Patriotenbunde veranstaltete Wettbewerb zutage förderte, war glüdlicherweise mit diesem Atavismus gründlich aufgeräumt. Die deutsche Baulunst war eben in eine neue Phase ihrer Entwidelung getreten. Die Stilarchiteftur mit ihrem falten und spielerischen Dogmatismus, mit ihrer virtuosenhaften Bewandertheit in allen Mas fen und Kostümen früherer Formentomplexe war schon von dem schaffensträftigen Leben in die Bureaus des staatlichen Bauwesens und in die Ateliers der firchlichen Baukunft zurüdgedrängt worden. Mutig hatten die Rünstler den verstaubten Schatz der Tradition über Bord geworfen und gingen nun daran, aus eigner Kraft für die Jdeale der Zeit in Eisen und Stein die Symbole zu schaffen, die sie brauchten. Das Leipziger Dentmal, wie es heute vor uns steht, ist nicht nur ein Zeichen der Erinnerung an eine heroische Vergangenheit, es ist zugleich eine der gewaltigsten Schöpfungen einer Kunst, die sich die Gegenwart erobert hat und die, wenn nicht alle Zeichen trügen, die Kunst der Zukunft werden muß.
( Schluß folgt.
Der 18. Oktober, der Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig, bringt die große Feier zur Einweihung des gewaltigen Völkerschlachtdenkmals, die unter Teilnahyme einer glänzenden Versammlung aus den Ländern der damals Verbündeten stattfinden wird. Bis in das fleinste deutsche Dorf hinein wird der Widerhall dieser Feier gehört werden. Das Völkerringen bei Leipzig, in dem der korsische Machthaber dem verbündeten Heere erlag, hat der deutschen Volksseele stets als das gewaltigste Drama, als das Herzstück der Völkerbefreiung vorgeschywebt; der Traum der Völkerbeglückung durch die heilige Allianz" hat sich freilich nicht erfüllt. Wir sehen jetzt tiefer in das Wesen der Dinge und in den Willen der Vorsehung hinein. Wir wissen auch, daß auf ben blutgetränkien Gefilden von Leipzig der Grundstein zur späteren deutschen Einheit gelegt worden ist. Viele Stürme brausten noch daher, ehe sich das Bild der geeinten deutschen Stämme, wie es die Leipziger Schlacht schließlich zeigt, auf den Schlachtfeldern des siebziger Krieges erneute. Aber endlich siegte der deutsche Genius. Es ist ein bleibendes Verdienst Kaiser Wilhelms 1. daß er immer wieder den großen geschichtlichen Zusammen= hang zwischen den Kriegen 1813 und 1870 betonte und bie Dankbarkeit für die Taten der Väter in den Befrei ungskriegen den Enkeln ans Herz legte. Kaiser Wilhelm 2. hat dieses Erbe treu gehütet und sich persönlich um die vaterländische Gesinnungspflege bemüht, indem er bei allen wichtigen Gelegenheiten unsere Aufmerksam keit von dem Kleinkampf des Tages auf die großen Fügungen und Völkerschicksale hinlenkte, aus denen uns Lehren erstehen. Sein Beispiel hat Nachahmung gefunden, und nun möchten wir wünschen, daß auch die große Leipziger Feier im wahren Sinne des Wortes deutsch und volkstümlich sich gestalte. Ueber all werden auch kirchliche Feiern am 18. Okto= ber stattfinden.
Für die Feier der Einweihung des Völterschlacht Denkmals in Leipzig ist vom Kgl. sächs. Oberhofmarschallamt jetzt das Programm veröffentlicht worden. Um 10.45 Uhr wird der Kaiser auf dem Leipziger Hauptbahnhof eintreffen, wo ihn der König von Sachsen begrüßen und ein großer militärischer Empfang stattfinden wird. Von dort begeben sich der Kaiser und der König zum Völker= Schlacht- Denkmal, an dessen Eingang sich unterdessen die an der Feier teilnehmenden Fürstlichkeiten und Vertreter der Handelsstädte im Fürstenzelt versammelt haben, empfangen von den Prinzen des Königlichen Hauses. Um 11% Uhr beginnt die Einweihungsfeier mit dem gemeinsamen Gesang:„ Wir treten zum Beten"; es folgt die Weiherede, die Kammerrat Clemens Thieme, Vorsitzender des deutschen Patriotenbundes, sprechen, und der wieder ein gemeinsamer Choral:„ Nun danket alle Gott" folgen wird. Die Fürstlichkeiten begeben sich dann zur Besichtigung ins Innere des Denkmals. Der Denkmalsweihe wird sich eine Feier am Schwarzenbergdenkmal im Park zu Meusdorf und ein Tedeum in der russischen Gedächtniskirche anschließen. Um 2 Uhr findet Frühstücstafel im neuen Rathaus, um 6 Uhr Königliche Tafel im Gewandhaus statt. Gegen 8 Uhr läßt der Kaiser Leipzig; die übrigen Fürstlichkeiten begeben sich mit Begleitung zur Aufführung des Oratoriums„ Aus Deutschlands großer Zeit", das Seyffardt verfaßte, und werden später vom Neuen Theater die Illumination des Augustusplatzes besichtigen.
ver
aus
Gestern nachmittag ist Groß fürst Kyrill Wladimirowitsch von Rußland in Dresden eingetroffen und vom König Friedrich August und der ganzen Generalität in Dresden empfangen worden. Großfürst Kyrill wird bekanntlich als Vertreter des Zaren Nikolaus an der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig teilnehmen. Der König hat dem
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Großfürsten Kyrill den Orden der Rautenkrone verliehen.
In einer der letzten Sigungen des Bundes= rates wurde dem Antrag Sachsens betreffend weitere Prägung von Denkmünzen zur Einweihung des Völferschlachtdenkmals in Leipzig zugestimmt.
Von New York aus sind eine Glüdwunsch= Adresse und ein Fahnenband der deutsch- amerikanischen Turnerschaft für die Feier am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig abgegangen.
Jahrhundertfeier der Völkerschlacht in Gießen.
„ Die 100jährige Wiederkehr, des 18. Oftober 1813, des Tages der siegreichen Völlerschlacht bei Leipzig, wird in allen Gauen des Deutschen Reiches festlich begangen werden. Auch hier, so lautet ein von Oberbürgermeister Mecum veröffentlichter Aufruf in Gießen wird diese große Begebenheit durch ein Fest auf dem Trieb, durch Glockengeläut, Abbrennen von Freudenfeuern 2c. gebührend. gefeiert werden. Freitag und Sonntag, abends, wird im Stadttheater als Festspiel das Kleist'sche Drama„ Die Hermannsschlacht" nebst Prolog gegeben. Ich bitte meine Mitbürger, zur Bekundung der Anteilnahme ihre Häuser am 18. und 19. Oktober möglichst festlich zu schmücken."
In der Hauptsache wird der volkstümliche Charakter des Festes am 19. Oftober auf dem Trieb von den Turn- u. Jugendvereinen und der der Feier in der Turnhalle an der Nordanlage von den Gießener Militärvereinen ausgehen. Ein dem Vernehmen nach mehr von privater Seite angeregter Fackelzug am 18. Oktober soll sich auf Oswalds- Garten formieren und durch die Stadt nach dem Trieb marschieren, wo nach dem allgemein gesungenen Liede„ Lützows wilde Jagd" und Ansprache die Freudenfeuer angezündet wer
den.
Eine der schönsten Nummern der Jahrhundertfeier für ganz Deutschland werden die Eilbo= tenläufe der Deutschen Turnerschaft sein. Von allen Hauptgeschichtspunkten des Deutschen Reiches laufen zusammen mehr denn 40 000 Turner und bringen Urfunden nach dem Völkerschlachtdenkmal. Auch hier durch Gießen geht einer der vielen Läufe( Start Deutsches Ed- Koblenz). Am Freitag vormittag gegen 10 Uhr werden die Boten von Wetzlar kommend hier durcheilen. Jeder Deutsche sollte am 18. Oktober, mittag, wenn von 12 bis 12% Uhr überall die Glocken läuten so hat es auch das hessische Ministerium verfügt
sich still geloben, allezeit einzutreten für Kaiser und Reich, dann ist der 18. Oktober 1913 auch ein rechter National- Feiertag gewesen.
Die Schlacht bei Leipzig.
1813 Der 18. Oktober. 1913 Gewidmet seinem lieben Freiwilligenverband von 70-71. Aus meinen Schulerinnerungen, Kgl. Gymnasium Celle ( Hannover), gesungen am 18. Oftober 1863 zur 50jähr. Gedenkseier. Fritz Behrens, Höxter a. d. Weser. Noten, gern zur Verfügung; danach wäre größtmöglichste
gesungene damalige alte Weise von 1813, auf Wunsch
Verbreitung auch 3 und 4stimmig wünschenswert.
Komponist nicht mehr zu ermitteln. Hört liebe deutsche Jugend an, Was heute hat der Herr getan, Nehmt's wohl zu Ohr und Herzen, Das Land, da Jhr geboren seid, Das Land der Treu und Redlichkeit, War einst ein Land der Schmerzen. Ein fürchterlicher 3wingherr fam, Der uns die liebe Freiheit nahm, Und schlug mit eisernen Ruten, Der Vater mußte frohnen gehn, Der Sohn weit weg, zu Felde stehn, Für unsern Dränger bluten.
Dichter wie
Da sah der Herr vom Himmel drein, Erbarmt sich unsrer Not und Pein, Und fuhr herab im Wetter,
Held Blücher und Held Schwarzenberg, Von Gott ersehn zum großen Werk, Die wurden Deutschlands Retter.
Bei Leipzig in der Völkerschlacht, Da ward dem Feind Garaus gemacht, Wir schlugen ihn zu Boden,
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Und Fürst und Volt fiel auf die Knie, Gott hat's getan, so riefen sie, Und schöpften wieder Odem.
Drum wer ein Deutscher heißen mag, Halt im Gedächtnis diesen Tag, Auf ewge, ewge Zeiten,
Und kommt ein Feind, gebt euch die Hand, Laßt uns für liebe Vaterland,
Wie die bei Leipzig streiten.
Politische Rundschau.
Deutschland.
Der Kaiser besichtigte gestern in Trier neue Moselbrüde, den alten Kaiserpalast, den Dom die Liebfrauenkirche, frühſtüdte im Offiziertafino und fa den Freiübungen der Gymnasiasten und Jugendverein zu. Später fuhr der Kaiser nach Liefer und übe nachtete dort im Schloß des Freiherrn von Schorlem mer. Heute erfolgte die Weiterfahrt nach Da un un Geroldstein.
Berlin. Der Kaiser hat dem Direktor d heimen Obermedizinalrat Professor Gaffkn, die na Institutes für Infektionskrankheiten Robert Koch", 6 gesuchte Entlassung aus dem Staatsdienste m Pension erteilt und zugleich den Charakter eines Wi Geh. Obermedizinalrates mit dem Range der Räte Klasse unter Ernennung zum ordentlichen Ehren mitglied des Instituts für Infektionsfrantheit „ Robert Koch" verliehen.
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* Gegenwärtig beschäftigt sich der Bundes rat mit dem Beschluß des Reichstages auf Erlaß ein Preis No Verbotes der Errichtung von Familienfide fommissen.
::: Die Kommission zur Prüfung der Be Orient hältnisse im Vi eh- und Fleischhandel ist 28. d. Mts. zu einer Sitzung eingeladen.
Desterreich.
* Dem amtlichen Communiquee über die Erhö ung des österreichischen Refruten- Kontingents zufol wird die Erhöhung um 31 300 Mann festgesetzt. D von entfallen auf das Landheer 16 000, die Kriegsma rine 1500, die österreichische Landwehr 7800 und ungarische Landwehr 6000.
Yenidz Hoflief
halten und Bei der Reichsrats- Stichwahl im zweiten Woaltuellen ner Bezirk wurde Mataja( Christlich- Sozial) mit 90 el en. Stimmen gewählt. Der Sozialdemokrat Eldersch erhi 8455 Stimmen.
s Dar m. 9.40 Uh
• Der österreichische Ministerrat hat den Bau ven hat dam vier Dreadnoughts und einiger, fleiner Krew beschlossen. Die Kosten belaufen sich auf 450 Million Kronen. Nach den amtlichen Feststellungen betragen h Kosten für die vorübergehende Mobilisation Nord- und Südgrenze 350 Millionen Kronen.
Griechenland.
an
* König Konstantin reiste anfangs die Woche mit einem Teil seines Stabes nach Saloniti of
Rumänien.
* Der rumänische Ministerrat faßte Beschluß, die Großmächte zu bitten, gemeinsam in A und Konstantinopel dahin vorstellig zu werden, ein neuer Krieg auf dem Ballan unter allen ständen zu vermeiden sei. Die Angelegenheit möglichst so beschleunigt werden, daß die Intervent der Mächte noch in dieser Woche erfolgen fönnte.
Hus Stadt und Land.
Der Großherzog hat der ordentlic Professor an der Universität Marburg, Dr. A. Ka fleisch, zum ordentlichen Professor in der philofo schen Fakultät der Landesuniversität Gießen
nannt.
n Gießen. Puppchen", diese jetzt allerwärts spielte große Posse, hat im hiesigen Stadtthea eine ganz vorzügliche Besetzung der einzelnen Roller funden und die einzelnen Spieler wissen in deze Weise Witz und Humor in das Stüd hineinzulegen daß man den Besuch dieser Aufführung nur empfe fann. Man fann allgemein nur wünschen, daß Theater immer recht fleißig besucht wird, damit gute Stücke aufzuführen der Theaterdirektion erleic wird.
n Gießen. Ein besonders interessanter tragsabend steht uns in der nächsten Woche bevol weit über die Grenzen Desterreichs und Deutschlands rühmte Kriegsberichterstatter Eugen Reichsfreiherr Binder Krieglstein hat sich entschlossen, seinen von gesamten deutschen Presse aller Parteirichtungen außergewöhnlicher Wärme besprochenen Vortrag Schreden des Krieges" auch in unserer
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