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Gießener Zeitung
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Vir. 14.
Telephon Nr. 1362.
Abgeordneter Korell über die
3125
Ententeberrschaft am Rhein.
Bei Beratung des Kapitels Besetzte theinische Ge. biete" des Reichshaushalis nahm der demofcatische Abgeordnete Korell Gelegenheit, auf die Verhältnisse im besetzten Gebiet näher einzugehen. Aus seinen Aus führungen geben wir die folgenden Stellen wieder:
Wir bitten, die Besagungsfrage in Genua zur Sprache zu bringen. Es ist politisch und sittlich unmöglich, das Rheinland 15 Jahre unter Fremdherr schaft zu stellen. Wenn wir bisher diese Frage zur Sprache brachten, hat die englische Regierung eine eigentümliche Haltung eingenommen und erklärt, es seten ihr keine Beschwerden zu Ohren gekommen. Das ift fein wahrheitsgemäßes Urteil, denn die englische Regierung fügt sich dabei auf die Angaben der Rhein landtommission. Es zeigt sich da die jämmerliche Ab. hängigkeit der englischen vor der französischen Politif. Dumpfe Wut steigt im Volte auf, wenn unschuldige Deutsche ermordet werden.
daran
Erft in den letzten Tagen sind wiederum eine ganze Anzahl von Ueberfällen Farbiger auf weiße Frauen vorgekommen, und ich beuge diesen Anlaß, darauf aufmerksam zu machen, daß bet einer Unterredung, zu der ich in den legten Tagen bon franzöfifcher Sette, von dem Generalstab in Mainz gebeten wurde, man mir unterschob, wenn ich diese Fälle vorbrächte, wolle ig wohl arbeiten, als ob die Franzosen Freude darauf geantwortet, und sage es auch von hier aus, daß es mir nicht einfält, sondern ich glaube, daß es den französischen Behörden überaus peinlich ist, wenn diese Dinge passieren. Ich habe aber auch hinzugefügt, daß nach meiner Meinung auch beim besten Willen, falls man den bocaussehen kann, die Unterdrückung eines Stammes, die Befchung eines Bandes mit weißer Bevölkerung durch Farbige auch beim besten Willen der Behörden an fich eine Unmög lichkeit ift.
Wie diese Dinge im Ausland beurteilt werden und zwar von pozifistischen Kreisen, das fönnen Sie in England lesen, wenn dort ein befannter englischer
Pazifist neuerdings seine Gedanken über die Schwarzen am Rhein zusammenfaßt und in die Formel kleidet: Die farbige Besatzung am Rhein, wenn sie dauernd aufrecht erhalten wird, ist die Saat für einen neuen Weltkcteg!
Das ist das U teil eines englischen Pazifisten! Amerika wäscht jetzt achselzuckend seine Hände in Unschuld. Wir sind der Meinung, daß ein Land wie Amerifa, wo man mit einem Farbigen nicht einmal in einem Eisenbahnabteil zusammenfährt, wo man mit ihm nicht einmal an einem Tische fizen will, wo man im Gegenteil einen Farbigen, der auch nur des Angriffs auf eine weiße Frau verdächtig ist, in der unmenschItchsten Weise zum Tode befördert, das allerstärkte Interesse hätte, sich einmal um die Zustände zu befüm mern, die entstehen müssen, wenn 18- oder 24000 Farbige das Gewehr in der Hand haben und die Fronvögte einer hochentwickelten Bevölkerung wie der rheinischen find.
Ich will es ruhig aussprechen: Unsere Beurteilung der Farbigen ist nicht etwa von dem Gefühl der Menschen berachtung erfüllt. Wir sind feineswegs Vertreter jenes völl schen Standpunktes, daß wir in diesen armen Menschen Tiere erblicken. Im Gegenteil, wir erblicken in ihnen Menschen einer geringeren Zivilisation, die allmählich durch die Einflüsse des Christentums und der europäischen Kultur höher entwickelt werden sollen.
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Erpedition: Gießen, Sadanlage 21.
April 1922
Samstag, den 10. April 1922.
Das hat aber nichts mit der Frage zu tun, ob man es für möglich hält, daß diese kulturell gering entwickelten Menschen, das Gewehr und den Revolver in der Hand, bazu bestellt werden, Reichstagsabgeordnete zu fontrol. Iteren, ob sie den Baß bei fich haben, obwohl sie feinen Buchstaben davon lesen fönnen und hat nichts damit zu tun, daß diese Herren tatsächlich als die ausführen den Organe der Regierung über das Rheinland gesetzt find.
Ich wende mich zu einigen Fragen, die mit den immer noch bestehenden„ Sanktionen", mit der Bemenhängen. Dort sind in den letzten Tagen beklagens sazung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhcort zusam werte Ereignisse geschehen. Es ist dort ein deutscher Polizeibeamter bon zwet belgischen Stciminalisten in barbarischer Weise ermordet worden, und obwohl wir selbstverständlich die Antwort, die in der Gamordung eines unschuldigen belgischen Beutnants bestand, unter feinen Umständen und irgendwie billigen fönnen, müssen wir doch darauf hinweisen, daß, wer Wind sät, Sturm ernten wird und daß die Grenze des Ecträglichen, die das Rheinland sehr weit gesteckt hat, für eine Bevöl ferung endlich einmal erreicht wird und eine dumpfe Wut an die Stelle der Ueberlegung und Vernunft tritt, wie es in diesem Falle in der Gemordung eines unschuldigen ausländischen Offiziers geschehen ist.
Aber nun werden für den Leutnant Graf von der deutschen Regierung, wenn die Ententemeldungen richtig find, 2 Millionen Goldmark gefordert, so wie früher für den hier in Berlin in der Gesellschaft von Dienen erstochenen franzöſiſchen Sergeanten eine Million gefordert und bezahlt worden ist. Ich möchte den Anlaß benutzen, um mich einmal nach der Peetspolitik für deutsche Menschenleben im Ausland umzusehen.
Ausland selbst eine Schmach und Schande ist. Die Es scheint mir, daß diese Preispolitik für das französische Regierung hat bisher nur in einem Falle eine Sühne gezahlt und lehat seither einen Rechtsanspruch der Hinterbliebenen an Leib und Leben geschä digter Deutscher ab. Ich fcage die Reichsregierung, ob ste in allen Fällen, in denen Deutsche im besetzten Gebiet getötet worden sind, eine Sühne und Schadenersatz gefordert hat und in welcher Höh??
Wenn die Entente, und besonders die englische Regierung, immer wieder versucht, die Aufhebung der Besatzung mit der Forderung auf die Gewährung von Stonz ffionen seitens der deutschen Regierung zu berfnüpfen, so rufe ich der Regierung zu, daß sie keinerlei Konzessionen gewähren darf. Wenn man nun bon uns eine moralische Entwaffnung verlangt, so muß ich der Gatente zurufen, daß eine solche moralische Ent waffnung unmöglich zu erreichen ist, wenn täglich der Born der Bevölkerung aufs neue aufgeftachelt wird. Auch ich stehe auf dem Standpunkt, daß eine Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland aus volkswirtschaftlichen Rücksichten durchaus geboten ist, bin aber der Meinung, daß diese Annäherung solange unmöglich ist, als die Besatzung besteht und die Besatzung sich derart verhält. Die Besetzung des Rheinlandes ist das schwerste Hindernis für die Besserung der deutschfanzöfifchen Beziehungen und für die Besserung der Beziehungen zwischen Deutschland und Europa überhaupt. Die Stimmung im Rheinland ist gemischt aus Schmerz über unsere Lage und aus zorniger Entrüftung über das, das man uns antut. Mit Genugtuung begrüßen wir es, daß beim Reichsministerium des Innern nun mehr eine Zentralstelle für die Angelegenheiten des besetzten Gebietes errichtet worden ist. An die Regiec ung müssen wir die dringende Bitte richten, der ungeheuren Wohnungsnot im besetzten Gebiet nach Kräften zu steuern.
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Telephon Str. 1362.
35. Jahrg.
In der Stadt Mainz warex beschlagnahmt an selbständigen Wohnungen am 10. März 340 Wohr. ungen mit 1664 Zimmern; ferner Teilwohnungen mit 35 Zimmern, besondere Küchen 147; Küchenmitbenuzung war requiriert in 309 Fällen, Büroräume 139 urd sonstige Räme, Ställe usw. 11.
In reichseigenen Gebäuden waren am 10. März requirtert 2073 bewohnbare Räume und Zimmer, 359 Büroräume und 769 sonstige Räume. In staatseigenen Gebäuden, also in Gebäuden, die dem hessischen Staat gehören, waren requirtert 114 3immer, 125 Büroräume und 27 sonstige Räume. Aus städtischen Gebäuden waren zusammen 11 Zimmer und andere Räume re quiriert.
Das ist geschehen in einer Stadt, die wenig über 100000 Einwohner hat, und wenn Sie glauben, das könnte sich verbessern, wie wir es auch geglaubt haben, so möchte ich Ihnen bloß die eine Mitteilung machen, daß an diesem letzten Termin, der vor dem 10. März gelegen hat, von der französischen Besetzung freigegeben worden ist eine Wohnung mit 4 Zimmern, daß aber neu beansprucht worden sind 5 Wohnungen, und zwar eine mit 4 Zimmern, 2 mit 5 Zimmern und 2 mit 2 Bimmern.
Nun baut das Reich ununterbrochen, und trotzdem werden fortgesetzt noch mehr Wohnungen in Anspruch genommen und requirtert, als wir bauen fönnen.
Angesichts dieser Lage nüßt es zwar nichts, wenn ich, wie ich es schon einmal von dieser Stelle aus tat, den fremden Gästen zurufe: Des Volks ist zu viel, macht Gud nach Hause und arbeitet zu Cauſe
etwas Gründliches. nügt wir müffen leider immer wieder unserer Regterung zurufen, daß sie nicht erlahmen und nicht ermatten möge in der Wohnungsfürsorge für das besetzte Gebiet.
Lokales.
** Die Hell. Hauptfürsorgestelle der Kriegsbe schädigten uno Kriegshinterbliebenen Fürsorge zu Darm fladt hat mit Rücksicht auf die sich täglich mehrende Geschäftsbelastung als Spechtage für den Verkehr mit dem Publikum auf den einzelnen Fürsorgeämtern, also auch für Gießen, den Montag und Donnerstag jeder Woche bestimmt.
* Getreideumlage. Nachdem die Verhandlungen mit dem Neichsministerium für Ernährung und Land. wir schaft zu Ende geführt sind, hat das Hessische ministerium für Arbeit und Wirtschaft, Abteilung für Ernährung und Landwirtschaft die von dem Kceise Gießen aufzubringende inlage ermäßigt, sodaß nur 74 Prozent der zuerst angeforderten Menge zu liefern find. Diese Menge muß der Kommunalverband restlos bis spätestens 15. April ds. Js. aufbringen. Der Ablieferungstermin ist für die Erzeuger auf den gleichen 3 itpunkt festgesetzt. Für bis zu diesem Tage nicht abgelieferte Mengen ist Ecfaz in Geld zu leisten und dürfte es sich für die rückständigen Erzeuger empfehlen, ihre Lieferung in Natura vorzunehmen, da der Geld, ersatz sehr hoch ist und dessen Eintreibung unnachfichtlich erfolgt.
Verantwortlich: Albin Alein, Gießen.
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