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Gießener Zeitung
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vierteljährlich 18,- Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 15,- Mr. Dienstag, Donnerstag u. Samstag. früh 8 Uhr.
Erscheint Redaktionsschluß Für Aufbewahrung oder Rücksenbung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.
Nr. 29.
Telephon Nr. 1362.
Der Feind im Land!
Der Fall des Landwirts Sch. aus Asterhagen bei ochemmerich( Wir behandelten ihn in der Gießener Beitung unter der Ueberschrift:„ Martycium einer deutfchen Familie unter französischem Sadismus") den man nur, weil er sein gutes Recht vertrat, monatelang in haft gehalten und an Leib und Seele schwer geschädigt hat, ift typisch, daß er nicht bereinzelt dasteht, daß er nur ein besonders trasses Beispiel aus einer unendlichen Rethe ähnlicher Quälereten und Bedrückungen einer unglücklichen Bevölkerung durch eine in threm Stegerüber mut maßlose feindliche Soldateska bildet, zeigen nachstehende neu bekannt werdende Fälle von Ausschrei tungen belgischer und franzfischer Soldaten:
Ende April wurde die Ehefrau L. M. aus Nassau bet Dietz auf dem Wege nach Nassau von einem einge. borenen französischen Solden angefallen. Der Schwarze warf die Frau in den Straßengraben und versuchte sie zu vergewaltigen, was ihm jedoch nicht gelang. auf das Hilferufen der Frau Leute herbeieilten, ließ der Solbat von seinem Opfer ab und entfloh unerkannt.
Als
Am 11. April wurden die Arbeiter W. H. aus Lohmannshetde und H. L. aus Baerl von drei belgischen Soldaten auf der Straße überfallen und ohne jeden Grund so schwer mißhandelt, daß der eine von ihnen fich für längere Zeit in ärztliche Behandlung geben
mußte.
Am 12. April abends zwischen 10 und 11 Uhr
Expedition: Gießen, Südanlage 21.
Samstag, den 22. Juli 1922.
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 4,20 Mk.
die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 6,00 Mt. Die 90 mm breite Reklame 3eile 12,00 Mark. Extrabeilggen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Seonkurs in Wegfall. Plazvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" in Gieken.
Telephon Nr. 1 62.
35. Jahrg.
ihre demnächstigen Verhandlungen mit den Bürgermeistern eine brauchbare Unterlage. Von verschiedenen Seiten wurde darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, daß die jetzt neu geregelte Mietspreisfrage in den einzelnen Gemeinden von einer Organisation der Hausbesiger in die Hand genommen wird, damit eine Einheitlichkeitsmiete erzielt wird. Die Geschäftsstelle des Landesverbandes hessischer Hausbesitzervereine in DarmFrage interessieren, jede gewünschte Auskunft.
das Verlassen seines Hofes verboten war und er sein Dienstpersonal dahin hatte instruieren sollen. Nun hat aber die M. B. den Hof garnicht verlassen, sondern ist, als sie dicht beim House Wäsche von der Leine nahm, verlegt worden. Der Hofb.sizer wande sich daher an die deutsche Behörde. Diese wurde unter Beifügung der beglaubigten Zeugenaussagen des Hofbesitzers und seines Sohnes bei dem Oberdelegierten für die deutsche Zibil verwaltung bei der Rheinlandfommission General Denbig- stadt, Rheinstr. 1 gibt Hausbefizern, die sich für die nes vorstellig und suchte um nochmalige Prüfung der Angelegenheit nach. Der französische General gab auf das Ersuchen folgende Antwort: ,, Da die Militär behörde eine Entscheidung getroffen hat, müssen Sie den erlas senen Beschluß als rechtsmäßig entschiedene Sache an sehen und es ist gewiß, daß eine neue Entscheidung durch den kommandierenden General der französischen Rheinarmee nicht getroffen wird, um die erfte aufzuheben."
Es sind dies nur einige wenige Fälle und zwar nur die, welche sich im Laufe der vergangenen zwei Monate ereigneten und wohlgemerkt!- an die Oeffentlich. teit gedrungen sind. Die Zahl der anderen nicht bekannt werdenden Uebergriffe und Schikanen ist biel größer. Furcht vor dem Zorn der feindlichen Machthaber, Angst bor weiteren Belästigungen und Bedrückungen läßt die große Mehrheit der Betroffener ihr Unglück verschwet gen. Aber es besteht trotzdem! Schußlos, rechtlos leidet das rheinische Volt seit Jahr und Tag bitterste Pein. Der Feind im Land!
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drangen mehrere betrunkene französische Soldaten in ein Sven Hedin gegen die Rheinlandpolitik
Kaffee in Düsseldorf, belästigten dort die anwesenden Gäste in rohester Weise und zertrümmerten zahlreiche Gläser. Darauf begaben sich die Helden" der großen Nation in ein Weinlokal und sßten dort ihren Feldzug gegen Wit, Gäfte und Einrichtung fort. Wieder wurden von den Nowdies zahlreiche Gläser zerschlagen und als besonders bezeichnend für die Beurteilung ihrer Uaberfrocenheit ist zu erwähnen, daß sie den im Lokal an anwesenden Gästen glatiweg Weinflaschen und Gläser wegnahmen und den Wein austranten.
Am 8. April wurde der Ehefrau M. W. aus Hom berg im Eisenbahnzug zwischen Homberg und Trompet von einem belgischen Soldaten ein Reisefoffer mit wertvollem Inhalt entriffen. Der Täter, der mit seinem Raub gleich darauf den Zug verließ, fonnte nicht ermit telt werden.
In der Nacht vom 7. zum 8. April wurden in der Kirch und Mörserstraße in Homberg von etwa einem halben Dutzend belgischer Soldaten an etwa 10-12 Häusern zahlreiche Fensterscheiben, darunter zw i Schaufensterscheiben im Werte von 2-3 Tausend Mark durch Steinwurf ohne jeden Grund zertrümmert. Die Täter waren wieder nicht zu ermitteln.
Daß die französischen und belgischen Militärbehörden auch nach wie vor nicht daran denken, für die von ihrer zügellosen Soldateska angerichteten Schäden einzustehen und die berechtigten Ansprüche der Geschädigten zu erfüllen, beweist folgender Fau: Am 27. Januar 1921, abends 9 1hr, wurde die bei d. m Hofbesitzer J. D. in Homburg bei Ratingen beschäftigte Dienstmagd M. B. bon einem französischen Posten aus Unvoi fichtigkeit durch die Brust geschossen. Die Verletzte, die monatelang ans Stranfenlager gefesselt war und nach äcztlichem 3- ugnts für ihr Leben daucind ein Drittel ei werbsunfähig bleibt, stellte Schadenersazansprüche an die französische Behörde. Nachdem diese lange Zeit die Behandlung der Entschä. bigungsansprüche hinausgezögert hatte, entschied zu Beginn dieses Jahres der Kommandierende General der französischen Rheinarmee, daß der französische Fisfus nur die Hälfte der verlangten Entschädigung bezahlen werde und daß die andere Hälfte von dem Hofbefizer und Dienstherrn der M. B. zu tragen sei, und zwar mit der Begründung, daß dem Hofbesitzer und seiner Familie zur Zeit, als die M. B. angeschossen wurde, 010000000000 Wir retten Ihre Haare!
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** Berlin. Die D. A. Z. veröffentlicht ein an den „ Rheinlanddant" gerichtetes Schreiben des berühmten schwedischen Asienforschers Sven Hedins, in dem sich dieser über die Lage des besetzten deutschen Westens u. a. folgendermaßen äußert:„ Ich möchte hoch und durch dringend über das Unrecht schreien, das gegen das Rheinland verübt wird. Diese wahnwißige, selbsimörderische Politik, cin Land, ein Volk mit Gewalt zu zertreten! & gelingt freilich, solange die lebermacht so groß ist. Aber dafür wächst Haß und gedeiht Rache für die Zukunft. Jedes Unrecht, das gegen ein Volk begangen wird, fällt früher oder später auf den übermütigen Steger zurück. So lange das Rheinland und andere Teile des Deutschen Reiches in dieser Weise zertreten werden, kann Deutschland nicht genesen. Einigkeit, Busam. menhalten in Deutschland ist die Hauptsache. Solange die Parteikämpfe toben, hat Deutschland keine Zukunft."
Lokales.
Der Landesverband der hessischen Hausbehervereine hielt fürzlich seinen diesjährigen Verbandstag in Darmstadt ab, dec einen äußerst zahlreichen Be Der vom such aus ganz ssen aufzuweisen hatte. Voisitzenden, Herrn Stadtverordneten Haury, Darmstadt erstattete Jahresbericht umfaßte die gesamte Tätigkeit des Vorstandes während des abgelaufenen Geschäftsjahres. Die Bewegung in den Kreisen der Hausbesitzer nimmt infolge der unerträglichen Fesseln der Zwangswirtschaft von Jahr zu Jahr zu. Im letzten Jahre sind 12 neue Vereine dem Verband beigetreten und die Aufnahme einer Anzahl weiterer Vereine steht demnächst bebor. Selbft in fleinen und kleinsten Gemeinden bricht die Erkenntnis Bahn, daß nur durch den Zusammenschluß eine Aenderung in der unhaltbaren Lage herbeigeführt werden kann. Der Vorstand hat diese Bewegung in weitgehendstem Maße durch Material, Gestellung von Rednern u. s. w. unterstützt und überall wurden günstige Resultate erzielt. Ein großer Teil der Verbandstätigfeit mußte fich auf den Abwehrkampf gegen die ver schiedenen Gesetzentwürfe, wie Wohnungsbauabgabe,
Reichsmietengejes, Mieterschutzgesez u.j. w. konzentrieren.
In dieser Beziehung hat der Verband im Verein mit dem Zentralverband und mit Unterstützung der einzelnen Vereine wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet. Nach Eclebigung interner Fragen wurde zum Haupttema des Tages: Die Frage der Zuschläge zur Grundmtete nach dem Reichsmietengesetz geschritten. In mehrstündiger eingehender Beratung wurde Punkt für Punkt des bom Vorstand unterbreiteten Vorschlags behandelt und mit einigen Aenderungen angenommen. Den Vereinen, denen QQQQQQQQQQQQQQQQasas diese Aufstellung zuerst zugegangen ist, finden in ihr für
Kur- und Heilanstalt Schloß Falkenberg Grünau( Mark) F. 147. Bedeutendstes Institut für Haarwissenschaft.
** 31. Mittelrheinisches Kreisturnfest zu Aschaffenburg( Bayern) vom 29. Juli bis 1. AnWie uns die Festleitung berichtet, rüstet gut 1922. Aschaffenburg emsig zum Empfang der Turner, die wohl außerordentlich zahlreich zum Kreisfeste des Mittelrheinfreises, dem ersten nach dem Kriege, herbeiellen werden. Die Bürgerschaft, die von jeher der Turnsache regste Sympathien entgegengebracht hat, setzt alles daran, den gastfreundlichen Nuf Aschaffenburgs zu wahren. So sind trotz Wohnungsnot und Raummangel eine große Ans zahl Bürgerquartiere zur Verfügung gestellt worden und insbesondere die Turner aus dem besetzten Gebiet werden mit größter Herzlichkeit aufgenommen werden. Der Turnplag ist genügend groß, um den enorm gewachsenen turnerischen Ansprüchen gerecht werden zu können, und ein reichhaltiges turnerisches Programm wartet der Teilnehmer. Ueber den Verlauf des Festes werden wir seinerzeit ausführlich berichten.
Literarisches.
** Rheinlandkunde, ein heimatkundlicher Ratgeber für die deutschen Länder am Rhein, herausgegeben von Dr. R. A. Keller, Band 1 Düsseldorf, Verlag von A. Bagel 1922. 168 Seiten 8º. Das Werk, dessen erster Band hiermit vorliegt, dem 1-2 weitere gleichartige Bände bald folgen sollen, legt Zeugnis ab für die
in der Gegenwart ständig wachsende Teilnahme an der Erkenntnis der Schönheit und Eigenart unserer Heimat und ihrer Geschichte, und weiter befriedigt es das Bedürfnis nach einen zuverlässigen literarischen Wegweiser für die Kenntnis der auf beiden Seiten des Rheins gelegenen Landschaften in hohem Maßze. Aus Beiträgen zahlreicher bedeutender Mitarbeiter zusammengesetzt, bietet es zunächst in eiuem allgemeinen ersten Teil die einschlägigen Werke über hundert Charakterföpfe aus der rheinischen Geschichte des 19. Jahrhunderts, dann einen bemerkenswerten Abriß der politischen Geschichte der Rheinlande( von Archivdirektor Dr. Wentzce in Düsseldorf), die allgemeine Literatur zur rheinischen Kunstgeschichte( Prof. Dr. E. Renard), die Rheinlande im, deutschen Wirtschaftsleben. Der zweite Teil behandelt in Sonderabschnitten einzelne Landschaften, nämlich die niederrheinische Heimat, Mittelrhein und Moselland, die hessische Heimat, aus der Heimatkunde Nassaus( von Rektor K. Wehrhahn in Frankfurt) landeskundliche Literatur der Rheinpfalz( Prof. Dr. Häberle in Heidelberg) rhein
pfälzische Kunstgeschichte. Jeder Hauptabschnitt zerfällt wieder in fleinere Abschnitte, denen für Vortragszwecke häufig eine stoffliche Gliederung vorausgeschickt wird. Der inhaltsvolle Abschnitt über„ Die Heffische Heimat" hat zum Verfasser Herrn Lehrer H. Eidmann, Leiter der Heimatabteilung der Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Jugendpflege in Hessen, und behandelt in 13 Einzelabschnitten u. a. Hessen im allgemeinen und seine einzelnen Teile, hessisches Volksleben, Sitten und Bräuche, Sage und Lied, Mundarten und geistiges Leben, Heimat und Ortsgeschichte, Hessenkunst u.i.w. Eine Fülle von Werken, besonders zur Ortsgeschichte( diese sind nach den drei Provinzen und den Namen der einzelnen Orte aufgezählt) vermag zu zeigen, wieviel Gutes bereits geleistet ist, das der Allgemeinheit bisher unbekannt geblieben war. Nach Wagners topographischer literarischem Handbuch ist es die erste größere systematische Zusam menfassung der wichtigen hessischen Heimatliteratur. Das Werf füllt in der Tat eine bisher schmerzlich empfundene Lücke aus. Wer irgend fünftig die Heimat in den Bereich seiner Untersuchungen ziehen will, insbesondere der Geschichtslehrer, wie überhaupt jeder Geschichts- und Heimatfreund greise nach diesem Buche, das ihn reichlich belehren wird und deshalb zur Anschaffung bestens empfohlen werden kann. Der Sonderdruck" Die hessische Heimat" wird von der Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Jugendpflege in Hessen gegen Einsendung von Mt. 3., an jedermann verschickt. Dr. W. L. Friedrich.
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