v. H., in Bayern 8 v. H., in Baden 4 v. H. und in Württemberg sogar nur 1,5 v. H. der Friedensmiete beträgt. Die Baupolitik der einzelnen Länder ist durchaus selbständig, aber wie schon an dieser Zusammenstellung zu ersehen ist, sehr ungleichmäßig. Der Unterschied zwischen den Mitteln, die in Württemberg und in Sachsen zur Förderung der Bautätigkeit verwendet werden, ist so groß, daß es eigentlich nur dieser Gegenüberstellung bedürfen müßte, um die Wohnungsuchenden jener Länder zu Anträgen auf Aenderung zu veranlassen.
Die nachfolgende Zusammenstellung zeigt, welche Beträge der Friedensmiete für Neubauten in den einzelnen Ländern verwendet werden, und daß in manchen Gebieten recht wenig ge= schieht: Preußen und Sachsen 10 v. H., Bayern und Lippe- Detmold 8 v. H., Hamburg 6 v. H., Anhalt 5 v. H., Baden 4 v. H., Braunschweig 3 v. H., Oldenburg 2,5 v. H., Hessen 2,4 y. H., Thüringen 2 v. H. und Württemberg, wie schon erwähnt," 1,5 v. H. der Friedensmiete. Für Bremen und Lübeck ist ein bestimmter Teil des Steuerertrages zur Förderung der Bautätigfeit nicht abgezweigt.
In diesem Zusammenhang kann nicht verschwiegen werden, daß bald Schwierigkeiten entstehen werden, da einmal ein Mangel an Baustoffen, besonders an Hintermauerungssteinen, besteht, und zweitens ein Mangel an Facharbeitern. Zur Behebung des Baustoffmangels werden die neuerdings stark erhöhten Preise zur verstärkten Betriebsaufnahme anreizen; für die Heranbildung von Lehrlingen und die Umschulung der Bauhilfsarbeiter zu Facharbeitern wird von allen möglichen Seiten etwas getan.
Der neue Landtag in Preußen wird darüber sehr bald Be= schluß fassen, in welchem Umfange eine Erhöhung der gesetzlichen Mieten angeordnet werden kann, wobei der Zuschlag gegenüber dem bisherigen Satz zweckmäßig als Steuer eingezogen und den Mitteln für Neubauten zugesellt werden dürfte. Dann wird es sich erweisen, ob wir ein Bauprogramm erfüllen können, das uns im Verein mit den zuschußlosen Bauten in einer übersehbaren Reihe von Jahren wieder einer normalen Wohnungsmarkt mit freier Wohnungswahl bringt.
Hamburg olgt als erster Staat den hier aufgestellten Forderungen und beantragt bei der Bürgerschaft, die Erhöhung der Mietzinssteuer zur Förderung der Bautätigkeit, die bisher 6 v. H, betrugen, vom 1. Februar 1925 ab auf 12 v. H. und vom 1. April 1925 ab auf 15 v. H. der Friedensmiete festzu= setzen.
Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft am
1. Juli 1926?
Einer Korrespondenz- Meldung zufolge soll nach einer Aeußerung aus dem Preußischen Wohlfahrtsministerium die Wohnungszwangswirtschaft mit dem 1. Juli n. Js. aufhören. Für die Dauer von zwei weiteren Jahren sollen aber noch Bestimmungen über den Mieterschutz erlassen werden. Derselben Meldung zufolge würden bereits Ende 1925 die Wohnungsämter aufgelöst, während gleichzeitig die Hauszinssteuer auch auf landwirtschaftliche Grundstücke ausgedehnt werden soll. Die Mieten für März ds. Js. sollen in Preußen um 4 Prozent erhöht werden.
Brandversicherungsbeitrag für 1924.
Zur Zeit werden die Anforderungszettel für den Brandversicherungsbeitrag für das Kalenderjahr 1924 versandt. Der Beitrag ist festgesezt auf 8 Pfg. für je 100 Mark Friedensbrandversicherungswert. Wo etwa im Anfang der Inflation eine Erhöhung der Brandversicherungssumme beantragt worden und die Herabsetzung auf den Friedensbrandversicherungswert inzwischen nicht erfolgt ist, wird empfohlen, Antrag auf Herabsezung bei der Brandversicherungskammer zu stellen:
Nach einer neuerlichen Anordnung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft ist der auf die Monate Januar, Februar und März 1924 entfallende Teil des Brandversicherungsbeitrages auf die Bewohner des Hauses umzulegen. Es kann also ein Viertel des angeforderten Brandversicherungsbeitrages auf.
die Mieter umgelegt werden, die übrigen drei Viertel hat der Hauseigentümer zu zahlen. Die Verteilung erfolgt wie bei bei den Steuern nach dem Friedensmietwert.
Vor 10 Jahren.
Zufall oder Gottes Fügung?
Wie jeden Monat, so kamen wir Mitkämpfer unseres Hessischen- Brigade- Ersatz- Battalions auch vor kurzem wieder zusam= men und tauschten unsere Erinnerungen aus. Ich schilderte meinen Kameraden und ihren Damen eine Begebenheit, die für mich ein Ereignis von weittragender Bedeutung war und das mich tief erschütterte. Viele betrachteten den Fall wie ich, als Gottes Fügung, andere glaubten an einen Zufall. Ich habe mich daher entschlossen dieses Erlebnis nieder zu schreiben
Nachdem so viel meiner lieben Kameraden, die mit mir 1914 nach Frankreich ausrückten, gefallen, verwundet, gefangen und vermißt waren, wurde ich mißgestimmt und jähzornig. Das ewige Liegen in ein und demselben Abschnitt, kein Fortschreiten zu sehen, jeden Tag Tote und Verwundete, Nässe, Kälte, Ungeziefer, kurzum die Not und die ständigen heimtückigen Todesgefahren im Stellungskrieg, das alles trug dazu bei, daß ich fast verzweifelte. Die Offensiven zwischen Maas und Mosel begannen; der Feind überschüttete uns tagelang mit einem schrecklichen Eisenhagel. Ein durch Sprengung gewonnenes Stück Graben war sein ganzer Erfolg. Unser braves Hessen- Bataillon holte unter großen Verlusten das blutgetränkte Stückchen Erde zurück. Fast sämtliche Offiziere verloren wir dabei. Viel treue Kame= raden wurden verschüttet und man hat nie etwas mehr von ihnen gesehen und gehört. Als wir abgekämpft waren, kam das Bataillon zur Ruhe" nach Pogny. Dort sollten wir neuen Ersatz abwarten, um dann frisch aufgefüllt von Neuem in die Hölle zu gehen.
Wie wir in das Städtchen einmarschierten, stand vor seiner Schmiede der Beschlagschmied eines rheinischen Feld- Artl.- Rgts. Der Mann rauchte eine Zigarette und rief manches Scherzwort in die marschierende Kolonne. Als ich ihn so froh stehen sah, veneidete ich ihn und sagte mir:„ Warum fannst du es auch nicht so schön haben?" Am Mittag hatte ich in der Schmiede zu tun. Der muntere Kölner Junge zeigte mir sein Quartier, schönes Bett, hübsche Einrichtung. Er schilderte sein Leben, gutes Essen, immer im Trockenen, dazu kein Artillerie- Feuer, kurzum, ich sah bei ihm ein Paradies. In meiner Erbitterung beneidete ich ihn noch mehr. und wurde immer unzufriedener.
Später traf ich den Wachtmeister einer bayrischen- Kolonne, hier noch bessere Zustände. Er hatte noch keine Feldstellung gesehen und war immer in feine Quartiere gewesen.
Auch diesen Mann gönnte ich seine Vorteile nicht. Sie konnten sich wenigstens beim Schlafen ausziehen, während ich schon monatelang in den Kleidern und auf Stroh in Schmuz schlief.
Ganz niedergeschlagen und erbittert suchte ich mein Strohlager in einer Schule auf. Die ganze Nacht wälzte ich mich umher und konnte nicht schlafen.
Am Morgen hatte ich in der Nähe des Wachtmeister Quar tiers zu tun. Plötzlich der Ruf„ Flieger". Alles rennt in die Höfe und Häuser, als auch schon mit gräulichem 3ischen, gerade. wie wenn Wasser auf eine glühende Eisenplatte geschüttet wird. eine Bombe herab saust. Gleich darauf ein schwerer Schlag, Fenster klirren, Steine fallen, Schreien und Rufen. Ich war im Augenblick wie betäubt und sah nichts mehr. Als ich zu mir kam, bemerkte ich, daß ein Splitter einem Mann der neben mir stand, den Arm aufgerissen hatte, den Wachtmeister, den ich beneidet hatte, war ein Eisenstück in den Leib gedrungen, nach einigen Stunden war er tot. Mir hatte die Bombe nicht das geringste geschadet.
Im Stillen dachte ich:„ Du hast es doch noch besser wie der Wachtmeister, du lebst wenigstens noch, unrecht war es doch von dir, den Mann seiner Vorteile wegen, zu beneiden."
Einige Minuten später fielen noch 2 Bomben. Gleich darauf schreckliche Hilferufe. Ich lief in der Richtung wo die Rufe her kamen. Was war geschehen. Auf der Straße und im Hofe vor
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