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Literatur frei bei Wildungen.
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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 25 Pfg. monatlich vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig. ansgabestellen vierreljährlich 60 Bfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Stedaktion: Seltersmeg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 32.
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Telephon: Nr. 362.
Ein krasser Fall unwabrer fozialdemokratischer Berichterstattung.
Man schreibt uns:
Mit welcher Gehässigkeit und Lügerei von der Soaldemokratie der Kampf gegen die Verwaltungen und ie Betriebsbeamten der industriellen Werke geführt ird, zeigte sich dieser Tage in einer Verhandlung am andgericht in Cleve gegen den Redakteur der„ Niederjeinischen Arbeiter- Zeitung" in Duisburg. Es handelte ch bei dem der Anklage zugrunde liegenden Artikel um nen Fall unwahrer Berichterstattung, wie er selbst in n sozialdemokratischen Blättern doch nicht alle Tage finden ist. Die Verhandlung, zu der etwa 80 3 e u n und 5 Sachverständige geladen waren, hm volle zwei Tage in Anspruch und endete it der Verurteilung des Angeklagten zu 1 Monat efängnis. Durch die Beweisaufnahme wurde lgendes festgestellt.
Am 4. Dezember 1909 hatte die in Bochum erjeinende Bergarbeiter- Zeitung einen Artikel veröffent= ht, in dem die auf den Gruben der Zeche Rhein reußen" in Homberg angeblich herrschenden Miß inde einer Kritik unterzogen wurden. U. a. wurde n Beamten vorgeworfen, durch Fahrlässigkeit den Tod les Arbeiters, der durch hereinbrechende GesteinsmasI verschüttet worden war, verschuldet zu haben. Weiwurde behauptet, der Betriebsführer habe der Frau Verunglückten gleich nach dem Unglück erklärt, sie se in der Kolonie nicht lange mehr wohnen, sie se noch im selben Monat noch ausziehen. Dazu ieb das Blatt:„ Kaum ist die Leiche des verunglück Kameraden erfaltet, wirft man die Witwe mit ihren ndern aus der Wohnung heraus, weil es der Profit jeischt. Und das nennt sich göttliche Weltordnung!" egen dieses Artikels war der verantwortliche RedakIr der Bergarbeiter Zeitung vor längerer Zeit vom höffengericht in Mörs zu 500 Mark Geldstrafe vereilt worden, da das Gericht auf Grund einer greichen Beweisaufnahme die völlige Saltlosigkeit in dem Artikel erhobenen Beschuldigungen festte. Auf die von dem Angeklagten eingelegte Beung hob das Landgericht in Cleve das Urteil mit Begründung auf, der Angeklagte habe den Nach= is erbracht, daß er weder den Artikel selbst verfaßt, h zur Zeit seiner Veröffentlichung die Redaktionsgeifte geführt habe, vielmehr zur fraglichen Zeit beurnach bt gewesen sei. Also lediglich deshalb, weil ficht des Gerichts ein anderer Redakteur für den lifel verantwortlich sei, erfolgte die Freisprechung.
Die Nachbarn vom Heideland.
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Roman von Ludwig Blümde.
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( Nachdruck verboten.) So, findest Du das?" fragte Ewald, mit eigentümhem Lächeln, sichtlich angenehm berührt von dieser herkennung.
Ja, das finde ich! Und Du scheinst es schon länger funden zu haben, alter Junge. Bekenne, warum ertete Inge und nickte so lebhaft und machte so blanke ugen?"
„ Ein andermal, Hans! Ich bin jeden Sonntag bet olms. Der Alte ist unser treuer Freund und Berater ld Inge ist ja Stines einzige Freundin." Weiter hast Du mir nichts zu sagen? Du bisi verbt, sehe ich jetzt! Wie weit ist es zwischen euch beiden? ý gratuliere Dir von Herzen!"
" Oh. nicht immer so vorschnell, lieber Hans! Da tit ichts zu graiulieren! Nun, ich will offen sprechen, Du ist mir ja soust doch keine Ruhe. Daß ich Juge liev abe, muß ich Dir eingestehen. Ich weiß auch, trotzdem sie nicht gefragt, daß ich-"
Also, daß Du ihr nicht gleichgültig bist. Und wann t die Verlobung?"
Das weiß unser Herrgott! Wie jetzt alles steht, mi ich nicht an Verloben und Heiraten denken. Nein, azu habe ich Inge zu lieb. Die soll all den Jammer micht mit durchmachen."
Wieder saßen die Freunde schweigend auf dem Strohsack des stuckerigen Wagens.
Expedition: Seltersweg 83.
Samstag, den 19. April 1913.
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 Pfg.
die 44 mm breite Petitzeile für Auswärts 20 Pfg. Die 90 mm breite Reflame 3eile 50 Pfennig Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bef Konfurs in Wegfall. Klapvorschriften ohne Verbindlichkeit. Druck der Gießener Verlagsdruckerei, Albin Klein.
Telephon Nr. 362.
25. Jabra.
Vom Balkankrieg.
Die Spannung zwischen Bulgarien und Serbien nimmt zu. Bulgarische Blätter melden, daß bulgarische Kavallerie in Köprülü eingetroffen und von der Bevölkerung mit Jubel empfangen worden sei. Die be= Abteilung sei auf dem Vormarsch nach Monastir griffen, wohin die Serben in aller Eile 4000 Mannm Infanterie mit Maschinengewehren und zwei Bataillo nen Feldgeschützen dirigierten. Die beiden Truppenteile stehen sich auf kurze Entfernungen gegenüber, und man befürchtet Reibereien.
Die„ Niederrheinische Arbeiter- Zeitung", deren Berichterstatter in der Verhandlung zugegen gewesen war, stellte nun in einem Artikel das Ergebnis der Berufung in einer Weise dar, die eine geradezu unglaubliche Entstellung des wahren Sachverhalts bedeutet. Unter der Ueberschrift: 3edhe Rheinpreußen" gerichtet, Redakteur Wagner freigesprochen!" schrieb das Blatt, das Urteil des Landgerichts stelle die schärfste Kritik des von dem Schöffengericht eingenommenen Standpunkts dar und bereite dem Redakteur Wagner eine Genugtuung. Das erste Urteil habe insbesondere den haßerfüllten„ Christen" Stoff zu allerhand hämischen Glossen gegeben. Die Verhandlung in der Berufungsinstanz werfe all das an die erstgerichtliche Verurteilung geknüpfte Geschwätzchen Armee ist unter folgenden Bedingungen beschlos= interessierter oder haßerfüllter Gegner über den Haufen und ohrfeige die feigen Söldlinge ganz gehörig. Es folgte dann eine fast wörtliche Wiedergabe des Artikels der Bergarbeiter- Zeitung mit dem nochmaligen Hinweis auf die gänzliche„ Freisprechung des Redakteurs Wagner", durch die das System gerichtet, die unverant- wortliche Antreiberei, die solche Unfälle zeitigen müssen, an den Pranger gestellt sei.
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Die Einstellung der Feindsellglei chen Armee ist unter folgenden Bedingungen beschlos= sen worden: 1. Bei Tschataldscha und bei Bulair werden die Feindseligkeiten bis zum 23. April eingestellt. 2. Wenn die Friedensverhandlungen in diesem Zeitraum nicht zum Ziele führen, so kann die Frist durch Vereinbarung verlängert werden. 3. Von beiden Par teien wird eine Kommission bestimmt, die die neutrale Zone zwischen den beiden Heeren festsetzen wird. Im Falle der Wiederaufnahme der Feindseligkeiten müssen beide Parteien dies 49 Stunden vorher mit= teilen; die Stunden rechnen von 8 Uhr abends des Tages der Mitteilung an. 5. Während der Dauer der Einstellung der Feindseligkeiten wird sich die ottomani
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res zwischen dem Golf von Saros und der Küste des Schwarzen Meeres nicht widersetzen.
Wegen dieses Artikels strengten wiederum die Bedie amten der Zeche„ Rheinpreußen" Privatklage an, in der ersten Instanz die Verurteilung des verantwortlichen Redakteurs zu 750 Mark Geldstrafe zur Folge hatte. Die Kläger legten gegen dieses Urteil Berufung ein. In der jetzt vor dem Landgericht in Cleve gesche Flotte der Verproviantierung des bulgarischen Heeführten Verhandlung erklärte der Angeklagte, seine Angaben über die Ursache des tödlichen Un= falls wie auch seine Behauptung, man habe die Frau aus der Wohnung gewiesen, nicht mehr aufrecht erhalten zu können. Es wurde festgestellt, daß der tödliche Unfall nur auf einen unglücklichen Zufall zurückzuführen sei, und daß der Betriebsführer die Frau zu trösten versucht und ihr gesagt hatte, sie möge sich wegen der Wohnung nur beruhigen, für den lausenden Monat sei die Miete ja noch bezahlt; das weitere werde sich schon finden. Unter Aufhebung des Urteils erster Instanz erkannte das Gericht, wie schon erwähnt, auf eine Gefängnisstrafe von einem Monat.
Ein Kommentar zu diesem Falle ist wahrhaftig überflüssig.
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grüßte, war Hermine, die Kunimer und Sorgen nicht tannte, nicht kennen wollte.
Weihnachten sollte die Hochzeit setu, wurde heute vereinbart, und die glückliche Braut begann an ihrer Aussteuer zu arbeiten.
König Nikolaus von Montenegro teilte den fremden Diplomaten in Cetinje mit, die Belagerung Stutaris werde fortgesetzt.
Nach einer Meldung aus Wien wurden die da l- matinische und die herzegowinische Grenze gegen Montenegro abgesperrt, um die Zufuhr von Lebensmitteln nach Montenegro zu verhindern.
Politische Rundschau.
Deutschland.
* Die Nachricht, daß der König und die Königin von Jtalien die Absicht haben, den Hochzeitsfeier= lichkeiten am Kaiserhofe in Berlin beizuwohnen, wird von unterrichteter Stelle bestätigt.
* Die militärischen Feiern zum Regierungsjubiläum des Kaisers im Juni sind jetzt für die preußische Armee festgelegt. Jn jämt= lichen Standorten finden am 15. Juni, also am Todestage Kaiser Friedrichs, in allen Garnisonkirchen und Militärgemeinden besondere Gottesdienste statt. Am
mit den blanken messingnen stagelkopfen, was grüne Sofa aus der Großelternzeit, der segnende Christus dort auf dem Wandbrett, die vielen Bilder und Silhou
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Zu Mathiesens regelmäßigen Gästen zählte Müller Thore, den es mit unwiderstehlicher Gewalt Abend für Abend ins Wirtshaus trieb. Böse Zungen behaupteten, die interessante Wirtin übte so große Anziehungskraft auf ihn aus. Andere wollten bestimmt wissen, daß Hermine, troßdem sie verlobt war, sich von ihm den Hos machen ließe. Hans hatte zum Glück von diesen Gerüchten noch fein Sterbenswörtlein vernommen. Er alexible auf seiner Braut Treue schwören zu können. Gerade die Ueberzeugung, daß er von Hermine über alles geiieót würde, versöhnte ihn mit manchen Fehlern, die er nach und nach an ihr entdeckte. Da er niemals ausging, außer Sonntags zur Kirche, und bei seiner harten Tagesarbeit jelten mit Leuten, die müßiges Geschwät lieblen, in Berührung tam, so erfuhr er wenig von der Welt um ihn herum. Und das war in diesem Fall ein großer Segen seiner Arbeit.-
Ein milder Abend war auf den stürmischen Novemberſonn ag gejolg!. Dichter Nebel lag über der Heide, wie Ewald Lorezzen zum Schulhaus schritt, um mit Vater Holm über Politik und Tagesereignisse zu reden und um tu Inges Nähe auf eine Stunde die Sorgen des Alltags zu vergessen. In dem sauberen, äußerst geschmackvoll ausgestatteten Wohnstübchen war alles Friedens ruhte da über dem Ganzen, daß es Ewald immer zumute war, als wäre es Sünde, hier ein lautes Wort zu reden, laut aufzutreten. Das Harmonium dort an den Fenster mit den schneeweißen Gardinen und der bunter Blumenpracht, der runde Tisch aus Nußbaumholz die altmodischen Stühle, der Ledersessel
Hans erschraf, wie er seinen Vater wiedersah. Das behaglich und gemütlich. So ein wohltuender Hauch des
war nicht mehr der Riese vom Eichhof, der Mann der um- üchsigen Kraft! Seine Rectengestalt war gebeugt, Das Haar bedenklich ergraut, der Blick matt. So trat er Ihm entgegen und hieß ihn mit trübem Lächeln willtommen. Die einzige, die ihn mit herzlichem Lachen be
sonst noch in dem kleinen Raum war, nicht zu verges= sen der Bücherschrcnf mit alien und modernen Werken, alles waren Ewalds liebe, alte Bekannte aus frühester Jugendzeit. Nichts war seit einem Menschenalter hter anders geworden. Auch die beiden alten Holms erschtenen Ewald noch genau dieselben, die sie zu seiner Kindheit Tagen waren. Der kleine, hagere Greis mit dem spärlichen, grauen Haupt- und Barthaar, mit der schar= fen Brille vnd den gutmütigen, tlugen Augen und dem bleichen, milden Gesicht, flößte ihm noch die Achtung und Ehrfurcht ein wie cinst auf der Schulbank. Fru Holm war eine mittelgroße, cundliche und sehr bewegliche Person mit frischem, anmutigem, immer lächelndem Gesicht. Auch sie trug eine Brille. Inge überragte die Eltern um gut Haupteslänge und kam Ewald wie eine wunderschöne Fee aus fernem Märchenlande vor, wie ein Wesen, das hoch, hoch über ihm stände, das wie ein Nebelgebilde zerfließen müßte, wenn er es mit seinen harten, rauhen, braunen Händen nur anrührte.
Wie er zur gewohnten Stunde eintrat, saß Vater Holm, die lange Pfeife im Munde, auf seinem Ledersessel über der Zeitung und Mutter Holm und Inge deckten den Tisch, denn es war Teezett. Kurz und Herzlich war die Begrüßung, und bald saß Ewald auf seinem Stuhl und hörte des Lehrers Wochenbericht.
„ Es sieht tzübe aus am Himmel," sagte Holm, nachdem er einen gründlichen Zug aus seiner Pfeife getan. ,, Gib acht. wir bekommen einen Krieg mit Frankreich! Der kleine Däne laueri nur darauf. Eine Niederlage der Unsern und wir haben die sauberen Gäste wieder hier im Lande."
( Borticbuna foíaí.>


