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Gießener Zeitung

Bezugspreis 4.mk. monatlich

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( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 12,- MI., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen vierteljährlich 9,- Mt. Erscheint Dienstag, Donnerstag u. Samstag. Redaktionsschluß früh 8 1hr. Für Aufbewahrung oder Rücksen dung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Dend der Gießener Verlagsbruckerei, Albin Klein.

Rr. 6.

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Telephon Nr. 1362.

Die erste Einbeitsschule in Deutschland.

Thüringen scheint immer mehr zum Probier ländle" des Sozialismus zu werden. Aus dem Stamm lande des Protestantismus soll ein Stammland des Sozialismus gemacht werden. Hier in Thüringen will man anscheinend versuchen, wie weit und in welcher Form sich die sozialistischen Ideen verwirklichen lassen. Hier sollen die Erfahrungen gesammelt werden, die man nötig zu haben glaubt, um auch die größeren deutschen Länder mit den vollen Segnungen" des Sozialismus zu beglücken. Es dürfte sich deshalb auch für den Politiker außerhalb der Grenzpfähle Thüringens empfehlen, seinen Blick von Zeit zu Zeit auf die Vor­ginge in diesem Lande zu richten.

Gegenwärtig hat der unabhängige Kultusminister Greil die Schulfrage mit fühnem Griffe aufgerollt. Er hat dem Landtage den Entwurf eines Gesetzes über die Durchführung der Einheitsschule in Thüringen vor­gelegt und in einer langen Rede begründet. Der kleine und einfache Entwurf er zählt nur 10 Paragraphen ftürzt das ganze bisherige Schulwesen vom Grunde aus um. An Stelle des seitherigen Schulorganismus, der trotz einzelner Mängel, wie Greil selbst zugeftchen muß, gut war, will er etwas Neues setzen, das ihm war beffer zu sein dünft, das aber, von Anfängen abgesehen, noch nirgends erprobt ist.

Expedition: Gießen, Sidanlage 21.

Samstag, den 11. Februar 1922.

in fleineren Städten sollen Realunterschulen und nött­genfalls auch Mittelschulen der einen oder anderen Art gegründet werden. In den größeren Städten sollen nach und nach die höheren Schulen statt ihrer bisherigen vertikalen Gliederung eine hocizontale erhalten. G8 sollen also nicht mehr die Schüler verschiedener Alters: stufen von Septa bis Oberprima in einer Anstalt un­terrichtet werden, sondern sie sollen nach Schulstufen, auch wenn sie verschiedenen Bildungszweigen angeboten, zu Schulförpern bereinigt werden. Innerhalb derselben Schulstufe sollen gleichwertige Lehrkräfte verwendet werden. Prophetisch cuft der Minister Greil aus, die Entwicklung werde dahin führen, daß auch die Bildungs unterschiede zwischen den Lehrern verschiedener Bildungs­stufen nach und nach beseitigt werden.

Für sein System führt Geil ferner an, daß neue Aufgangs und Aufstiegsmöglichkeiten geschaffen werden und die Entscheidung über die Schul- und Berufswahl hinausgeschoben werde. Nach dem 4., 7. und 10. Schul jahr und unter limständen auch nach dem 8. Schuljahr fönne der Schüler die Schulart wechseln. Latein fange in dem gymnasialen Zweige erst mit dem 8. Schuljahr ( Untertertia), Griechisch erst mit dem 13. Schuljahr Obersekunda) an, letzteres tonne allerdings wahlfrei schon in der Untersekunda mitgenommen werden. Durch die Neuzinrichtung werde den Kindern viel Leid und den Eltern große Sorgen erspart bleiben.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 120 pig.

die 44 mm breite Petitzeile, für Auswärts 1,50 ME. Die 90 mm breite Reklame 3eile 4,50 Mark. Grirabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommit bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Sonkurs in Wegfall. Plagvorschriften ohne Verbindlichkeit. Berlag der Gickener Seitxxs" in Gicken.

telephon Nr. 1362.

35. Jahrg.

an der die wirtschaftliche Scheinblüte der Va lutafonjunttur nichts ändert zu sparen, das ist die Tugend der Entbehrung, die sich einst lohnen wird, wenn es auch nur Bapiergeldmartwerte sind, die wir für uns selbst zurücklegen. Mit Sparsamkeit regulieren. wir den Verbrauch, und wer sein Geld auf die Spar­fasse oder zur Kreditgenossenschaft trägt, statt es unstatt haftem Verbrauch zuz führen, der hilft unsere Wirtschaft feimachen von dem ruinösen Druck, ebenso unnötiger als ungeheuerlicher Luften.

Deshalb ist Sparen ebensosehr moralische Pflicht des Einzelnen wie vaterländische Wiederaufbauarbeit.

Soziales.

Gin Arbeitsgerichtsgeseh. Der Referenten­entwurf eines Arbeitsgerichtsgesetzes ist nunmehr im Reichsarbeitsministerium fertiggestellt und wird in nächster Zeit mit Vertretern der Spizenverbände der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer und sonstigen Be teiligten beraten werden. Der Entwurf gestaltet die Arbeitsgerichte einheitlich nach dem bewährten Vorbild der Gewerbe und Staufmannsgerichte und will bte Vorzüge eines schleunigen und billigen Verfahrens unter paritäter Heranziehung von Datenbeisigeen, bie bisher nur einem Leile der Arbeiter und Angestellten zugute famen, allen Arbeitnehmern zugänglich machen. Im Die heftigsten Angriffe gegen die Grein'sche Schul Interesse der Rechtseinheit und der zweckmäßigen Aus nuzung vorhandener Einrichtungen sollen die neuen reform kommen aus den Streisen der Anhänger des Arbeitsgerichte mit den ordentlichen Gerichten in clue Beide werden fast gänzlich zerschlagen, was der Vitnister sozialen Bürgschaften in jeder Weise gesichert sind. Hter­humanistischen Gymnasiums und des Mädchenly; ums. organische Verbindung treten, bei der die erforderlichen Greil auch gar nicht confilich in Abrebe ſicult. An durch wird zugleich erreicht, daß die ordentlichen Ge Stelle des alten Gymnasiums tritt eine Art Reform richte, anstatt durch Abtrennung großer wichtiger Rechts Ghanafium nach Frankfurtec Art. Die Lyzeen werden gebiete zu verkümmern, auch auf ihre sonstigen Tätig in Realschulen umgewandelt. Wie die politischen Verfeitsgebieten unter dem befruchtenden Einfluß der Be schäftigung mit sozialen Fragen in enger Fühlungnahme mit sachkundigen Laten stehen. Durch die im Entwurf vorgesehene llebernahme der Vorsitzenden dec Gewerbe­und Kaufmannsgerichte als Vorsitzende der neuen Arbeitsgerichte wird ihre in langjähriger Pcoris ge der Arbeitsgerichte, sondern auch für die Heranbildung wonnene Erfahrung nicht nur für die Rechtsrechnung eines Stammes jüngerer Juristen, die fünftig zu den Vorsitzenden von Arbeitsgerichten berufen werden, nutz­bar gemacht.

Das gesamte öffentliche Schulwesen mit Ausschluß­der Fortbildungs- und Fachschulen, soll sich nach dem Entwurf in vier Stufen aufbauen: 1. Grundschule ( 1.- 4. Schuljah); 2. Unterschule( 5.- 7. Schuljahr); fie gltedert sich in a) die deutsche Unterschule, b) die Realunterschule; 3. Mittelschule( 8.- 10 Schuljahr); fie gliedert sich in a) die deutsche Mittelschule, b) die Real- Mittelschule, c) die Latein- Mittelschule; 4. Ober: fchule( 11.- 13. Schuljahr); fie gliedert sich in a) die deutsche Oberschule, b) die Real- Oberschule, c) die Real- hältnisse in Thüringen liegen, werden aber auch die gymnasial Oberschule, d) die Gymnasial Oberschule.

Die Grundschule, die deutsche Interschule und die Schlußklasse der Volksschule( 8. Schuljahr) follen als Volksschule im Sinne des Art. 145 der Reichsverfassung gelten. Im übrigen gilt das letzte Volksschuljahr als Mittelschulklasse. Die Pflichtfortbildungsschule hat das Wiffen des jungen Thüringers noch zu ergänzen, sodaß er auf jeden Fall mit einer abgeschlossenen Viittelschul. bildung in das Leben tritt.

Ueberhaupt soll innerhalb des Gesamtausbaues der Einheitsschule jede Schulstufe ein in sich geschlossenes Ganzes bilden und zu einem gewissen Abschluß der Bildung führ n. Die verschiedenen Zweige derselben Schulstufe sollen grundsätzlich als gleichwertig gelten. Für jede der vier Stufen des Ausbaues soll in be sonderer Lehrplan aufgestellt werden, der die gemein­samen und die unterschiedlichen Unterrichtsfächer aller Zweige derfelben Stufe umfaßt. Die Stoffverteilung auf die gemeinsamen Unterrichtsfächer der verschiedenen Zweige foll dabei möglichst einheitlich gestaltet werden; auch soll die Stundenzahl gleich seis.

Alle vier Zweige der Oberschule sollen zur Hoch­schulreise führen. Der Lehrplan soll jedoch nicht ein fettig auf die Erreichung dieses Steles eingestellt sein. Die Hauptaufgabe der Oberschule soll vielmehr in der geistig tittlichen Algemeinbildung der Jugend und in ihrer Erziehung zur persönlichen Selbständigkeit und 11rtetlsfähigtett liegen.

Die Mädchenschulen sollen grundsätzlich die gleiche Organisation wie die Knabenschulen und auch den gleichen Leh: plan haben, wobei jedoch in Einzel­heiten Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse der Mädchenbildung und Erziehung genommen werden soll. Wo die Zahl der Schüler oder Schülerinnen Sonder unterricht füc Knaben und Mädchen unwirtschaftlich machen würde, soll Gemeinschaftserziehung eintreten.

Minister Greil verspricht sich von seinem System große Vorteile. Nur mit ihm glaubt er eine Plan­wirtschaft auf schulischem Gebiete durchführen zu fönnen,

bestbegründeten Einsprüche nichts helfen. Der Gesetz entwurf wird vom Landtag angenommen werden. Vom 1. April d. J. ab die Herren haben es eilig wird Thüringen gefeßlich die Einheitsschule haben. Glückliche Sertaner, die nun feta Latein mehe zu lernen brauchen! Stolz hat der Minister Greil im Landtage erklärt, Weimar set durch das unselige(!) Weimarer Schulfompromiß etwas in Mißkredit geraten innerhalb der deutschen Lehrerschaft. Vielleicht könnte es aber seinen guten Ruf wiederherstellen, wenn hier die ersten Hammerschläge zur Grundsteinlegung der Einheitsschule erfolgen.

Vem Reich ist nach der Erklärung des Ministers ein Widerspruch gegen den Thüringer Schulplan nicht zu erwarten. Der Reichsminister des Innern messe vielmehr dem Plan eine große Bedeutung bei und habe ihn auf die Tagesordnung für die nächste Sitzung des Reichsschulausschuss.s gesetzt. Man wird aber doch wohl bezweifeln fönnen, daß die übrigen Länder, besonders die süddeutschen, einen Schulplan, der ganz vom Gelfte des Sozialismus durchtränkt ist, unbesehen annehmen. Allen abec, die keine Revolu­tionierung des Schulwesens in Deutschland, sondern eine vernünftige stetige Entwicklung haben wollen, gilt das Wort: Diecite monit!!

Sparsamkeit.

Wir finden in der volkswirtschaftlichen Zeitschrift Kapital und Arbeit"( Verlag Englert& Schloffer, Frankfurt a. M.) folgenden beachtenswerten Ausspruch:

Sparsamkeit ist heute die Waffe des Bürgertums gegen die zerstörenden Elemente des Umftuczes. Spar­samkeit ist die Waffe des Mittelstandes gegen seine Ver­nichtung. Sparsamkeit ist die Waffe gegen den Leicht: sinn und die Minderwertigkeit unserer Tage. Schieber, Wucherer, Spekulanten und dunkle Ehrenmänner brauchen nicht zu sparen. Aber der Anständige und Tüchtige muß mit seinen Spargroschen neurs Blut in die Abern unseres erschöpften nationalen Organismus leiten. Ja

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Für den neunstündigen Arbeitstag. Tem Berl. Tagebl." zufolge wurde in den Karosserie Werf tätten Hubertus in Kueps bei Kronach eine Belciebs stimmte eine überwiegende Mehrheit für den ucun. abstimmung über die Arbeitszeit borgenommen. Dabel stündigen Arbeitstag, um den Verdienst zu erhöhen.

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Berantwortlich: Ibin Klein, Gießen.

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Schulstufen und Zweige auf das ganze Land. Auch

sparen, ist keine Kunst, in der jetzigen Zeit schlimmster

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