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Gießener Zeifung

Bezugspreis 25 Pfg. monatlich

( Neueste Nachrichten)

sterteljährlich 75 Bfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ausgabestellen vierteljährlich 60 Pig.- Erscheint Redaktion: Selters. Mittwochs unb Samstags.

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veg 83. Für Aufbewahrung oder Rüdiendung nicht verlangter Manuskripte mir nicht garantiert. Verlag ber Gießener rimman" G. m. b. S.

Nr. 85.

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Telephon: Nr. 362.

Zur Jabrbundertteier.

Zur Jahrhundertfeier zu Erinnerung an die Völ­ng des App erschlacht bei Leipzig hatte die Stadt Leipzig prächtigen Flaggenschmuck angelegt.

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Am Freitag vormittag schon war die Einweihung bei der russischen Kirche, die zur Erinnerung an die Leipzig im Jahre 1813 gefallenen russischen Helden er­richtet war, in Gegenwart des Großfürsten Kyrill ein geweiht worden.

Erpedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 22. Oftober 1913.

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Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 pig.

die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Pia Tie 90 mm breite Reklame Zeile 50 Biennia Frirabeilagen werden nach Gemir und Größt berechnet. Mabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs zieles 10 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder Konturs in Wegfal. Platzvorschriften ohne Berbindlichten. Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein

Telephon Nr. 362.

25 Jahre.

sein in der Liebe zum angestammten Fürstenhause, zum Kaiser und zum Reich. Dazu verhelfe uns der Gott, der mit unseren Vätern war! Amen!

Unmittelbar erfolgte die Antwort des= nigs von Sachsen: Die von hoher patriotischer Begeisterung getragenen Worte, die Sie, Herr Thieme, in Vertretung des deutschen Patriotenbundes soeben an mid gerichtet haben, haben uns Deutschen tief bewegt. Sie unterstützen den gewaltigen Eindruck des gewalti­gen Denkmals, das durch die freie Opferbereitschaft deut­scher Männer hier errichtet worden ist, als ein Zeichen deutscher Kraft und Einigkeit. Wie dieses Denkmal uns erinnert an blutige Kämpfe und an den Heldentod vie­ler braver Soldaten, die vor hundert Jahren auf die­sem Schlachtfelde fielen, wie es uns weiter mahnt an Gottes gnädige und wunderbare Führung, der unserem Volke nach langem Ringen und Sehnen eine herrliche Einheit schuf, so möge es nach weiteren hundert, ja nach tausend Jahren noch späteren Geschlechtern von dem heutigen Tage Kunde geben, möge es ihnen erzählen, wie in dieser Stunde Deutsche und Russen, Desterreicher, Ungarn und Schweden ihre Knie in Verehrung vor Gott beugen, dem allmächtigen Lenker der Weltgeschichte und zu ihm beten, daß er uns den Frieden erhalte zum Wohle des deutschen Volkes, zum Wohle auch der Staa­ten und Fürsten, die Mir die große Freude bereitet haben, Meiner Einladung zu folgen und bei diesem Feste durch Mitglieder ihres Hauses und durch Abord­nungen ihrer tapferen Heere vertreten sind. In diesem Sinne beglückwünsche ich den deutschen Patriotenbund zu dem wohlgelungenen Werke und nehme das Denk­mal unter Meinen Königlichen Schuh. Und wieder­um flang ein Danigebet durch die Luft: Nun danket alle Gott....

senkt worden, doch das Andenken an die Leipziger Völ­ferschlacht und an die Helden der Befreiungskriege blie | ben bestehen. In den Herzen des Volkes erwuchs ihnen ein dauerndes Denkmal, ein lebendiges Ehrenmal deut­scher Dankbarkeit. Deutschland vergißt seine Helden nicht. Aber was in der Seele sorgsam geborgen liegt, verlangt nach einem gewaltigen, sichtbaren Wahrzeichen. Einmal muß es urkräftig zum Ausdruck, zur Gestaltung gelangen und sollte es einhundert Jahre währen! Nie stirbt ein großer menschlicher Gedanke! Wohlan! Hier das steht der zu Stein gewordene Wille des Volkes, sichtbare Zeichen der Dankbarkeit gegen Gott und unsere Heldenväter für unsere Freiheit und unser nationales Sein! Gewaltiger Zeiten gewaltiges Zeichen!- den dem deutschen Volke gefallenen Helden ein Ehrenmal ein Ruhmesmal- kommenden Geschlechtern ein Mahn­zeichen! hoch und hehr wie die Taten der Mütter und Väter, die Gut und Blut einsetzten für die Rettung des Vaterlandes. Nicht nur zur bloßen Feier einer flüch tigen Stunde der Erinnerung sind wir hier versammelt: Nein! Dies Denkmal soll des deutschen Volkes Jubel­feiertag sein, berufen, durch Jahrhunderte fortwirlend, deutschem Sinn und Geist zu dienen. Was ist alle äußere Verlerrlichung, wenn nicht aus dem Andenken an der Väter Taten immer wieder neue Begeisterung in den Enkeln erwacht! Was einst Ernst Moritz Arndt sagte, muß Wahrheit für alle Zukunft bleiben: Das Völkerschlachtdenkmal muß die Irminsul des deutschen Volles sein, wohin es am 18. Oktober jeden Jahres seine Schritte und seine Gedanken lenkt, daß alle daran erinnert werden, daß sie Brüder eines Stammes und einer Liebe sind, und daß sie hinfort deutsche Liebe und Treue nächst Gott als das heiligste und höchste zu achten und zu lieben haben. Eingedent dieser Mahnung weihe ich dieses Denkmal den Mannen der großen Zeit, daß die Väter in den Söhnen leben. Und so legen wir als treue Söhne des Vaterlandes heute am Hundertjahres­tage der Völkerschlacht im Geiste der Väter aufs neue das heilige Gelöbnis ab: Treu und fest zu sein im Glauben an den allmächtigen Gott, treu und fest zu

es

Ein mächtiges Leben und Treiben erfüllte am Sonn­abend, dem Haupttage der Völkerschlachtsfeier, von den frühesten Morgenstunden an die festlich geschmückte Stadt. Am Eingang zu dem Rundweg beim Völkerschlachtdent­mal erhebt ich ein kleines Fürstenzelt; hier harrten die nacheinander eintreffenden deutschen Bundesfürsten, die von den Prinzen des sächsischen Königshauses empfan­gen wurden, des Königs von Sachsen und des Kai­fers. Kurz nach 11 Uhr trafen auf dem festlich ge Schmückten Hauptbahnhof der Kaiser ein, vom König von Sachsen begrüßt, und in schneller Fahrt ging durch die Straßen zum Feſtplak. Nach einer Begrüß­ung der anwesenden Fürstlichkeiten setzte sich unter Fan­farentlängen der Fürstenzug um den Teich in Beweg­ung zum Fürstenzelt am Denkmal. Stürmisch wurden vie hohen Gäste begrüßt. Endlos waren die Hochrufe, das Tücherschwenken und der Jubelklang der vielen Zuschauer. Und dann traten die Zuschauer selbst in At­tion. Mächtig drang das niederländische Dankgebet: ,, Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten" empor der und bestieg der Vorsitzende des Patriotenbundes, eigentliche Schöpfer, des Denkmals, Geh. Hofrat Thieme, Die Rednertribüne zur Weiherede:

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Der Redner schilderte zunächst das Erwachen des nationalen Gedankens im Frühjahr 1813, schilderte die beginnende preußische Erhebung, der sich allmählich die anderen deutschen Stämme anschlossen und fuhr dann Voreinsendur fort: Hundert Jahre sind ins Meer der Vergangen­heit dahingeflossen, vieles ins Meer der Vergessenheit ge­burg.

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Inzwischen eilten schnellen Laufes die Eilboten her­an, die hier ihren Stafettenlauf vollendeten, und von den fernsten Gegenden Deutschlands, ja aus Amerika ward den deutschen Fürsten Heil und Gruß entboten; es war ein erhebender Anblick, diese kraftstrotzenden Ge­stalter der deutschen Jugend zu sehen, die zugleich Zeug­

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42)

Nach dem Sturm.

Erzählung von Emil Frank.

( Nachdruck verboten.)

Wladimir gab sich Mühe genug, das kleine Herzchen zu gewinnen. Merkwürdig, dieser Wladimir gefiel ihr immer besser, er soar ja so hübsch, so lustig, so gut. Auch thr war es, als paßten sie beide ganz vorzüglich zu einander, und auch die lieben alten Leute waren so gut, so recht wie Eltern.

sir endlich die Scheidestunde schlug, da ging man mit dem Vererben auseinander, gute Nachbarschaft zu halten.

Fast Tag für Tag fthren sie jetzt aus. Jadwiga hatte bei diesen Besuchen hausig Gelegenheit, Aeußerun­gen über Baron Kappel zu vernehmen. Man beneidete ihn, das lag ja nahe, aber man wurde doc; feiner Tüch­tigkeit gerecht, und das erfüllte Jadwiga mit heller Freude. Sie fing an, sich mit Kappel solidarisch zu füh= len.

An einem der folgenden Tage saß Jadwiga mit einem Buch im Park zu Krzemien. Natürlich hatte sie thr Lieblingsplätzchen an der Parkmauer aufgesucht, und dort vertiefte sie sich in ihre Lektüre. Die Zeit verrann, leise Schatten tamen, der Abend kündigte sich an. Da Happle Jadwiga das Buch zu und blieb ein Weilchen in Gedanken sitzen. Jenseits der Parkmauer hörte sie Stimmen, die näher kamen. Sie erkannte Slawa. Sie teg auf die Bank und blickte über die Mauer auf die mit Pappeln eingefaßte Landstraße. Nein, sie hatte sich nicht getäuscht, denn dort kam Slawa und neben ihr Britt Wladimir. Beider Augen leuchteten, und auf bet­der Antlitz lag heller Schein, als seien einige Strahlen der Sonne darauf geblieben. Keiner sah sie, wie sie dort and und lauschte. Eigentlich hatte sie die kommenden msprechen wollen, aber sie schienen so glücklich zu sein; la sprang sie von ihrer Bank und ging zum Schloß.

Wie sie die Straße erreichte, stand Baron Kappel vor ihr. Er grüßte sie in seiner vornehmen Art, und sie stand vor ihm und hatte all ihre vornehme Sicherheit verloren. Feine Burpurröte war über ihre Züge aus­gegossen, und thr Blick ging an ihm vorbei. So sah sie nicht, daß auch auf seinen Gesicht eine große Bewe­gung sich ausprägte, daß seine Augen mit einem ganz anderen Ausdruck auf ihr ruhten als sonst.

Doch bald hatte sich Jadwiga wieder in der Gewalt und nun nahnt der Baron Abschied. Er ging sehr lang= sam. Den grünen Lodenhut trug er in der Hand und sein Auge blickte hell und froh in den strahlenden Son­nenabend. Er lächelte, und dieses Lächeln ging nicht fort. Freundliche Gedanken zogen durch seine Seele. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gingen neben ihm. Aber das schönste war die Zukunft, denn sie war von Liebe durchleuchtet. In vergangenen Tagen hatte ihm dieses wärmere Feuer nicht gestrahlt. Früh waren Sie Eltern geschieden, und die Heimat ging ihm verlo­ren. Mit Feuereifer hatte er den Studien obgelegen und sich mit großen Plänen getragen. Er war ja reich, besaß Willen und Energie, da konnte er schon was an= fangen. Der Liebe Wurderblume wuchs für ihn, aber sie brachte kein Glück, der ältere Bruder führte das Mäd­chen seiner Liebe heim. Damals hatte er die Heimat ver= lassen. Nach langen Reisen kam er nach Galizien und blieb daselbst. Die Arbeit, das stete Ringen mit der Ungunst der Verhältnisse ließ ihn alle Enttäuschungen vergessen. Aber an Liebe dachte er nicht mehr. Die jungen Damen, die er in seinem neuen Wirkungskretse fennen lernte, ließen thn so kalt. Und doch war tn set­nem Herzen ein verborgenes Sehnen nach einem ande­ren Herzen, das ihm in Ltebe warm entgegenschlug, es gab Stunden, wo er nach Sonnenschein verlangte, wo thm bewußt war, daß ihm etwas fehle: Liebe, Heim! Da lernte er Jadwiga kennen. Sie war so ganz anders, bet allem Stolz ein ganzes Wetb. Erst war es ein bloßes

Interesse an ihrer Psyche, doch bald schmeichelte sich ihr Bild in sein Herz. Langsam wurde sein Interesse zur Liebe, und heute war er sich dessen bewußt geworden. Und nun stand der Entschluß fest in ihm, sich Gegenliebe zu erringen. War sie nicht schon bei den letzten Begeg­nungen ganz anders zu ihm gewesen, viel weicher, hin­gebender? Hatte sie nicht heute vor ihm gestanden in ihrer ganzen Lieblichkeit, vom Stolz entkleidet? Ste oder keine sollte sein werden, das wußte er.

Wladimir Lusensti kam häufig auf seiner Schim­melstute nach Krzemien. Wer sehen wollte, konnte es deutlich sehen, er fam Slawas wegen. Aber noch war zwischen ihnen das Wort von Liebe nicht gesprochen worden, sie leuchtete nur aus ihren Blicken, tat sich fund in dem leisen Ton, der durch alle ihre Gespräche vibrier­te. Slawa waz so froh und glücklich, sie wußte nichts von Zweifel und Kampf. Die Liebe war gekommen und hatte Besitz von ihrer Seele genommen, und sie fand das schön und gut.

Da tam das Sommerfest in Krzemien. Es war nach langer Zeit das erste Fest, das in dem alten Schloß gefeiert wurde. Graf Warminski hatte die Vorberet­tungen hierzu seiner ältesten Tochter übertragen und Jadwiga betrieb die Angelegenheit mit allem Eifer. Frau Soffa unterstützte sie mit ihrem Rat. Es mußte schön werden.

Wagen auf Wagen rollte durch den Part. Das Wets ter war nach kurzer Regenzeit so gut, wie man es im September nur verlangen kann. Darum brachten die Gäste von Anfang an Feststimmung mit. Jadwiga machte an der Sette ihres Vaters die Honneurs mit der Ruhe und Sicherheit der geborenen Herrin. Graf War minsti war stolz auf ste. Das Essen war glänzend und die Stimmung wurde von Stunde zu Stnde froher. Nach dem Essen wurde getanzt. Slawa ar so froh, fie sprithte und leuchtete und entzückte den jungen Lusenstt, der schon ihr Tischherr gewesen, mehr und mehr.