hr: Gele
on.
Freitag,
anzandacht
0.
OLL
hältlich.
Grundstück
t, auch mit Ge ndwirtsch., 2c. igungl. Besuch. Kommen N hf.) reuzgasse 8.
Gießener Beitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 25 pfg. monatlich vierteljährlich 75 Big, vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen vierteljährlich 60 Pig.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Rebaftion: Selters.
weg 83.- Für Aufbewahrung oder Hüffendung nicht verlangter Manuffripte rive nicht garantiert. Berlag ber ,, Gießener Seitung". m. 6. S.
Nr. 87.
Telephon: Nr. 362.
Das Ende der Welfenfrage. Der Bundesrat hat am Montag in der braunschweigischen Angelegenheit getagt. Nach der Sitzung wurde offiziös folgende Kundmachung erlassen:
des
„ Nachdem in der heutigen Plenarsizung Bundesrates der Vertreter des Herzoglich braunschweigisch- lüneburgischen Regierung, Staatsminister Hart wig, unter Vorlegung der Verzichtsurkunde davon Mitteilung gemacht hatte, daß Seine Kgl. Hoheit der Herzog von Cumberland auf den Thron Braun= schweigs verzichtet habe, beschloß der Bundesrat einstimmig, dem Antrage Preußens wegen der Thronfolge in Braunschweig zuzustim
men."
Der Antrag lautete: Der Bundesrat wolle beschießen:
1. die Ueberzeugung der verbündeten Regierungen dahin auszusprechen, daß die Regierung Seiner Kgl. Hoheit des Prinzen Ernst August, Her30gs zu Braunschweig und Lüneburg, in Braunschweig im Hinblick auf die inzwischen eingetretene Veränderung der Sach- und Rechtslage mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge und der Reichsverfassung vereinbar sein würde;
2. die braunschweigische Landesregierung hiervon zu verständigen.
Dieser Antrag ist einstimmig im Bundesrat angenommen worden. Der zunächst zur Regier ung berechtigte Herzog von Cumberland hat durch den Mund des braunschweigischen Staatsministers seinen Verzicht auf den Thron Braunschweigs ausgesprochen, und so ist sein Sohn Prinz Ernst August, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, nunmehr regier ender Herzog von Braunschweig, und an seiner Seite die Hohenzollernprinzessin Viktoria Luise, die einzige Tochter des Kaisers, die Herzogin von Braunschweig.
Der einstimmige Beschluß des Bundesrats wird dahin erläutert, daß die Regierung des Prinzen Ernst
hun Erpedition: Seltersweg 83.
Mittwoch, den 29. Oftober 1913.
August in Braunschweig im Hinblick auf die inzwischen eingetretene Veränderung der Sach- und Rechtslage mit der den Grundprinzipien der Bündnisverträge und Reichsverfassung vereinbar sei.
Der Einzug des Herzogspaares in Braunschweig erfolgt am Montag, den 3. November. Der Herzogregent von Braunschweig und seine Gattin verlassen am 31. Oftober das bisher ihrer ObHut unterstellte Land und siedeln zum dauernden Aufenthalt nach Wiligrad in Mecklenburg über. Mit der Stadt Braunschweig, die 25 000 Mk. zur Ausschmückung der Straßen und Plätze ausgeworfen hat, wetteifern die Privatpersonen in der würdigen und glänzenden Dekorierung ihrer Häuser. Der gesamte Fest schmuck wird einen einheitlich fünstlerischen Charakter tragen. Die Fenster der Einzugsstraße sind längst bis auf das letzte vermietet, wobei es bemerkenswert ist, da namentlich die Familien des alten hannoverschen
Adels sich Plätze sicherten.
Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 pig.
die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Pig Die 90 mm breite Reklame 3eite 50 emnia Grabeilagen werden nach Gen und Größe berednet Notatt fonim: befeberichreitung des Sablunge. zieles 10 Faces, bei gerichtlicher Beitreibung oder ther Poufure m Weaiad. Blagvorschriften ohne Verbindlichen. Druck der Gießener Verlagsdruckerei. Albin Ricin
Telephon Nr. 862.
25. Jahrg.
grüßung war von außerordentlicher Wärme und Innigkeit.
Hierauf schritt der Kaiser zur Linken Kaiser Franz Josefs die Front der Ehrenkompagnie ab. Das Publilum brach in brausende Hochrufe aus. Die Monarchen verließen den Bahnhof und bestiegen den Leibwagen. Unter immer sich erneuernden Hochrufen des Publikums wurde die Fahrt nach Schönbrunn angetreten.
Um 1 Uhr nachmittags fand in der Kleinen Galerte des Schönbrunner Schlosses das Frühstück statt. An der Mitte der Tafel saßen die beiden Herrscher, zur Rechten von Kaiser Wilhelm saz Ministerpräsident Graf Berchtold und Wirklicher Geheimer Rat von Treutler, zur Linken von Kaiser Franz Josef Botschafter Freiherr von Tschirschky und Botschafter von Szögyeny- Marich. Bald nach 3 Uhr traf der Kaiser zum Besuch des deutschen Botschafters, Freiherrn von Tschirschty und Bögendorff, auf der deutschen Botschaft ein, wo er den Tee nahm.
Nach der Rückkehr Kaiser Wilhelms von der deutJm Braunschweigischen Landtag war am Monschen Botschaft nach Schönbrunn begab sich Kaiser Franz tac die Lösung der Thronfolgefrage Gegenstand einer Josef in die Gemächer seines erlauchten Gastes, wo die feierlichen Kundgebung. Majestäten längere Zeit zusammen verweilten. Um 7½ Uhr abends fand ein Familiendiner statt. Nach dem Diner verabschiedete sich der Deutsche Kaiser in herzlicher Weise von Kaiser Franz Josef und den übrigen Mitgliedern der kaiserlichen Familie. Er ist noch am gleichen Abend um 9 Uhr vom Penzinger Bahnhof nach Wildpark abgereist.
Raiser Wilhelm in Oesterreich.
Vom Jagdbesuch beim Erzherzog- Thronfolger Franz Ferdinand in Konopischt kommend, traf Kaiser Wi l- helm Sonntag vormittag zu einem eintägigen Besuche bei Kaiser Franz Josef in Schönbrunn ein. In Hietzing und Penzig waren die Häuser beflaggt. Trotz des schlechten Wetters waren viele Tausende gekommen, um den Kaiser zu sehen.
Punft 11 Uhr wurde gemeldet, daß der Zug einfahre. Kaiser Franz Josef trat dicht an das Gleis heran, und die Musik spielte Heil Dir im Siegerkranz". Kaiser Wilhelm in österreichischer Generals uniform entstieg dem Zuge und umarmte den Kaiser. Die Monarchen füßten einander zweimal, schüttelten sich die Hände und sprachen längere Zeit herzlich miteinander. Die Be
Krankenkassen contra Aerzteschaft.
Ein außerordentlicher Deutscher Aerztetag fand am Sonntag in Berlin statt. Veranlassung zu der Tagung gab die Ablehnung der Einigungs- Vorchläge des Deutschen Aerztevereins bundes und der wirtschaftlichen Organisation der Aerzte, des sog. Leipziger Verbandes. Die Versammlung war von 448 Delegierten, die 384 Vereine mit 21 207 Stimmer ver= traten, besucht; außerdem hatten sich viele Hunderte von
Färberei Gebr. Röver
Gießen, Marktplatz 18
Frankfurt a. M.
und Färberei Hugo Luckner( Inh. Gebr. Röver)
Leipzig
chemische Waschanstalten
Chemisches Reinigen und Färben von Damen-, Herren- und Kindergarderobe, Vorhängen, Decken, Teppichen, Portièren Fellen, Spitzen, Federn, Reihern, Kindermützen, Handschuhen etc. Zirka 1000 Angestellte.
1
Nach dem Sturm.
Erzählung von Emil Frank.
44) ( Nachdruck verboten.) Seine und ihre Stunde wird komen, die Liebe kann nicht mehr sterben, er weiß es. Und jetzt drängt es ihn fort aus dem lärmenden Fest, mit den Augen nimmt er Abschied von ihr und sie blickt ihm bestürzt nach. Lähmende Angst fäßt sie an: Ich habe ihn von mir gestoßen und nie kehrt er wieder, denn er ist zu stolz, um Liebe zu bettern! So gellt es durch ihre Seele, und all die Lust und Freude kommt ihr vor wie eine Farce. Unbemerkt stiehlt sie sich aus dem Saal und eilt in ihr Zimmer. Aber auch hier hat sie keine Ruhe. Da entzündet sie die Lampe und geht zu den Gemächern der toten Mutter. Vor ihrem Bild spricht sie aus, was sie drückt, und leises, schüchternes Hoffen kehrt zurück in ihre Brust.
Die ältesten Bewohner von Krzemien konnten sich nicht erinnern, jemals einen so unfreundlichen Herbst erlebt zu haben. Mitte September setzte das schlechte Wetter ein. Es regnete Tag für Tag. Und wie regnete es! In Strömen goß es. Bald war die kleinste Piüze überschwemmt. Wiesen und Felder standen unter Wasser. Der Dvjestr wälzte seine hochangeschwollenen Gluten brausend fert. Der Fluß war hier noch wild und ungestütm, ez war noch zu jung, und vom Gebirge her betam er bei solchem Wetter allzuviel Zufluß. Schon längst war das Bett des Flusses für die gewaltigen Wassermassen zu klein geworden. Sie ergossen sich nach rechts und links. Und noch immer regnete es. Schon hörte mar von nah und fern Botschaften von unheil, vort furchtbarem Schaden, von Menschenopfern. Voll Angst wandten sich der Menschen Blicke zum Himmel. Der war ganz gleichmäßig grau und durch die dicken Wolken schien das angsterfüllte Rufen der Menschen at dringen zu können. Die Kartoffeln hatten nicht
mehr geerntet werden können, sie lagen im Boden und faulten.
Graf Warminski und der Faron feierten nicht. Im strömenden Regen ritten sie längs der schter unabsehbaren Wasserfläche, die von Tag zu Tag zunahm. Schloß Krzemien war sicher. Auch für Kochanow brauchte man nichts zu fürchten. Die Schleusen und der Damm waren start, Baron Kappel hatte sich persönlich von der Zuverlässigkeit dieser beiden Schuhwehren überzeugt. Nein, da war keine Gefahr, das Wasser konnte ruhig noch vier Fuß steigen. Aber das Dorf Krzemien war bedroht; das lag tief, in einem Sattel zwischen Schloß und Kochanow. Der einzige Schutzwall war der Eisenbahndamm. Wenn die Wasser nach dieser Selte durchbrachen, dann war das ganze Dorf unter Wasser. Dann Guade Gott! Denn die alten Hütten konnten unmöglich dem Andrängen der Fluten widerstehen, sie stürzten im ersten Ansturm zusammen.
Die beiden Herren hielten neben der bedrohten Stellung. Echweigend prüfte Baron Kappel das Gelände. Er war so ruhig, als handelte es sich um eine Viütze. Graf Warminsti war nervös. Er fröstette, denn das Waffer draug durch seine Kleider. Jetzt war der Baron mit sich im reinen. Wir müssen Seitendumme aufwerfen lassen, Warminski, der Eisenbahndamm hält nicht, den spült das Wasser weg als wär's ein Waulwurfshlincl. Du mußt sofort alle Deine Leute Herschicken. Ich will die Arbeit leiten!" sagte der Ba
TDI.
Graf Warminski sprengte fort. Es war ein schweres Stück det aufgeweichten Weg zu passieren. Er feste dem Gaul die Sporen in die Weichen und ließ nicht nach, bis er Krzemien erreicht hatte. Sofort ließ er die Tagelöhner rufer und teilte ihnen mit, was auf dem Spiele ſtand. Ihre Häuser seien in Gefahr, das ganze Dorf werde verwüstet, wenn das Wasser dort Durchbricht.
Die Leute sahen es ein und machten sich sofort marschbereit. Ein Adjunkt ritt ins Dorf, um die Leute zusammenzurufen. Von allen Seiten strömten sie zusammen. Der Baron erteilte vom Pferde herab kurz und klar seine Anweisungen. Er schien sich um den Regen nicht im geringsten zu kümmern. Sein Beispiel wirfte ermunternd auf die Arbeiter. Die Angst um das bißcher Besitz, das sie ihr eigen nannten, spornte sie zu größtem Fleiße an. Sie wühlten sich förmlich in den schlammigen Grund ein. Stunde auf Stunde verrann. Immer höher wurde der Wall. Baron Kap pel mußte seinen Posten verlassen. Das Wasser rann ihm am Körper herunter, floß ihm aus den Stiefeln. Er stieg vom Pferde und führte es am Zügel fort. So wurde er wenigstens rarm, denn der Frost hatte ihn geschüttelt. Endlich hatte er die Straße nach Kochanow erreicht. Da schwang er sich wieder in den Sattel und ritt, daß das Wasser in den Zümpeln hoch aufspritzte. In Kochanow übergab er das ferd einem Stallfnecht. „ Sorgfältig abreiben und troden füttern!" befahl er noch. Dann waufte er in seine Wohnung. Er hatte bei dem strömenden Regen acht Stunden im Sattel ge= feisen.
Bor Aubruch der Sicht ritt er abermals hinaus. An Ruhe war gar nicht zu denten. Er ordnete an, daß abwechselnd gearbeitet werden sollte, prüfte die Däm= me und ritt wieder fort. Bon fern her flang das Murmein und Branden und Brausen der steigenden Flut, Noch immer fiel der Regen flatschend auf die Erde. Am Rande des Horizonts waren die Wolfen wie gemauert. Im Zenit lichtete es sich ein wenig. Der Baron prüfte die Wolfenbildung genau. Wenns starten Wind gab, wurde es besser mit dem Wetter. Aber die Winde hatten sich vertrochen.
Fortsetzung folgt.)


