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Gießener Zeitung

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( Neueste Nachrichten)

verteljährlich 1,20 m., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Mittwoche und Samstags. Redaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 6.

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Telephon: Nr. 362.

Günstige Balkanaussichten.

Die Großmächte haben über den Inhalt ihrer in Konstantinop I zu überreichenden Note ein Einber­nehmen erzielt. Die Balkanstaaten haben darauf ihren vorzeitigen Beschluß, unabhängig von den Mächten eine Art Ultimatum der türkischen Regierung zu über­reichen, aufgehoben und erklärt, sie würden die Wirkung chendem Erfolg, ber Stollektivnote auf die Türkei abwarten, bevor sie ichts anderes mehr selbständige Schritte unternähmen. Durch diese Ent­siche patentierte wickelung der Dinge ist nicht nur von den Großmächten, die diese drohende Blamage in zwölfter Stunde abge­essions­wendet, sondern es ist zugleich auch die für die Wieder­herstellung des Friedens aussichtsreichste Aktion ins Werk alter- Apparat gesetzt worden. Da die Türken vor den Toren Athens ein kleines griechisches Kriegsschiff in den Grund bohr­ten und da Adrianopel sich noch immer behauptet und fene und Feinber. noch über eine ganze Zeitlang ausreichenden Lebens­Orthopädliches mittel verfügt, so sieht man, wie berechtigt die auch von .M., Schillerstr. 5 Deutschland unterstüßte Forderung war, jede Schroffheit Untersuchung und in der Note an die Türket zu vermeiden. Andererseits ng toftealos. ist es nach diesem den Türken günstigen Tatbestande freilich noch zweifelhafter geworden, ob die Regierung auch den wohlwollendsten Ratschlägen der Mächte ent ar in Gießen, prechen und Adrianopel abtreten wird. Wahrscheinlich wird zunächst in London noch eine Sigung der Friedens. fonferenz stattfinden. Die deutschen Börsen waren auf die Besserung der Lage befestigt.

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Die Vernichtung des griechischen Torpedobootszer­ftörers Makedonia" durch den türkischen Kreuzer Medjidje" vor der unweit Athens gelegenen Insel Syra tein starker moralischer Erfolg der türkischen Flotte, der nur dadurch an Wert verliert, daß er so pät z. MOTOREN at fommt. Konstantinopeler Nachrichten lassen auf eine Nachgiebigkeit der Türkei in der Frage Adrianopels schließen.

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Von der Friedenskonferenz. Konstantinopel, 16. Jan. Wie eine Mitteil­ing aus zuberlässiger Quelle wissen will, wird der Broßwefir tamil Pascha das Kabinett heute vor bte absolute Notwendigkeit des Friedensschlusses stellen. tamil erklärte, daß es unmöglich set, unter den gegen­wärtigen Umständen weiter die Negterungsgeschäfte zu führen.

London, 16, Jan. Die Times" meldet aus Ronftantinopel: Die Note der Großmächte wurde deshalb bisher noch nicht überreicht, weil der Botschaf­ter Deutschlands noch keine Instruktionen erhalten habe. In türkischen Kreisen glaubt man, daß die Groß­mächte untereinander noch immer nicht einig sind. Man mißt deshalb türkischerseits der Note nicht die ge­wünschte hs. Staatspreis nichte Feftigkeit bei.

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KO Nachn. Ja. W

Das Glückskind.

Roman von Irene von Hellmuth.

( Nachdruck verboten.)

Ja, wenn er will," entgegnete der Bruder, ge= awungen fann er nicht werden, weil hier ganz genau febt: am Tage der Hochzeit."

" Nun, den Versuch kann ich immerhin machen." " Tue das, mein Kind," fiel Frau Therese ein, hilfts nichts, so schadets nichts. Du kannst ja beifügen, daß Du ohnehin bald Hochzeit halten wirst, und dann so wie so Anspruch auf das Dir zukommende Teil machen

" Hamburgast."

Das werde ich hübsch bleiben lassen. Glaubst Du denn, daß ich damit Böhler eine Freude machen würde? Im Gegenteil, je länger er im Besitze des ganzen Ka­pitals bleiben kann, desto lieber wird es ihm sein."

Betreter

Pfütze, ohne

Hochglanz

ste und seine Deschmutztel

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Agenturen,

Nun, er muß doch aber darauf gefaßt sein, daß Du auch einmal daran denken wirst, Dich zu verheiraten," meinte Therefe.

" Ja, aber mir will es scheinen, als ob Böhler herz­lich froh wäre, daß ich in dem stillen Forsthause so lange aushalte; er war es ja auch, der mich zuerst auf den Ge­danken brachte, hierher zu gehen; jedenfalls hatte er da­bei seine besonderen Gründe; er hat auch noch nie ge­Shrieben, daß ich wiederkommen soll."

" Na, ich glaube, Du hast auch wenig Sehnsucht nach der Stadt und nach Deinem Vormund," lächelte die Sörsterin, und ihr Gatte fiel neckend ein: Jezt schon gar nicht mehr, weil sie einen gefunden hat, der---" Röschen deckte die kleine Hand auf den Mund des Sprechers und schmollte: Du bist wirklich ein Böse­wicht, ich mag Dich nicht mehr leiden!"

Troß dieser Versicherung fühlte sie sich gleich darauf on zwet kräftigen Armen emporgehoben und zärtlich auf den Mund geküßt.

Selbst Waldemar konnte sich bei den Neckereiten der

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Expedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 18. Januar 1913.

Politische Rundschau.

Deutschland.

* Der preußische Gesandte in Darmstadt, Freiherr bon Jentsch, ist als Nachfolger des Staatssekretärs v. Jagow für den Botschafterposten in Rom in Aussicht genommen.

Desterreich.

Wien, 16. Jan. Wie man der Polit. Korresp." aus Konstantinopel schreibt, hat die Anwesenheit der Offiziere und Matrosen des deutschen Kriegsschiffes Boeben" beim jüngsten Selamit auf die Türken einen sehr angenehmen Eindruck gemacht. Entsprechend einem vom Botschafter Freiherrn von Wangenheim ge­äußerten Wunsche hat man den Offizieren und der Mannschaft gestattet, der Feier beizuwohnen. Als der Sultan in feierlichem Zuge erschien, brachten die Deut­schen ein dreimaliges Hurra aus. Der Herrscher, der davon aufs freudigste berührt war, ließ dafür durch den Ersten Adjutanten Salib- Pascha seine lebhafte Be friedigung und seine Grüße übermitteln. Obgleich dem Vorgange feine unmittelbare politische Bedeutung zuge­messen werden kann, wird die deutsche Aufmerksamkeit im Palais und in den Regierungsfreisen doch unter den gegenwärtigen Umständen als eine sehr freundliche Kundgebung gewürdigt.

Rumänien.

Aus Sulina, einem kleinen rumänischen Hafen an der Donaumündung, meldet ein Telegramm, daß von Bukarest die Mobilisterungs- Ordre eingetroffen set. Eine Bestätigung der Meldung bleibt abzuwarten.

Frankreich.

* Der französische Senat wählte mit 221 von 272 Stimmen Dubost zu seinem Präsidenten. Vize­präsident wurden die Senatoren Touron, Ratter, Mau­rice Faure und Savary.

Spanien.

* König Alfons und die Republikaner. Nachdem König Alfons von den Konservativen sozusagen boykottiert worden ist, findet eine Annäherung der Republikaner an den Thron statt. Vor einigen Tagen brachte in Murcia der republikanische Führer Tagen brachte in Murcia der republikanische Führer Alvarez in einer Volksversammlung Hochrufe auf den König aus wegen deffen liberalen Verhaltens und heute erschien der republikanische Führer Azcaraga im fönig­lichen Schloß, wohin er von dem Köntg berufen wor­den war, der ihn über soziale Probleme zu befragen wünschte. In politischen Kreisen wird versichert, daß

beiden eines Lächelns nicht erwehren. Er rüstete jetzt zum Aufbruch, um den Zug nicht zu versäumen.

Der Himmel hatte sich wieder aufgehellt, und so be= schloß er, den Weg zur Station zu Fuß zu machen. Ein Fuhrwerk mußte immer erst drunten im Dörfchen, das am Ausgange des Waldes lag, bei irgend einem Bauern entlehnt werden.

Röschen begleitete den Bruder ein Stück des We­ges. Mit den herzlichsten Worten und der Bitte um baldige Nachricht verabschiedete sie sich dann bei der nächsten Wegscheide.

Die folgenden Tage brachten trübes, regnerisches Wetter, so daß man gezwungen war, im Hause zu bleiben.

So viel Dr. Malljar auch hinter seinem Vorhang nach dem Waldweg hinüber spähen mochte, von der er­sehnten Gestalt war nichts zu sehen. Die Ungeduld trieb ihn durch den regennassen, triefenden Wald, hinauf zum Forsthause. Doch still lag dieses da, als ob es kein le= bendes Wesen enthielte. Nicht einmal die Hühner und Tauben wagten sich heraus, sie hockten eng aneinander geschmiegi unter dem etwas vorspringenden Dach des Stalles.

Mißmutig, das Herz von Sehnsucht geschwellt, kehrte der einsame Wanderer wieder auf demselben Wege heim; etntönig tropfte der Regen von Blatt zu Blatt. Im Giebelzimmer des Forsthauses aber wurde leise ein Fenster geöffnet und ein lächelndes, glückseliges Gesicht beugte sich weit heraus, zwei blaue Augen verfolgten die hohe Gestalt, die zwischen den alten Bäumen in dem hohen, naffen Grase so langfam dahinging, als wäre der schönste Sonnenschein.

Schon eine Woche hielt der Regen an, und noch im­mer vermochte kein Sonnenstrahl durch die dichten Wol­fen zu dringen. Röschen wartete von einem Tag zum andern auf Nachrichten von dem geliebten Bruder und dem Vormund. Endlich traf ein Brief von dem letz­

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

der König entschlossen sei, a II e hervorragenden politi­schen Persönlichkeiten, welcher Partei sie auch angehörten, zu empfangen, um ihre Meinung über die verschiedenen politischen Fragen von allen Gesichtspunkten aus fennen zu lernen. wie reaktionären Kreise befürchten, daß der Rönig eine Linksrichtung einschlägt und die Reaktionären unter Maura abschüttelt. Es herrscht ungeheure Sen. sation.

Serbien.

* Belgrad, 16. Jan. Wie aus Prizrend ge­meldet wird, hat dort gestern um 10 Uhr vormittags die feierliche Hissung der Flagge auf dem österreichisch ungarischen Konsulat statt­gefunden. Kurz vor der anberaumten Zeit hatte eine Abteilung serbischer Truppen unter dem Kommando eines Offiziers vor dem Konsulat Aufstellung genommen. Konsul Prohaska erschien in Bala uniform, umgeben von dem Personal des Konsulats und gab einem Kawaffen das Zeichen zur Hissung der Flagge. In dem Augenblick, als diese aufgezogen wurde, leisteten der kommandierende Offizier und die ausgerückte Mann­schaft unter klingendem Spiele die vorgeschriebene Ehren­bezeugung. Hiermit war die Feier zu Ende. Bald darauf stattete Konsul Prohaska dem serbischen Militär­kommandanten einen Besuch ab.

Der Kohlenreichtum des rechtsrheinisch. westfälischen Industriebezirks.

Im Zusammenhang mit der bom diesjährigen internationalen Geologenfongreß in Kanada beranſtal teten Erhebung über die gesamten Kohlenvorräte der Welt sind auch die im rechtsrheinisch- westfälischen In. dustriebezirk anstehenden Kohlenmengen berechnet worden. Hierfür berichten Bergassessor Kutuk und Dr. Mintrop von der westfälischen Berggewertschaftstasse zu Bochum in einer ausführlichen Abhandlung in der berg- und hüttenmännischen Zeitschrift Glückauf" in Effen- Ruhr vom 4. Januar 1913:

"

Danach sind in dem durch Schachtanlagen aufge. schlossenem Gebiete von 1532 qkm Flächeninhalt nach Abzug der beretts abgebauten Kohlenmengen von rund 2 Milliarden Tonnen bis zu einer Tiefe von 1500 m noch 32 Milliarden t absolut abbauwürdige Kohlen vor­handen; in noch größerer Tiefe lagern außerdem 10 Milliarden t. Durch Bohrungen ist ferner ein Ge­biet von 1728 qkm aufgeschlossen, in dem bis 1500 m Tiefe 27 Milliarden t und darunter noch 45 Milliarden t abbauwürdige Kohlen anstehen. Endlich ist das Vor­kommen der Steinkohle in einem weitern, nur durch vereinzelte Bohrungen aufgeschlossenen Gebiete von min­

teren ein, doch enthielt derselbe nichts Tröstliches. Böh= ler schrieb, daß es ihm gar nicht einfiele, eher einen Pfennig herauszugeben, als er müßte, noch dazu für einen solch leichtsinnigen Menschen, der sich wie ein Gim­pel an der Leimrute fangen ließ. Waldemar solle sich nur selbst aus der Patsche helfen, in die er durch eigene Dummheit geraten war, ein Jeder müsse die Suppe auslöffeln, die er sich eingebrockt.

Auch von Tante Aurelia lag ein Zettel bet des In­halts, daß das Geld ausschließlich für das Mädchen be­stimmt ist, und Röschen sich nicht einfallen lassen möchte, daß davon etwas an Waldemar abgegeben werde. Spä­ter würde Röschen noch dankbar sein für diese Maß­regel; der Junge hätte eben bei seinem Studium bleiben sollen, anstatt solche einfältige Wize" zu machen. Ste hielte es für ihre Pflicht, darauf zu achten, daß das Ka= pital für den Zweck, für welchen es ursprünglich be= stimmt gewesen, auch erhalten bliebe uſw.

,, Armer Bruder," seufzte Rost, nachdem sie zu Ende gelesen ,,, von dieser Seite ist also nichts zu hoffen. Na, wir werden ja sehen, vielleicht geht es besser, als wir denken."

Nicht viel ermutigender lautete Waldemars Schrei­ben. Zwar hatte er nach unsäglicher Mühe die Stelle eines Korrespondenten erhalten, die ihm wenigstens Brot für sich und sein Frau schaffte, auch war es ihm gelungen, einen kleinen Teil der Summe zur Deckung der Wechsel gegen hohe Zinsen aufzutreiben, doch blieb immer noch genug und übergenug übrig.

Die Gläubiger, denen Waldemar alle Umstände seines unverschuldeten Unglücks wahrheitsgemäß dar­gelegt hatte, sahen freilich ein, daß Waldemar unmöglich Deckung schaffen konnte; sie lösten daher thre Wechsel mit ihrem eigenen Gelde etn, aber der Schuldner hatte sich verpflichten müssen, die Summe innerhalb zehn Monaten zurückzuzahlen.

( Fortsetzung folgt.)