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Amors's Fliegerpfeile.

Nach einer Begebenheit von einem rheinhessischen Sanitätsmann erzählt.

Jm Oberland droben war es. Herrlicher Sonnenschein spiegelte sich in den blaugrünen Wassern des Bodensees. Eine frische Brise vom See her fächelte dem Ufer Kühlung zu. Die üppigen Halmfrüchte der Fluren neigten ihre schweren Häupter verständnisvoll, sich gleichsam gegenseitig zuraunend: eine gute Ernte wird's dieses Jahr. Ueber diesem Segen verheißenden Bilde lag ein schwerer Druck. Der Krieg. Das sonst so ge­schäftige Leben und Treiben in dem am schwäbischen Meer ge= legenen württembergischen Oberamtsstädtchen war verstummt. Männer und Jünglinge standen draußen im erbitterten Ringen fürs teuere Vaterland, für die liebe Heimat. Das Rote Kreuz hatte in dem freundlichen Städtchen seine Tätigkeit aufgenom men. Für das neu errichtete Lazarett wurden Hilfskräfte ge­sucht. Das zarte Geschlecht leistete der Aufforderung hierzu gerne Folge. In freudiger Begeisterung famen die jugendlichen Schö­nen, um sich in die Meldelisten eintragen zu lassen, um dann mit triumphierenden Lächeln sich zu entfernen, das stolze Be­wußtsein im stark pochenden Herzen: ich werde Krankenschwester. Wie willig kamen sie zum Unterricht. Die schlichte, kleidsame Tracht der Helferinnen, das einfache weise Häubchen waren ihnen jetzt viel lieber als der teuerste Sonntagsstaat und der feinste Hut neuester Mode. Ja, wenn diese Tracht allein die Schwester ausmachen würde! Eine gute Natur, ein starker Wille und ein Herz voll von echter Nächstenliebe sind Grund­bedingungen, die eben nicht bei allen Hilfsbereiten vorhanden waren. Die Ausbildungszeit ging zu Ende, sie schloß mit einer Prüfung ab. Nun folgte die praktische Betätigung.

Die hellen hohen Räume des Lazarettes mit ihren blendend weißen Betten machten einen freundlichen Eindrud. Kriegs­opfer kamen. Unter Leitung von Berufsschwestern nahmen die jungen Kräfte ihre Tätigkeit auf. Die Wartung der Kranken und Verwundeten stellten große Anforderungen an das Pflege­personal. Besonders die Schwerkranken bedurften bewährter Kräfte. Mit dem ersten Transport war ein junger Krieger mit einer anscheinend leichten Verletzung eingeliefert worden. Nach einigen Tagen verschlimmerte sich dessen Zustand und wurde immer ernster, so daß man das Schlimmste befürchtete. Leben und Tod stritten um ein Opfer. Wochen und Monare lag der Bedauernswerte auf seinem Schmerzenslager. Viele Nate Viele Nate wachten Schwestern und Helferinnen am Bette des meist Be­wußtlosen, um ihm eine Stärkung zu reichen, sobald er aus seinen schweren Fieberträumen erwachte. Unzählig waren die Besuche der beiden Aerzte bei dem Kranken. Alle Mühe und Sorgfalt, alle aufopfernde Pflege schienen vergebens. Endlich, nach langem Bangen und Harren trat eine leichte Besserung im Be­finden des stillen Dulders ein, die ein freudiges Aufleuchten in den Mienen der um ihn Besorgten erkennen ließ. Nicht ver­gebens hat der gütige Schöpfer die Gabe der Hoffnung in das Menschenherz gelegt, an die sich dasselbe so gerne anklammert. Die Hoffnung täuschte nicht.

Inzwischen hatte der liebliche Lenz in der Natur wieder seinen Einzug gehalten. Die Frühlingssonne sandte ihre alles belebenden Strahlen auf Flur und Hain der bergumkränzten Landschaft und spiegelte sich in den klaren Wassern des Sees. Im Lazarett herrschte eine besonders freudige Stimmung. Der bietere Krieger, an dessen Schicksal alle so herzlichen Anteil nahmen, wurde heute im Fahrstuhl auf die Veranda des Hauses verbracht, deren bunte Fenster weit offen standen, um der wür­zigen Luft Zugang zu dem behaglichen Raum zu lassen. Und wie sinnig waren Fahrstuhl und Fensterbank mit blühenden Blumen geschmückt, die irgend eine liebende Hand aus einem Treibhause erstanden hatte. Eine lieben Hand? Ach nein, es war nur eine Aufmerksamkeit seitens der kleinen schwarz­haarigen Helferin mit dem bleichen Gesichtchen. Schwester Agnes. Niemand hätte ihr eine solche Zähigkeit und Aus­dauer in der Krankenpflege zugetraut, wie sie sie in diesem schwierigen Falle bewiesen hatte. Mit den Blumen wollte sie dem Kranken eine Freude bereiten.

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Immer höher stieg die Frühlingssonne, immer größere Fort­schritte machte die Heilung des Patienten. Er war gerettet, dem Leben wiedergegeben. Nicht lange dauerte es, da unternahm der Genesende kleine Sparziergänge in Begleitung seiner Kame= raden. Dem Elternhause der Schwester Agnes, die jetzt Urlaub genommen, galt sein erster Gang. Er wollte dieselbe mit seinem Besuch überraschen und ihr seinen Dank abstatten für all das, was sie an ihm getan. Gestützt auf den Arm seines Kameraden trat er ein. Freudig wurden die beiden Soldaten aufgenommen. Die Gäste wurden festlich bewirtet. Meister Wendland, der Vater der Schwester, hatte früher im gleichen Regiment gedient, in dem das Schmerzenskind des Lazarettes, wie man den jetzt Wiedergenesenden nannte, stand. Da gab es Stoff genug zu lebhafter Unterhaltung. Hell flangen die Gläser aneinander, als beim Abschied auf das Wohl des Rekonvaleszenten anstieß. Vater Wendland nahm den Soldaten das Versprechen ab, bald wiederzukehren. Die beiden Freunde gaben solches um so lieber, als Schwester Agnes den Beweis gegeben hatte, daß sie auch in der Küche gut bewandert sei. Gelegenheit zur Wiederkehr in dem gastlichen Hause bot sich bald. Der Genesende mußte die Post des Lazarettes befördern; so kam er öfters bei Wendlands vorbei.

Der Argwohn ist doch etwas Schlimmes. Selbst unter Freundinnen greift der Geselle Plaz. Erst sprach man unter sich Vermutungen aus. Bestimmtes fonnte man trotz aller An­strengungen nicht erfahren. Sogar die intimste Freundin der Schwester blieb verschwiegen. Inzwischen war der Sommer ins Land gekommen. Das Lazarett hatte oft seine Bewohner ge= wechselt, aber der Stammgast" war immer noch da. Man sprach davon, er solle vom Heeresdienst befreit werden. Die Vermutungen im Freundeskreis, der nun wieder im Dienst sich befindenden Schwester Agnes verdichteten sich immer mehr. Sie nahmen greifbare Gestalt an, als man eines Sonntags Familie Wendland mit dem Soldaten im Walde traf. Waldwege sind feine Heeresstraßen. Aber trotzdem fanden die Freundinnen etwas dabei, daß Vater und Mutter vorausschritten, die Schwe ster mit dem Besuch folgte und sich mit demselben so lebhaft unterhielt, daß sie die Freundinnen erst wahrnahm, als diese mit einem besonders lauten, Grüß Gott" an ihr vorüber gingen. Jetzt war die geheimnisvolle Frage gelöst. Das war mehr wie Gastfreundschaft. Eigentümlich, am selbigen Abend sprach man am Stammtisch im ,, Goldenen Rössel" schon davon, daß Agnes sich mit dem Soldaten aus dem Lazarett versprochen habe. Einige Mitglieder des Hohen Rates stellten diese Mitteilung ganz ener= gisch in Abrede. Plötzlich wurde die Unterhaltung abgebrochen und eifrig der neueste Tagesbericht diskutiert Wendland war eingetreten. Mit ihm erschien auch der Bezirksarzt im Hono­rationenstübchen. Seit Eröffnung des Lazaretts hatte der Herr Doktor, gegen seine Gewohnheit, nur selten Zeit zum abendlichen Plauderstündchen, weshalb ihn die Stammtischrunde um so freudiger begrüßte. Die Unterhaltung drehte sich alsbald um das Lieblingswerk des Arztes, das Lazarett. Als größte, oder besser gesagt, neueste Neuigkeit, vernahm die Tischgesellschaft, daß am kommenden Sonntag eine Rundfahrt auf dem Boden­see für die Verwundeten angesetzt sei. Die Einladung zur Teil­nahme wurde von dem Stammtisch mit lebhafter Freude ange= Der freundliche Bezirksarzt sprach noch über ver­schiedene Ueberraschungen, die geplant seien und gab der Erwar­tung Ausdruck, daß die Veranstaltung ein echtes deutsches Fest werde. Im Vorgefühl der Freude wurde die Unterhaltung immer lebhafter. Da brach Meister Wendland auf. Die mehr­fache Aufforderung, doch noch zu bleiben, lehnte er ab, da er nach dem Abendessen noch schriftliche Arbeiten zu erledigen habe. Auch der Arzt mußte die heitere Gesellschaft verlassen. Kaum hatte sich die Türe hinter den beiden geschlossen, da fielen schon die Bemerkungen über das unerwartet rasche Verschwinden von Wendland, der doch sonst kein Spielverderber war. Was sollte

nommen.

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Die Fettleibigkeit!

ihre Gefahren und Beseitigung. Ausführliche Druckschrift Nr. 2 kostenfrei. Dr. Hugo Caro G. m. b. H., Berlin W 30