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Gießener Zeitung
( Neneste Nachrichten)
Bezugspreis 4. mk. monatlich vierteljährlich 12,- Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen vierteljährlich 9,- Mr. Erscheint Dienstag, Donnerstag u. Samstag. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Nüdsenbung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Druck der Gießener Verlagsbruckerei, Albin Klein.
Nr. 2.
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Telephon Nr. 1362.
Quäker- Ebrung.
Am 3. Januar 1922 fand aus Anlaß der zwei jährigen Anwesenheit der Quäter in Deutschland und der lebergabe der Verwaltungsarbeit des Quäferhilfs werkes an den Deutschen Zentralausschuß für die Aus. landshilfe E. V. eine Feier in den Räumen des deutschen Zentralausschusses zu Berlin statt.
Herr Regierungsrat Dr. Rau begrüßte in Ver. tretung des durch Krankheit verhinderten Vorsitzenden, Herrn Geheimrat Dr. Bose, die Vertreter der Quäfer, dte zahlreich erschienenen Vertreter der Behörden, der öffentlichen und privaten Wohlfahrtsstellen und der in- und ausländischen Preffe. Er gaben in furzen Worten einen Ueberblick über die von den Qäfern in den letzten zwei Jahren geleistete Hilfe an den deutschen Kindern, hoffenden und stillenden Müttern und schloß die Ansprache mit den herzlichsten Dankesworten.
Mstr. Bacon, als Vertreter der amerikanischen Kinderhilfsmission, sprach für die bisherige Mithilfe des Deutschen Volkes setnen Dank aus. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch, wenn die Einzelheiten des Quäferwertes vergessen sein werden, doch dec Geist, in dem diese Arbeit geleistet wurde, weiterleben wird.
Der Präsident des Reichsgesundheitsamtes, Herc Dr. Bumm, wies auf die Bedeutung der Tatsache hin, daß bisher zwei Jahre lang täglich jedes 15. Kind in Deutschland mit einer warmen Zusaßmahlzeit von den Quäfern bedacht worden ist, die ½, bis des täglichen Nahrungsmittelbedarfs gedeckt hat. Um zu zeigen, wie anregend und nugbringend die Tätigkeit des ärztlichen Betrats der Schulärzte gewirkt hat, wird das Reichsgesundheitsamt demnächst in seinen Ver öffentlichungen" eine Zusammenstellung der Meß und Wägungsergebnisse von 2 Millionen Kindern befannt
geben.
Im Namen der Stadt Berlin dankte Herr Oberbürgermeister Boes für die Hilfe und wies auf deren Bedeutung, besonders für die Tuberkulosebekämpfung hin.
Heir Geheimrat Dr. Czerny betonte im Namen der deutschen Kinderärzte, daß die Quäkerhilfe deshalb um so wertvoller war, da fie zur Zeit der allergrößten Unterernährung einseßte. Im Namen der Arbeiter freise sprach Herr Graßmann, im Namen der freien Wohl fahrtspflege Herr Dr. Levy den Quäkern den Dank für die geleistete Hilfe aus.
Herr Dr. Morris, ein Mitglied der Quäkermission, gab einen Ueberblick über die Organisation der Quäterarbeit seit ihrem Bestehen im Februar 1920 und betonte, daß die Quäker nach Deutschland famen, um der Not der Kinder abzuhelfen, sowie dem deutschen Boik die Kunde der Freundschaft und guten Gesinnung zu bringen. Er berichtete über die jest in Amerika unter den Deutsch Amerikanern stattfindende Sammlung, die bisher so erfolgreich gewesen ist, daß eine Speisung von täglich durchschnittlich 500 000 Kindern vorläufig bis zum Juli 1922 garantiert werden kann.
Ein weiterer Grund für den Wechsel der Organi sation ist die Lage in Rußland, wo die Quäker ihre Hilfskräfte ist berstätten müssen.
Die für Deutschland bestimmten Nahrungs oder Geldmittel werden von den zurückbleibenden Mitgliedern der amerikanischen Kinderhilfemission gemeinsam mit dem Ausschuß für Kinderspeisung zur Verwendung ge bracht.
Herr Dr. Morris dankt der Regierung, dem Deutschen Volte und dem Deutschen Zentralausschuß für die Auslandshilfe E. V. für ihre Mitarbeit.
Zum Schluß brachten drei Kinder eines Berliner Gymnasiums ihren Dank in Form eines Gedichtes zum
Ausdruck.
Die Durchführung der Quäkerspeisung. Mit Beginn des Jahres 1922 haben die Mitglieder der amerikanischen Kinderhilfsmission( Quäfer) zwei
Expedition: Gießen, Sudanlage 21.
Samstag, den 14. Januar 1922.
Jahre die Organisation der Kinderspeisung iurchgeführt. Sie haben die deutsche Regierung gebeten, die Speisungsaktion von diesem Zeitpunkt an zu übernehmen, da die Reichsregierung schon seit über einem Jahr das Spet fungsweit im Interesse der nolleidenden deutschen Kinder finanziell insbesondere dadurch unterstützt, daß der Reichsminister für E.nährung und Landwirtschaft aus ihm zur Verfügung stehenden Mitteln Mehl und Zucker für die Kinderspeisung unentgeltlich liefert. Der Netchsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Hermes, hat den deutschen Zentralausschuß für die Auslandshilfe E. V., dem die Bearbeitung alle das aus. ländische Hilfswerk betreffenden Fragen sett nunmehr zwei Jahren obliegt, beauftragt, das Speisungsweif weiterzuführen. Zur Bearbeitung aller aus dieser Spezialarbeit sich ergebenden Fragen hat der Deutsche Zentralausschuß einen besonderen, Ausschuß für Kinderspeisungen, unter dem Voisit des Geheimrat Dr. Bose eingesetzt.
Der Ausschuß für Kinderspeisung hat die Verwaltung der Auslands und Reichsmittel und die zentrale Ver leilung der Kontingente und Weiterleitung an die ö: t- tichen Speisestellen zur Aufgabe.
Ec bedient sich im Verkehr mit diesen der Vermitt lung von Zwischeninstanzen, den sog. Mittelstellen, die bom 1. Januar 1922 ab die Verwaltung hinsichtlich der Unterverteilung der Lebensmittelkontingente übernommen haben, welche bisher von den amerikanischen Distrikt. stellen verwaltet worden sind. Es sind 10 deutsche Mittelstellen gebildet worden: In Süd- und Mittel. deutschland in Anlehnung an die Ministerien der Länder, denen die soziale Fürsorge obliegt, also in München, Stuttgart, Karlsruhe, Darmstadt, Weimar, Dresden, in den preußischen und sonstigen norddeutschen Landesstellen unter Fortführung der früheren amerikanischen Distriktftellen in Breslau, Berlin, Hamburg und Essen.
Von Essen aus wird auch das von den englischen Quäfern gespeiste Gebiet( Siz Köln) mit verwaltet.
Die Verwaltung der Mittelst le Itegt bei einem Verwaltungsausschuß, der, aus behördlichen und freten Vertretern der Wohlfahrtspflege gemischt, ebenso paritätisch zusammengesezt ist, wie der Ausschuß für Kinderspeisung an der Zentralstelle.
Die Aufgaben der Ausschüsse sind:
1. Die ungefiörte Fortführung des Speisungswertes im Geifte der Quäfer.
2. Die Vorbereitung der neuen Speisungsperiode von April bis Jult ds. J., die Aufstellung eines möglichst gerechten Verteilungsschlüssels auf Grund der Aus wahl der Speisungsorte, und die Aufstellung neuec Richtlinier, nach denen gespeist werden soll auf Grund der örtlichen Wünsche und Erfahrungen.
3. Zusammenarbeit mit der gesamten Jugendwohlfahrte pflege und die Einfügung in dem Aufgabenkreis der Jugendämter, welche nach dem Infrafttreten eines Jugendwohlfahrtsgesetzes( am 11. 4. 1923 zu erwarten) in Deutschland vorhanden sein werden.
Das Kinderspeisungswerk, das der Deutsche Zentral ausschuß für die Auslandshilfe E. V. Berlin NW. 7 Dorotheenstr. 2 von den Quäfern übernimmt, ist Friedensarbeit im weitesten und tiefsten Sinne des Wortes, als Prüfstein für den ernsten Willen der Völker, in Zukunft wahrer Kultur des Menschen zu dienen. Eisenbahnfabrpreiserhöhung und Arbeiterkarten.
Die am 1. Februar cintretende Erhöhung der Gi. senbahnfahrpreise wird dem Vernehmen nach auch die Monats- und Wochenkarten treffen, die von einem großen Teil der Arbeiterschaft benutzt werden müssen. Das hessische Ministerium für Arbeit und Wirtschaft ist deshalb bei dem Reichsverkehrsministe. rium wegen der Wiedereinführung der früher üblichen, zu einer einmaligen täglichen Hin- und Herfahrt berech tigenden Arbeiterfah farten vorstellig geworden. Die Antwort des Reichsverkehrsministertums steht noc aus.
( Gießener Tageblatt)
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Telephon Nr. 1362.
35. Jahrg.
Die Preise für die Wochenfahrkarten werden mit dem 1. Februar um 75 Prozent erhöht. Für die Mindestentfernung bis 5 Kilometer ob 1. Februar 7,50 Mt.( bisher 4,30 Mf.), bet 7 Klm. Entfernung 9 Mt.( 5 Mt.), bei 8 Km. 11 Mf.( 6 Mf.), bet 9 Alm. 11 f.( 6,50 mt.), bei 10 Kim. 13 Mt.( 7 Mt.), bei 20 film. 25 Mt.( 14 Mt.), bet 25 lm. 30 Mt.( 17 Mf.), bet 30 tlm. 36 mt.( 21 Mt.), bet 35 Alm. 42 Mf.( 24 Mt.), bet 40 lm. 49 Mr( 28 Mt.), bet 45 Kim. 54 Mt.( 31 Mt.) und bei 50 Klm. 69 Mt.( 34 Mr.).
Erziehe Deine Hausangestellten.
Erziehe teine Hausangestellten zur Achtung vor deinem Eigentum! Gin schöner Grundsaß! Und leicht hingesagt! wird mancher denken. Hier ein Vorschlag zur Verwirklichung. Tritt ein Mädchen in deis nen Hausstand ein, so berabrede mit ihm folgendes: " In dieses verschlossene Kästchen, diese kleine Kaffe, liebe Anna oder Auguste, werde ich jeden Monatsersten b Mart legen. Berschlagen Sie einen Teller oder geht sonst etwas durch Ihr Verschulden oder Versehen entzwel, so muß jeweils der gesamte Inhalt der Kasse den Schaden decken, bezw. zur Deckung des Schadens beitragen. Beim Verlassen der Stellung oder, was mir Iteber wäre, immer nach Ablauf dreier Diensjahre gehört Ihnen voll und ganz der Inhalt der Kasse".- Man wird sehen wie das wirkt.
Hertha von Gebhardt Triepel.
Lokales.
** Beamtenfragen. Eine Besprechung der Länderregierungen, vertreten durch deren Referenten füc Beamtenfragen, fand am 13. ds. Mts. im Landtags. gebäude zu Darmstadt statt. Von den verschiedenen Fragen, die zur Verhandlung tamen, nennen wir: Neuregelung des Beamtenrechtes( Beamtenvertretungen), Regelung des Echolungsurlaubes, Unterbringung der Beamten aus Eliaß Lothringen und aus den Abbauverwaltungen, rechtliche Stellung der weiblichen Beamten, Neuregelung des Reisekosten wesens in den Län
dern u. a. m.
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** Der Staatssekretär für die beseßten rheinischen Gebiete bei dem Reichsministerium des Innern in Berlin, Herr Dr. Brugger, war in Darmstadt zum Besuche der hssischen Regierung. Es fand eine Besprechung mit den Mitgliedern des Gesamtministeriums unter dem Vorfiz des Staatspräsidenten Ulrich statt, die ergab, daß die Reichsregierung für die Not des befeßten Gebietes weitgehendes Verständnis hegt und in jeder Weise bestrebt ist, dieselbe zu mildern. Daran mit Vertretern des bes tzten hessischen G.btetes über schloß sich eine längere Aussprache im größeren Accis berschiedene wichtige Tagesfragen. Dabet fonnte u. a. wiederum die erfreuliche Feststellung gemacht werden, daß die Gesinnung des besetzten Gebietes feinen Zweifel darüber läft, daß die immer wieder einsehenden Bersuche, es dem übrigen Deutschland zu entfremden, unbedingt scheitern werden.
** Die Beschlagnahme von Privathäusern durch Besatzungstruppen. Die Verwaltung der Stadt Koblenz hatte beim amerikanischen Hauptquartier angefragt, ob eine Beschlagnahme von neun zu erbauenden Pribathäusern in Frage fäme. Das Haup quartier hat geantwortet, daß zur Zeit die Verhältnisse die Requisition solcher Gebäude nicht erforderten. Indessen könne durch eine Aenderung der politischen Lage auch eine Aenderung der Koblenzer Wohnungsverhältnisse eintreten.
FLATAX- PRALINEN
regeln den STUHLGANG.
On Apotheken und Drogerien.
Alte Reserve.
Winkelhausen
die deutsche Weinbrandmarke


