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Besondere Maßnahmen verlangt die Deckung hoher Spizen­leistungen, wie sie bei Elektrizitätswerken für Industrie- und Haushaltversorgung besonders an Winterabenden, bei Bahn­betrieb regellos den ganzen Tag über auftreten. Im großen und ganzen ergibt die Zusammenfassung von Kraftwerken die Summierung von Belastungen, deren zeitlicher Verlauf gegen­seitig ähn.ch ist. Deshalb wird es von höchster Wichtigkeit sein, an vielen Orten speicherfähige Werke zu errichten, damit die zwar örtlich getrennten, zeitlich aber zusammenfallenden Be­lastungsspitzen entsprechend gedeckt werden. Hochbelastete Kno­tenpunkte der Verteilungsnetze sind durch sie zu stüßen und un­vermeidbare Blindleistungen aufzunehmen. Die Grund- und Mittelbelastung wird im allgemeinen von den nicht speicher­fähigen Laufwerken zu tragen sein.

Technisch ergibt sich daraus ein Problem der Regelung für das Parallelarbeiten gleich- und verschiedenartiger Kraftwerke. Zu seiner Lösung ist es nötig, die Charakteristiken der Kraft­maschinen und die der steuernden Regler aufeinander abzugleichen Hier sei auf die grundlegenden Untersuchungen von Geh. Hofrat Dr. J. Ossanna über das Arbeiten von Synchronmaschinen im Parallelbetrieb hingewiesen. Die Ausführungen Ossannas gipfeln darin, daß zur brauchbaren Lösung des Problems der Parallelarbeit die Schaffung einer unabhängigen Betriebsober­leitung mit entsprechenden Befugnissen notwendig erscheint. Eine Lösung dieser Fragen während des Ausbaues der Wasserkräfte und Verteilungsneße ist unmöglich, da aile fraglichen Größen veränderlich sind und bestimmte Annahmen einer Berechnung nicht mit den sich wirklich einstellenden Verhältnissen überein­stimmen würden. Auch die Erfahrungen mit den bereits in Betrieb befindlichen Kraftwerkgruppen anderer Länder, wie Schweiz, Schweden- Norwegen u. a., können für unsere Verhält­nisse nur allgemeine Richtlinien geben. Es wird Sache der wis­senschaftlichen Betriebsführung sein, den Ausgleich zwischen Energiedarbieten und Energieverlangen nach wirtschaftlichen Gesichtspunken jeweils in der möglichen Vollkommenheit durch= zuführen.

Zusammenfassend sei gesagt: Der Ausbau der Wasserkräfte muß nach energiewirtschaftlichen Richtlinien erfolgen und fordert enges Zusammenarbeiten aller Beteiligten. Die gegenseitige Anregung zwischen Elektro-, Maschinen- und Bauingenieuren. wird rasche Klarstellung und Lösung der Fragen herbeiführen, die bei diesen Arbeiten auftauchen.

Die bisher ausgebauten Wasserkräfte sind, abgesehen von staatlichen Großkraftanlagen und mittleren Anlagen für indu­strielle Großbetriebe, in der Hauptsache Kleinkraftanlagen. Sie dienen zumeist zum Antrieb von gewerblichen und indu­striellen Kleinbetrieben, sodann der Elektrizitätsversorgung und arbeiten zum Teil auch für Bahnbetrieb und Wasserhal­tungsanlagen. Betrachtet man ihre Stellung im Rahmen der vorstehenden Erläuterung, so ist unschwer zu erkennen, daß sie bei sachgemäßer Ausführung und sorgfältiger Wassernutzung sehr hohe Wirtschaftlichkeit aufweisen können. In erster Linie stehen speicherfähige Kleinkraftwerke, denen im Verband mit Groß­kraftwerken die wichtige Aufgabe der Spitzendeckung, wie oben ausgeführt, zugewiesen wird. Es gibt Kleinanlagen selbst mit ganz geringen Leistungen, die höhere Wirtschaftlichkeit aufweisen als mittlere und große Anlagen, und die sehr wohl geeignet sind, für den Bereich ihrer Versorgungsgebiete ein wirksames Gegen­gewicht gegen bestimmte Auswüchse in der Tarifpolitik von Ueberlandwerken zu bilden.

Anderseits aber sei hier ausdrücklich festgestellt, daß ein großer, vielleicht der größere Teil der bestehenden Anlagen an Fehlern krankt, die ihre Wirtschaftlichkeit empfindlich schädigen, wenn nicht überhaupt fraglich machen. Oft ist es nur einem gewissen Beharrungsvermögen der Anschauungen und Dauerhaftigkeit des Materials zu danken, daß solche Anlagen fortbestehen.

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Entsprechend der Entwicklung, die der Ausbau von Wasser­fräften genommen hat, sind ältere Anlagen meist nur auf Dauer­leistung, also Niederwasser ausgebaut. Dies geht so weit, daß in manchen Gegenden mehrere nebeneinanderlaufende Werk­tanäle an einem und demselben Wasserlauf zu sehen sind. Un­

dichte Wehre und Schüßen tragen das ihre bei, um die Wasser­verluste alter Turbinen und brüchiger Turbinenkammern zu er= höhen. Es gibt auch neuere Anlagen mit merkwürdigen Einzel­heiten. Der Abtrieb von der Turbine zum Generator oder der Transmission macht gelegentlich unnötige oder unvorteilhafte Umwege und drückt die Turbinenleistung herab. Durch unrich­tige Formgebung des Einlaufs und der Turbinenkammer bilden sich einseitige Strömungen und Wirbel aus, die den Nutzeffekt der Turbine verringern. Geschlossene Turbinenkammern sind undicht, Kanäle versanden seit Jahren mehr und mehr, Mes= fungen an falsch zeigenden oder fasch geschalteten Instrumenten dürften kaum ein richtiges Bild der tatsächlichen Verhältnisse ergeben.

Wirtschaftliche Notwendigkeiten und steigender Kraftbedarf weisen heute den Besitzer einer Wasserkraft auf Steigerung der Leistungsfähigkeit seiner Anlage hin. Vor allem ist es im Einzel­salle notwendig, ein flares Bild über die Wirtschaftlichkeit des Betriebes zu gewinnen. Sind die Wirkungsgrade der Maschinen bekannt, wozu allenfalls eine Leistungsmessung bei verschiedenen Belastungen vorzunehmen ist, so gibt die Beobachtung der Wasserführung und der erzeugten Energie während eines länge­ren Zeitraumes die Unterlagen für eine Feststellung der Werk­nutzbarkeit. Gute Dienste leisten hierbei selbstschreibende Lei­stungsmesser, Druckmesser und Pegel. Die Prüfung der Anlage auf bauliche Mängel führt zur Erwägung der geeigneten Aende­rungsmaßnahmen sowie ihrer Kosten. Gleichzeitig damit sind die Möglichkeiten für eine Erhöhung der Ausbauwassermenge auf ein wirtschaftlich günstiges Maß eingehend zu untersuchen, ebenso für die Anlage eines Staubeckens. Oft sind die hierzu erforderlichen baulichen Veränderungen an der bestehenden An­lage unter Aufwendung verhältnismäßig geringer Mittel durch­führbar. Häufig bietet sich die Gelegenheit, eine brach liegende Kraftstufe zur Erhöhung des Gefälles einzubeziehen. Nach Ver­besserung des wasserbaulichen Teils gibt eine Turbinenaus­wechselung Gelegenheit zur Beseitigung ungünstiger Antriebs­verhältnisse. Werden solche Arbeiten mit der erforderlichen Umsicht und nach wasserwirtschaftlichen Gesichtspunkten durch­geführt, so kann eine alte Wasserkraftanlage zu einer hochwer­tigen umgestaltet werden. Auch bei Wasserläufen, die durch viele hintereinander liegende Kleinkraftanlagen ausgenützt sind, läßt sich durch eingehende Ermittlungen wohl eine Möglichkeit der Betriebsgestaltung finden, die unter Wahrung berechtigter

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