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Gießener Zeitung

Bezugspreis 4.- mk. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 12,- Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Erpedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 9,- Mk. Erscheint Redaktionsschluß Dienstag, Donnerstag u. Samstag. früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Nücksen­dung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Drud der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Nr. 21.

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Telephon Nr. 1362.

Der Fulda- Lahn- Kanal.

Von interessierter Seite wird uns geschrieben:

Expedition: Gießen, Südanlage 21.

Samstag, den 27. Mai 1922.

"

Weser und Main Donau darstellt würde er ganz Thür­ingen und Oberfranken mit dessen Eisenerzlagerstätten erschließen, genau wie der Fulda Lahn- Kanal ganz Der Aufsatz von Dr. Weymar in der Deutschen reichen Bodenschäße von Nassau erschließt. Gegen die Oberhessen mit dem Zentralpunkt Frankfurt und die Bergwerkszeitung" vom 20. April über Südwestdeutsche Erbauung dieser beiden Kanäle wendet sich Herr Dr. Kanalfragen" spricht sich abfällig über den Fulda. Lahn Kanal aus. Er ist durchaus im Frankfurter Sinne Weymar mit dem Argument, daß ein Stanal, nämlich geschrieben, aber gerade in diesem Sinne betrachtet, ver­der Kompromiß Kinzig- Fulda, kürzer set als zwet. In Gr­gißt er aus den Bestrebungen des Fulda- Lahn- Kanal- widerung darf ich aus einer andern Stelle des hier be­bereins die Verbindung Frankfurt Gießen zu er strittenen Aufsatzes zitieren: Es dürfen nicht allein ber wähnen, er stceift sie vielmehr nur mit einer einzigen kehrstechnische Gründe maßgebend sein, sondern in erster und falschen Ziffer. Durch Einbeziehung dieser Verbin Linie wirtschaftliche." Es gilt nicht, die kürzeste Linie dung in die Binte Koblenz- Staffel mit dem Knotenpunkt zu finden, um über diese einen unbelebten Stanal, etwa in Gießen wird aber das ganze Bild verschoben und für Rennboote, zu bauen, sondern es fragt sich, wo die sämtliche Schlußfolgerungen des Auffages über den Hau- größten Verkehrsmengen liegen, wo Massenerzeugung oder bedarf längs der Wasserstraße zu erwarten ist und fen geftürzt. schließlich, wie deren Betriebslänge sich stellt. Nicht auf die absolute Länge, auf die Kilometer, wie man sie auf der Karte abstechen fann, fommt es an, sondern auf die Betriebslänge, auf die Zahl der Kilometer, welche sich ergibt, wenn jede Unterbrechung des Kanals, jeder Aufenthalt für die Schiffahrt durch Schleusen, Schiffahrts. tunnels oder dgl. als Busazkilometer den absoluten Ent­fernungen zugerechnet wird. Dann hat nach der ersten Autorität auf diesem Gebiete, dem verstorbenen Minis terialdirektor Sympher, der Weg von Frankfurt Ost­hafen nach Hann. Minden trog ungefähr gleicher ab. soluter Stlometerzahl über beide Linten eine Betriebs länge über Fulda von 536 fm und 468 m Höhenun terschied, über Wetterau nur 425 fm und nur 373 m herunterschied. Das ist ein Vorteil von nicht we niger als je 260% in Betriebslänge und Höhen­unterschied zugunsten der Verbindung Frank furt: Weser über Gießen.

Die Pläne des Fulda Lahn Kanalvereins verbinden einmal in einer von der Natur gegebenen und an Boden­schäzen reichen Linie, dem Lahrlauf, das Rhein, Mosel und Saargebiet mit Kaffel und der Weser. Dabei gehen die Eisenerze der Lahn nicht nur westwärts, wie Herr Dr Weymar meint, nach dem theinischen Industriege biet zu, sondern ebensowohl oftwärts nach dem Eisen hüttenbezirk um Weglar, Lollar und die Dill herum. Wenn Herr Dr. Weymar schreibt, daß dieser Wasser: weg ein Einfallstor aus Mosel und Saargebiet fet und der französischen Wirtschaft zum Schaden der deut­schen entgegenkomme, so ist dieser Gedanke durchaus unnationnal! Wir müssen uns von unsern abgetrenn­ten Brüdern nicht durch möglichst vorsichtige Schranken trennen, sondern wir müssen versuchen, alle Schranken zwischen uns einzureißen, ihnen die Hand zu reichen, wo es nur möglich ist, und sie an Deutschland zu fetten, statt sie davon abzustoßen. Der Fulda Lahn: Kanal ist deshalb nicht zu verwerfen, sondern auf das wärmste zu begrüßen. Vielleicht ist ec das erste Glied in einer zweiten West- Ost Verbindung, ähnlich dem Mittelland kanal, zu Wasser durch ganz Deutschland vom Saarge­biet über Lahn, Thüringen und Sachsen nach Ober­schlesien!

Die Kilometerziffer, welche Dr. Weymar über die Verbindung Mainz Minden zuungunsten des Fulda. Lahn- stanals bringt, ist falsch. Sie beträgt nicht 623 fm, denn f in Schiffer wird den Umweg über Oberlahn stein Limburg von Mainz aus machen, sondern er wird die Verbindung Frankfurt Gießen Winden benußen; dann aber beträgt der Weg Mainz Minden nur 482 fm absoluter Länge. Das sind 141 km= 29% weniger. Hier macht sich ben des, was Herr Dr. Weymar aus gelassen hat, bemerkbar, nämlich daß die natürlichste Verbindung von Frankfurt a. M. nach der Weser längs der Main Weserbahn geht, wie das ja schon die alten Eisenbahn Ingenieure 1850/52 erfannten, von Frank­furt durch die Wetterau nach Gießen. Es muß hier be­tont werden, daß nach der Lage der Bebauung und Rach den Möglichkeiten der modernen Technik diese Linte nicht in Höchst längs der Nidda in den Main einlaufen, sondern etwa in der Richtung Gronau Bischofs. heim ihren Fußpunkt zwischen Hanau und Frankfurt, sehr günstig für dessen Osthafen, haben würde. Diese Linie Frankfurt Gießen würde nur 65 fm absolute Länge haben, also 27% weniger als die 83 fm, welche Dr. Weymar angibt. Alles, was er über die Vorteile sagt, die die Städte Mainz, Höchst, Frankfurt, Offen­bach und Hanau von einer Stanalliate über Kinzig­Fulda haben würden, trifft auf die Wetterauer Linie cbenfalls zu und zu den genannten Städten würden noch Friedberg mit Mangan Braunfohlengruben, Nau­heim, Buzbach mit seiner mächtig aufblühenden Schwer. industrie die Vorteile des Wasserweges genießen. Die Städte aber längs Kinzig- Fulda, Gelnhausen, Fulda, Hersfeld und Melsungen, werden an wirtschaftlicher Wichtigkeit weit von denen an der Fulda Lahn Linie überragt: Gießen, Wetzlar mit den Buderusschen E.sen werken, Bollar mit deren Hütte, Marburg und Treysa. Kaffel als beiden Projekten gemeinsam scheidet beim Vergleich aus. Wenn Herr Dr. W. ymar schreibt, daß der Fulda Lohn Knal nicht tonfurrenzfähig sei, weil schon Eisenbahnen aus seinem Gebiet nach dem ihein. ischen Industrierebier cristierten, so trifft dies ebenfalls auf den Fulda Kinzig- Kanal und Deraügemeinert wohl auf jeden Kanal zu.

Es ist dem Fulda Lahn Kanal Verein nie einge fallen, seine beiden Strecken Koblenz- Gießen Kassel und Frankfurt Gießen Kassel als eine Verbindung zwischen Donau und Weser anzugeben. Dafür ist der Werra- IB- Main- Kanal bet weitem die günstigste Lösung. Abgehen davon, daß er die fürzeste Linie zwischen

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 1362.

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35. Jahrg.

It- Main günstiger als bei der Fulda Kinzig- Binic. Frachtmengen sind anf diesen beiden Linten in weit bc­trächtlicherem Umfange zu erwarten, längs der Lahn Sandstein, Schwerindustrie von Wetzlar und Butzbach, durch Eisenerze, Braunkohle, Kalk, Ton, Basalt, Holz, längs der Werra namentlich die Eisenerze von Ober­franken und Kalt. Auch in der Erschließung von Wasser­fräften dürfte anf setten dieser beiden Linten der Vorteil gegenüber Kinzig- Fulda liegen. Die Baukosten sind für die kurze Gabelung Fulda Kinzig und Fulda- Sinn vielleicht billiger als für die beiden andern Linien, die schon bei Münden auseinanderzweigen, dafür aber auch einen viel größeren Einflußbereich befruchten. Was man übrigens an Schwierigkeiten und Kosten im Ge­birge zwischen Schlüchtern und Fulda zu erwarten hat, das beweist das Beispiel der Eisenbahn mit der Spiz­fehre bei Elm, das 50 Jahre dauerte, bis man in einer Ingenieurtat allerersten Ranges und mit ungeheueren Kosten den Tunnel bei Flieden doch als Ecsazz durch­führen mußte; bet dem Bau glaubte man auch, gerade wie Dr. Weymar heute für seinen Stanal, von dem Tunnel absehen zu können.- Sympher gibt als An­baltsziffer für den Kilometer Kanal im Flachlande 600 000 und im gebirgigen Gelände 2 000 000 Golt­mark als Baukosten an.

Für die Großstadt Frankfurt selbst mit dem anschlic Benden Industriezentrum, auf die natürlich jedes Projekt den größten Wert legen muß, ist der Weg zur Weser über die Wetterau billiger im Bau, kürzer und billiger im Betrieb und mehr versprechend in den Frachtmengen. was bleibt da eigentlich noch für das Kinzig- Fulda­Projekt übrig als das lokale Interesse von Gelnhausen, Schlüchtern und Fulda.

Literarisches.

** Daten des Weltkrieges. Vorgeschichte und Verlauf bis Ende 1921 von Kurt Jagow. Halbleinenband 100 Mark.

Leipzig 1922. K. J. Koehler. Auf dem Büchermarkt fehlte bis­her ein praktisches Nachschlagebuch über die Ereignisse des Welt­frieges. Diese Lücke füllt der Jagow" in vorbildlicher Weise aus. Unterstützt durch ein 2 Bogen starkes Register, in dem jeder Name, jeder Ort, der einmal eine gewiße Rolle gespielt hat, ver­zeichnet ist, findet man über Vorgeschichte, Weltkrieg und Strieg

Herr Dr. Weymar wendet sich zu der Werca- It­Linie und macht sich das Urtell einer französischen Han­delskammer des besetzten Gebietes gegen diese Linte und zugunsten der Linie Kinzig- Fulda zu eigen. Einen Deutschen sollte aber das Wort einer französischen Han delskammer höchstens zur Vorsicht mahnen; es fönnte sein, daß die Franzosen nur deshalb gegen die Werra­It Mainlinie find, weil diese zu weit außerhalb des französischen Einflußbereichs liegt! Weiter aber verrät das französische Urteil durchaus nicht einen wirklichen Kanalpraktiker", denn es läßt einen bereits bestehenden Kanalweg zwischen Weser und Main( la voie dèjà canalisée) nur für große Schiffe vertiefen, während dieser Kanal weg überhaupt noch nicht besteht. Die frazösische Han delsfammer" bei wechselt augenscheinlich die Verbindung Weser Werra- Main mit der allerdings bestehenden fleinen alten Verbindung zwischen Donau und Main, bücherei erworben haben. Besonders hervorzuheben ist der über­dem Ludwigskanal.

Der Aufsatz versucht dann durch Aufzählung der einzelnen Frachtgüter, nämlich Braunkohlen, Kali, Holz, Basalt, Kalf uud Sandsteine der Beweis zugunsten des Kinzig Fulda Kanals gegenüber den beiden andern Projekten zu führen. Nur hat über die vergessene Ver­bindung Gießen Frankfurt das Kaffeler Braunkohlen­becken nach Frankfurt und Höchst einen fürzeren Weg in absoluten wie in Betriebskilometern, als über Fulda­Stinzig. Die B.aunkohlen vorkommen von Fulda und Schlüchtern find, wie der Aufsatz selbst zugibt, minder­weitiger; dann wird man schon besser über die Zahn und Wetterau die bessere und nachhalterige Westerwäl­der und Wetterauer Braunkohle oder solche aus der Ziegenhainer Gegend heranziehen! Was Kali betrifft, so ist der Abbau längs der Werra erheblich bedeutender als längs der Fulda; wenn man also mit Dr. Weymar einen Seitenfanal zum Anschluß des einen Vorkommens an das andere annimmt, scheint es doch richtiger, das Kleinere an das Größere anzuschließen, als umgekehrt. Holz ist kein Massenartikel, im Sinne großen Verkehrs; 10/20 Fstmeter geben nur einen Eisenbahnwagen an Gewicht; außerdem findet es sich ebenso wie Stalf und Sandstein auch im reichsten Maße längs der Lahn­Fuld- Linte, ersterer in den ungezählten Stalföfen zwischen Diez und Gießen, letzterer in der Marburger Gegend.

Wenn Herr Dr. Waymar von der Industrie der Steine sp icht, die aus seinem Kanalgebiet über Frank­furt nach ausländischen Häfen gehen sollen, so fann sich das wohl hauptsächlich auf Basalt beziehen; hier ist aber für das riesig. Vorkommen des Vogelsberges wie die unerschöpflichen, in Hunderten von Brüchen ausge= beuteten Basaltlagen des Westerwaldes der Weg über die Lahn nach den Auslandshäfen und dem großen Verbrauchsgebiet Holland bei weitem am besten.

Die Betriebslängen für die Schiffahrt stellen sich bei Lahn- Fulda Frankfurt- Wetterau und bei Werra­

nach dem Kriege in übersichtlicher Anordnung das, was sonst nur in dickbändigen Werken aufgenommen ist. Die Ereignisse auf den einzelnen Kriegsschauplätzen, Politik und Wirtschaftsfrieg sind nacheinander getrennt behandelt, 5 synchronistische Tabellen er schließen das Verständnis für das Nebeneinander der Kampshand­lungen und der politischen Schachzüge. Besonders wertvoll ist der wortgetreue Abdruck der wichtigsten Stellen aus diplomatischen Schriftstücken und Reden. Der" Jagow" ist für Politiker, Historifer, Bibliotheken nnd Schulen unentbehrlich, er wird aber auch als Vademekun sür den Zeitungsleser bald Heimatrecht in jeder Privat­sichtliche gutlesbare Druck auf haltbares, völlig holzfreies Papier.

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Verantwortlich: Albin Alein, Gießen.

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