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Gießener Zeitung

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( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 4.- mk. monatlich vierteljährlich 12,- Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 9,- Mr. Erscheint Dienstag, Donnerstag u. Samstag. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rücksen­bung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Druckt der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Nr. 8.

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Telephon Nr. 1362.

Wobnungszertallung

durch mangel an Instandhaltung. Nachstehenden Artikel entnehmen wir der Zeitung

Die Zeit". Wir bringen ihn umso lieber zum Abdruck, da der Verfasser ein Mieter und Vorsteher einer Berliner Polizei Bauinspektion ist.

Während die Wohnungsämter aus einem Wust von Eingaben schon längst nicht mehr herausfinden, während bei den Wohnungszuweisungen der Zahlende nach bewiesenem Brauch immer mehr im Vorteil ist, weil die öffentlichen Mittel zur Einrichtung von Notwohnungen bet kläglichstem Ecfolge und fabelhaften Kosten 10 ziemlich aufgebraucht sind und somit jedes Geid noch erwünscht erscheint furz, während die Wohnungspolitik gegenüber der dringlichen Not zahlloser Obdachloser kläglich versagt hat, schreitet mit tesen: schritten ein neues llebel heran, für das diese Politik noch kein Auge zu haben scheint und dem man auch wohl in Hilflosigkeit mit Reden und G.wägungen zu steuern suchen wird, wenn es zu spät ist: Tie Verwüstung, der Wohnungen durch Mangel an Instandhaltung.

Wer wie Schreiber dieses Gelegenheit hat, die Zu­stände kennen zu lernen, welche in den Mietfasernen für fleine Leute schon jetzt fast durchgängig herrschen, weiß, daß Tausende in geradezu entsetzlichen Zuständen leben müffen. Die Decken sind durchnäßt, weil die Dächer seit Jahien nicht mehr ausgebessert werden konnten; von feuchten und schimmeligen Wänden fallen Buzz und die Tapeten ab, weil nicht genügende Beheizung zu schaffen; die Feuerstätten drohen auseinanderzufallen, die Fuß böden sind vermorscht und zeigen große Löcher, die Abfallrohre beginnen durchzuroften; die Treppenstufen sind ausgetreten, die Geländer schadhaft, die Beleuchtung ift mangelhaft oder versagt ganz; die Fensterramen faulen, der Kitt ist abgefallen und ducch die losen, oft zerbrochenen Scheiben, die leicht herausfallen und Unglück anrichten fönnen, fegt der Zug in die jämmerlichen falten Räume.

Hunderte von Beschwerden laufen bei der Behörde ein; Verfügungen werden an die Gigentümer erlassen, aus öffentlichen Sicherheitsgründen die Mängel abzu stellen", aber, abgesehen von der unvermeidlichen Lang. wiertakeit jeden behördlichen Zwangsverfahrens, berfagt bon Tag zu Tag mehr jede Möglichkeit ein 8 Zugriffes wegen der Mittelloßigkeit der Eigentümer. Zah. retche Häuser wurden bereits, natürlich vergeblich, dem Magistrat angeboten, da die Besizer bei den gegen wärtigen Mietp.eisen und Abgaben längst keine Zinsen aus dem Hause erzielen, sondern immer nur Tausende ,, drauflegen" müssen. Und wenn solche Notleidenden cine nädtische Bezuschussung"( welch hoher Geist hat dieses Wort gezeugt?) zu den Kosten dringlichster Ausbesser­ungen beantragen, dauert es günstigenfalls Monate, bis die Bewilligung erfolgt, und inzwischen sind die ungeheuerlichen Kosten für jede Bauarbeit wieder noch unabsehbar gestiegen.

Das Elend ist auf beiden Seiten vielfach geradezu berzzerbrechend und muß notwendig eine vermehrte Stindersterblichkeit und ein berkümmertes neues Geschlecht zur Folge haben. Ihm zu steuern gibt es nuc ein Mittel, das allerdings auch schmerzhaft ist und ein neues Sinken des Geldwertes zur Folge haben wird. Aber es hilft nichts anders: Den Eigentümern muß eine Erhöhung der Friedensmieten auf mindestens das Doppelte zugestanden werden, damit sie ihre seit acht Jahren vernachläffigten Häuser wieder instandsehen fönnen; andernfalls haben wir in zwei Jahren Tau­sende von Hausruinen ohne Eigentümer- denn es ist noch besser, den Befiz ganz aufzugeben, als die Unter­bilanz unabsehbar werden zu lassen und Hundert tausend verelendete Familien.

Hans Schlicpmann.

Hauptmann Schmudes Binnensiedelungswerk. Was die deutschen Volkswirtschaftler seit Jahren in langen theoretischen Auseinanderfegungen auszuflü geln suchten, die Heimsättenbewegung in Deutschland zu einem kulturellen Faktor ersten Ranges auszugestal ten, das hat der jugendliche Hauptmann Schmude in ungefiütem Droufgängertum mit einer Handvoll Mag­deburger Arbeitsloser und einer Schar Bergarbeiter in dem Bergrebler von Völpte bei Magdeburg in wenigen Monaten vollbracht. Im August 1919 traf er mit ei­ner Schar Arbeitsloser auf der Kohlengrube Fürst Vis

Expedition: Gießen, Sadanlage 21.

Samstag, den 25. Februar 1922,

marck" bei Völpte ein, wurde samt den Seinen ein Bergmann wie die anderen, und aus den erarbeiteten Geldern schuf man den Grundstock zu dem ersten Eigen heim. Der Gedanke schlug in der Bergbevölkerung wie ein Blizz ein. In wenigen Wochen hatte Schmude die Arbeiterschaft, die in ihm bisher einen verkappten Mo­narchisten gesehen hatte, auf seiner Seite. Die Schwie rigkeiten der Landbeschaffung, für jeden Siedler bis zu zwet Morgen, wurden rajch beseitigt. Die Bausteine holte man aus einer alten 3tegelet. Jeder Heimstätten. befizer war sein eigner Bauherr. Frau und Kinder schofften mit an dem Wert. Aus den radikalften und verbisfensten Arbeitern wurden die besten Menschen. Und dieses Woment, daß das eigene Heim den Arbeiter der Politik entziehen könne und damit dem Einfluß der so­zialinischen Führer, schuf dem Hauptmann in den ge­werkschaftsführern der dortigen Gegend, namentlich in der nahen Großstadt Magdeburg, erbitterte Gegner, deren Widerstand aber der gesunde Sinn der Bölpfer Arbeiterschaft bald brach. Mit Recht betonte Haupt­mann Schmude, daß der Arbeiter politifch fofort anders denkt und eine nationale Einstellung erfährt, wenn er eigenen Grund und Boden unter den Füszen hat. Und hierin ruht die gewaltige Werbefraft des Schmudeschen Werkes. Wenn die Leute bisher aus eigenen Mitteln thre Häuser bauten, so unterstügt jetzt die Regierung die B. wegung durch Gewährung von reichen Zuschüssen. Durchschnittlich kostete im vergangenen Jahre ein hüb. sches Haus mit zwei Morgen Garten 50 000 Wark, heute etwa 60-65 000 Maif. Im ersten Jahr wur­den im Vöipfer Revier 54 Häuser erbaut, im Jahre 1921 standen bereits 120 unter Dach und Fach, dieses Jahr wird Vöpfe rund 200 neue Bauten sehen.

Glückliche und zufriedene Menschen wohnen jetzt dort, wo man bisher in dreisöckigen elenden Bergar betterkafernen zusammengepfercht baufte. Dec Schmu desche Stedelungsgedanke hat überall Schule gemacht. Im Gisleber Be grevie, bet Mannheim, bei Kaffel, Hannoversch- Münden wachsen neue Stedelungen aus dem Boden. In den norddeutschen Mooren und in der Lüneburger Heide ringen ehemalige deutsche Sol daten gemeinsam mit ihren Offizieren dem Lande lul­tu fähigen Boden ab. Nicht Außensiedelung und Aus­wanderung, sondern Binnenkolonisation soll das Losungs. wort sein, so sagt Schmude. Die Heimat muß uns das berlorene und geraubte Gut selbst wieder geben.-Eine Fülle prächtiger Lichtbilder aus dem weiten Tätigkeits: felde dec Schmudeschen Stedelungspläne ergänzt diese Schmudeschen Gerungenschaft dem Feinstehenden in glück­lichster Weise.

Lokales.

Hessische Provinzialverwaltung. Der Pro­binzialdirektor der Provinz Oberheffen, Geheimrat Dr. Usinger, wurde zum Provinzialdirektor der Provinz Rheinhessen, der Provinzialdirektor der Provinz Rhein­heffen, Geheimrat Beft, zum Provinzialdirektor der Provinz Starkenburg, und der Staatsrat im Minifterium des Innern, Ludwig Mattias, zum Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen ernannt. Der in den Ruhestand tretende Provinzialdirektor der Provinz Starkenburg, Geheimrat Fey, wurde zum stellvertretenden Vorsitzen den einer zu bildenden Kommission für die Verwalt­ungsreform bestellt.

** Umlagegetreide. Das Direktorium der Reichs getreidefielle hat mit Rücksicht auf die durch den Ver­fehrsstreif hervorgerufene Verkehrsbehinderung den Ab­lieferungstermin des Restes der Umlage für die Kom­munalverbände auf den 15. März ds. Js. festgesetzt.­Für die Gemeinden des Kreises Gießen ist vom Kreis­amt der Termin auf den 8. März ds. Js. festgelegt und liegt( 8 im eigenfien Interesse der Erzeuger diesen Termin einzuhalten, andernfalls Gemeinden und Ec zeuger gemäß Reichsgesetz vom 21. Juni 1921 für die nichtabgelieferten Mengen Ecsag in Geld leisten müssen.

** Die ehemaligen 186er beabsichtigen mit ihren Familienangehörigen am Sonntag, den 21. Mai 1922 eine gesellige Zusammenfenft in Frankfurt a. Main. Adressen zwecks näherer Benachrichtigung er­beten an Otto Mayer, Frankfurt a. Main Süb, Dan neckerstraße 8.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 120 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 1,50 Mr. Die 90 mm breite Reklame 3etle 4,50 Mark. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Bettreibung oder bei Sonkurs in Wegfall. Plazzvorschriften ohne Berbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" in Gießen.

Telephon Nr. 1362.

35. Jahrg.

** Das amtliche Fernsprechbuch für den Ober­Postdirektionsbezuk Darmstadt wird demnächst neu aufgelegt. Die Vorarbeiten hierzu werden am 15. März beendet sein. Gebührenpflichtige Eintragungen, die nicht spätestens bis zu diesem 3 itpunkt bei der zuständigen Vermittelungsanfalt gekündigt sind, werden in die neue Auflage gegen Zahlung der bestimmungsmäßigen Ge bühr(§ 14 der Fernsprechordnung vom 25. August 1921) übernommen.

Literarisches.

Die Deutsche Frau. Jalustrierte Zeitschrift für die gesamten Interessen der Frauenwelt mit Mode und Interhaltungsteil. Monatlich 2 fte. Bezugspreis vierteljährlich Mr. 10.-, Einzelheft Mt. 2. Verlag der Neudeutschen Verlags- und Teuhandgesellschaft m. b. H. Berlin SW. 11. Zwei Schriftstellerinnen von Ruf, Frau Ilse Hamel und Fräulein Beda Prilipp, haben es sich zur Aufgabe gemacht, der nationalen Frauenwelt eine Zeitschrift zu schaffen, die hinsichtlich ihres Inhalts die bisher erschienenen Frauenzeitschriften weit überragt. Das vorliegende erste Heft bringt wert­volle Beiträge von Vize- Admiral a. D. von Trotha, Clara Mende, Agnes Harder, Dr. Ella Mensch, Ga­briele Neuter usw.

Geschäftliches.

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Sonntag, 5. März: mascottchen, Anfang 3 Uhr, Ende 64 Uhr. Scheider Wibbel. Anfang 7 Uh. Ende 9 Uhr.

Verantwortlich: Ibin Klein, Gießen.

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