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Bezugspreis 25 pig. monatlich

( Neueste Nachrichten)

vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Redaktion: Selters­Mittwochs und Samstags. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Telephon: Nr. 362.

Die Cumberlands beim Kaifer.

Am Donnerstag ist Homburg v. d. H., das sonst r. Warned so freundliche Taunusbad, das Schauspiel einer Für tenbegegnung geworden, die man ohne Uebertreibung als Martstein in der Geschichte des neuen Deutschen Reiches ansprechen darf. Der Herzog von Cumberland hatte sich jeden großen offiziellen Empfang verbeten. Gegen 11 Uhr 40 Minuten fuhren der Kaiser, die Kaiserin, Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Adalbert am Bahnhof vor. Als der Sonderzug sichtbar wurde, rkopp u. Opeschritt der Kaiser vor und erwartete dicht an den Ge­dustrie, leiſen das Einlaufen des Zuges.

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Erpedition: Seltersweg 83.

Samstag, den 12. April 1913.

Gegen ½ 4 Uhr wurde ein Ausflug zur Saalburg unternommen. Im ersten Automobil saßen der Kaiser und der Herzog von Cumberland, die inzwischen die Uniform mit dem bequemen Jägerrock vertauscht hatten. Im zweiten Wagen folgten die Kaiſerin und die Her 30gin mit dem Brautpaar. Jm Saalburg- Museum überreichte der Kaiser dem Herzog einen Spazierſtock, der aus dem 2000 Jahre alten Eichenholz gefertigt ist, das man dort oben auf der Saalburg in den alten Brunnenschächten der Römer gefunden hat. Der schwarze Stod ist mit Silber beschlagen und trägt das Wort Saalburg" in eingehauenen Silberstiften an seiner Holz krücke. Nach der Besichtigung nahmen das Kaiserpaar mit seinen Gästen den Tee im Saalburgrestaurant ein und trafen kurz vor 17 Uhr wieder im Homburger Schlosse ein.

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Der Kaiser verlieh dem Herzog v. Cum berland den Schwarzen Adler- Orden, der Herzogin von Cumberland den Luisenorden mit der Jahreszahl 1813-1814.

Zunächst entstieg dem Zuge die Herzogin Thyra von Cumberland. Sie begrüßte die inzwischen 00000mit der Prinzessin Viktoria Luise auf den Bahnsteig hinaus getretene Kaiserin sehr herzlich durch Um­Earmung und wiederholte Küsse. Auch der Kaiser tauschte Plockstr, 5mit der Herzogin den Wangenfuß. Nun stand die hohe Cafe Metropol Gestalt des Herzogs Ernst August in der österreichischen Zähne in Generals uniform vor ihm. Der Herzog hatte die Kai­Brücken- ferin herzlich durch Handschlag und Kuß begrüßt. Kai­-u. Porzellan ser Wilhelm 2. und Herzog Ernst August schauen sich nziehen einen Augenblick als Männer ins Auge. Dann reichen g Billige Preie sich die Hand. Dieser große Augenblick währte Se­on 10 bis 1 Uh, hunden, aber welche Gedanken mögen diese beiden Män- Vom Balkankrieg.

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von 2 bis 5 Uhr ner bewegt haben, die sich so lange Jahre als Gegner aus dem Wege gingen? Nochmals schütteln sie sich hie Hand, schauen sich ins Antlitz, und dann erst fin­det der Mund einige Begrüßungsworte...

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Die Prinzessin Viktoria Luise, wie alle Damen in Schwarz, begrüßt ihre Schwiegereltern, die sie ja gestern bereits in Frankfurt a. M. gesehen, wiederum

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mit natürlicher Herzlichkeit; ihre Gestalt strahlt Glück und Jugend aus. Dann werden die Gefolge vorge Das Prinzenpaar Max von Baden und der Brinz Ernst August, Herzog zu Braunschweig und Lü­heburg, hielten sich mehr im Hintergrunde. Der Prinz trug die Uniform der Zietenhusaren. Sehr lebhaft sprach Prinzessin Viktoria Luise mit ihrer zukünftigen Schwie­germutter, der Herzogin Thyra, und gesellte sich dann ju ihrer Schwägerin, der Prinzessin Olga. So war is 11 Uhr bereits durch, als das Kaiserpaar mit sei­nen Gästen den Bahnsteig verließ. Die Kaiserin reichte der Herzogin Thyra den Arm, dann schritt Prinzessin Viktoria Luise mit der Prinzessin Olga durch das Fürstenzimmer, während der Kaiser mit dem Herzog zur Rechten den Bahnsteig verließ.

Im Schloß fand Tafel im engsten Familienkreise tatt, bei der der Kaiser und der Herzog von Cumber­and fich einander zutranken.

Die Nachbarn vom Heideland.

Roman von Ludwig Blümce.

12) ( Nachdruck verboten.) Hans hatte sich bald wieder gefaßt und sagte ruhig und fest:

" Hermine, ich tue das für unsern armen Nachbarn. Du fannst Dir natürlich nicht denken, in welcher Not der ist. Morgen komme ich zu Euch, so gegen Abend. Dann werde ich Dir alles erklären und offen mit Deinen Eltern reden."

" So, so! das ist nett! Also morgen gegen Abend wirst Du ein Viertelstündchen Zeit übrig haben für Deine Braut, die Dir etwas Nebensächliches zu sein scheint! Uebrigens tomme ich lediglich, um Dich zu bitten, die freche Person Stine Lorenzen aus Eurem Hause zu entfernen. Gehe ich da zu Euch, um zu sehen, wie es um Deinen Vater steht, weist sie mir einfach die Türe, die Unverschämte."

Was Stine?- Das kann nicht sein!"

-

" Wenn Du mir nicht glaubst, ja, dann ist das traurig."

" Die gute, sanfte Stine, das verstehe ich nicht!" Nun, es ist Tatsache! Ob das dumme Ding etwa effersüchtig ist, weiß ich nicht. Aber ich habe es eilig. Will Dich bei Deinem christlichen Werk nicht länger ftören."

1997

Ewald tam näher, vielleicht war das der Grund, weshalb fie so schnell wieder verschwand.

Ihm hatte Hans alles erzählt, und er hatte nur ge­fagt: Gebe Gott Euch seinen Segen!" Aber daß er nicht glaubte, dieser Bund könnte zu Glück und Segen führen, das stand nur zu sichtbar auf seinem ehrlichen Gesicht geschrieben. A13 Hans am nächsten Abend in der Gastw Gastwirtschaft erichten, da empfing ihn seine zukünftige Schwieger­mutter mit übertriebener Liebenswürdigkett, und Ma­

* Zur Entrevue von Homburg traf auch der Reichskanzler von Bethmann Hollweg dort

ein.

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Friedensverhandlungen.

Konstantinopel. Seit einer Woche ist bei Tschataldscha alles ruhig. Die türkischen Truppen haben noch ihre Stellurigen westlich von Tschekmedge inne. Die Bulgaren haben bereits verschiedentliche Versuche unternommen, sie daraus zu vertreiben.

Die bulgarische Regierung soll nach wie vor den Besitz Salonitis verlangen und zur Erreich­ung dieses Zweckes 10 000 Mann von den Belager=

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 362.

25. Jahrg.

ungstruppen von Adrianopel nach Kawalla östlich von Saloniti entsandt haben. Aber auch die griechische Regierung will auf Saloniki nicht verzichten und hat soeben die Entsendung von drei neuen Divisionen nach Saloniki beschlossen.

Die neueste Note, die die Mächte den Balkanstaa= ten in Erwiderung ihrer Vorschläge für die Grundlage der Mediation überreichen werden, hat folgenden Wort­laut:

1. Die Mächte sind einverstanden, die gerade Linie Enos- Midia als Grundlage für die Ver­handlungen über die neue türkisch bulgarische Grenze anzunehmen.

2. Die Entscheidung des Schicksals der äg äi- schen Inseln, deren Mehrzahl Griechenland zufallen soll, wird den Mächten überlassen.

3. Die Kriegsentschädigungsfrage wird zusammen mit allen aus dem Kriege hervorgehenden finanziellen Fragen in der Finanzkommission in Paris erörtert.

4. Betreffend Albaniens wird erklärt, daß die Nord- und Nordostgrenze von den Mächten, die auch über den übrigen Teil der Grenze beraten werden, be= reits bestimmt ist.

König Nikita von Montenegro soll dem Ge­sandten Desterreich- Ungarns in Cetinje bereits zweimal auseinandergesetzt haben, wenn Montenegro durch seine Abdankung Serbien zufalle, so habe dieses allen Bemühungen der Großmächte, besonders Dester= reich- Ungarns, zum Trotz nicht nur ein schönes Küsten= gebiet an der Adria, sondern auch zwei Hafenplätze, und welche Rolle dieses vergrößerte Serbien dann ſpie­len werde, das lasse sich jetzt nicht weiter bestimmen.

Es ist ein Kompensationshandel mit Montenegro eingetreten, wonach die Mächte gleich wie den anderen Balkanstaaten auch Montenegro nach dem Friedensschluß Anlehen gewähren würden, je­doch müßte Montenegro den strikten Nachweis liefern,

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thiesen selber hatte wenigstens ein paar freundliche Worte für ihn, lud ihn auch zu einem Glase Wein ein. Wo er heute wieder schmuck ausschaute, wenn er auch nicht gerade seine feinste Uniform anhatte, da war Her= mine versöhnlich gestimmt, vergaß schnell allen Groll und benahi. sich geradezu albern in ihrer Verliebtheit.

Vorsichtig und recht diplomatisch suchte Hans seinen Schwiegervater in spe für Lorenzens Notlage zu inter­essteren, um ihn womöglich zu einer tatkräftigen Hilfeleistung zu bewegen. Umsonst! In Geldsachen war Mathiesen sehr vorsichtig. Er erklärte denn ziem= lich unverblümt, daß sein ganzes Vermögen noch auf Jahre hinaus fest und unkindbar angelegt wäre. Nur über soviel, wie Hermine zu einer anständigen Mit­gift brauchte, wäre zu verfügen. Das aber anzu­greifen, hielte er für eine Sünde gegen sein Kind.

Stine wegen hatte Hans während der nächsten Tage noch manche Differenz mit seiner Braut. Aber er blieb fest darin, daß dieselbe unentbehrlich auf dem Eichhof sei und verteidigte sie auf das entschiedenste gegen Herminens Vorwürfe.

Die gab sich schließlich zufrieden, wie er ihr auf ſein Wort versichert, daß er Stine Lorenzen nicht etwa auch liebe, daß ihm dieselbe nur so etwas wie eine treue Schwester wäre.

Als der Eichhofer erfuhr, daß sein Sohn sich mit des reichen Mathiesen Tochter verlobt, da tam ein Gefühl der Beruhigung über ihn, und er gab Hans seinen Segen von Herzen, denn ihm waren von Hermine ja nur gute Eigenschaften bekannt.

Durch diese Heirat wird der Eichhof zu Glanz und Ansehen kommen!" sagte er glückstrahlend. Der Meinung waren alle Arendruper. Am letten Sonntag von Hans Hinrichsens Urlaub wurde die Verlobung mtb großem Aufwand gefeiert. Der alte Hinrichsen hatte sich soweit erholt, daß er doch we­nigstens das Bett verlassen und Anordnungen in der

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Wirtschaft treffen konnte. Doftor Schröder war de noch immer recht besorgt um ihn.

" Da ist ein Defekt am Gehirn zurückgeblieben" sagte er mit Bestimmtheit, während die andern des Eich hofers auffallender Gedächtnisschwäche und zeitweiser Gedankenlosigkeit weiter feine Bedeutung beimaßen Das würde bald von selber gut werden, meinten sie.

V. Entdeckungen.

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Hans Hinrichsen de auf seines Vaters Rekla mation hin zum Herbst als Unteroffizier auf Königs. Urlaub" zur Reserve entlassen.

Heute, an einem regnerischen Oktobertage, erwar tete man ihn sehnsüchtig auf dem Eichhof.- Auch Her. mine hatte sich dort eingefunden. Vor den Augen tal fie in lezter Zeit, weil sie es so für das beste hielt, mil Stine freundschaftlich, im Grunde ihres Herzens abei haßte sie dieselbe nach wie vor tödlich.

Der Moorhof war neu aufgebaut, einfach, aber so. lide und zweckmäßig. Seit zwet Monaten bewohnten thn Lorenzens wieder. Nur Stine blieb auf dem Eich hof, da Frau Ohlsen öfters an der Gicht litt und Hin richsens Anfälle von Gedächtnisschwäche immer häuft ger wurden. Es kam vor, daß er zu solchen Zeiten Tor heiten beging, die ihn hinterher bitter gereuten. De faufte er, troßdem ihm das Geld so sehr knapp war Sachen, die er später für ganz überflüssig hielt, macht schlechte Geschäfte und ließ sich betrügen. Oft genug wat Stine rechtzeitig dazwischen getreten und hatte derarti ges vereitelt. Dafür wußte er ihr nachher vielen Dank trob threr Jugend das klügste Weib

Ohne fie die ihm frog tau fein jien, mochte er nich

mehr setn. Wie eine Tochter Itebte er fle, so daß Nach bar Lorenzen fast eifersüchtig wurde. ( Fortsetzung folgt.)