u. Vereinsnachrichten

Bezugspreis:

60 Goldpfennig monatlich fret Haus, bet obligatorisch. Bezug durch Vereine 30 Goldpf.

Telephon Nr. 1362.

38. Jahrg.

Expedition: Südanlage 21.

Redaktion, Druck und Verlag: Albin Klein in Gießen. Verlagsdruckerei, vorm. Keller, gegr. 1783.

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Donnerstag den 23. Juli 1925.

Wohnungsnot im hessischen Landtag.

( Fortsetzung.)

Es wurden heute morgen so viele Behauptungen aufgestellt, besonders auch von dem Abg. Felder. Er hat nachher wohl gesagt, es wäre anders gemeint gewesen, aber hier an dem Tisch hat er es nicht ausgesprochen. Er hat behauptet, daß es heute ganz unmöglich sei, eine Kinderreiche Familie in eine Woh­nung unterzubringen. Ich kann Ihnen dazu erklären, daß wir gar nicht die Möglichkeit haben, über unsere Wohnungen zu verfügen, das tun die Wohnungsämter. Glauben Sie doch ja nicht, daß infolge der Besetzung der Wohnungsämter dem Haus­besitzer gegenüber Rücksicht genommen wird. Die Ansprüche, die die Mieter für sich geltend machen, kann auch der Hausbesizer für sich erheben. Wenn einmal bei einem Hausbesitzer die Ver= hältnisse eintreten, wie sie hier geschildert wurden, daß sich seine Familie vergrößert hat, dann hat er genau so das Recht, seine Wohnungsverhältnisse besser zu gestalten, wie der Mieter es für sich verlangt. Wenn behauptet wird, man könne die Zwangswirtschaft nicht von heute auf morgen abbauen, so stimme ich dem zu. Ich habe genau so die Ueberzeugung wie Sie, daß eine sofortige Aufhebung der Zwangswirtschaft eine Katastrophe herbeiführen würde. Aber wir sind der Auffassung. daß die Zwangswirtschaft schrittweise gelockert werden muß, und daß diejenigen, die infolge ihrer sozialen Stellung und ihres Einkommens in der Lage sind, eine höhere Miete bezahlen an ihren Hausbesitzer, die vielfach Kleinrentner sind und nichts mehr besitzen. Der Anfang muß da gemacht werden, wo eine höhere Miete bezahlt werden kann und wo der Mieter sich selbst ein Haus bauen kann.

Was Sie mit der Zwangswirtschaft wollen, Herr Mann, so sehen Sie die Sache von einem ganz einseitigen Standpunkt an. Was Sie hier machen wollen, ich weiter nichts, als eine Sozialisierung auf faltem Wege. Es wird Ihnen nicht ge­lingen, denn der Hausbesitz ist auf dem Damm. Ihre Aeußerung, daß Sie dem Hausbesiz keinen Pfennig gönnen, kennzeichnet Ihren Standpunkt gegenüber dem Hausbesih auch in Ihren eigenen Reihen.

M. D. u. H. Auch ohne Ihren Willen werden wir zum Ziel kommen, da Sie die Verhältnisse zwingen werden, das zu tun, was Sie heute noch bekämpfen.( 3uruf links: Und trotzdem Abbau?) Und trotzdem Abbau, jawohl!

Sie reden dauernd von einer Volksgemeinschaft.( 3uruf links: Wer? Wir nicht.) Wenn Sie aber glauben, daß Sie durch Ihre einseitigen Agitationsmaßnahmen, wie Sie sie hier gebrauchen, eine Volksgemeinschaft fördern können, sind Sie im Irrtum.( 3uruf des Abg. Rizel.) Herr Rizel, Sie wissen ganz genau, daß wir in früheren Jahren im besten Einvernehmen mit den Mietern gelebt haben. Wenn das anders geworden ist, so ist das lediglich verursacht durch die Zwangswirtschaft und die Maßnahmen, wie sie ausgeübt werden. Früher war der

Nr. 86.

Standpunkt der: Jeder Hausbesitzer mußte Mieter und jeder Mieter mußte einen Hausbesitzer haben. Heute ist es so, daß jeder Mieter sagt: ich brauche keinen Hausbesitzer, ich brauche nur eine Wohnung. Sie reden nur immer von den Hausbe­sitzern, die keines Schutes würdig sind, von den Mietern reden Sie nichts. Der Prozentsatz der Mieter, die unbedingt des ge­setzlichen Schutzes entblößt werden müßte, ist ein viel größerer. Sehen Sie sich die Zustände in Ihren Gemeinden an. Sehen Sie die Gemeinde Offenbach an, die ganz unter Ihrem( nach links) Einfluß steht. Sie baut für die Mieter, die sich mit keinem Menschen vertragen können, die geradezu eine öffentliche Plage sind, Holzbaracken. Die bürgerliche Stadt Darmstadt baut wenigstens noch massive Baracken. M. D. u. H. Bon diesen Mietern reden Sie nicht. Sie kennen sie wohl, aber Sie reden nicht von ihnen, weil Sie sie brauchen, weil Sie sie bei der Wahl vor Ihren Karren spannen, deshalb schützen Sie sie. Die ganze

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