gewissenhafteste Geschäftsmann ins Gedränge kommen. Am schlimmsten, wenn ein von ihm des notwendigen Kredites wegen ausgeschriebener Wechsel vor der Türe steht. Kann er den Wechsel nicht pünktlich einlösen, so wird dieser protestiert, und es entstehen leicht unliebsame Kosten. Aber es entsteht noch mehr, noch viel Schlimmeres: die Kreditfähigkeit, der gute Ruf, und damit die Ehre wird untergraben, am Ende gar vernichtet.
Da nun die meisten Geschäftsleute jetzt nicht voraussehen können, ob sie die acceptierten Wechsel auch am Verfall einzulösen in der Lage sind, so sollte man beizeiten dafür sorgen, daß eine Protestation unterbleibt und der gute Ruf nicht leidet, daß die Ehre gerettet wird. Der sicherste Weg ist immer, überhaupt keinen Wechsel zu geben, der zumeist längere Zeit läuft, sondern zu ver= einbaren, den Rechnungsbetrag in Zeit- Abschnitten von 8 bis 14 Tagen, je nach den Eingängen,„ abzuzahlen". Das ist jedem Kaufmann, jedem Gewerbetreibenden, jedem Handwerker möglich. Bei solchen Ableistungen, die stets den besten, ehrlichsten Willen dokumentieren, gewinnt man eher noch an Vertrauen und weiterem Kredit. Der Lieferant weiß, mit wem er es zu tun hat, und er wird periodische Barzahlungen viel lieber annehmen als einen Wechsel, den er vielfach auch nicht immer weitergeben oder diskontieren kann. Auch er braucht ja flüssige Mittel. Sei man nur standhaft! Mache man es sich zum Prinzip, nie einen Wechsel zu geben. Dann kann man auch alle Tage gut schlafen und sorgenlos sich seinem Unternehmen widmen. Die Zahl der Wechselproteste und Wechselprozesse wächst unheimlich an und schafft bei vielen drückende Not. Lasse man sich also belehren!
Der Pfarrer als Finanzmann. Eine Kirche aus dem Erlös von Inflationsscheinen. Das Kunststück, aus Inflationsgeld positive Werte zu schaffen, hat der schlesische Pfarrer Bunzel zuwege gebracht, ja, es ist ihm sogar gelungen, mit dem scheinbar ganz wertlosen Geld in seiner Heimatgemeinde Ottendorf eine Kirche errichten zu kön= nen. Gegen Ende des Jahres 1920 machte sich in den Kirchengemeinden die Anhäufung der entwerteten Papiere schon bereits stark bemerkbar, und die Klagen, daß das Geld, welches durch die Kirchenopfer und sonstgen firchlichen Sammlungen einging, bereits entwertet wäre, wurde immer lebhafter. Da begann Pfarrer Bunzel unter der Losung„ Aerger in Segen verwandeln" die Sammlung der wertlos gewordenen Zahlungsmittel, wozu auch verfallenes oder städtisches Notgeld gehörte. Es sollte nach seinen eigenen Erklärungen eine Kirche aus falschem Gelde" daraus werden. Bei seinen Amtsbrüdern verdiente sich Pfarrer Bunzel bald den Spiznamen„ Der Falschmünzer"; er mußte sich manchen harmlosen Spott ob seiner Sammelidee ge-fallen lassen, hatte aber doch sogleich den Erfolg, daß man ihm alles wertlose Papiergeld übersandte. So trafen bei ihm aus dem ganzen deutschen Reiche viele Zentner Metall- und Papiergeld ein. Pfarrer Bunzel sichtete und sortierte unermüdlich die Tausender, Milliarden- und Millionenscheine, das städtische Notgeld und auch die vielen Notgeldmünzen. Er setzte sich mit Sammlern, Liebhabern und Münzsachverständigen, Firmen, inund ausländischen Bankinstituten in Verbindung, verwertete das wie ein solider Kaufmann alles aufs beste und siehe da Ergebnis war ein Kapital, mit dem nicht nur die projektierte ,, Inflationskirche" errichtet werden konnte, sondern das sogar noch zu vier Glocken für eine andere Kirche reichte.
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Der gemeinnügige, organisationsfreundliche Geistliche will die einmal geglückte Jdee weiter ausspinnen und gedenkt sie aufs neue fruchtbar zu verwerten. Er vertritt nämlich die Ansicht, daß auch heute noch viele Hunderte von Zentner Inflationsscheine sich im Besitze des deutschen Volkes befinden. Daß diese scheinbar wertlos gewordenen ,, Lappen" bereits wieder Wert bekommen haben, geht daraus hervor, daß eine süddeutsche Firma zwei Alben mit Inflationsgeld zur Erinnerung an die trübe Zeit" herausgibt. Für gut erhaltene Scheine zahlt die Firma 1 bis 2 Pfennig pro Stüd und stellt bei besonders gesuchten Banknoten auch noch höhere Preise in Aussicht. Die Firma verkauft ein Album mit 60 solcher Scheine um zwölf Mark, ein anderes Album mit hundert Scheinen für vierundzwanzig Mark.
Pfarrer Bunzel in Ottendorf will nun seinerseits einen neuen Sammeldienst für Inflationsgeld organisieren, um die hier noch im Volke vorhandenen Werte für firchliche Zwecke dienstbar zu machen.
Ein Hoffnungsstrahl für Inflationsgeldbesizer! Wer weiß, ob das alte Papiergeld nicht noch ganz anständig dadurch aufgewertet wird, daß das Sammeln der„ Inflationsfezen" besonders auch im Ausland in Mode kommt.
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Kleine Nachrichten.
Ein Edelmann. Ein vorbildlicherGutsherr ist der Rittergutsbesitzer von Sudow in Helsfelde bei Leer. Er hat sämtlichen Kriegerwitwen und auch sonstigen Witwen der Gemeinde, die von ihm Pachtland haben, mitgeteilt, daß sie für die weitere Zeit ihres Lebens von jeder Pachtzahlung befreit sein sollen.
Ein Denkmal für eine Waschfrau. In Nizza ist das Dentmal für eine Waschfrau, die im Jahre 1543 die Stadt gerettet hat, eingeweiht worden. Die Rettung der Stadt Nizza durch die Waschfrau soll, wie eine Legende erzählt, folgendermaßen vor sich gegangen sein: 1543 wurden die Küsten der Provence von der Flotte der gefürchteten Korsaren angegriffen. Mehrere Mo nate hindurch verteidigte sich die kleine Festung Nizza heldenmütig gegen die feindlichen Angriffe, bis am 15. August das eigentliche Bollwerk der Festung in die Hände der Feinde fiel. Schon pflanzte der Befehlshaber der Korsaren seine Fahne auf der Turmspitze auf, als plötzlich mit fliegenden Haaren und offe= ner Brust eine Waschfrau auf den Anführer der Korsaren losstürmte und ihr Waschbrett als Waffe schwang. Mit einem Schlag schmetterte sie den türkischen Offizier zu Boden und indem sie die Fahne des Feindes niederriß, rief sie„ Sieg!" Der Ruf wurde im Nu von tausend Stimmen aufgenommen. Die Bewohner von Nizza stürzten sich auf die Feinde und die Korsaren wurden aus der Sadt hinausgeworfen. Der tüchtigen Waschfrau hat man jetzt in Nizza ein Denkmal gesetzt.
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Gräflige Tischlergesellen. In Dänemark haben zwei Damen der Gesellschaft, darunter eine Gräfin, die Prüfung als Tischlergeselle abgelegt und glänzend bestanden.
- Die Handwerkervereine von Berlin und Umgegend haben sich zu einem ,, Bund der Handwerkervereine, Siz Berlin", zusammengeschlossen.
-Ein Erwerbsloser in Deutschland kostet nach dem gegenwärtigen Sage der Unterstützung dem Reiche im Durchschnitt monatlich 41,60 Mark. Die Gesamtbelastung des Reiches für die Erwerbslosen Unterstützung beträgt jährlich rund 270 Millionen promart.
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-In England waren bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen am 1. September 925 000 Männer und 248 000 Frauen als erwerbslos angemeldet.
-In Peru sind die meisten Gegenstände, welche die Vereinigten Staaten während des Krieges und nachher noch einführten, wieder von der deutschen Einfuhr verdrängt worden.
Soziales.
Das Landesversicherungsamt Darmstadt schreibt uns: Mit Wirkung vom 1. Dezember 1924 werden wieder Zuschüsse zu den Kosten künstlicher Gebisse, künstlicher Glieder, Stüßkorsetts usw. geleistet. Damit hat die Versicherungsanstalt das gesamte Heilverfahren in dem früheren Umfange aufgenommen. Es werden demnach für die Versicherten gewährt: Kuren in Lungenheilstätten, Badeorten, Heilanstalten für Nervenkranke und für Genesende, Behandlung von Geschlechtskranken, Unterbringung Lungenkranker in Invalidenheimen, Zahnheilverfahren, Zuschüsse zu künstlichen Gliedern, Stüßapparaen usw. Die Versicherungsanstalt nimmt sich auch der nichtversicherten Bevölkerung an, soweit sie von der Tuberkulose und vom Krüppeltum bedroht, oder von Geschlechtskrankheiten heimgesucht ist. Sie bewilligt nicht nur Zuschüsse zu den Heilfuren für lungenkranke Erwachsene und Kinder, zu den Badekuren für strophulöse und tuberkulosebedrohte Kinder und zur Behandlung von Geschlechtskrankheiten
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