Ausgabe 
25.10.1913 Erstes Blatt
 
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( Neueste Nachrichten)

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Nr. 86.

1. Blatt.

Sansibar wieder deutsch?

London, 24. Oft. Die Daily Mail" meldet heute: In politischen Kreisen verlautet, England werde die Kolonie Sansibar binnen furzem wieder an Deutschland abtreten. England soll ander weit dafür entschädigt werden.

Sansibar soll wieder deutsch werden. Vorläufig ist das nur ein Gerücht, ein Es verlautet". Und zwar lonunt dieses Gerücht von einer sonst gut unterrichteten englischen Zeitung. Aber nicht nur die Daily Mail" meldet diese politische Sensation, sondern ganz unab­hängig von ihr auch das Echo de Paris". Ja, das Pariser Blatt weiß sogar noch Ausführlicheres über diese Angelegenheit zu berichten. Ein Telegramm meldet uns hierüber:

Erpedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 25. Oftober 1913.

noch über Pemba. Witu, die Küste bis Kismaju, die Inseln Batta und Manda übertragen, während Deutsch­land Deutsch Ostafrika und Mafia gegen 4 Millionen Mark als Besitzungen erhielt. Bis zu jenem Jahre hatte Sansibar seit 1888 unter deutscher Schutzherrschaft ge­standen.

5500

Sansibar ist eine äußerst fruchtbare und für den Handel höchst wertvolle Insel. Die Stadt selbst ist ein wichtiger Hafen, in dem jährlich durchschnittlich Schiffe einlaufen, darunter über 1600 deutsche. Einge führt werden hauptsächlich Baumwollenstoffe, Gewehre, Munition, Glasperlen, Draht, Kohle, Metallwaren; ausgeführt: Gewürznelken, Elfenbein, Kopra und Kaut­schuk.

Paris, 24. Okt. Das der Regierung nahesteh­ende Echo de Paris" bringt heute ebenfalls die Nach­richt, daß England Sansibar an Deutschland abtreten werde, und bemerkt dazu: Die Frage der asiatischen Eisenbahnen wurde zwischen England und Frankreich, ebenso wie mit Berlin und Konstantinopel erörtert. Diese Verhandlungen haben sich natürlich auch auf folgende Punkte erstreckt: 1. Auf das persische Gebiet und die spezielle Lage Englands im Süden Kameruns. Im Jahre 1911 hat bereits Deutschland die russische Iter- Apparat Interessensphäre in Persien anerkannt. 2. Ueber die afri fanische Frage. Es ist jedoch nicht bekannt, inwieweit ystem, Haas diese Frage zwischen der englischen und deutschen Re­1. a. auf dem 10. Aers gierung erörtert wurde. Bereits gelegentlich der Reise Lord Haldanes nach Berlin wurde von der afrikanischen Frage gesprochen, und es ist leicht möglich, daß Eng­land Deutschland Sansibar und die Walfisch- Bai abtritt für die Anerkennung der englischen Interessensphäre in Persien durch Deutschland."

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Politische Rundschau.

Deutschland.

Kaiser Wilhelm ist vorgestern nachmittag 5.40 Uhr in Benesch au eingetroffen und wurde vom Erzherzog- Thronfolger herzlich begrüßt.

* Berlin. Der Geburtstag der Kaiserin wurde am Mittwoch von den im Neuen Palais ver­sammelten Mitgliedern der kaiserlichen Familie in ge­wohnter Weise begangen. Prinz Ernst August fuhr im Kraftwagen von Rathenow aus nach dem Neuen Pa­lais, um der Kaiserin seine Glückwünsche sowie die der Prinzessin Viktoria zu überbringen.

Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

tali zur bald beginnenden Agitation für die sächsische Landtagswahl bildete, erklärte der Landtagsabgeordnete Nitzschke- Leipzig, daß die nationalliberale Landtagsfrak­tion für die Frage einer Dresdener Universi tät vor Durchführung einer gründlichen Volksschul- Re­form nicht zu haben sei.

9

* Berlin. Die wiederholt angekündigte Ernen­nung des Geheimrats Ganso aus dem Landwirt- schaftsministerium zum Präsidenten der Ansiedelungs fommission für Posen und Westpreußen ist nunmehr amtlich vollzogen.

Braunschweig, 23. Oft. Die Stadtver­ordnetenversammlung bewilligte in der heutigen Sizung ohne Debatte einen Kredit bis zu 25 000 Mt. zur Aus­schmückung der Stadt beim demnächstigen Einzuge des Prinzen Ernst August als Herzog von Braunschweig.

München. Der kommende Montag mit dem Zusammentritt der Kammer der Reichsräte wird jeden falls die Entscheidung in der Königsfrage brin­

Sansibar war zur großen Betrübnis vieler Kolo­nialfreunde im Reiche am 4. November 1890 von Deutschland an England abgetreten worden. Jm deutsch- gen. britischen Vertrag vom 1. Juli desselben Jahres wurde

*

Leipzig, 23. Oft. In einer Versammlung

England die Schutzherrschaft außer über Sansibar auch der Nationalliberalen Partei in Leipzig, die einen Auf­

* Der Reichsanzeiger" meldet: Verliehen wurde die Rote Kreuzmedaille erster Klasse der Her­zogin Johann Albrecht zu Mecklenburg, der Herzogin Robert von Württemberg und der Fürstin zu Wied; die Krone zum roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichen­laub dem Gesandten in Athen, Grafen Quadt zu Wykradt und Jsny, der Kronenorden 2. Klasse dem Ge­sandten in Belgrad Frhrn. v. Griesinger und dem bisherigen Kanzleivorstand bei der Botschaft in Peters­burg, Geheimen Hofrat August Kinne.

* Das Resultat der badischen Landtags= wahlen ist folgendes: Nationalliberale 8, Fortschritt­liche Volkspartei 1, Sozialdemokratie 9, Zentrum 29, Konservative und Bündler 5, Wilde 1. Es sind 20 Stichwahlen vorzunehmen.

Der in türkisch en Diensten stehende preußi­sche Artillerie- Oberst Iups chowski ist auf einer In­spektionsreise in Adrianopel an Herzschlag ge= storben. Er hatte sich das Herzleiden auf dem Rüd­zuge der türkischen Armee von Kirkilisse nach Lüle- Bur­gas zugezogen.

* Neu- Kamerun, 24. Oftbr. Der Oberleut­nant der Schutztruppe von Raven ist auf seiner Dienstreise im Nola- Bezirk bei Nauku durch einen L u n- genschuß gefallen und bereits in Nola beerdigt worden. Nähere Angaben fehlen. Raven stand bis zum Uebertritt in die Schutztruppe im November 1910 beim Infanterieregiment Graf Tauentzien von Witten­berg, 3. brandenburgisches Nr. 20.

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Färberei Gebr. Röver

Nach dem Sturm. Erzählung von Emil Frank.

( Nachdruck verboten.)

An jungen Herren mangelte es, da galt es eifrig das Langbein zu schwingen, wenn die Tanzlust der Damen befriedigt werden sollte. Einer der flottesten Tänzer war Wladimir Lusenstt. Er glühte vor Elfer und von der Anstrengung, seine Augen leuchteten vor Freude und Stolz, und sein Gesicht schien schöner, geistvoller und bedeutender zu sein. Slawa Warminski hatte ihn bezaubert; so viel als möglich tanzte er mit ihr, und Auch in den Pausen wich er nicht von ihrer Seite.

Eine sehr schwile Atmosphäre war im Tanzsaal, rob ausgiebiger Lüftung war es drückend heiß. Be­fehlen Sie eine Erfrischung, Komtesse Slawa?" fragte Wladimir devot, und Slawa nickte. Schon wollte er zum Büfett eilen, da hielt sie ihn zurück und sagte: Ich gehe mit, Herr Wladimir, und dann wollen wir eine Eleine Promenade durch den Park machen." Wladimir war entzückt. Heute oder nie mußte ihm das Glück blühen, er mußte das Eisen schmieden! Die reizende Slawa mußte heute noch sein werden! Wie der Gedanke ihn entzückte, berauschte! Mit vollendeter Galanterie führte er sie zum Büfett, es war hier augenblicklich ziem= lich leer, die meisten Gäste waren aus der Schwüle des Tanzsaals in den tühlen Park geflüchtet. Lusenskt füllte zwei Kelche mit perlendem Seft. Hell flangen die Spitzgläser aneinander; dabei schaute er Slawa tief in die Augen, und sie errötete von seinem Blick.

Wladimir war im Park von Krzemien wohlbe= fannt. Er führte seine holde Partnerin in einen der menschenleeren Seitenpfade. Das Scherzen und Lachen Elang gedämpft an ihr Ohr. Am dunklen Nachthimmel glizerte Stern an Stern, und die Blätter erzitterten gen fie schweigend zwischen Hecken und Himbeersträu­

Anzeigen erhält einen ganteicht, obwohl man keinen Windhauch spürte. Erst gin=

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Frankfurt a. M.

chern. Slawa war seltsam bewegt. In threr Seele war ein Singen und Klingen, ein Bittern und Bangen. Und dann begann er leise zu sprechen. Seine melodische Stimme schmeichelte sich in ihr Herz, seine Worte be­rauschten sie, und eh' sie's dachte, da lag sie an seiner Brust und empfing seine heißen Küsse...

Da raschelte es im Gebüsch. Slawa riß sich los und wollte fliehen. Auf einmal war ihr junges Herz zag ge­worden, es war, als schämte sie sich, daß sie von Wladt­mir sich hatte tüssen lassen. Scham und Liebe kämpften miteinander, und jetzt war es ihr mit einemmal, als liebte sie Wladimir nicht so, daß sie sein Weib werden fonnte. Ihr romantisches Köpfchen hatte sich die Liebe anders gedacht, und als jetzt ihr Begleiter abermals warme Liebesworte sprach, da zuckte sie fast zusammen und wehrte ab. Wladimir erschrat. Sollte er sich wirk­lich getäuscht haben? Er hatte so sicher geglaubt, Sla­was Liebe zu besißen, und jetzt wies sie ihn zurück. Wollte sie nur mit ihm spielen? Nein, nein, das war ja nicht möglich! Slawa war noch so jung. Er wollte warten. Da sagte sie auch schon: Wladimir, sind Sie mir böse? Ich kann Ihnen jetzt noch keine Antwort ge= ben? Wollen Sie warten?"

Nun war er wieder versöhnt. Freudige, stolze zu­versicht erfüllte sein Herz. Er führte die Geliebte zurück auf den Hauptweg des Parts.

Plötzlich erstrahlte der Park in wunderbarem Licht. Das Feuerwerk begann. Raketen flogen in die Luft und jedes Zweiglein war übergossen von einer blen= denden Lichtfülle. Und auch das alte Schloß erglühte, und über Portal erhob sich flammend das Wappen der Warminsti. Es war ein schöner Anblick.

Das Licht wor erloschen, hier und da zuckte noch ein Flämmchen auf, dann starb es. Oben aus den offenen Fenstern des Saals klang süß und lockend eine Mazur­ka, und Lusensti faßte Slawa fester und sagte: Wollen wir tanzen Elawa?" Sie erwiderte: Ja, Wladimir."

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So gingen sie in den Saal und tanzten, tanzten- An einem der Pfetler stand Baron Kappel und schaute gelassen in das Wogen und Treiben. 28te lang hatte er nicht mehr an einen derartigen Fest tellgenom men. Heute lockten thn die Klänge unter das frohe Volt. Und seine Augen suchten Jadwiga, die wie eine Königin sich inmitten der Gäste bewegte. Jezt blickte sie hin zu ihm, und für einen Moment senkten sich bet der Blicke ineinander. Es zog ihn hin zu ihr, einmal nur mit ihr tanzen! Noch zaudert er! Soeber hat ein Walzer begonnen. Da nähert er sich ihr. Ste steht in einem Kreis junger Damen, und wie sie ihn tomment sieht, flutet eine Purpurwelle über Hals und Kopf. Ste ist ärgerlich, daß sie sich nicht mehr in der Gewalt hab daß sie vor ihm errötet wie ein schüchternes Mädchen. Während er langsam die letzten Schritte machte, faßt ste den Entschluß, sein Engagement abzulehnen. Und in demselben Augenblick durchflutet sie Glück und Seligkeit: Mit ihm tanzen! Einmal nure! Wortlos.

Jezt steht er vor ihr. Mit seinen Blicken umfängt er fie. Seine Züge sind verändert, nichts Stolzes ist mehr darin, und auch sie sucht und ruft vergebens ihr stolzes Herz wach, es weiß nur noch von Glück, einem großen, unnennbaren Glück.

Dann tanzen sie zusammen. Sie schweben dahin, denn sie tanzen beide mit der Seele. Kein Wort sprechen sie zueinander. Nur am Schluß flüstert er: Jadwiga!" Da tommt es wie Erschrecken über sie. Noch einmal will sich etwas aufbäumen in ihr und das heiße Be­kenntnis von Glück und Liebe zurückdrängen. Noch nicht," sagt sie, mehr für sich als für ihn, und er blickt sie glücklich und zufrieden an und führt sie an threx Plaz. Sein Herz ist voll Jubel und Hoffnung. Er hat dieses Noch nicht" verstanden, wie er dieses stolze Herz, das ich acaen Liebe und Glück sträubt, ganz versteht.

( Fortsetzung foiyi.,