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Gießener Zeitung

Bezugspreis 6,- mk. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 18,- Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen vierteljährlich 15,- Mr. Erscheint Redaktionsschluß Dienstag, Donnerstag u. Samstag. früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Nüdsen­bung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Drnd der Gießener Verlagsbruckerei, Albin Klein.

Nr. 34.

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Telephon Nr. 1362.

Die Sprungbaft steigenden Preise der Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände.

Um eine Uebersicht über die gegenwärtigen Preise für die notwendigsten Lebensmittel und Gebrauchsg= genstände zu gewinnen, hat die Berliner Morgenzei­tung" in den verschiedenen Stadtteilen Berlins in fleinen, mittleren Geschäften und in Warenhäusern am 21. Sept. umfragen lassen. Das Ergebnis ist folgendes:

Ein Rundgang gerade durch die kleinsten Geschäfte und Betriebe für die Herstellung und den Verkauf täg­licher Gebrauchsgegenstände erweist, daß der kleine Ge­schäftsmann und Handwerker von heute bereits gelernt hat, mit dem Dollar zu rechnen und entschlossen ist, die Dollarwährung für Lebensmittel und unentbehrliche Gebrauchsgegenstände fonsequent durchzuführen. Typisch für die Gesamtauffassung dieser Kreise ist ein Gespräch mit einem Schuhmacher, der ein ganz kleines Ladenge schäft hat, in dem er Schnürbänder und Schuheceme berkauft, und der im übrigen nur flickschustert. Die Frage nach dem Tagespreis für ein Paar guter Herren­fohlen beantwortet er lafonisch dahin: Der läßt sich heutzutage nicht mehr so genau bestimmen! Geben Sie mir einen Auftrag, dann führe ich ihn billigst aus. Ob Sie mehr bezahlen werden als den Richtpreis, den tch Ihnen sagen fann, das fönnen Sie selbst aus dem Kurszettel nachlesen. Steigt der Dollar, dann steigt auch der Sohlenprets." Ec weigerte fich fategorisch, einen festen Prets anzugeben und verwies auf die Richtlinien seiner Organisation, nach denen er sich aber nicht richtet, sondern die er sozusagen als Preisrichtungspfeile nach oben betrachtet. Die gegenwärtigen, etwa auf einen Dollarftand von 1000 aufgebauten Richtpreise ergeben für die am häufigsten vorkommenden Schnhausbesse­rungen folgendes Bild:

Schwere Herrensohlen( 220 Gramm) genäht 471 Mr., genagelt 394,50 Mart, Leichtere Herrensohlen( 190 Giamm) genäht 403 Mart, genagelt 357 Mart,

Schwere Damensohlen genäht 327,50; genagelt 261,25 Mart,

Leichtere Damensohlen genäht 302,85 Mart; genagelt 247 Mark,

Knaben- und Mädchensohlen je nach dem Lebens. alter billigst 150, oder 181, oder 277 Mark. Der billigste Absatz für Kinder 48 Mart, Der teuerste Herrenabsatz( 75 Gramm) 138,25 Mart, Beichtere Herrenabsäge( 50 Gramm) 107 Mart, Schuheceme der verschiedenen Sorten wird angeboten bon 9 bis 33 Mart für die gleiche Marke! Auch diese lette Tatsache ist durchaus typisch für den gesamten Markt. Niemals haben sich Fragen nach dem Preis und ein paar Wege in verschiedene Geschäfte als so lohnend erwiesen, wie in diesem Augenblick. Es ist nicht erforderlich, entlegenere Stadtteile aufzusuchen, um Preisunterschiede ganz überraschender Art festzustellen und daraus Nutzen zu ziehen. Die Preisbewegung er folgt so rasch, daß die langsamer denkenden Geschäfts­leute the nicht mit den gleichen Sprüngen folgen. Dem aufmerksam n Konsumenten bleibt besonders in den dich ter bevölkerten Stadtteilen immer noch die Chance eines günstigeren Kaufes, wenigstens auf Stunden oder manch­mal fogar Tagr.

Stundenchancen sind insbesondere typisch für

Lebensmittel.

Margarine fostete am 21. Sept. morgens bis gegen 11 Uhr einheitlich 115 Mart; am Nachmittag, nach Be­fanntwerden der Tageskurse für Butter und Fette, wut= den 145 Mark gefordert; am Dienstagmorgen war 145 Mark der Angebotspreis der Stadtreisenden, so daß also mit einer nahen, in diesem Augenblick vermutlich schon vollzogenen Steigerung des Margarinepreises auf 170 bis 180 Maik gerechnet werden mußte.

In Kolonialwarengeschäften bestehen im Augen­blick für die wichtigsten Handelsartikel folgende, bereits

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Expedition: Gießen, Sudanlage 21.

Samstag, den 26. August 1922,

den Händlern bekannte Verkaufs- oder Einkaufspreise, zu denen im Verkauf ein Zuschlag von wenigftens 20% erfolgt:

Margarine 145 Mark( Einkaufspreis), Butter 220 Mark( Einkaufspreis), Schmalz 160 Mark( Einkauf),

Marmelade mittlerer Güte 40 Mark( Einkauf), Sped 150 Mark( Verkauf),

Leberwurst 135 Mark( Verkauf), Jagdwurst 115 Mark( Verkauf), Tilsiter 110 Mart ab Ostpreußen( Einkauf), Tilsiter halbfett, der aber meist für boll" geht, 75 Mark( Einkauf),

Zucker 54 Mart( gegenwärtiger Verkaufspreis), Zucker 65 Mark( jegt bereits angebotener Einkaufs­preis),

Reis, Mittelsorte, Rangoon 36 Mark( Verkaufs. preis),

Derselbe Reis 44/46 Mark( bereits erfolgtes Ein­faussangebot),

Schweizerfäse 140 Mark( Verkauf), Ausländische Milch, Normaldose 48 Mack( Verkauf). Vielen Hausfrauen werden die hier angeführten Preise zum Teil äußerst" big" erscheinen, und fe würden vermutlich gern die Namen der Geschäfte erfah. ren. Im allgemeinen bestehen diese Preise in Berlin Mitte, Schöneberg, Friedenau und Steglitz und in met­ter entlegenen Bororten rings um Berlin. Im Norden und im Osten Berlins find alle Preise um 15 bis 20 Prozent billiger, im Westen dagegen sind sie um Bayerischen bis zum Reichskanzlerplat 30 bis 50 Prozent und für einzelne Artikel noch teuerer für die gleiche Qualität.

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Auch die Preise für eine Reih: Gebrauchsgegen­stände sind unheimlich angewachsen, wenn sie auch nicht so sprunghaft in die Höhe schnellen wie die für Lebens­mittel. Die Gesamtlage wird gekennzeichnet durch folgende Aufstellung:

Die billigste Tasse, Außengastwirtschaftsmuster, ganz derber Art 30 Mait.

Die bekannteste Gebrauchstasse, blaues Muster, 66 Mt. Der billigste Teller 30 Marf. Die einfachste Gabel 85 Mart. Ein Messer gleicher Act 95 Mart. Küchenmesser 15 Mark. Topfbürfte 30 Mart.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 4,20 mk.

die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 6,00 Mt. Die 90 mm breite Reklame 3eile 12,00 Mark. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Sonkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Berlag der ,, Sickener Zeitung" in Cicken.

Telephon Nr. 1362.

35. Jahrg.

Achselzucken besteht. Die Rechnungsgrundlage ist immer der Fctedenspreis; für ein Meter Stoff, das im Frieden 15 Mark gekostet hat, erfolgt bei dem heutigen Dollar stand die Verdrethundertfachung für das Meter Stoff; das Meter fostet alio 4500 Mart. Die Durch. schnittspreise für fertige Anzüge einigermaßen trag­barer Qualtät schwanken zwischen 15 000 und 30 000 Wark; die für den nächsten Winter als wahr­scheinlich angedeuteten Preise sind so phantastisch, daß man sich erstaunt fragen muß, wer denn von der ein­geborenen Bevölkerung Deutschlands dafür noch als Käufer in Frage kommen fönnte.

Lokales.

** Vaßkontrolle im besetzten Gebiet. In letzter Zeit häufen sich die Fälle, in denen Reisende im Verkehr von und nach dem beseßten Gebtet durch die Besatzungsbehörden mit empfindlichen Geldbußen bestraft werden, weil sie sich nicht im Besitze des vorgeschriebenen Personalausweises oder Reisepasses befinden. Es ist da her dringend geboten, sich bei Reisen ins besezte Gebiet mit einem Personalausweis( mit Lichtbild) oder Paß zu versehen, um Unannehmlichkeiten zu bermeiden. Die Personalausweise werden im unbefeßten Gebiet ausge stelt für die Einwohner der Städte Darmstadt, Offen. bach, Gießen, Friedberg und Bad Nauheim von den betr. ämtern und außerdem von den Bürgermeistereien in den Boltzetämtern, im übrigen von den zuständigen Kreiss Gemeinden bezw. Städten Birkenau, Bußbach, Fürth. Hirschhorn, Michelstadt, Neckarsteinach, Rimbach, Sprend lingen, Viernheim, Vilbel, Waldmichelbach und Wimpfen.

Literarisches.

Deutsche Volkskunft. Anleitungen und Anregungen zum Kennenlernen und Beachten alter deutscher Volks- und Heimat­funst. Herausgegeben von Prof. O. Schwindrazheim. Band 1. Mit 300 Kunstdruckbildern und farbigen Beilagen. Mt. 43,50, geb. Mt. 50, portofrei. Heimfulturverlag, Wiesbaden. Das hier zusammengefaßte Gebiet bildet tatsächlich eine Art Einheit mit seinem köstlichen Anschauungsmaterial, das liebevoll abseits der großen bekannten Heerstraße gesammelt wurde. Der Staff ist sachlich gegliedert: Der Ort als Ganzes; Straße und Platz, Bauernhöfe; Bürgerhaus; Bautechnik und Hausschmuck jeder Art; Tor und Tür. Ein knapper, aber mit wenig Worten außeror­dentlich belehrender Tert, der dem Laien wirklich sehen hilft, er­höht den Wert des jedem Wanderer, Volfs- und Heimatfreund wertvollen, recht billigen Werfes mit echt deutscher Volkskunst.

Kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 27. August, 11. n. Trinitatis. Stadtkirche: Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markus­gemeinde: Pfarrer Becker. Vormittags 91 Uhr:

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Johanneskirche: Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neufonfirmierten aus der Johannes­- Vormittags 9 Uhr: gemeinde: Pfarrer Ausfeld. Abends 8 Uhr: Bibelbe Pfacrassistent Müller. sprechung im Johannessaal: Pfarrer Ausfeld. Die Kinderkirche beginnt wieder für die Markus. und Johannesgemeinde am 3.; September, für die Matt. häus- und Lukasgemeinde am 10. September.

Zwirn( 200 Meter) 25 bis 35 Mark. Wollgarn für Strümpfe 100 Gramm 110 Mart. Gerade hinsichtlich des Wollgarns ist wieder her­borzuheben, daß man bessere Qualitäten vereinzelt so gar in bekannten Warenhäusern für 85 Mart, also ganz außerordentlich billiger antrifft. Die teuersten Bezugs. quellen überhaupt sind die Märkte; die dortigen Händ- Pfarrassistent Becker. ler führen in der Preissteigerung und geben viel fach den Anstoß zu den Steigerungen in den kleinen Geschäften. Aus der Gruppe der Warenhäuser heben sich einzelne als Bezugsquellen mit rasch stetigenden Preisen heraus, die besonders start von Ausländern überlaufen merden und ihre Vorräte angesichts der stürmischen Ausländerkäufe rascher erschöpfen. Die scharf preissteigern­Wirkung der Ausländerkäufe ist in den letzten Tagen besonders auf dem Spielwarenmarkt zu beobachten gewesen. Bären mittlerer Größe, die vor wenigen Tagen noch 250 bis 300 Mark fofteten, sind jetzt mit 3iff en über 1000 Mark ausgezeichnet. Eine Elefantenforte, die in der vortgen Woche mit 240 Mark ausverkauft wurde, stellt sich heute auf über 1500 Mark. Die Eltern von heute sind überhaubt in einer schwierigen Lage; davon gibt die nachfolgende Preisliste einen deutlichen Begriff:

Kinderwagen für Säuglinge 4600 Mark( Verkauf) Kinderwagen, sogenannter Sportwagen 1500 bis 2500 Mait.

Kindereisenbahn, kleinstes Muster 195 Mark. Zelluloidpuppe bescheidenster Aufmachung nad Größe 100 Mart.

Badeen el 70 Mart.

Ball, einfachster Qualität, Mittelgröße 70 bis 100 Mt. Puppe, einfach befleidet, beliebteste Größe 500 Mark. Küchenherd mittlerer Größe 800 Mart( Kinderspiel­zeug wohlverstanden!).

Uber das wichtige Gebiet der Herren- und Da­menbekleidung ist furz festzustellen, daß hier nur Weltmarktpreise in Frage kommen. In den Großhand. lungen für Tuche wird der Preis der Ware bet Stet. gen des Dollars entsprechend erhöht. Was bei Sinten des Dollars geschteht, darüber wird eine Auskunft er­QQQQQQQQQQQQQQQaaaaa teilt, die meist in einem bezeichnenden Lächeln oder

Die Anmeldung der Konfirmanden soll Dienstag, den 29. und Mittwoch, den 30. August, jedesmal von 11-1 und von 4-6 Uhr bei dem Pfarrer jeder Ge­meinde stattfinden. Der Unterricht beginnt am 4. Sep­tember.- Die feterliche eröffnung des Koftemanden. unterrichts findet statt für die Markus- und Johannes­gemeinde am 3. September, für die Mätthäus- und Lucasgemeinde am 10. September, jedesmal im Haupt­gottesdienste.

Verantwortlich: Albin Alein, Gießen.

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