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Mainz
Gießener Zeitung
Bezugspreis 6, mk. monatlich
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( Neueste Nachrichten)
vierte jährlich 18,- Mt., vorauszahlbar, fret ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen vierteljährlich 15,- Mr. Erscheint Redaktionsschluß Dienstag, Donnerstag u. Samstag. früh& Uhr. Für Aufbewahrung oder Nüdsendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Drud der Gießener Berlagsbruckerei, Albin Klein.
Nr. 38.
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Telephon| Nr. 1362.
Gewaltsamer Preisabbau.
Daß der ungeheueren Teuerung mit allen Mitteln entgegengetreten werden muß, ist selbstverständlich, aber die Mittel müssen vernünftig und wirksam sein. Mit Gewalt ist dabei nichts zu machen, sondern das Uebel wird dadurch verschlimmert. Diese Erfahrung hat man fürzlich in Hamborn gemacht. Dort ist unter dem Druck von Straßenunruhen und Plünderungen von der Arbeiterschaft ein gewaltsamer Preisabbau gefordert und von der Stadtverwaltung beschlossen worden. Die Preise für Lebensmittel und für Textil- und Lederwaren mußten um zwanzig Prozent herabgesetzt werden. Darauf gab es einen Hamstersturm auf Lebensmittel, der in wentgen Stunden alle Läden ausraubte. Unn ist Hamborn völlig von Lebensmittel entblößt und die Gewerkschaften haben die Kaufmannschaft um neue Besprechungen ersu chen müssen mit dem Ergebnis, daß bon jetzt ab wenigstens in den Gestehungkosten verkauft werden soll. Aus Effen wird dazu gemeldet:
Bet den Teuerungsunruhen in Hamborn, während benen es zu Plünderungen von Lebensmittelgeschäften tam, wurden von den Gewerkschaftsorganisationen öchft pretfe festgefeßt. Diese Höchftpcetse, zu denen bte Geschäftsinhaber zum Verkaufe gezwungen waren, Stelten sich teilweise, namentlich die Bebensmittel, unter Dem Einkaufspreis. Die Folge davon ist jetzt, nachdem bte zu den billigen Zwangspreisen vorhandenen Warenborräte schnell ausverkauft sind, daß die Geschäfte keine neuen Waren mehr einlaufen, weil sie neue Waren zu den festgefeßten Preisen nur mit Verlust verfaufen fönnen. Es herrscht daher in Hamborn außer ordentlicher Waren mangel, besonders auch Mangel an Lebensmitteln, der erst recht zu einer Verschärfung der Lage führen muß, wenn die Gewerkschaftsorgani fationen aus den Folgen ihres furzsichtigen Verhaltens nicht entsprechende Lehren ziehen.
In Dortmund ist in einer Versammlung, in der die Gewerkschaften aller Richtungen, die Konsumgenos. senschaften und die westfälischen Handelskammern vertreten waren, gegen die Stimmen der Handelsvertreter ein sechszehngliedriger Verbraucherausschuß gegründet worden. Seine Aufgabe besteht darin, die Interessen der Konsumenten gegenüber den Produzenten und dem Handel wahrzunehmen, er soll aus Vertretern der Ge. werkschaften, der Beamtenschaft und der Gemeinden zu. sammengesetzt werden. Die Gründung eines solchen Aus. schuffes fann fich als sehr nüßlich erweisen, wenn er unter Berücksichtigung der Lebensnotwendigkeiten der Erzeuger und des Handels den nur allzu zahlreichen Versuchen der Ueberteuerung und Bewucherung entgegentritt.
Wo sitzt der wahre Wucher?
Die demokratische Berliner Morgen Zeitung" ver. öffentlichte am 10. September folgendes ihr zugegangenes Schreiben:
Die hohen Preise haben wir lediglich den Großhändlern in verdanken. Ich führe nur ein Beispiel an: Ein Großhändler kaufte zu Beginn der Roggenernte in Klein- Wilkau, Kreis Delitzsch, von den Bauern 300 Zentner Roggen, je Zentner zu 1000 Mart. Diesen Preis muß der Bauer bei den hohen Preisen des Saatgetreides, der Düngemittel, Löhne usw. haben. Wie der Roggen gedroschen wurde, kommt der Händler thn holen, berladet ihn an Ort und Stelle und verkauft ihn für 2000 Maif je Zentner, verdient also mühelos 300 000 M. in kurzer Zeit. Wie muß der Bauer bei 12stündiger Arbeitszeit sich plagen, ehe er diese Summe verdient, und ist dabet noch vom Wetter und anderen. Zufällen abhängig, ehe er diese Summe einnimmt. Dies ist nur ein Fall. Der Händler befitt die staatliche Großhandelserlaubnis, ist also Raatlich privilegierter Wucherer und Brotverteuerer. Ich habe noch nicht einen Bauern Broßgrundbefizer selten im Auto spazieren fahren
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Expedition: Gießen, Sadanlage 21.
Samstag, den 23. September 1922.
sehen, die Großhändler fönnen sich den teueren Spaß bet solchen mühelosen Riesenverdiensten leisten. Ist dies den Behörden nicht bekannt? Wenn ja, weshalb greift sie bet diesen Wucherern nicht zu? Es schreit zum Himmel!"
Wir teilen die Empörung des Einsenders. Ein durchgreifendes Vorgehen gegen die Blutsauger am deutschen Volkskörper ist so lange nicht zu erwarten, als die Par. teien, die die Konsumenteninteressen vertreten, in der Minderheit sind. Nicht mit Unrecht sagte kürzlich Dr. Wirth bei den Besprechungen mit den Gewerkschaftsbertretern:„ Wenn sich im Handel jezt schlimme Answüchse zeigen, zu deren Bekämpfung man die Regierung auffordert, so ist das der" Segen" der freien Wirtschaft, nach der alles gerufen hat." Leider hat fich die Wählerschaft trotz der außergewöhnlichen Ver hältnisse, die außergewöhnliche Mittel erfordern, durch das Schlagwort von der freten Wirtschaft" födern lassen. Daß die Handelsfreiheit zur Wucherfreiheit aus. arten würde, ist hier oft genug leider vergeblich betont worden."
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Der Dollar fällt die Preise steigen" so ftell. ten wir dieser Tage feft, worauf uns ein Bädermeister heute vorrechnet, daß er deswegen mit dem Brotpreis in die Höhe gehen muß, weil der Mehlprets steigt. Das ist für uns feine Offenbarung. Es ist selbstverständlich, daß der Gewerbetreibende feine billige Ware liefern fann, wenn der Preis für die Rohstoffe und die Betriebs. tosten in die Höhe geht. Wenn hier trotzdem auf die skandalöie Erscheinung der Preissteigerung trog fallen der Devisenkurse hingewiesen wurde, so richtet sich der in dieser Feststellung liegende Vorwurf natürlich nicht gegen den Gewerbetreibenden, auch wenn sonst den Bezten die Hunde beißen, sondern gegen Groß- Produzenten und besonders Grahhändler, die zu unverschämt hohen Preisen Rohstoffe, Getreide, Mehl, Vieh u. s. w. in den Handel bringen, so daß der Gewerbetreibende, der die Verarbeitung und den Kleinverkauf besorgt, zwangsläufig seinerseits hohe Preise verlangen muß. Wer unsere Zeitung mit Aufmerksamkeit gelesen hat, wird wiffen, daß sich unser Kampf von jeher gegen die Stellen gerichtet hat, wo die Bewucherung der Kon= sumenten ihren Ausgang nimmt. Wiederholt wurde hier darauf hingewiesen, daß gewisse Industrien dadurch, daß sie die Preise wucherisch über den Weltmarktpreis hinaufgetrieben hatten, den Anstoß zu einer entsprechenden Preisentwidlung auf anderen Wirtschaftsgebieten gaben. Es ist hier auch mit aller Deutlichkeit auf das verwerfliche Gebahren eines Teiles des Agrariertums und des inländischen Getreidegroßandels, die mit Devisen und Debisenkursen unmittelbar nichts zu tun haben, gleichwohl aber den Getreideprets dem Steigen des Dollars anpassen( ohne ihn jedoch bet seinem Fallen herabzusehen), verschiedentlich hingewiesen woco den- so oft sogar, daß jedem unserer Leser die Richtung unseres gegen den Wucher gerichteten Vorstoßes befannt sein müßte. Soweit der Kleinhandel auch seinerſeits, ohne durch die Preisgeftaltung des Großhandels gebunden zu sein, wucherische Gewinne zu erstreben versucht, richtet sich unsere Wucherbekämpfung allerdings auch gegen ihn. Aber wir glauben, daß jeder anstän dige Kaufmann und Gewerbetreibende auf unserer Seite stehen wird.
( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr. 1362.
35. Jahrg.
Preise. Hier sollte die Regierung einschreiten und rückfichtslos Erempel statuieren. Aber wie sie fich bisher an die Wirtschaftsmachthaber, die durch große Parteien gedeckt sind, nicht herangetraut hat, so wird sie auch in Zukunft die großen Diebe laufen lassen und nur die Fleinen hängen. Die fletnen Gewerbetreibenden, die an eine Gemeinschaft ihrer Interessen mit denen der großen Wirtschaftsmachthaber glaubten, werden heute vielleicht einsehen, daß fie nur die Prügelknaben für die Sünden jener sein sollen. Solange jedenfalls unser Volk nicht erkannt hat, wo die wahren Wucherer figen, und solange es sie politisch nicht isoliert hat, wozu es die Möglichkeit hat, solange darf es sich über die gegenwärtigen Zustände nicht beklagen.
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Lokales.
Das Kreisamt Gießen gibt bekannt, daß an Stelle der seitherigen gelben Personalausweisen in Zukunft weiße Personalausweise ausgeftellt werden, deren Gültigkeitsdauer nicht mehr befristet ist. Diejenigen gelben Personalausweise, deren Gültigkeitsdauer noch nicht abgelaufen ist, werden von uns fostenlos in weiße Ausweise umgetauscht. Anträge auf Ausstellung bon Pässen oder Auswetsen sind im Stegterungs. gebäude dahier Zimmer Nr. 9 werktags vormittags in der Zeit zwischen 8-12 Uhr vorzubringen. Die Antragsteller müssen persönlich zum Vollzuge der Unterschrift erscheinen. Mitzubringen ist entweder der noch gültige gelbe Personalausweis oder der von der Bürgermeisterei des Wohnorts auf vorgeschriebenem Formular ausge fertigte Paßbericht sowie in jedem Falle ein nicht aufgezogenes Lichtbild( Brustbild in Visitformat, Aufnahme aus neuester Zeit ohne Hut). Soweit die Unterlagen bis 10 Uhr vormittags vorgelegt sind, kann die Abholung am gleichen Tage um 12. Uhc mittags erfolgen, bet späterer Vorlage erst am Vormittag des folgenden Tages.
* Verbot der Verfütterung von Brotgetreide und Mehl. Nach§ 44 des Reichsgesetzes über die Regelung des Verkehrs mit Getreide aus der Ecate 1922 vom 4. Jult 1922 darf Brotgetreide, auch gequetscht, geschroten oder sonst zerkleinert, sowie Mehl aus Brotgetreide nicht berfüttert oder zur Bereitung von Futtermitteln berwendet werden. Zuwiderhandelnde haben bei erfolgter Anzeige strengste Bestrafung zu erwarten.
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Venstonen für Arbeiter. Am 1. September d. J. tritt, wie die Dena" erfährt, eine Arbeiterruhegehaltseinrichtung in Tätigkeit. Ruhegehaltsfähig sind alle Arbeiter der A. E. G. nach mehr als zehn Beschäftigungsjahren, soweit sie zu dieser Zeit arbeitsunfähig oder älter als 65 Jahre sind. Außer dem Ruhegehalt für Arbeiter, die über 65 Jahre alt oder arbeitsunfähig sind, gewährt die Einrichtung Witwenrenten und Ec ziehungsbeihilfen.
Verantwortlich: Ibin Alein, Gießen. 00000000 10000000000
Wenn jetzt der Hebel zur Wucherbekämpfung Wir retten Ihre Haare!
vor allem beim Kleinhandel angesetzt werden soll, so halten wir diese Methode im allgemeinen für vers kehrt Die Preisherablegung, die hierbei erzielt wer den fann, ist legten Endes so geringfügig, daß sie in keinem Verhältnis zu dem aufgewandten Kontrollapparat steht. Nichtig wäre es vielmehr, den Wucher an der Stelle seines Ursprungs zu bekämpfen, also z. B. beim Groß: Produzenten, der den Dollarkurs setnen Getreideverkäufen zugrunde legt, und vor allen Dingen beim Großhandel wie bei der Großindustrie. Die Stahlinduficiellen, die Nähgarnindustrie, die Glasfabrifen berlangen nachgewiesenermaßen ungerechtfertigte
Senden Sie sofort zur mikroskopischen Untersuchung unter fachmännischer Leitung Ihre ausgekämmten Haare. Darauf erhalten Sie von uns genaue Vorschrift für Ihre Haarpflege. Untersuchung und Vorschrift kostenlos.
Kur: und Heilanstalt Schloß Falkenberg Grünan( Mark) F. 147. Bedeutendstes Institut für Haarwissenschaft.
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