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Gießener Zeitung

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Bezugspreis 25 pfg. monatlich

( Neneste Nachrichten)

vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg.- Erscheint Mittwochs und Samstags.- Nedaktion: Selters­weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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Nr. 21.

Telephon: Nr. 362.

Die neue Militärvorlage.

11. ber den Inhalt der neuen Militärvorlage weiß Berl. Lok.- Anz." auf Grind besonderer Informa­

Expedition: Seltersweg 83.

Mittwoch, den 12. März 1913. während das Pionterwesen auch um ein halbes Dugend neuer Kompagnien vermehrt werden soll.

Nebenher muß natürlich auch das Unterrichtswesen seine Ergänzung finden: sämtliche militärischen Unter. richtsanstalten werden vermehrt werden. Um schon rechtzeitig die nötigen Offiziersstellen besetzen zu können, wird eine Beschleunigung der Ausbildung der Kadetten und Fähnriche eintreten. Alles in allem fann man sagen, daß die Offiziere mit einem starten Avancementsschub rechnen können, denn um nicht im Kriegsfalle die Befehlsverhältnisse in der aktiven Truppe zu zerreißen, werden eine Reihe höherer Offiziersstellen für die Reserbeformationen jeẞt schon gefordert werden.

-rwaltung Gieße tionen folgendes mitzuteilen: Die gesamte Vermehrung wird 68000 Köpfe jährli betragen, innerhalb zweier Jahre 4000 Offt: ziere, 15000 Unteroffiziere und 117000 Mann, was un­gefähr 1.018 Proz. der Bevölkerung gleich kommt. Aus diesen Vinnnschaften werden zunächst einmal die 18 In­fanterie- Regimenter, die nur zwei Bataillone haben, ihr drittes Bataillon erhalten; außerdem werden durchweg die Kompagnien verstärkt werden, die­jenigen der Grenzforps ſollen jogar auf einen höheren Etat gebracht werden. Neue Infanterieregimenter wer­den nicht gebildet, wohl aber werden die übrigen Truppen: rung erheblicher Mittel für Zwecke unserer Luftflotte feſt.

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häftsbericht über das laufene Vereinsjahr. wahl des Vorstandes

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pro Blatt lose M. 2 Glas M. 5.-. franko!

aattungen neue Kontingente echalten. Se bestätigt es sich, daß sechs neue Kavallerieregimenter Der Vorstand werden angefordert werden, die in der Hauptsache den Grenzforps zugetei t werden. Den dringenden Wünschen, unferer Feld artillerie die nötige Bespannung zu geben, wird auch nachgegeben werden: fast 30 000 Pferde werden berlangt, so daß fünftig jede Batterie auch zu Friedensübungen schon mit sechs Geschüßen und einigen Munitionswagen ausrücken fann. Dem Ver­langen, daueind Kavalleriedivisionen zu formieren, hat man nicht nachgeben fönnen, man begnügt sich mit der Forderung des Kommandeurs, se nes Adjutanten und Generalstabsoffiziers. Auch ist eine Vermehrung der llebungen von Stavalleriedivisionen in Aussicht genommen. Vor allem erfolgt ein stärkerer Grenzschutz im Often ein Teil der einmaligen Ausgaben wird bekanntlich zur Verstärkung unserer Festungen der­wendet; dementsprechend müssen unsere Festungs­anlagen auch mit ausreichendec schwerer Artillerie ber­sehen werden. Die Vorlage sieht die Bildung eines halben Dutzend neuer Fußartilleriebataillone vor, denen auch selbständige Maschinengewehr abteilungen zugete It werden sollen. Man wird in der Annahme nicht fehlgehen, daß für die schwere Artillerie des Feldheeres ebenfalls eine Vermeh­rung der Bespannungsabteilungen borge­sehen ist. Die Zahl der Scheinwerferfompagnien, die die Vorlage bringt, wird ebenfalls erheblich sein, auch die Lücken unseres Trains werden durch Aufstellung mehrerer neuer Formationen ausgefüllt werden. Selbst verständlich muß mit all diefem auch eine weitere Ber­mehrung der technischen Truppen Hand in Hand geh'n. Heliograph und Funkentelegraphie nehmen jetzt so viel Kräfte in Anspruch, daß mit den bestehenden fünf Telegraphenbataillon e längst nicht mehr auszukommen ist, diese sollen fast verdoppelt werden,

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Die Nachbarn vom Heideland.

Roman von Ludwig Blümce. 2) ( Nachdruck verboten.) Heinrichsen schaute das Leben anders an als sein vergrämter Nachbar, der gar zu viel um den morgenden Tag sorgte, und immer wieder sagte: Wenn das Moor nun erschöpft ist, wenn es mir keinen Torf mehr liefert, wenn das Korn mir verhagelt, daß ich die Zinsen nicht pünktlich zusammenbekomme, was wird dann werden?"

Ganz anders der Riese vom Eichhof: der schaute mit scinen fünfzig Jahren noch wie ein Jüngling in die Welt, dem der Himmel noch voller Geigen hängt. Viel Schweres hat er durchlebt, Schwereres noch als der Nach­bar, aber seine Kraft war ungebrochen, sein Mut unge­beugt. Solange ich noch schaffen kann, habe ich mein Glück in der Hand, und Gott verläßt keinen Deutschen!" pflegte er zu sagen.

Holla, wird das ein Leben werden zu Pfingsten," sprach er jetzt, nachdem er allen die Hand gedrückt. Mein alan kommt auf Urlaub, der Hans hat heute geschrieben."

" Das ist ja herrlich!" riefen Stine und Ewald wie aus einem Munde. Wird auch mal Zeit; im Herbſt wars schon ein Jahr, daß er fortzog," meinte Lorenzen in seiner langsamen Art und steckte die Pfeife wieder in Brand. Schnell wie ein Wiesel hüpfte Stine davon, am dem Gast einen Labetrunk zu kredenzen. Ihre Wan­gen glühten, und eine Unruhe erfüllte sie, die sie sich gar richt erklären konnte.- Fast wäre der Krug mit dem schäumenden, selber gebrauten Bier ihren Händen ent­glitten. Glühst ja wie eine Pfingstrose, Mädel," sagte Hinrichsen, ihr die Backen klopfend und sie wohlgefällig anschauend mit seinen durchdringenden Augen. Ist ein großartiges Gebräu, Dein Hausbier! Soll Dir übri­

gens noch extra einen Gruß von meinem Jungen be­stellen." Ein Glück, daß in diesem Augenblick ein

Daneben hält man selbstverständlich an der Forde­

Vom Balkan.

* Konstantinopel. Der türkische Botschafter ilmi Pascha meldet aus Wien, die österreichische Regierung habe auf Bitten der Pforte die Entsen= dung von Waffen und Munition nach Alba­nten zugesagt und den Albanesen jede Hilfe in Aus­ficht gestellt.

*

Die Balkanverbündeten geraten hintereinander.

* Die zweite Kriegsperiode hat das Ansehen Bul­gariens innerhalb des Balkanbundes geschmälert und Die Ansprüche der Bundesgenossen zu Ungunsten Bul­gariens erhöht. Am bezeichnendsten ist das Verfahren der Serbien gegen die Bulgaren in Monastir. Nicht in den kühnsten Träumen hatten die Serben vor dem Kriege sich geschmeichelt, daß Monaftir ihnen zufallen würde. Nun haben sie es und geben es nicht mehr her. Wenn über furz oder lang alles geordnet sein wird, wenn man die neuen Grenzen bestimmt haben wird, wer wird dann zufrieden sein auf der Balkaninsel mit dem neuen Stand der Dinge? Niemand.

Politische Rundschau.

Die Hundertjahrfeier in Berlin.

Die Feier des 10. März litt in Berlin sehr unter der außerordentlichen Ungunst des Wetters. Am Mon­tag traten furz bor 11 Uhr die städtischen Behör­den einen feierlichen Kirchgang vom Rathause nach der Kirche von St. Nikolat an, wo Festgottesdienst war.

Ungefähr zur selben Zeit begann in Anwesenheit des Kaisers und der föniglichen Pcinzen der Fest­gottesdienst im Berliner Dom. Nechts und links

Zweig des Apfelbaums, der besonders voller Blüten saß, die Aufmerksamkeit des Nachbarn auf sich lenkte. So entging ihm des Mädchens Verlegenheit.

,, Machte heute auch die Bekanntschaft des neuen Müllers, oder Mühlengutsbesitzers, wie er sich nennt," fuhr Hinrichsen fort, nachdem er sein Glas mit einem 3uge geleert. Der Mann paßt schlecht unter uns, ist viel zu frei, so ein echter Kopenhagener ists. Harald Thorö heißt er. Scheint schwer reich zu sein. Gefällt mir übrigens nicht. Hat so etwas Verstecktes in seinem Wesen, kann einem nicht lange in die Augen schauen." Der neue Besitzer der Arendruper Windmühle und des dazu gehörigen, beträchtlichen Grundstückes bildete für eine geschlagene Stunde das Gespräch der Nachbarn. Neues passierte eben so selten, daß man es immer nach allen Seiten hin zu beleuchten pflegte. Da dem Müller auch die Jagd auf den beiden Nachbarhöfen gehörte, so glaubte man, ihm schon aus diesem Grunde freundschaft­lich begegnen zu mitssen.-

Die einzelnen Höfe der Gemeinde Arendrup lagen weit getrennt voneinander, fast alle im unfruchtbaren Heideland. Außer dem Besitztum des Müllers, zu dem auch einige Tonnen Wald gehörten, der an den könig­lichen Forst grenzte, zeichnete sich vor den meist ganz fleinen Höfen nur noch durch ein gewisses herrschaft­liches Gepräge der des Gastwirts Mathiesen aus, der schon einen Teil Marschwiesenland und guten Weizen­boden mit umfaßte.- Vom Giebelfenster des geräumi­gen, mit einer großen Einfahrt versehenen Gasthauses sah man die Nordsee wie ein breites, silbernes Band im Westen und mehr als ein Dußend Kirchtürme rings­herum in der Ebene.- An diesem Fenster saß heute, am Samstag vor Pfingsten, ein großes, kräftiges Mäd= chen mit vollem, blondem Haare, das in zwei dicken Flech­ten um den zierlichen Kopf geschlungen war und sich zu dem frischen, schönen Gesicht nicht übel ausnahm. Her=

( Gießener Tageblatt)

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Telephon Nr. 362. 25. Jahrg.

bom Altar hatten Regimentsabordnungen mit Fahnen Aufstellung genommen. Die Feldzeichen waren sämt­lich mit frischem Lorbeer geschmückt. Im Anschluß hieran fand am Denkmal Friedrich Wilhelms III. im& ust= garten eine Gedächtnisfeier statt, bei der der Kaiser einen dem Gedenktage entsprechenden Tages­befehl an die versammelten Regimenter der Berliner Garnisonen bekannt gab. Nach einem historischen Rüd­blick, in dem der Freiheitshelden gedacht wird, heißt es in dem Tagesbefehl:

Uns, dem jetzt lebenden Geschlecht, rufen die Hel­dentaten ruhmreicher Vorfahren eindringlich die ernste Mahnung zu, das Dichterwort zu beherzigen und wahrzumachen: ,, Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu befizen!" Dann werden auch wir mit freudigem, zuversichtlichen Herzen in den Kampf gehen, falls es einmal gelten solte, das mit so teurem Blut Ecrungene zu wahren. Deutsch­lands Ehre zu schirmen gegen den der fie anzutaften wagt! Dafür muß aber jeder an seiner Stelle dafür sorgen, daß die Armee ihre Devise nicht nur äußer­lich, sondern vor allem im Herzen trägt. Gottes­furcht, Königstreue, Vaterlandsliebe in der Voll­fommenheit, wie sie in den großen Zeiten bewiesen ist, müssen das Heer unüberwindlich machen Der Sieg aber fommt von Gott. Darum gelte für uns und immerdar der Wahlspruch der Helden der Be­freiungskriege: Gott mit uns!

An die Gedächtnisfeier schloß sich eine Parade an, die der Kaiser abnahm. In seiner Begleitung befand sich auch der Kronprinz.

An den Denkmälern der Königin Luise und des Königs Friedrich Wilhelm III. auf der Luiseninsel, die im herrlichsten Frühlingsschmuck prangten, erschien um 81 Uhr der Kaiser und legte an beiden Denkmälern riesige Lorbeerfränze mit weißen Schleifen nieder.

Gnadengeschenk des Kaisers an die schlesische Jugend. Der ,, Reichsanzeiger" beröffent­licht anläßlich der Jahrhundertfeier der Echebung Preu­Bens einen faiserlichen Eclaß, durch den den nationalen Jugendbereinen Schlesiens 10 000 Mark als Gnadenge­schenf zur Nußbarmachung einiger alter Befestigungen der ehemaligen Festung Spigberg überwiesen werden sollen.

::: München. Die Bayerische Staatszeitung" schreibt: Nach dem Willen des Prinzregenten soll das Jahrhundertgedächtnis auch in Bayern würdig begangen werden. Der Prinzregent hat daher während seiner Anwesenheit den Kaiser eingeladen, an der patriotischen Feier teilzunehmen, die auf Anordnung des Prinzregenten am 25. August ds. Js. In der Be­

mine Mathiesen, des Arendruper Gastwirts einzige Loch­ter, war diese ländliche Schönheit. Emsig arbeitete ihre geschickte Hand an dem Spizenbesatz einer rotsetdenen Bluse, die sie morgen zu tragen gedachte, um den jun­gen Herren und den neiderfüllten übrigen Dorfschönen einmal wieder eine Ueberraschung zu bereiten. Denn die Bluse stand ihr ganz großartig, sie sah nach ihrer und ihrer Mutter Meinung wie eine wirkliche Prinzessin darin aus. Nun schaute sie auf.- ,, Ha, da blitt eine Uniform!" ruft sie aus. Sollte das Hinrichsens Hans, der Ulan sein? Den muß ich mir genauer ansehen!" Damit legte sie die Bluse beiseite und huschte behende nach unten, in den Garten, an dem die Landstraße vor­überführte. In aller Eile warf sie vorher noch einen Blick in den Spiegel, strich ein paar wirre Haare aus der Stirn, zupfte an der weißen Schürze und faßte dann Posto hinter der Kastanie am grüngestrichenen Stafeten­zaun.

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Der Hans war ein schmucker Kerl geworden bei den Preußen, fürwahr! Hatte sie in ihm früher weiter nichts gesehen als einen armseligen, hochaufgeschossenen Bauernjungen, tief unter ihr stehend, so war jetzt ihr leicht entzündliches Herz auf den ersten Blick Feuer und Flamme für ihn. Fast so groß wie sein Vater, aber schlank und elegant in der tadellosen Extrauniform, den blonden Schnurrbart hochaufgesetzt, das gebräunte, in der Tat schöne Gesicht mit denselben blizenden Augen voll tühnen Wagemuts, wie sie der Vater besaß, so mußte der Ulan selbst einem verwöhnten Mädchenherzen gefallen.-

,, Willkommen in der Heimat!" rief Hermine dem schmücken Kriegsmann zu, ihm die Hand über den Zaun entgegenstreckend. Ist nett, daß Du uns hier in Aren­drup nicht ganz und gar vergessen hast. Ich glaube das fast."

( Fortsetzung folgt.)